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Dystonie: Definition, Ursachen, Symptome & Behandlung

Haben Sie schon einmal etwas von Dystonie gehört, einer Krankheit, bei der die Körperteile einfach tun, was sie wollen? Hier mehr dazu. (Foto: Syda Productions - Adobe Stock)

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Haben Sie schon einmal etwas von Dystonie gehört, einer unheimlichen Krankheit, bei der die Körperteile einfach tun, was sie wollen? Dabei leiden Betroffene unter Krämpfen und ganz bizarren Verrenkungen. Eine Bewegungsstörung, die nicht nur enorm anstrengend, sondern auch beängstigend ist.

Suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie ein unwillkürliches Krampfen und Zucken bei sich beobachten. Testverfahren schließen andere mögliche Ursachen wie die Parkinsonsche Krankheit aus, bevor man Behandlungsmöglichkeiten einer fokalen Dystonie erwägt.

Definition und Symptome: Was ist Dystonie?

Bei der Dystonie handelt es sich um eine Bewegungsstörung. Falsche Nervensignale führen zu einem Eigenleben der Körperteile, ohne dass Sie darauf Einfluss nehmen könnten. Denn es kommt zu ungewollten Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen. Die Muskeln spannen sich unwillkürlich an.

Wenn Sie an der Bewegungsstörung Dystonie leiden, dann haben Sie das Gefühl, dass Sie ständig mit Ihrem eigenen Körper kämpfen. Bei dieser Erkrankung kommt es zu ungewollten Kontraktionen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.

Es sind davon unterschiedliche Körperteile betroffen; bei dem einen Betroffenen sind es die Augen, bei dem anderen die Finger oder der Hals. Dann bekommen die Lider Krämpfe (Blepharospasmus), der Hals verdreht sich oder die Finger bringen nur noch eine Krakelschrift zustande.

Sind zum Beispiel die Kiefermuskeln betroffen, treten schon bei so einfachen Tätigkeiten wie Zähneputzen Schwierigkeiten auf, denn die Muskelkrämpfe verhindern, dass Sie Ihren Mund öffnen können.

Eine Behandlung der Störung bei Erwachsenen bedarf immer einer individuellen Abstimmung. Häufig kommen jedoch lokale Injektionen mit Botulinumtoxin (Botox) zum Einsatz oder eine tiefe Hirnstimulation. Manchmal versucht man auch mittels operativer Eingriffe Abhilfe zu schaffen.

Ursachen und Arten von Dystonien

Bislang kennen die Ärzte die genaue Ursache dieser Erkrankung nicht. Es ist jedoch bekannt, dass sie häufig Personen betrifft, die bedingt durch Beruf oder Hobby dauerhaft eine abnorme Körperhaltung einnehmen (z. B. Musiker oder Sportler).

Einige Erkrankungsformen sind an bestimmte Aufgaben gebunden wie Geigenspiel, Schreiben oder Einlochen beim Golfen.

Man nimmt an, dass Dystonien auf Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Nervenzellen im Gehirn zurück zu führen sind, die sich im Zentralhirn befinden und als Basalganglien bezeichnet werden. Diese Gehirnregion ist für die Steuerung der Muskelkontraktionen verantwortlich.

Es gibt eine Form der Dystonie, die bereits im Kindesalter auftritt und vermutlich vererbt wird. In häufigen Fällen beginnt die Krankheit mit ungewollten  Muskelkontraktionen, die zum Beispiel den Bewegungsablauf beim Gehen beinträchtigen.

Meist befällt die im Kindesalter beginnende Dystonie im Laufe der Jahre den ganzen Körper der Betroffenen.

Doch auch bei Erwachsenen können Dystonien auftreten. Die Erkrankung bei Erwachsenen unterscheidet sich insofern, dass meist nur der Oberkörper betroffen ist.

Eine fokale Dystonie ruft Zucken und Spasmen injedem Muskel hervor. Am häufigsten betrifft sie folgende Muskeln:

  • Zervikale Dystonie (Schiefhals) – Der Schiefhals ist durch unwillkürliche, abnorme und schmerzhafte Kopfstellungen und -bewegungen gekennzeichnet. Folglich wird die zervikale Dystonie auch Torticollis spasmodicus bezeichnet.
  • Lidkrampf (Blepharospasmus) – Durch exzessives Blinzeln oder Schielen sind die Betroffenen praktisch blind.
  • Mund-, Zungen- und Schlundkrampf (oromandibuläre Dystonie) – Diese Form äußert sich durch undeutliche Aussprache oder Schwierigkeiten beim Schlucken und Essen.

Manche Dystonien können auch nur bei der Ausführung bestimmter Handlungen auftreten. So kann es bei einer einzigen, sich wiederholenden Tätigkeit wie dem Schreiben zu Krämpfen und Muskelschmerzen kommen.

Bei Golfspielern kann es beim Schlag zum Einlochen aufgrund von Zittern, Zuckungen und Bewegungshemmungen zu unwillkürlichen Armbewegungen kommen, die auch Yips genannt werden.

Die im Erwachsenenalter auftretenden Dystonien beginnen häufig unbemerkt und entwickeln sich im Laufe von 3 Jahren, manchmal auch schneller. Danach verläuft die Krankheit relativ gleich bleibend. In einigen wenigen Fällen lassen die unwillkürlichen Muskelzuckungen von alleine wieder nach. Bei einigen Betroffenen hilft der Trick, die entsprechende Körperstelle anzutippen, um den Krampf zu lösen. In manchen Fällen liegt eine neurologische Störung zugrunde.

Das kann ein Schlaganfall, Gehirntumor, Gehirntrauma, eine Infektion, Sauerstoffmangel, eine Reaktion auf Medikamente, eine Schwermetall- oder CO2-Vergiftung sein. Ab und zu kommt es vor, dass Dystonien durch Medikamente ausgelöst werden, die den Botenstoff Dopamin hemmen. Hier sind besonders die Mittel gegen Übelkeit namens Metoclopramid und Prochlorperazin zu nennen bzw. Medikamente, die zur Behandlung von Psychosen und Schizophrenie eingesetzt werden.

Wie gefährlich ist eine Dystonie?

Wie viele Menschen unter dieser tückischen Störung leiden, ist unbekannt. Die Deutsche Gesellschaft für Dystonie geht von 160.000 Patienten aus. Die Dunkelziffer soll sehr hoch sein – zumal etliche Betroffene mit einer leichten Dystonie nicht um ihr Leiden wissen.

Die Symptome sind zwar vorhanden, jedoch noch nicht stark ausgeprägt, so dass sie leicht fehlgedeutet werden können. Auch Ärzte bemerken diese Symptome bei Patienten nur, wenn sie besonders geschult sind.

Für Menschen mit einer schweren Form gibt es allerdings eine beruhigende Nachricht: Eine Dystonie ist nicht lebensbedrohlich. Dennoch ist sie verständlicherweise sehr belastend für die Patienten und kann auch ernsthafte Folgen haben.

Therapie: Wie werden Dystonien behandelt?

Ist nur eine Körperregion betroffen, nennt man dies fokale Dystonie. Sind mehrere Körperregionen betroffen, spricht man von segmentaler Dystonie. Die Therapie erfolgt oft durch lokale Injektionen von Botulinumtoxin in den betreffenden Muskel.

Durch diese Therapie soll der Muskel zeitweise lahm gelegt und die Ausschüttung des Botenstoffes verhindert werden, der für die Muskelkontraktionen verantwortlich ist. Injektionen müssen jeweils im Abstand von drei bis sechs Monaten während der Therapie wiederholt werden.

Bei schweren Fällen der Dystonie oder Behandlungsresistenz kommt die tiefe Hirnstimulation als Therapie zum Einsatz. Bei dieser Hirnstimulation (kurz: THS) werden dünne Drähte im Gehirn implantiert, die an ihrer Spitze mit Elektroden versehen sind. Angeschlossen an einen unter dem Schlüsselbein eingesetzten Stimulator, geben sie elektrische Impulse an die entsprechende Region im Gehirn ab, um abnorme Muskelzuckungen zu reduzieren.

Medikamente als Therapie bringen bei Dystonien im Erwachsenenalter kaum Linderung. Eine Ausnahme ergibt sich jedoch bei Dystonien, die aufgrund von Vorerkrankungen auftreten, wie zum Beispiel Parkinson.

Bestimmte Formen der Dystonie werden chirurgisch behandelt. Die zervikale Dystonie (Schiefhals oder Torticollis spasmodicus) lässt sich mit der Injektion von Botulinumtoxin (Botox) gut in den Griff bekommen.

Auch chirurgische Eingriffe, bei denen Nervenfasern durchtrennt werden, die sonst für schmerzhafte Muskelzuckungen in bestimmten Körperregionen sorgen, sind denkbar.

Medizinische Ursachen der Golferkrankheit

Bemerkten Sie in der letzten Zeit Probleme Golfspiel mit zu kurzen Schlägen? Laut einer Mayo Clinic-Studie gibt es dafür eine medizinische Erklärung. Wissenschaftler fanden heraus, dass von 1.031 Golfspielern über die Hälfte Schwierigkeiten mit solchen Schlägen hatte.

Selbst dann, wenn sie 20 Jahre lang keine Probleme empfanden. Dieses Phänomen bezeichnet man als Golferkrankheit (yips). Sie ruft unter Umständen Zittern und Frösteln hervor.

Sie verschlechtert sich in stressreichen Situationen, etwa bei Turnieren. Sie führt bei 18 Löchern zu durchschnittlich fünf zusätzlichen Schlägen.

Die Autoren der Studie vermuten, dass diese Krankheit durch eine Kombination von körperlichen und psychologischen Faktoren entsteht. Die Symptome ähneln denen einer fokalen Dystonie.

Sie betrifft Musiker, Stenografen, Zahnärzte und andere Personengruppen, die von einer sich ständig wiederholenden Beanspruchung mit ausgestreckten Armen betroffen sind.

Die Autoren planen eine Studie, um herauszufinden, ob der Wechsel des Schlägers oder eine Änderung der Haltung helfen. Die Wirkung von Betablockern zur Behandlung von Bluthochdruck und bestimmten Herzkrankheiten wird näher untersucht. Sie lindern einige Arten von Zittern.

Hirnströme im menschlichen Gehirn - Grafik

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