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Sex-Muffel: Diese Gründe kann die Unlust beim Mann haben

Auch Männer leiden unter sexueller Unlust. In vielen Fällen können sie selber dagegen vorgehen - der Partner kann ihnen dabei helfen. (Foto: Markus Bormann - Fotolia)

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Männer wollen ständig, überall und denken sowieso die ganze Zeit nur an das Eine. Die Rede ist von Sex und dem Klischee, dass sich über die männliche Lust hält. Wenn jemand lustlos ist, dann doch die Frauen! Männern kann sowas nicht passieren!

Wie die Statistik zeigt, ist das Quatsch – auch wenn sich diese Gedanken bis heute in vielen Köpfen gehalten haben. Auch Männer haben häufiger keine Lust – rund 15 Prozent der 18 bis 59-jährigen, um genau zu sein. Was sind die Gründe dafür? Ist die sexuelle Unlust ein Dauerzustand? Und was kann man gegen sie unternehmen?

Für Paare kann die sexuelle Unlust des Mannes eine große Belastung sein – und für ihn selber natürlich auch. Umso wichtiger ist es, der Sache auf den Grund zu gehen.

Wie viele Männer leiden unter sexueller Unlust?

30 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 59 klagen über sexuelle Unlust. Bei den Männern sind es zwischen 14 und 17 Prozent, je nach Alter. Nach dem frühzeitigen Samenerguss ist sexuelle Unlust sogar das zweithäufigste Problem bei Männern und widerlegt somit jedes Klischee. In den 1970er Jahren gaben nur 4 Prozent der Männer an, unter sexueller Unlust zu leiden. Dies ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass sich der Zeitgeist geändert hat und mehr Männer nun zu ihrem vermeintlichen Problem stehen – die Anzahl der Betroffenen war möglicherweise immer ähnlich hoch.

Mögliche Gründe für die sexuelle Unlust bei Männern gibt es viele. Die Ursachen können sowohl körperlich als auch psychisch sein – die psychischen Gründe überwiegen aber bei weitem.

Sexuelle Unlust beim Mann: Diese körperlichen Ursachen gibt es

  • Eine Schilddrüsenunterfunktion kann die Libido hemmen.
  • Diabetes kann zu sexueller Unlust führen.
  • Chronische Erkrankungen wie Alkoholismus, Leberzirrose oder eine Nierenschwäche können ein Grund sein. Auch Drogenkonsum kann die Lust einschränken.
  • Gefäßkrankheiten oder eine Herzschwäche können sexuelle Unlust auslösen.
  • Ein Schlaganfall, Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen können die Lust mindern.
  • Testosteronmangel oder andere Hormonstörungen können ein weiterer Grund sein.
  • Erektionsprobleme beeinflussen die Lust.

Auch bestimmte Medikamente können die Libido herabsetzen. Tabletten gegen zu hohen Blutdruck, Antidepressiva, Haarwuchsmittel oder Medikamente gegen Herzschwäche können die Lust beeinflussen.

Diese Lösungsansätze gibt es

Körperliche Ursachen, die sexuelle Unlust auslösen, behandelt der Arzt symptomatisch – soweit das möglich ist. So kann ein Testosteronmangel ebenso wie eine Schilddrüsenunterfunktion mit Tabletten behandelt werden. Bei chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Multipler Sklerose müssen andere Möglichkeiten gefunden werden, da die Krankheiten nicht heilbar sind.

Psychische Gründe und mögliche Lösungen

Die psychischen Gründe für sexuelle Unlust sind in der Regel deutlich komplexer. Schließlich kann es viele verschiedene Gründe haben, weshalb jemand keine Lust auf Sex hat. Die genannten Lösungen sind dabei nur Vorschläge und ersetzen im Zweifel nicht den Gang zu einem Arzt oder Therapeuten.

Ungelöste Beziehungsprobleme: Es gibt ungelöste Probleme in der Partnerschaft, die Nähe schwierig machen. Lösung: Hier sollten Paare sich daran machen, ihre Beziehungsprobleme zu ergründen. Nur wenn diese aus der Welt geschafft sind, ist eine lustvolle Sexualität wieder möglich.

Vorzeitiger Samenerguss: Der Mann leidet unter einem vorzeitigen Samenerguss und hat dadurch keine Lust auf Sex, weil er ihn immer wieder unter Druck setzt. Lösung: Hier sollten Männer oder auch Paare versuchen, die Ursache für den frühzeitigen Samenerguss herauszufinden. Diese kann ebenfalls körperlich oder psychisch sein. Wenn sich die Ejakulationsfähigkeit des Mannes verbessert oder Paare einen Weg finden damit umzugehen, kann auch die sexuelle Lust zurückkommen.

Unbefriedigender Sex: Wenn Männern der Sex mit ihrer Partnerin nicht gefällt oder sie nicht das bekommen, was sie sich davon versprechen, kann das ebenfalls zu sexueller Unlust führen. Lösung: Hier können Paare nur eins tun: Offen miteinander sprechen. Sich gegenseitig zu sagen und auch zu zeigen, was man sich vom anderen in sexueller Hinsicht wünscht und was einem gefällt, trägt zu einem erfüllten Sexleben bei. Tragen die Gespräche Früchte, kommt die Lust von ganz alleine zurück.

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Angst vor Sex: Wer schon mal einen Herzinfarkt hatte oder generell an einer Herzschwäche leidet, hat möglicherweise Angst vor Sex. Zu groß ist die Sorge, dass der Puls beim Akt zu sehr beschleunigt wird und der Kreislauf mit der Erregung nicht zurechtkommt. Vermeidung ist für diese Männer der einzig logische Schritt, was sich in sexueller Unlust äußern kann. Lösung: Ihnen können Gespräche mit einem Arzt helfen, der ihnen versichert, dass Sex für sie wirklich kein Problem darstellt.

Zu hohe Ansprüche: Es gibt Männer, die zu hohe sexuelle Ansprüche an sich selbst haben. Entweder hat ihnen ihre vorherige Partnerin das Gefühl gegeben, nicht gut genug im Bett zu sein oder sie haben durch Prahlgeschichten ihrer Kumpels oder das Anschauen von Pornos ein verzerrtes Bild von Sex. Sie denken, dass sie überirdische Leistung zwischen den Laken erbringen müssen und vermeiden Sex daher lieber komplett. Sie gehen fest davon aus, einer Frau nicht gerecht zu werden. Wenn die aktuelle Partnerin das Gefühl vermittelt, dass die sexuelle Leistung des Mannes nicht ausreicht, kann ihm das ebenfalls die Lust rauben. Lösung: In diesem Fall ist ein klärendes Gespräch ratsam, in dem beide ihre Erwartungen offenlegen.

Mangelndes Selbstwertgefühl: Arbeitslosigkeit kann zum Beispiel ein mangelndes Selbstwertgefühl auslösen. Der Mann fühlt sich nicht mehr wertvoll, seine Stimmung ist am Boden und die Lust auf Sex ebenfalls. Auch traumatische Erfahrungen (nicht sexueller Natur) aus der Vergangenheit können ein mangelndes Selbstwertgefühl auslösen. Lösung: Je nach Grund hilft entweder eine Psychotherapie oder bestenfalls die Beseitigung des Ereignisses, das zum mangelnden Selbstwertgefühl führt.

Stress: Stress ist ein häufiger Grund für sexuelle Unlust. Wenn der Kopf voll ist mit Terminen, Meetings und Aufgaben, kann die Lust darunter ganz schön leiden. Gleiches gilt für Zeitmangel. Lösung: Häufig hilft schon ein entspanntes Wochenende mit dem Partner, um die sexuelle Lust wieder zu wecken.

Geburt eines Kindes: Männer können nach der Geburt eines Kindes vorübergehend keine Lust auf Sex haben. Sie haben zu viel Angst, ihrer Partnerin Schmerzen zuzufügen. Auch ist die neue Rolle als Eltern oft so herausfordernd, dass für sexuelle Lust am Anfang wenig Raum bleibt. Lösung: Paare müssen sich erst in die neue Situation einfinden und sollten in dieser Zeit offen miteinander sprechen. Das Thema Sexualität sollten sie mit so wenig Druck wie möglich angehen.

Missbrauchserfahrungen: Männer, die in ihrem Leben sexuell missbraucht wurden, können ein gestörtes Verhältnis zu Sexualität entwickeln. Das kann sich unter anderem in sexueller Unlust äußern. Lösung: Eine Psychotherapie kann diesen Männern unter Umständen helfen.

Depressionen und andere psychische Erkrankungen: Wenn Männer unter Depressionen leiden, ist Sex für sie oft ganz weit weg. Die sexuelle Lust kann nur zurückkommen, wenn die Depression behandelt wird. Gleiches gilt für Angststörungen und andere psychologische Erkrankungen. Lösung: Eine Psychotherapie kann diesen Männern unter Umständen helfen.

Ist die sexuelle Unlust überhaupt für beide ein Problem?

Viele psychische Gründe für sexuelle Unlust sind häufig nur vorübergehend. Sie können entweder mit dem Partner geklärt werden oder sind spätestens mit einem anderen Partner nicht mehr vorhanden. Entscheidend ist immer, ob beide Partner die sexuelle Unlust des Mannes als Belastung empfinden. Wenn die Partnerin ohnehin wenig Freude an Sex hat, empfindet sie die sexuelle Unlust des Mannes vielleicht sogar als entspannend.

Um Sex zu haben und ihn genießen zu können, ist es für beide Geschlechter gleichermaßen wichtig, sich wohlzufühlen. Wenn ein Mann von seiner Partnerin nicht das Gefühl bekommt, dass sie den Sex mit ihm als schön und erfüllend erfindet, zieht er sich zurück. Frauen kommt also auch eine gewisse Verantwortung zu, dass Männer sich im gemeinsamen Sexleben wohlfühlen. Paare, die die Ursachen der sexuellen Unlust selber identifizieren konnten, können mit Geduld, Gelassenheit und neuentdeckter Lust wieder ein erfülltes Sexualleben genießen.

Wann sollten Männer mit sexueller Unlust zum Arzt gehen?

Falls körperliche Ursachen der Grund für eine reduzierte Libido sind, sollten die betroffenen Männer in jedem Fall einen Arzt aufsuchen. Die Notwendigkeit können sie an konkreten körperlichen Beschwerden erkennen.

Falls sie keine körperlichen Beschwerden haben, mit ihrer Partnerin glücklich sind und einen tiefgründigen und guten Austausch pflegen, aber trotzdem keine Lust auf Sex verspüren, kann dies trotzdem ein Anzeichen für eine körperliche Ursache der sexuellen Unlust sein.

Falls ein Arzt keine körperliche Ursache findet und die sexuelle Unlust weiterhin besteht, kann auch eine Paartherapie Sinn machen. Sie fördert möglicherweise unterschwellige Konflikte zutage, die Paare dann unter Anleitung lösen können. Bestehende bekannte Probleme können ebenfalls unter Anleitung eines Paartherapeuten gelöst werden.

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