MenüMenü

Geschlechtskrankheit HIV: Behandelbar, aber nicht heilbar

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

In den 1980er Jahren verbreitete sich das Humane Immundefizienz-Virus (menschliches Abwehrschwäche-Virus, kurz: HIV) kontinenteübergreifend und hat seitdem schätzungsweise rund 39 Mio. Todesopfer gefordert. HIV ist nach wie vor eine der schwerwiegendsten Geschlechtskrankheiten, auch wenn Geschlechtsverkehr nicht der einzige Weg zur Übertragung ist.

Häufigste Todesursache Aids: In Afrika bittere Realität

Grundsätzlich ist eine Infektion mit HI-Viren heutzutage gut zu behandeln – der Zugang zu diesen Medikamenten ist jedoch längst nicht überall auf der Welt gegeben. So zählt Aids auf dem afrikanischen Kontinent immer noch zu den häufigsten Todesursachen. Mehr als zwei Drittel der Neuinfektionen ereignen sich in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Von schätzungsweise 36,7 Mio. weltweit infizierten Menschen stammen 25,5 Mio. Menschen aus diesem Teil der Welt. Eine der höchsten HIV-Raten der Welt hat das Land Südafrika. Dort sind besonders die Zahlen unter jungen Menschen erschreckend – 28 Prozent aller Infizierten sind Schulmädchen.

HIV ist nicht heilbar – wer einmal mit den Viren infiziert ist, trägt sie sein Leben lang im Körper. HI-Viren können Aids auslösen, wenn die Viren nicht medikamentös unterdrückt werden. Dies ist mit der modernen Medizin heutzutage möglich, sodass HIV-Infizierte eine vergleichbare Lebenserwartung wie Nicht-HIV-Infizierte haben. Kommt es im Rahmen einer HIV-Infektion zu Aids – und bei einer unbehandelten Infektion geschieht dies im Schnitt nach durchschnittlich acht Jahren – führt diese Krankheit über kurz oder lang unweigerlich zum Tod.

Geschlechtskrankheit mit Folgen: So lebt es sich mit HIV

Wer Zugang zu den entsprechenden Medikamenten hat, kann heutzutage zwar vergleichsweise lange leben. Dennoch ist die Lebensqualität mit HIV eingeschränkt, sowohl aus psychischer als auch aus körperlicher Sicht:

  • Mit HIV infiziert zu sein ist belastend. Die Betroffenen leiden psychisch unter ihrer Infektion sowie unter einer gesellschaftlichen Stigmatisierung.
  • Die Nebenwirkungen der Medikamente äußern sich zwar nicht bei jedem Betroffenen gleich stark, können aber neben kurzfristigen Beschwerden auch zu anderen, chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes mellitus führen.

HI-Viren befallen das Immunsystem und schwächen die körpereigenen Abwehrkräfte. Dies führt irgendwann dazu, dass der Körper nicht mehr in der Lage ist Viren oder Bakterien zu bekämpfen. Schon eine leichte Erkältung kann dann zur Lungenentzündung werden, die tödlich endet.

Geschlechtsverkehr ist die häufigste Ursache für HIV-Infektionen

Eine Ansteckung mit HIV ist über Geschlechtsverkehr möglich. Im Jahr 2016 waren 73 Prozent der 88.400 mit HIV infizierten Deutschen Männer, die Sex mit Männern haben. 11 Prozent der Infizierten konsumieren intravenöse Drogen. Im Jahr 2017 betrugen die Schätzungen für die Neuinfektionen 2.600 Fälle – 65 Prozent davon sind Männer, die Sex mit Männern haben. Somit ist HIV weiterhin ein Thema bei gleichgeschlechtlichem Sex – wenn auch nicht ausschließlich. Auch über verunreinigte Blutkonserven, Tattoonadeln oder Spritzen ist eine Ansteckung möglich.

Das HI-Virus kann über den direkten Kontakt von Schleimhäuten oder offenen Wunden mit den Körperflüssigkeiten HIV-positiver Menschen erfolgen. Dazu zählen:

  • Blut
  • Sperma
  • Vaginalsekret
  • Muttermilch

Besonders frisch infizierte Personen sind hoch ansteckend, da in ihrem Körper noch keine Antikörper gegen die Viren gebildet wurden. Medikamente gegen HIV unterdrücken die Viren im Körper, was auch die Ansteckungsgefahr reduzieren kann. Die Viren können durch Medikamente sogar so stark unterdrückt werden, dass sie im Blut nicht mehr nachweisbar sind. Streng genommen ist HIV dann beim Sex nicht mehr übertragbar.

Die häufigste Übertragung mit HI-Viren erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr. Sowohl vaginal, anal als auch oral ist eine Ansteckung möglich, wobei eine orale Infektion am unwahrscheinlichsten ist, denn die Mundschleimhaut ist widerstandsfähiger als andere Schleimhäute.

