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Tollwut – Was Mensch und Tier beachten sollten

(Foto: Zerbor - Adobe Stock)

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Sie sind bei einem Streit zwischen Ihrer und einer herum streunenden Katze dazwischen gegangen und wurden dabei gebissen? Was tun Sie jetzt? Für den Fall, dass die Katze, die Sie gebissen hat, mit Tollwut infiziert ist, könnte die Antwort auf diese Frage über Leben und Tod entscheiden.

Zwar ist die Zahl der gestorbenen Menschen in Deutschland sehr gering, verglichen mit den 40.000 bis 70.000 Fällen pro Jahr weltweit. Jedoch verläuft die Erkrankung, wenn sie einmal ausgebrochen ist, nahezu immer tödlich. Lediglich 6 Fälle sind bekannt, in denen der infizierte Patient überlebt hat. Deshalb ist es wichtig, dass Sie sich schützen und genau wissen, wann Sie medizinische Hilfe brauchen.

Nach Angaben der Ärzte-Zeitung werden jährlich etwa 10 Millionen Menschen aufgrund des Verdachts behandelt, sich der Tollwut ausgesetzt zu haben. Rund 80% der Todesfälle treten in Asien und Afrika auf, wo Tollwut endemisch ist. Die Hälfte der Todesfälle weltweit betrifft Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren.

Gibt es noch Tollwut in Deutschland?

Möglicherweise halten Sie diese Frage für überflüssig. Doch für Läufer, Jäger und Spaziergänger ist sie wirklich wichtig. Seit einiger Zeit gilt Deutschland als frei von der Krankheit Wildtollwut. Das ist der konsequenten Durchimpfung von Füchsen zu verdanken.

Doch in anderen Länden ist das nicht der Fall. In Großbritannien starb kürzlich eine Frau an Tollwut, weil die Ärzte ihre Symptome nicht richtig einzuschätzen wussten.

Achten Sie vor allem im Urlaub in anderen Ländern deshalb auf Biss- oder Kratzwunden, denn die Tiere können möglicherweise infiziert sein. Haben Sie in anderen Ländern Kontakt mit einem infizierten Tier gehabt, bei dem der Speichel in Kontakt mit einer offenen Wunde oder mit Schleimhäuten kam, lassen Sie sich beraten, ob  eine Impfung gegen die Krankheit ratsam ist.

Und: Nehmen Sie am besten auch kein Tier aus dem Ausland mit nach Hause. Bekämpfen Sie lieber Ihr Helfersyndrom.

Sprechen Sie vor Urlaubsantritt mit Ihrem Arzt darüber, ob eine Impfung sinnvoll für Sie ist. Ratsam ist dies auch für Laborpersonal, das mit Tollwutviren arbeitet, Tierärzte, Jäger und Forstpersonal, die häufig mit Fledermäusen zu tun haben.

Übertragung von Tollwut: Infektion durch Tierspeichel

Tollwut ist eine Virusinfektion (Lyssavirus), die das Zentralnervensystem angreift.

Übertragen wird die Infektion durch den Speichel infizierter Tiere, meist durch einen Biss oder durch Kontakt des Tierspeichels mit einer offenen Wunde, zum Beispiel wenn das Tier an einem Menschen leckt, oder durch den Kontakt des Speichels mit der Schleimhaut. Die meisten Fälle von Tollwut treten bei wilden Tieren auf wie beispielsweise Fledermäusen, Waschbären, Stinktieren und Füchsen. Haustiere wie zum Beispiel Katzen, Hunde, Frettchen, Rinder und Pferde haben einen sehr geringen Anteil an Tollwutfällen.

In den letzten Jahren waren in den USA meistens infizierte Fledermäuse für die Übertragung der Tollwut verantwortlich. Dies hat zu einem negativen Bild der Fledermäuse beigetragen. Leider, denn sie fressen viele Schädlinge, sind wichtig bei der Pflanzenbestäubung und greifen Menschen in der Regel nicht an. Dennoch ist bei Fledermäusen Vorsicht geboten: Fledermäuse eignen sich besonders als guter Wirt, da sie das Virus in den Speicheldrüsen speichern, ohne selbst daran zu erkranken.

Tollwut kann auch – in seltenen Fällen – durch eine Organtransplantation übertragen werden.

Bekannt geworden ist in Deutschland im letzten Jahr der Fall eines an Tollwut gestorbenen Patienten, der Organe einer Spenderin erhalten hatte, die sich vermutlich in Indien mit dem Virus infiziert hatte. Anzeichen und Symptome von Tollwut treten normalerweise 1 bis 3 Monate nach dem ersten Kontakt mit dem Erreger auf. Sie umfassen Unruhe, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Fieber und Kribbeln im Bereich des Bisses.

Mit fortschreitender Erkrankung kann es auch zu Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Verwirrung, partiellen Lähmungen, Halluzinationen, verstärktem Speichelfluss und Schluckbeschwerden kommen. Wenn die Tollwut einmal ausgebrochen ist, verläuft sie nahezu immer tödlich.

Warum Sie Ihr freilaufendes Haustier gegen Tollwut impfen lassen sollten

Nach Auskunft der Bundesforschungsanstalt für Viruserkrankungen der Tiere in Tübingen sowie der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadensverhütung in Bonn haben sich durch groß angelegte Tollwutimpfungen die Tollwutfälle in Deutschland in den letzten Jahren auf null reduziert.

Das gilt alle von der Tollwut betroffenen Wildbestände, vor allem aber für den Fuchs.

Während 1984 im Bezirk Arnsberg zum Beispiel noch 327 Tollwutfälle bei Füchsen gemeldet wurden, sank 1989 die Zahl der infizierten Füchse auf 20. Im Zeitraum vom 1. April 1991 bis zum 30. März 1992 wurde in Nordrhein-Westfalen kein Tollwutfall registriert.

Dennoch ist es nicht völlig auszuschließen, daß infizierte Füchse aus anderen Gebieten einwandern.

Weil Ihre Haustiere mit wildlebenden Tieren in Kontakt kommen können, müssen sie geimpft werden, um sich vor Ansteckung und Krankheitsübertragung auf Sie zu schützen.

Wenn Sie durch ein Haustier oder ein wildlebendes Tier gebissen werden, sollten Sie Ihre Wunde sofort mit Wasser und Seife gründlich waschen und danach einen Arzt aufsuchen.

Wenn Ihr Hausarzt oder das Gesundheitsamt feststellt, daß Tollwut nicht auszuschließen ist, müssen Sie sich mehrere Spritzen geben lassen, die übrigens bei weitem nicht mehr so schmerzhaft sind wie früher.

So reduzieren Sie Ihr Fuchsbandwurm-Risiko

Die Larve des Fuchsbandwurms wächst in der Leber zunächst unbemerkt. Sie wächst sehr langsam. Es können Jahre und Jahrzehnte verstreichen, in denen keinerlei Symptome auftreten.

Erst spät machen sich Symptome bemerkbar wie Bauchschmerzen, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und eventuell Gelbsucht. Der Arzt kommt der Erkrankung meist mit einer Ultraschalluntersuchung, Computertomographie oder/ Blutuntersuchung auf die Schliche.

Liegt der Parasit „günstig” in der Leber, kann er unter Umständen herausoperiert werden. Die Betroffenen müssen ansonsten über Jahre bestimmte Medikamente einnehmen.

Diese töten den Wurm nicht ab, sondern halten ihn lediglich unter Kontrolle.

Für alle, die auf Nummer Sicher gehen wollen, empfiehlt das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz:

  • Stecken Sie sich die beispielsweise Waldfrüchte oder Fallobst nicht einfach so in den Mund.
  • Früchte und Gemüse aus dem Wald sowie vom Acker sollten Sie gründlichst waschen.
  • Erhitzen auf über 60 Grad Celsius tötet die Erreger sicher ab. Einfrieren hingegen tötet die Eier nicht ab.
  • Da auch Katzen und Hunde Überträger sein können, ist bei Tieren, die sich draußen frei bewegen können, ein höheres Maß an häuslicher Hygiene erforderlich. Wurmkuren helfen hier allerdings nicht.

Fledermäuse auf Winterquartiersuche: Vorsicht vor Tollwut

Noch ist Frühherbst – oder Spätsommer, es können noch einige schöne, warme Tage folgen. Und dennoch machen sich langsam schon wieder die Fledermäuse auf die Suche nach eventuell für den Winter geeigneten Quartieren.

Diese Tiere können Ihnen überall begegnen; wir wohnen zum Beispiel fast in der Innenstadt und haben abends im Dunkeln auf der Terrasse regen Flugverkehr.

Der Grund ist ein alter Höhlen- und Stolleneingang einige Straßen weiter. Aber auch alte Fabrikgebäude ziehen die Tiere an.

Sie können sich aber auf der Suche nach Quartieren schnell verfliegen  – so kommt es immer wieder vor, dass die Tiere in Häusern und Wohnungen landen. Passiert Ihnen dies, sollten Sie auf keinen Fall versuchen, die Fledermaus einfach so anzufassen und wieder ins Freie zu entlassen.

Fledermäuse übertragen die Fledermaustollwut – diese ist gefährlich für den Menschen.

Sie verläuft in fast allen Fällen tödlich. Symptome sind Übelkeit, Fieber und Kopfschmerzen, dann Nierenversagen und Atemlähmung. Werden Sie daher von einer Fledermaus gebissen, sollten Sie sofort zum Arzt gehen und sich sofort impfen zu lassen.

Denn auch wenn Deutschland seit vier Jahren offiziell als frei von Wildtiertollwut gilt, kann diese Art der Tollwut nicht ausgeschlossen werden.

Hat sich ein Tier zu Ihnen verirrt, sollten Sie daher dicke Arbeitshandschuhe anziehen, bevor Sie es anfassen. Dann setzen Sie es am besten in eine Pappschachtel mit Luftlöchern, deren Deckel Sie mit Klebeband befestigen und bringen es so ins Freie zurück.

