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Das Baby ist da: Wie ist der erste Sex nach der Geburt?

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Rein theoretisch können Paare schon vier bis sechs Wochen nach der Geburt wieder Sex haben. Solange aus medizinischer Sicht alles verheilt ist und der Wochenfluss abgeklungen ist, spricht in der Theorie nichts gegen Geschlechtsverkehr. Das Thema ist aber besonders für Frauen heikel – schließlich sind bei einer Geburt dieselben Körperregionen beteiligt wie beim Sex. Die Schmerzen und Strapazen der Geburt sind nach vier bis sechs Wochen oft noch nicht vergessen und der Gedanke jemals wieder Lust zu empfinden, fällt schwer. Auch haben sich der Körper und das eigene Wohlbefinden verändert, was zu psychischen Hemmungen führen kann.

Doch auch für Männer ist das Thema Sex nach der Geburt nicht ganz unbelastet. Schließlich haben sie Angst ihrer Frau oder Freundin wehzutun und fragen sich, ob es nun mit Kind anders ist als früher. Auch ist es für beide Partner ungewohnt, in ihrer Rolle als frischgebackene Eltern nun wieder die sexuelle Lust füreinander zu entdecken. Schlafmangel und die komplette Umstellung des bisher bekannten Alltags tun ihr Übriges.

Wie lange warten Paare mit dem ersten Sex nach der Geburt?

In manchen Beziehungen schlafen Paare nach der Geburt vier, sechs, acht oder mehr Monate lang nicht miteinander. Laut einer Umfrage haben 40 Prozent der frischgebackenen Eltern innerhalb von sieben bis elf Wochen das erste Mal wieder Sex. 25 Prozent warten drei bis sechs Monate.

Besonders für Männer bzw. frischgebackene Väter ist diese Durststrecke häufig schwer auszuhalten. Für Frauen haben sich mit der Geburt die Bedürfnisse stark verschoben und für sie dreht sich erst einmal alles nur um ihr Kind, sodass die Lust auf den Partner und generell Sexualität in den Hintergrund rückt.

Der erste Sex nach der Geburt: Die Zweifel sind groß

Besonders der erste Geschlechtsverkehr nach der Geburt ist herausfordernd. Diese und weitere Fragen kreisen in den Köpfen frischgebackener Mütter:

  • Sind alle Geburtsverletzungen verheilt?
  • Wird es weh tun?
  • Wird es anders sein?
  • Sieht meine Scheide nun anders aus als vor der Geburt?
  • Ist sie zu trocken?
  • Hält meine Blase dicht?
  • Wie stark hat sich mein gesamter Körper durch die Schwangerschaft und die Geburt verändert?
  • Findet mein Mann mich noch attraktiv?
  • Sollte ich als frischgebackene Mama überhaupt schon wieder an Sex denken?
  • Wie verhüten wir?

11 Themen, 11 Lösungen

Vor dem ersten Mal nach der Geburt sind viele Paare verunsichert, verängstigt und nervös. Dabei können sie sowohl für sich selber als auch mit dem Partner viele ihrer Fragen und Sorgen bereits im Vorfeld klären und aus der Welt schaffen.

1. Geburtsverletzungen: Die Hebamme oder der Frauenarzt können Auskunft darüber geben, ob die Geburtsverletzungen ausreichend verheilt sind und Sex schon wieder unbedenklich möglich ist. Gerade nach einem Dammschnitt sollte eine gewisse Schonzeit eingehalten werden, damit die Narbe und Wunde nicht mehr schmerzt. Spätestens nach sechs Wochen ist in der Regel aber alles wieder gut.

2. Schmerzen beim Sex: Schmerzen beim Sex können daher rühren, dass der Penis gegen die noch nicht wieder zurückgebildete Gebärmutter stößt. Auch noch nicht abgeheilte Geburtsverletzungen oder eine Wunde können wehtun, dies wird aber von Woche zu Woche besser. Am besten probieren es Paare erst einmal in einer Position, in der der Penis nicht so tief in die Frau hineinstößt – die Löffelchenstellung bietet sich an. Häufig ist es die Verkrampftheit beim Sex aus Angst vor Schmerzen, die dann auch tatsächlich zu Schmerzen führt. Hier helfen Zeit, Geduld und Verständnis.