Geschlechtskrankheiten: HIV ist nicht die einzige Gefahr, die bei ungeschütztem Sex lauert

Auch andere Geschlechtskrankheiten können wie auch HIV über ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden. Dazu zählen:

Geschlechtskrankheiten

Übersicht: Die 7 häufigsten GeschlechtskrankheitenEine Übersicht über die häufigsten Geschlechtskrankheiten gibt Aufschluss, wie viele Neuinfektionen es in Deutschland jährlich gibt.  › mehr lesen

  • Chlamydien
  • Hepatitis
  • Syphilis
  • Tripper
  • Herpes genitalis
  • Feigwarzen

Einige dieser sexuell übertragbaren Krankheiten kann mit Antibiotika behandelt werden – auf HIV trifft das nicht zu, da es sich um ein Virus und nicht um Bakterien handelt.

Wer unter einer Geschlechtskrankheit leidet, bei der die Schleimhäute entzündet sind, kann sich leichter mit HIV infizieren. HIV ist zwar nicht die häufigste Geschlechtskrankheit, aber doch durchaus eine der Gefährlichsten, da ihr Verlauf unbehandelt tödlich sein kann.

Wie äußert sich eine Infektion mit HIV?

Eine frische HIV-Infektion äußert sich in erkältungsähnlichen Symptomen. Nicht immer können sie eindeutig zugeordnet werden. Auch ist eine Infektion im Blut erst nach drei Monaten nachweisbar, da erst ab dann Antikörper gegen das Virus gebildet werden. Typische Symptome sind:

  • Gliederschmerzen
  • Nachtschweiß
  • geschwollene Mandeln
  • geschwollene Lymphknoten
  • Fieber
  • Durchfall

Nicht bei allen Frisch-Infizierten treten diese Symptome auf. Nach zwei bis vier Wochen klingen sie wieder ab und wenn die Infektion mit HIV in dieser Zeit nicht erkannt wurde, kann sie anschließend über eine lange Zeit unbemerkt verlaufen. Das Virus befällt dann die Organe und schwächt die Abwehrkräfte des Körpers. Das Gehirn und das zentrale Nervensystem können ebenfalls befallen sein.

HIV-Test: Auf Geschlechtskrankheiten testet auf Wunsch jeder Arzt

Um eine Infektion mit HIV zu erkennen, gibt es mittlerweile nicht nur die Möglichkeit sich beim Arzt oder Gesundheitsamt testen zu lassen. Auch Heimtests sind zugelassen und ein positives Ergebnis sollte zu einem sofortigen Anstoß einer Therapie führen. Je früher eine HIV-Infektion erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko andere anzustecken. Zudem ist der Erfolg der eigenen Behandlung bei einem frühen Therapiebeginn größer.

Wie kann man sich vor einer Ansteckung mit HIV schützen?

Einen zuverlässigen Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten bieten nur Kondome oder Femidome. Sie verhindern den unmittelbaren Kontakt von Schleimhäuten sowie den Kontakt von Schleimhäuten mit Körperflüssigkeiten. Bei Spritzen oder Tattoonadeln sollte immer darauf geachtet werden, dass diese steril verpackt sind und für den akuten Zweck nun das erste Mal benutzt werden. Für Drogenabhängige gibt es in vielen Städten Stationen, in denen sie sich saubere Spritzen kostenlos abholen können. Dies ist eine von vielen Maßnahmen, um die Ausbreitung von HIV-Infektionen weiter einzudämmen.

Zahlen und Ziele zur Bekämpfung von Aids

Leider wird Aufklärung und Präventionsarbeit nicht in allen Ländern der Erde geleistet, was unter anderem auch die hohen Ansteckungsraten in vielen afrikanischen Ländern erklärt. Der Kampf gegen Aids konnte in den letzten Jahren aber immer weiter vorangetrieben werden und die Zahl der Toten in den Subsahara-Ländern ist rückläufig. Von 2006 zu 2016 hat sich die Zahl der Aids-Toten dort fast halbiert (von 1,54 Mio. Menschen auf 730.000 Menschen) und auch die Anzahl der Neuinfektionen ging in diesem Zeitraum um 35 Prozent zurück.

Bis 2020 wollen die Vereinten Nationen, dass:

  • 90 Prozent aller Infizierten wissen, dass sie das HI-Virus in sich tragen (2016 waren es 70 Prozent)
  • 90 Prozent aller Menschen behandelt werden (2016 waren es 77 Prozent)
  • bei 90 Prozent der Behandelten die Ausbreitung des Virus im Körper eingedämmt wird.  (2016 waren es 82 Prozent).

Auch wenn Aids noch lange nicht besiegt ist, zeigen Maßnahmen wie die verstärkte Aufklärung über Aids und ein besserer Zugang zu immer besser werdenden Behandlungsmöglichkeiten, dass die Ausbreitung zumindest eingedämmt werden kann.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Nach oben
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten