MenüMenü

Vorzeitiger Samenerguss: Wie er die Beziehung belastet

Viele Männer leiden unter einem vorzeitigen Samenerguss. Die Ursachen sind häufig psychosomatisch - es gibt jedoch mehrere Lösungsansätze.

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Schon wieder zu früh gekommen. Ein vorzeitiger Samenerguss kann sowohl für den Mann als auch für seine Partnerin sehr belastend sein. Von einem vorzeitigen Samenerguss (lateinisch/medizinisch “eiaculatio praecox”) spricht man, wenn der Orgasmus des Mannes und der damit verbundene Samenerguss zu früh erfolgen. Dabei ist “zu früh” zwar wissenschaftlich festgelegt, wird von den Betroffenen aber unterschiedlich wahrgenommen.

Wann ist ein frühzeitiger Samenerguss ein medizinisches Problem?

Diese 3 Kriterien machen die Diagnose der sexuellen Funktionsstörung aus und lassen den vorzeitigen Samenerguss zu einer medizinischen Auffälligkeit werden:

  1. Direkt nach dem Einführen des Penis in die Vagina kommt es zum Samenerguss, spätestens innerhalb der ersten Minute danach.
  2. Der Mann kann den Samenerguss nicht selber kontrollieren. Er ist nicht in der Lage seinen Orgasmus zurückzuhalten.
  3. Leidensdruck ist die Folge. Angst, Stress und Unwohlsein können sogar dazu führen, dass Sex eher vermieden wird.

Der Durchschnitt aller Männer kommt 5,4 Minuten nach dem Einführen des Penis zum Orgasmus. Wer also beispielsweise nach 4 Minuten den Höhepunkt erlebt, hat deshalb noch lange kein Problem mit einem vorzeitigen Samenerguss. Auch gelegentlich nach ein oder zwei Minuten zu kommen, macht noch keine sexuelle Funktionsstörung aus. Vielmehr geht es um das dauerhafte Auftreten und die damit verbundene psychische Belastung für den Betroffenen.

Bei besonders schweren Formen des vorzeitigen Samenerguss ejakuliert der Mann sogar bevor er seinen Penis in die Frau einführt. Andere wiederum müssen nur an eine sexuelle Handlung denken und kommen schon zum Höhepunkt. Dies betrifft besonders junge Männer mit wenig sexueller Erfahrung.

Da der Penis nach dem Orgasmus erschlafft, kann die Frau nach einem vorzeitigen Samenerguss oft nicht mehr ausreichend stimuliert werden. Dies macht ein erfülltes Sexleben für beide Partner schwierig und kann zu Druck, Streit und dem gänzlichen Verzicht auf körperliche Nähe führen. Für beide Partner ist dies sehr belastend.

Wie viele Männer kommen regelmäßig zu früh?

Laut Studien sind 20 bis 30 Prozent der Männer von einem vorzeitigen Samenerguss betroffen, deutlich weniger gehen aber mit ihren Symptomen zum Arzt und fragen nach Rat oder einer Behandlung. Viele Männer schämen sich und tun sich schwer damit, über dieses intime Problem zu sprechen. Sie gehen meist erst dann zum Arzt, wenn die Probleme in der Partnerschaft zu groß werden.

Der vorzeitige Samenerguss ist die häufige sexuelle Funktionsstörung bei Männern und kann auf verschiedene Weise behandelt werden. Er kann in jedem Alter auftreten, unterschieden werden muss bei der Diagnose zwischen zwei Formen:

Erworbene Funktionsstörung: Es gibt Männer, bei denen es erst im Laufe ihres Lebens zu frühzeitigen Samenergüssen kommt – es gab Phasen, in denen sie ihren Orgasmus noch kontrollieren konnten.

Angeborene Funktionsstörung: Andere Männer wiederum haben schon ihr Leben lang mit dieser Funktionsstörung zu kämpfen und kennen es gar nicht anders. Häufig wird das Bewusstwerden über ihre Störung auch erst durch eine Partnerin ausgelöst. Sie gibt ihnen zu spüren, dass sie nicht lange genug können, da sie selber nicht ausreichend befriedigt wird. Männer mit einer lebenslangen Funktionsstörung kommen bei jeder Partnerin und ab dem ersten Geschlechtsverkehr bei jedem Liebesakt zu früh und können ihren Orgasmus nicht kontrollieren.