3. Zu weite Scheide: Eine Sorge vieler Frauen ist, ob ihre Vagina sich durch die Geburt verändert hat und nun vielleicht zu weit ist. Dafür sollten Frauen wissen: Die Vagina ist sehr elastisch. Bei der Geburt wird sie stark gedehnt, zieht sich aber auch schon wieder zurück, sobald das Baby draußen ist. Dass der Mann sie beim Sex nach der Geburt als zu weit empfindet oder die Frau nun den Penis des Mannes nicht mehr spürt, ist eine unbegründete Sorge. Natürlich kann sich für beide Paare das Lustempfinden nach der Geburt verändern. Dies hat aber häufig andere Gründe als eine zu starke Dehnung der Vagina durch die Geburt.

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4. Vaginale Trockenheit: Vaginale Trockenheit ist ein häufiges Problem kurz nach der Geburt. Wer sein Baby stillt, hat einen niedrigen Östrogenspiegel im Blut. Die Stillzeit kann das Lustempfinden beider Partner und die Sexualität beeinträchtigen, lässt sich aber manchmal auch leicht lösen. Gleitgel schafft Abhilfe und sorgt für die nötige Feuchtigkeit.

5. Das körperliche Wohlbefinden: Aus den Brüsten tropft Milch, der Bauch ist noch groß und die Scheide sieht vielleicht noch ein wenig anders aus als früher – Frauen die diese Gefühle haben, können sich oft nur schwer vorstellen, dass sie für ihren Mann noch attraktiv sind. Ähnliches gilt manchmal auch schon in der Schwangerschaft. Dabei sind die meisten Männer gerade nach Schwangerschaft und Geburt unglaublich stolz auf ihre Frauen und überglücklich, dass diese ihnen einen Sohn oder eine Tochter geschenkt haben. Frauen sollten ihre Sorgen mit ihrem Partner offen teilen – dieser kann ihnen die Selbstzweifel nehmen und sie für den ersten Sex nach der Geburt zumindest mit ihrem eigenen Wohlbefinden in eine entspannte Stimmung versetzen. Zum Thema optische Veränderung der Scheide: Schon fünf bis sieben Tage nach der Geburt sehen die Geschlechtsorgane von 30 Prozent der Frauen wieder so aus wie vorher. Falls es zu Blutergüssen oder Schwellungen gekommen ist, dauert es weitere zwei Wochen bis alles abgeheilt ist. Bei einer Dammnaht müssen bis zu drei Wochen eingerechnet werden. Soweit zumindest die Statistik. Viele Frauen fühlen sich noch länger als nur zwei oder drei Wochen alles andere als unversehrt und für sie gilt: Dann wird mit dem Sex eben noch gewartet. Nur weil es medizinisch nach vier bis sechs Wochen wieder möglich ist, muss das ja nicht zwangsläufig passieren.

6. Beckenbodentraining: Der Beckenboden leidet bei einer natürlichen Geburt ordentlich, was sich auch Wochen oder sogar Monate danach noch bemerkbar macht. Dies kann sich in einem veränderten Lustempfinden ausdrücken – durch aktives Beckenbodentraining und Rückbildungsgymnastik können Frauen dem aber aktiv entgegenwirken. Ein starker Beckenboden ist sowohl wichtig für das Einhalten von Harn als auch für einen stabilen Rumpf. Beim Sex spielt er ebenfalls eine wichtige Rolle und kann dafür sorgen, dass die Frau ihren Partner enger in sich spüren kann. Auch für den Mann wird es intensiver, wenn die Frau ihn mit ihrer Beckenbodenmuskulatur eng umschließt.

7. Verhütung: Frischgebackene Eltern sollten das Thema Verhütung nicht aus den Augen lassen. Zwar haben stillende Mütter durch das Stillhormon Prolaktin einen natürlichen Verhütungsschutz im Körper. Aber schon bei vier Stunden zwischen zwei Stillmahlzeiten für das Baby sinkt dieser Prolaktinspiegel soweit ab, dass ein Verhütungsschutz nicht mehr ausreichend gewährleistet ist. Da die wenigsten Eltern nur wenige Wochen nach der Geburt ihres Kindes direkt wieder schwanger werden wollen, sollten sie beim Geschlechtsverkehr auch in der Stillzeit an Kondome oder die Einnahme der Pille denken. Für das Einsetzen einer Spirale ist es wenige Wochen nach der Geburt noch zu früh. Für Frauen, die stillen, kommt nur eine östrogenfreie Minipille in Betracht. Kondome sind für den Anfang das Einfachste und bieten bei richtiger Anwendung einen zuverlässigen Schutz. Vor Infektionen schützen sie ebenfalls. Diese können in seltenen Fällen durch ungeschützten Sex auftreten, wenn der Wochenfluss noch nicht ganz abgeklungen ist.

8. Über die Sorgen sprechen: Sowohl Frauen als auch Männer sollten ihre Sorgen und Fragen offen miteinander besprechen. Wenn Frauenarzt oder Hebamme grünes Licht gegeben haben, spricht eigentlich nichts mehr gegen Sex. Alle weiteren Zweifel können Paare untereinander klären und sich gegenseitig die Angst nehmen. Frauen können ihre Selbstzweifel äußern und die Angst, dass es weh tut mit dem Partner bereden. Männer können offen sagen, dass sie Sorge haben ihrer Partnerin wehzutun und dass es sich vielleicht anders anfühlt als früher. Am Ende werden beide nur wissen wie es wirklich für sie ist, wenn sie ausprobieren. Und dafür ist Zeit ein entscheidender Faktor.

9. Zeit nehmen: Für den ersten Sex nach der Geburt sollten sich frischgebackene Eltern Zeit nehmen. Wenn das Baby gerade eingeschlafen ist, kann man sich daran wagen, den Körper des anderen wieder zu erforschen und die Lust aufeinander wiederzuentdecken. Falls es nicht auf Anhieb klappt und die Frau merkt, dass es für sie doch noch nicht passt oder sie zu verkrampft ist, sollten beide Partner sich entspannen. Es gibt keinen Druck und keinen Stress und mit genügend Geduld wird es über kurz oder lang wieder klappen. Wenn das erste Mal nach der Geburt ein schneller Quickie auf dem Küchentisch werden soll, wird das möglicherweise nicht funktionieren. Zu groß ist die Unsicherheit, besonders bei der Frau. Männer sollten sich ihrem Tempo anpassen und müssen akzeptieren wenn Frauen feststellen, dass sie doch noch nicht bereit sind.

10. Sex mit Baby: Dieser Punkt ist für die meisten Frauen wahrscheinlich der Schwierigste: Ihre Prioritäten haben sich geändert und im Vordergrund stehen das neue Leben als Familie mit Kind und die Rund-um-die-Uhr-Versorgung des Neugeborenen. Sich wieder lustvoll dem Partner hinzugeben, Sexualität auszuleben und an etwas anderes zu denken als Wickeln, Trösten und Füttern fällt vielen Frauen schwer. In ihre Rolle als Mutter müssen sie sich erst einmal einfinden, wodurch die Beziehung zu Beginn ein wenig leiden kann.

11. Zweifel der Männer: Für Männer ist die Zurückweisung durch ihre Frauen schwierig. Manche gewöhnen sich sogar daran, ihre Lust monatelang nicht mit ihrer Partnerin zu teilen, sodass sie beim ersten Sex nach der Geburt dann Schwierigkeiten haben, sich wieder auf sie einzulassen. Während die Frau monatelang noch nicht bereit war, ist es dann möglicherweise der Mann nicht. Erektionsprobleme oder ein früher Orgasmus sind nicht ungewöhnlich. Auch ihnen kann das Geburtserlebnis noch nachhängen, sodass sie Probleme haben das Geschlechtsorgan ihrer Partnerin nun wieder mit sexueller Lust zu verknüpfen anstatt mit der Geburt des Babys.

Ein neues Leben bringt auch ein neues Liebesleben mit sich

Bei vielen Paaren ändert sich der Sex nach der Geburt. Neben der abnehmenden Häufigkeit können sich auch die Vorlieben ändern. Die Frau möchte plötzlich anders berührt werden oder wird durch andere Stellungen als früher stimuliert. Je mehr Paare darüber sprechen was ihnen gut gefällt und wie sie mit der veränderten Situation umgehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit schnell wieder zu einem Liebesleben zurückfinden, mit dem beide zufrieden sind.

Dass der erste Sex nach der Geburt für die meisten Paare nicht der Beste ihres Lebens wird, sollten sich beide Partner vorher klarmachen. Wichtig ist, dass sie trotzdem Spaß dabei haben und sich dann Stück für Stück wieder an ihre Lust herantasten. Wer mit niedrigen Erwartungen an den ersten Sex herangeht und mit dem Partner über Zweifel und Probleme spricht, kann eine gute Grundlage schaffen auf der dann experimentiert werden kann. Und wenn dann doch zwischendurch das Baby schreit, sollten sich Paare nicht verrückt machen und einfach die nächste Gelegenheit erneut nutzen.

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