Kommt eine Ansteckung mitTollwut in Betracht, ist schnelles Handeln gefragt

Wenn die Ansteckung mit Tollwut als Möglichkeit in Betracht kommt, muss die Behandlung für Sie und alle, die mit dem Tier in Kontakt waren, unmittelbar beginnen.

Diese als „Post-Expositions- Prophylaxe“ bezeichnete Behandlung besteht aus einer Dosis Tollwut-Immunglobulin und 5 Dosen Tollwut-Impfstoff über einen Zeitraum von 28 Tagen hinweg.

Als postexpositionelle Prophylaxe bezeichnet man allgemein eine medikamentöse Behandlung nach möglichem Kontakt mit den Erregern einer potenziell gesundheitsgefährdenden Erkrankung, um ihren Ausbruch zu verhindern.

Diese Injektionen sind nicht mehr so schmerzhaft wie früher und wirken sehr effektiv. Der Impfschutz ist sehr zuverlässig.

Bei keinem Patienten in den USA, der mit dem Erreger in Kontakt gekommen ist, und eine unmittelbare und angemessene Behandlung erfahren hat, ist die Tollwut ausgebrochen. Und jährlich erhalten über 35.000 Menschen in den USA diese Behandlung.

Gehen Sie kein Risiko ein

Geeignete Vorsorge und das Wissen, was im Fall eines Kontaktes mit dem Erreger zu tun ist, kann Ihr Risiko, an Tollwut zu erkranken, minimieren.

Wenn Sie die Befürchtung haben, mit infizierten Tieren in Kontakt gewesen zu sein, holen Sie sich möglichst umgehend Rat bei Ihrem Arzt oder dem Gesundheitsamt.

Tollwut: Der beste Schutz ist die richtige Vorbeugung

Vorbeugung ist die wichtigste Hilfe im Kampf gegen Tollwut. Diese Maßnahmen können Ihnen dabei helfen, sich zu schützen:

  • Nähern Sie sich niemals wilden oder fremden Tieren.
  • Stellen Sie sicher, dass die Tollwutimpfung Ihrer Haustiere aktuell ist.
  • Halten Sie Kinder dazu an, sich von fremden Tieren fern zu halten. Dies gilt sowohl für wild lebende als auch für Haustiere.
  • Halten Sie Ihre Haustiere unter Aufsicht oder innerhalb eines klar bestimmten Bereiches. So vermeiden Sie einen Kontakt mit wilden oder streunenden Tieren.
  • Informieren Sie das Veterinäramt, falls Sie wilde oder streunende Tiere in der Nachbarschaft sehen.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Wohnung ausreichend gegen das Eindringen von Fledermäusen gesichert ist, falls Sie in ländlichen Gegenden wohnen.

Immunisierung: Impfung gegen Tollwut

Eine vorbeugende Impfung gegen Tollwut zur Immunisierung ist für alle Menschen empfehlenswert, die häufig mit möglicherweise erkrankten Wildtieren, Hunden oder anderen Tieren in Kontakt kommen. Dazu gehören Tierärzte, Tierpfleger, Jäger oder Forstpersonal. Darüber hinaus gilt dieser Ratschlag für andere Personen, die in Gebieten mit Wildtollwut Kontakt zu Tieren haben (z.B. Tierhändler, Schlachter oder Personal in Laboratorien mit Tollwutrisiko).

Falls Sie eine längere Reise in ein Gebiet planen, in dem Tollwut nicht vollständig unter Kontrolle ist, sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt über die Möglichkeit einer Impfung (postexpositionelle Prophylaxe). Wenn Sie Reisen nach Afrika, Asien oder Lateinamerika antreten, vermeiden Sie den Kontakt mit Hunden. Diese gelten als Hauptüberträger der Tollwut und sind weltweit für die meisten Todesfälle durch Tollwut verantwortlich.

In den Tropen und Subtropen muss jedes Tier (besonders Straßenhunde) als tollwutverdächtig gelten. Im letzten Sommer starb eine 39-jährige Britin nach einem Biss von einem streunenden Hund im indischen Goa an Tollwut. Die Urlauberin erhielt vor der Reise keine präexpositionelle Impfung gegen Tollwut.

Information zur Vorbeugung

Informieren Sie sich bei Ihrem örtlichen Veterinäramt über die aktuelle Verbreitung von Tollwut in Ihrem Kreis. Zu beachten ist in Deutschland in einigen Gebieten eine Zunahme der Tollwut durch Füchse.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Wusterhausen bei Berlin bestätigte, dass sich die Tollwut bei Füchsen von Hessen ausgehend auf die Nachbarländer Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ausbreitete.

Aktuelle Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) erhalten Sie vom Robert-Koch-Institut, Nordufer 20, 13353 Berlin, Tel: 0 1888 754-0, Fax: 0 1888 754-2328, Internet: www.rki.de

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