Für die finale Diagnose muss der Arzt sich ein umfassendes Bild machen

Wichtig für die richtige Behandlung des vorzeitigen Samenerguss ist die Ursachen zu kennen. Sowohl medizinische als auch psychische Ursachen können hinter der Funktionsstörung stecken und mit ein paar Fragen können Ärzte der Ursache auf den Grund gehen. Die Fragen zielen darauf ab herauszufinden, ob der Betroffene seine Ejakulation kontrollieren kann, wie lange es nach dem Eindringen dauert bis er zum Orgasmus kommt und ob er das zu frühe Ejakulieren als Belastung empfindet. Weitere Fragen zielen auf die sexuelle Vergangenheit des Patienten ab:

  • Wann kam es das erste Mal zum vorzeitigen Samenerguss?
  • Kam es bereits bei den ersten sexuellen Kontakten zu frühzeitigen Ejakulationen?

Diese körperlichen Ursachen kann ein vorzeitiger Samenerguss haben

Auch Fragen zur Beziehung stellt der Arzt und inwiefern sie darunter leidet. Eine medizinische Untersuchung leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Diagnosestellung. So können folgende körperliche Ursachen der Grund für einen frühzeitigen Samenerguss sein:

  • Entzündung der Prostata
  • Entzündung der Harnröhre
  • Fehlfunktion der Schilddrüse
  • Erektionsstörung
  • Diabetes mellitus
  • Multiple Sklerose oder andere Erkrankungen des Nervensystems
  • eine hypersensible Penishaut
Leidenschaftliches Paar im Bett_Adobe Stock_Dmitry Kapitonenko

Natürliche Potenzmittel: So steigern Männer ihre ErektionsfähigkeitNatürliche Potenzmittel sind schonender als Viagra und Co. Ein Arzt kann passende Präparate empfehlen, denn nicht alle sind geeignet. › mehr lesen

In den wenigsten Fällen ist der Grund für häufiges verfrühtes Kommen körperlicher Natur und die verschiedenen Untersuchungen bleiben ohne Befund. Psychische Ursachen liegen häufiger zugrunde, sind aber auch weitaus komplexer.

Diese psychischen Ursachen kann ein vorzeitiger Samenerguss haben

So haben manche Männer sich zum Beispiel in der Pubertät antrainiert in möglichst kurzer Zeit zu masturbieren, aus Angst dabei erwischt zu werden. Dies kann sich auch auf den späteren Sex übertragen und einen frühzeitigen Samenerguss mit einer Partnerin auslösen. Andere wiederum haben ein falsches Bild von Sexualität und denken, dass sie stundenlang können müssen oder ein schlechter Liebhaber sind, wenn nach ein paar Minuten schon wieder Schluss ist. Auch die Angst vor einer ungewollten Vaterschaft kann einen vorzeitigen Samenerguss auslösen. Weitere psychische Gründe für einen frühzeitigen Samenerguss können folgende sein:

  • Leistungsdruck beim Sex
  • enorme Aufregung vor dem Sex
  • Stress
  • Depressionen
  • Beziehungsprobleme oder andere schwerwiegende Sorgen
  • einschränkende Sexualerziehung durch die Eltern oder das Umfeld (Sex ist was Böses, Lust ist was Schlechtes)
  • sexuelle Traumata aus der Kindheit oder Jugend

Häufig wird ein immer wieder aufkehrender vorzeitiger Samenerguss zu einem Teufelskreis. Ist es einmal passiert, wächst die Sorge, dass es beim nächsten Mal wieder passiert und auf diese Weise baut sich im Kopf großer Druck auf, der das Problem chronisch machen kann.

Falls Depressionen oder Traumata die Ursache für einen ständigen vorzeitigen Samenerguss sind, liegen die Probleme tief und sollten im Rahmen einer Psychotherapie angegangen werden. Umständen wie Stress können Männer auch selber Herr werden, in dem sie Dinge in ihrem Leben verändern.

Behandlung: Sowohl technisch als auch medizinisch möglich

Ein vorzeitiger Samenerguss kann sowohl technisch mit ein wenig Übung als auch mit Medikamenten behandelt werden. Die Partnerin kann bei der Behandlung mit einbezogen werden – muss sie aber nicht. Viele Männer probieren es erst einmal auf technische Weise, ihren Orgasmus zu kontrollieren. Medikamente sind häufig erst der zweite Schritt. Die Squeeze-Technik ist ebenso wie die Stopp-Start-Methode eine Möglichkeit, den Samenerguss des Mannes herauszuzögern.

Squeeze-Technik: Bei der Squeeze Technik kann die Frau dem Mann gut helfen, er kann aber auch alleine “üben”. Dabei wird der Penis so lange stimuliert, bis der Mann das Gefühl hat, dass er gleich zum Orgasmus kommt. Entweder gibt der Mann dann der Frau ein Zeichen oder er macht es selbst: Mit den Fingern wird der Penis nun unterhalb der Eichel, zwischen der Ober- und der Unterseite, zusammengedrückt. Dies führt dazu, dass der Drang zu ejakulieren weniger wird. Nach einer kurzen Pause wird dann die Stimulation fortgeführt, bis zum nächsten “kritischen Moment”. Dieser Wechsel zwischen Stimulation und zusammendrücken sollte über 20 Minuten lang fortgeführt werden.

Anschließend kann der Penis in die Vagina der Frau eingeführt werden, wo das Spiel weiter fortgeführt wird. Jedes Mal wenn der Mann das Gefühl hat, dass er kurz davor ist, zieht er den Penis heraus. Fällt es ihm auch auf diese Weise schwer den Samenerguss zu kontrollieren eignen sich besonders Sex-Stellungen, bei der beide Partner auf der Seite liegen und der Mann von hinten in die Frau eindringt. Hier hat der Mann die größte Kontrolle über seine Reaktionen. Regelmäßiges Training verbessert das Ergebnis.

Stopp-Start-Technik: Die Stopp-Start-Technik funktioniert ebenfalls mit Unterbrechungen. Hierbei trainiert der Mann zunächst alleine beim Masturbieren immer wieder aufzuhören, wenn er merkt, dass er kurz vor dem Orgasmus steht. Auch mit der Partnerin kann diese Methode beim Sex angewendet werden. Immer wenn der Mann merkt, dass er gleich kommt, hören beide mit ihren Bewegungen auf, bis das Erregungslevel wieder gesunken ist. Anschließend die Stellung zu wechseln oder den Rhythmus zu verändern, sodass sich die Stimulation anders anfühlt, kann ebenfalls helfen.

Beckenbodentraining kann Männern ebenfalls helfen, den Zeitpunkt des Orgasmus besser selber zu bestimmen.

Welche medizinischen Hilfsmittel gibt es?

Sprays oder Cremes mit einer leicht betäubenden Wirkung, die vor dem Sex auf den Penis aufgetragen werden, sind ebenfalls eine Option. Allerdings überträgt sich diese Wirkung auch auf die Frau. Zudem müssen diese Hilfsmittel oft ein paar Minuten einwirken, was als störend empfunden wird. Eine sinnvolle Alternative sind Kondome, die von innen mit einem leichten Betäubungsmittel beschichtet sind. Auf diese Weise zielt die Wirkung nur auf den Mann ab und die Frau kann den Sex frei von Empfindungsstörungen genießen.

Dapoxetin ist der einzige Wirkstoff, der auf dem deutschen Markt zur Behandlung von frühzeitiger Ejakulation zugelassen ist. Priligy ist der Name des Medikaments und wird je nach Bedarf eine bis drei Stunden vor dem Sex eingenommen. Es wirkt sowohl bei der erworbenen als auch angeborenen Funktionsstörung und in Studien wurde nachgewiesen, dass das Medikament den frühzeitigen Samenerguss zuverlässig verhindert. Männer erhalten dank Priligy mehr Kontrolle über den Zeitpunkt ihres Höhepunkts. Sie können mit diesem Medikament länger – müssen für drei Tabletten aber auch rund 30 Euro bezahlen. Eine Heilung der Symptome bewirkt dieses Medikament nicht, es hilft immer nur punktuell in der Zeit nach der Einnahme.

Auch chirurgisch kann das Problem des vorzeitigen Samenergusses angegangen werden, in Deutschland sind operative Maßnahmen aber noch nicht etabliert und befinden sich in der Entwicklung.

So können Frauen damit umgehen wenn ihr Partner zu früh kommt

Männer sollten mit ihrer Partnerin besprechen, ob sie den vorzeitigen Orgasmus auch als zu früh empfindet. So kann es sein, dass der Mann sich jedes Mal verrückt macht und unter Druck setzt, es für die Frau aber absolut in Ordnung ist. Schließlich gibt es Frauen, denen der verkürzte Sex nicht viel ausmacht. Sie haben entweder selber kein großes Interesse an Sexualität oder sind bereits regelmäßig durch das Vorspiel so erregt oder sogar befriedigt, dass es für sie unproblematisch ist, wenn der eigentliche Akt dann nach einer Minute vorbei ist.

Unabhängig davon wie sie es selber empfinden, sollten Frauen ihrem Partner mit Verständnis begegnen und ihn nicht noch zusätzlich unter Druck setzen. Für den Mann ist das Gefühl, ihrer Partnerin nicht das geben zu können, was sie (vermeintlich) braucht, schon belastend genug. Überhaupt gemeinsam darüber zu sprechen kann schon der erste Schritt zur Verbesserung der Orgasmuskontrolle sein. Männer können sich dadurch besser entspannen, machen sich weniger Stress und das kann schon Wunder wirken. Paare können gemeinsam einen Weg finden, wenn sie den Fokus mehr auf das Vorspiel legen. Auch können Frauen ihrem Partner bei dem Training der Orgasmuskontrolle helfen.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Nach oben
© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten