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Geschlechtskrankheiten: Test beim Arzt oder zu Hause?

Ob tatsächlich eine Geschlechtskrankheit vorliegt, untersucht am besten ein Arzt. Auch Heimtests gibt es mittlerweile - jedoch mit Tücken. (Foto: ilove - Fotolia)

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Ein Jucken im Intimbereich, Schmerzen im Unterbauch oder sogar Fieber: Indizien für Geschlechtskrankheiten und Infektionen gibt es einige. Doch nicht jede Geschlechtskrankheit zeigt sich auch mit entsprechenden Symptomen. Manche Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel Chlamydien gehen sogar lange Zeit ganz ohne Beschwerden einher und sind dafür umso gefährlich in ihren Langzeitfolgen. Andere Geschlechtskrankheiten wie zum Beispiel Genitalherpes äußern sich recht offensichtlich mit brennenden und juckenden kleinen Bläschen im Scheidenbereich oder auf dem Penis.

Grundsätzlich gilt – Egal ob HIV (Aids), Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhoe (Tripper): Da jegliche Form von ungeschütztem sexuellem Kontakt eine Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit bedeuten kann, sollten sich Personen, die ungeschützten Sex haben, regelmäßig untersuchen lassen. Doch selbst bei geschütztem Geschlechtsverkehr etwa mit Kondom ist eine Übertragung von Krankheiten möglich – Filzläuse werden beispielsweise nur durch Berührung übertragen und beißen sich dann in der Schambehaarung fest. Auch über Bettlaken oder Handtücher können sie übertragen werden.

Test auf Geschlechtskrankheiten: Wer ist betroffen?

Die Erreger von Geschlechtskrankheiten können nicht nur durch Anal- oder Vaginalsex übertragen werden. Über Oralsex sind ebenfalls Infektionen möglich. Immer wenn Schleimhäute im Spiel sind, ist das Risiko erhöht – darüber sollte sich jeder im Klaren sein.

Schon ab drei Sexualpartnern pro Jahr besteht ein erhöhtes Risiko dafür, sich eine Geschlechtskrankheit einzufangen. Wer nun also denkt, dass nur Menschen mit wöchentlich wechselnden Sexpartnern gefährdet sind, liegt falsch. Schon bei einem Mal ungeschütztem Geschlechtsverkehr besteht das Risiko, sich zu infizieren. Sowohl beim Arzt als auch in Eigenregie ist es möglich, sich auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen.

Geschlechtskrankheiten: Diese Tests führt der Arzt durch

Wer glaubt sich mit einer Geschlechtskrankheit wie zum Beispiel HIV (Aids), Chlamydien, Syphilis oder Gonorrhoe (Tripper) infiziert zu haben oder Symptome einer Infektion bei sich feststellt, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Dieser kann entsprechende Untersuchungen einleiten und einen Test veranlassen. Dafür bedient er sich verschiedener Mittel:

  • er betrachtet möglicherweise veränderte Hautstellen, Ausschlag, Geschwüre oder ähnliches
  • er nimmt einen Abstrich aus der Schleimhaut von Mund, Scheide, Po oder Penis
  • Urinprobe
  • Blutprobe
  • Stuhlprobe
  • Spermaprobe

Darüber hinaus wird er dem Patienten viele Fragen stellen:

  • Liegen Hautveränderungen vor?
  • Juckt es an irgendeiner Stelle? Brennt es irgendwo? Fühlt sich eine Körperstelle anders an als früher?
  • Bestehen Schmerzen beim Sex?
  • Welche weiteren Symptome hat der Patient?
  • Hat der Sexualpartner auch Beschwerden?
  • Welche Art von Sex könnte zur Ansteckung geführt haben – anal, oral oder vaginal?

Ehrlichkeit und Offenheit sind wichtig für den Behandlungserfolg

Wem es unangenehm ist zum Arzt zu gehen, sollte sich folgendes klarmachen: Ärzte sind Profis und vor ihnen muss Betroffenen nichts peinlich sein. Sie unterliegen der Schweigepflicht und selbst die pikantesten Details dürfen die Wände der Arztpraxis nicht verlassen. Wer Angst vor der Untersuchung hat, kann sich diese ganz genau erklären lassen. Der Arzt kann Patienten so die Angst nehmen und wird besonders behutsam vorgehen, wenn jemand im Vorfeld seine Bedenken äußert.

Die Fragen des Arztes ehrlich zu beantworten ist essentiell, um eine richtige Diagnose zu ermöglichen. Aus Scham Informationen zurückzuhalten kann zu einer falschen Diagnose und somit zu einer falschen Behandlung führen. Je nach Infektion kann das langfristige und schwerwiegende Folgen haben.

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Heimtests für Geschlechtskrankheiten

Seit einiger Zeit ist es möglich, übertragbare Geschlechtskrankheiten auch zu Hause zu testen. Mittels Schnelltests soll unkompliziert und ohne Arztbesuch eine Diagnose möglich sein. Auch wenn dies zunächst verlockend klingt, da die Hürde nicht so groß ist wie beim Arztbesuch, sind diese Tests oft ungenau. Schließlich werden die Proben nicht von einem Labor untersucht.

So kann ein negatives Resultat fehlerhaft sein und eine eigentlich vorhandene Geschlechtskrankheit bleibt unentdeckt. Auch fehlt bei einem positiven Ergebnis im Heimtest der direkte Ansprechpartner und die Betroffenen müssen dann doch einen Arzttermin vereinbaren, um ihre Behandlung zu besprechen.

Selbst für HIV gibt es mittlerweile für den Markt zugelassene Heimtests. Dafür wird etwas Blut aus dem Finger auf ein Teststäbchen getropft. Erst zwölf Wochen nach einer eventuellen Ansteckung können HIV-Antikörper überhaupt erst im Blut sichtbar sein, weshalb dieser Zeitraum unbedingt eingehalten werden sollte, wenn es um einen HIV-Test geht. Der Test dauert nur 15 Minuten und zeigt dann das positive oder negative Ergebnis an.

Wichtig: Zum Teil reagieren diese Heimtests sehr empfindlich. Sie können ein positives Resultat anzeigen, obwohl eigentlich keine Krankheit vorliegt. Wer mittels Heimtest eine positive Diagnose für eine Geschlechtskrankheit erhält, sollte unmittelbar darauf zum Arzt gehen. Gerade bei einer schwerwiegenden Krankheit wie HIV (Aids) kann ein positives Resultat ein Gefühlschaos auslösen, mit dem Betroffene nicht alleine sein sollten. Nur ein Arzt kann die Krankheit final bestätigen – oder sogar wieder Entwarnung geben. Das ist mit enormem psychischem Stress verbunden, weshalb es in der Regel die bessere Wahl ist, direkt zum Arzt zu gehen.

Pilotprojekt in Bayern: Heimtest für Geschlechtskrankheiten direkt ins Labor schicken

Über kurz oder lang soll geplant werden, Heimtests auch in Arztpraxen abgeben zu können. In Bayern läuft zu diesem Thema bereits ein Pilotprojekt. Selbst gewonnene Blut-, Schleimhaut- oder Urinproben können dort direkt an ein Labor geschickt werden. In einer Beratungsstelle können sich Interessierte das Probenset zum ersten Mal besorgen (Kostenpunkt: 32 Euro) und bekommen dort auch erklärt, wie sie es anwenden. Darüber hinaus wird überhaupt erst die Notwendigkeit der Probe erfragt, wie hoch das persönliche Risiko ist und ob der Test wirklich Sinn macht. Weiterhin wird ihnen eine Handlungsempfehlung mitgegeben, falls der Test positiv ausfallen sollte.

Bei einem zweiten oder dritten Test entfällt dann der Gang zur Beratungsstelle und das Probenset kann direkt nach Hause bestellt werden. Die Proben kann der Betroffene dann selber mit der Post an ein Labor schicken – die Ergebnisse erhält er direkt auf sein Handy. Seine Proben werden nur mit einer Nummer versehen – die persönlichen Daten bleiben unter Verschluss. Auch hier fehlt allerdings der direkte Ansprechpartner bei einer positiven Diagnose.

Keine falsche Scham

Sexuell übertragbare Krankheiten sind kein Grund sich zu schämen. Beim Sex können Krankheitserreger unbemerkt und schnell übertragen werden, ohne dass die Betroffenen die Infektion überhaupt mitbekommen. So wie man sich in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Erkältung einfangen kann, kann eben auch der nahe Körperkontakt mit jemand anderem zu Infektionen führen.

Besonders wenn der sexuelle Kontakt ungeschützt erfolgt, steigt das Übertragungsrisiko an. Geschlechtskrankheiten werden von Viren, Bakterien oder Parasiten übertragen. Ein regelmäßiger Test – zumindest bei regelmäßig wechselnden Sexualpartnern – kann auch aus prophylaktischen Gründen durchgeführt werden. Spätestens bei Symptomen ist ein Arztbesuch unerlässlich.

Wer sich davor scheut, kann sich auch anonym beraten oder testen lassen – zumindest in Großstädten. Das Gesundheitsamt oder lokale HIV-Hilfen sind entsprechende Angebote. Für Personen, die zum Beispiel in ländlichen Regionen wohnen und keinen einfachen Zugang zu diesen Angeboten haben, sollen die Heimtests aus dem Pilotprojekt in Bayern künftig eine gute Alternative sein.

Positiver Test: Was nun?

Wer nach einem Test eine positive Diagnose erhält, sollte zunächst komplett auf Geschlechtsverkehr verzichten. Neben der medikamentösen Behandlung geht es auch darum, die Gesundheit anderer zu schützen. Ärzte beraten zu diesem Thema ausführlich und werden Patienten auch den Tipp geben, aktuelle oder vergangene Sexualpartner zu informieren. Auch dieser Schritt klingt zunächst unangenehm, ist aber essenziell.

Nur so können sich diese Ex-Partner auch untersuchen lassen und gegebenenfalls weitere Personen vor einer Ansteckung durch sie bewahrt werden. Handelt es sich um einen aktuellen Partner, muss auch dieser sich behandeln lassen. Nur so kann verhindert werden, dass die Infektion immer wieder hin- und hergereicht wird.

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