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Schwangerschaft, Geburt und Stillen in Zeiten der Coronavirus-Pandemie

Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf die Schwangerschaft, die Geburt und die Stillzeit? Erfahren Sie jetzt die Antworten auf die wichtigsten Fragen. (Foto: Blue Planet Studio | Adobe Stock)

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Das neue Coronavirus namens SARS-CoV-2 hat sich nun auch in Deutschland stark verbreitet. Mehr als 32.000 Menschen allein in Deutschland sind zum aktuellen Zeitpunkt mit dem Coronavirus infiziert. Dazu kommen mehr als 150 Todesfälle.

Die Coronavirus-Pandemie 2019 versetzt derzeit viele Menschen in Sorge. Doch wenn man die Todesfälle beziehungsweise die Erkrankten mit einem schweren Krankheitsverlauf betrachtet, wird deutlich: Besonders gefährdet sind vor allem ältere Personen sowie Menschen mit Vor- und Grunderkrankungen wie zum Beispiel Diabetes und Bluthochdruck.

Diese Personen zählen zu einer definierten Risikogruppe des Robert-Koch-Instituts, bei der aufgrund des geschwächten Immunsystems sowohl ein schwerer Krankheitsverlauf und Komplikationen während der Behandlung erwartet wird als auch das Mortalitätsrisiko höher eingeschätzt wird.

Coronavirus: Schwangere und Babys als potenzielle Risikogruppe?

Doch nicht nur diese Risikogruppe leidet unter einem geschwächten Immunsystem. Auch werdende Mütter besitzen aufgrund der Schwangerschaft ein schwaches Immunsystem und sind somit anfälliger für Infekte. Darüber hinaus ist das Immunsystem von Babys im Mutterleib sowie von Neugeborenen noch nicht vollständig ausgebildet und nicht dazu in der Lage, Krankheitserreger erfolgreich abzuwehren.

Aus diesem Grund fürchten sich insbesondere Schwangere und frischgebackene Eltern vor dem gefährlichen Coronavirus.

Doch wie hoch ist die Ansteckungsgefahr für Schwangere, den Fötus und für das neugeborene Baby wirklich? Und wie gefährlich ist eine diagnostizierte Infektion? Im Folgenden finden Sie die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Besteht für schwangere Frauen ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Coronavirus?

Zum aktuellen Zeitpunkt existiert kein Verdacht darauf, dass schwangere Frauen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem SARS-CoV-2 aufweisen. Demzufolge ist die Gefahr für Schwangere ebenso hoch, an COVID-19 zu erkranken wie bei dem Rest der Bevölkerung.

Wie können sich Schwangere vor einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 schützen?

Da Schwangere das gleiche Infektionsrisiko besitzen wie andere Frauen, sollten sich werdende Mütter an dieselben Vorsichts- und Hygienemaßnahmen des Robert-Koch-Instituts zum Schutz vor einer Coronavirus-Infektion halten. Dazu gehören:

Den Mindestabstand einhalten

Da der Coronavirus vor allem über die Tröpfcheninfektion übertragen wird, ist es zunächst von elementarer Bedeutung, dass Sie zu Personen außerhalb Ihres Haushaltes einen Abstand von zwei Metern einhalten.

Dazu gehört es ebenfalls Menschenansammlungen, in der ein Abstand von mehr als zwei Meter nicht möglich ist, zu vermeiden.

Die richtige Handhygiene

Da der Coronavirus nicht nur über die Tröpfcheninfektion, sondern auch über eine Kontaktinfektion übertragbar ist, sollten Sie in jedem Fall auf eine gute Handhygiene achten.

Diese umfasst sowohl regelmäßiges als auch gründliches Händewaschen, welches alle Krankheitserreger erfolgreich beseitigt.

Direkte Berührungen mit anderen Menschen, Gegenständen und Oberflächen meiden

Um einer Schmierinfektion vorzubeugen, sollten Sie direkte Berührungen möglichst einschränken sowie den Hautkontakt zu häufig benutzten beziehungsweise öffentlichen Gegenständen und Oberflächen vermeiden.

Im eigenen Haushalt dagegen sollten Sie Oberflächen und Gegenstände, die von mehreren Personen häufig berührt werden, regelmäßig desinfizieren.

Fassen Sie sich nicht ins Gesicht

Natürlich können Sie nicht jeden Kontakt mit öffentlichen Gegenständen und Oberflächen verhindern. Aus diesem Grund sollten Sie stets darauf achten, Ihr Gesicht in der Öffentlichkeit nicht mit Ihren Händen zu berühren.

Fassen Sie sich also lediglich ins Gesicht, wenn Sie Ihre Hände gründlich gereinigt haben.

Schränken Sie Ihre sozialen Kontakte ein

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die oberste Priorität, die Ausbreitung des Virus einzudämmen beziehungsweise zu verlangsamen. Daher sollten Sie auch als Schwangere Ihre sozialen Kontakte einschränken. Auch wenn es Ihnen schwer fällt, Ihre Eltern oder Großeltern nicht zu besuchen, sollten Sie sowohl zu Ihrem eigenen als auch zu dem Schutz Ihrer Verwandtschaft den Kontakt erst einmal vermeiden.

Wie sollten Sie vorgehen, wenn Sie als Schwangere engen Kontakt zu einem Infizierten hatten?

Sind Sie als Schwangere trotz aller Vorsichtsmaßnahmen in engen Kontakt zu einer Person, die positiv auf den Coronavirus getestet worden ist, gekommen, sollten Sie zunächst nicht in Panik verfallen.

Melden Sie sich im ersten Schritt beim zuständigen Gesundheitsamt und erklären Sie, dass Sie unmittelbaren Kontakt mit einem Infizierten hatten. Daraufhin wird Ihnen das weitergehende Vorgehen ausführlich erläutert.

Solange es Ihnen gut geht und Sie keine Anzeichen einer Infektion aufweisen, ist eine Absprache mit Ihrem Frauenarzt nicht zwingend erforderlich.

An welchen Symptomen erkennen Schwangere eine Infektion?

Zu den klassischen Symptomen, die zu Beginn der Erkrankung auftreten, gehören:

  • Trockener Husten und Halskratzen
  • Schnupfen
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Leichtes bis starkes Fieber
  • Anhaltende Kopfschmerzen
  • Übelkeit bis hin zu Erbrechen
  • Durchfall
  • Ein allgemeines schweres Krankheitsgefühl
  • Anhaltendes Schwächegefühl und Müdigkeit

Wie sollten Sie reagieren, wenn Sie als Schwangere erste Anzeichen einer Coronavirus-Infektion zeigen?

Entwickeln Sie Beschwerden, die den oben genannten Anzeichen der Coronavirus-Erkrankung, gleichen, sollten Sie sich erneut bei dem zuständigen Gesundheitsamt melden.

Darüber hinaus sollten Sie sich telefonisch an Ihren Hausarzt wenden und Ihre Symptome eingehend beschreiben. Ihr Arzt wird im Folgenden entscheiden, ob Ihre Beschwerden auf eine Infektion hindeuten und Sie sich dementsprechend testen lassen und in Quarantäne begeben sollten.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten Sie als Schwangere treffen, wenn Sie mit SARS-CoV-2 infiziert sind?

Wurde bei Ihnen die Infektion mit SARS-CoV-2 bestätigt, müssen Sie zunächst in Quarantäne. Dafür sollten Sie in jedem Fall Ihren Frauenarzt anrufen und ihm die Diagnose mitteilen.

Leiden Sie lediglich unter leichten Symptomen, können Sie sich in den meisten Fällen in häusliche Quarantäne begeben. Dort werden Sie weiterhin von Ihrer Frauenärztin betreut und Ihr Gesundheitszustand zur Sicherheit überwacht.

Weisen Sie allerdings Beschwerden auf, die Ihrem ungeborenen Kind gefährlich werden könnten, ist es zu Ihrer eigenen Sicherheit sowie der Ihres Babys wichtig, die Quarantäne in einem Krankenhaus zu vollziehen.

So können Ihre zuständigen Ärzte Ihren Gesundheitszustand fortwährend überwachen und bei auftretenden Komplikationen medizinische Maßnahmen einleiten.

Befinden Sie sich bereits in den letzten Schwangerschaftswochen und der errechnete Geburtstermin steht kurz bevor, sollten Sie sich als Schwangere in jedem Fall für eine Quarantäne im Krankenhaus entscheiden.

Wann wird die Quarantäne für infizierte Schwangere aufgehoben?

Verläuft die Infektion mit dem Coronavirus sehr leicht, kann die Quarantäne bereits 10 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome beendet werden. Dafür müssen allerdings alle der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Die Betroffene muss mindestens seit 48 Stunden fieberfrei sein.
  • Die Schwangere darf seit mindestens 24 Stunden keine Symptome der COVID-19-Erkrankung mehr aufweisen.
  • Die ehemals Infizierte muss insgesamt zwei Tests auf den SARS-CoV-2 im Abstand von 24 Stunden durchlaufen, deren Befunde beide negativ ausfallen müssen.

Sind alle diese Kriterien erfüllt, darf die Schwangere das Krankenhaus verlassen beziehungsweise die häusliche Quarantäne beenden.

Ist eine Infektion mit dem Coronavirus für Schwangere gefährlicher als für normale Frauen?

Die bisherigen Krankheitsverläufe bei Frauen, die ein Kind erwarten, belegen, dass eine Infektion mit dem Coronavirus für Schwangere nicht gefährlicher ist als für andere Frauen.

Stattdessen gelten bei Schwangeren dieselben Risikofaktoren wie auch bei Nicht-Schwangeren.

Leiden Sie als schwangere Frau also unter einer Vor- oder Grunderkrankungen wie zum Diabetes, Krebs, einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einer Erkrankung der Atemwege, der Leber oder Niere besitzen Sie ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf des COVID-19.

Sind Sie stattdessen gesund und leiden unter keiner der oben genannten Krankheiten, ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und das Mortalitätsrisiko sehr gering.

Bisher wurden bei schwangeren Frauen lediglich leichte bis mittlere Symptome des Coronavirus beobachtet. Aus diesem Grund wird davon ausgegangen, dass Schwangere, die sich mit SARS-CoV-2 infizieren, einen moderaten Krankheitsverlauf aufweisen und sich nach wenigen Wochen wieder vollständig erholen werden.

Kann die Coronavirus-Infektion einer Schwangeren dem Fötus schaden?

Schwangere mit einem guten Gesundheitszustand zeigen nach bisherigen Beobachtungen lediglich leichte bis mittlere Symptome ähnlich einer Erkältung oder einer leichten Grippe auf. Die damit einhergehenden Beschwerden wie Husten, Schnupfen oder leichtes Fieber können den Fötus im Mutterleib nicht bedrohen.

Leidet die schwangere Frau allerdings unter einer Grund- oder Vorerkrankung, ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf erhöht. Dementsprechend können auch ernstzunehmende Symptome wie hohes und anhaltendes Fieber auftreten. Hält dieses über 24 Stunden an, ohne dass es erfolgreich gesenkt werden kann, überhitzt der Körper. Im Folgenden steigt das Risiko für Fehlbildungen sowie für vorzeitige Wehen erheblich an.

Hierbei sei allerdings noch einmal erwähnt, dass Schwangere, die sich mit dem SARS-CoV-2 infizieren, bisher einen moderaten und somit ungefährlichen Krankheitsverlauf aufwiesen. Darüber hinaus existiert ebenfalls kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt.

Kann das Coronavirus von der Mutter auf das Kind im Mutterleib übertragen werden?

Eine chinesische Studie testete insgesamt neun Neugeborene, deren Mütter mit dem Coronavirus infiziert waren, auf den Krankheitserreger SARS-CoV-2  und kam dabei zu dem Ergebnis, dass keines der neugeborenen Babys mit dem Virus infiziert wurde.

Daher wird zum aktuellen Zeitpunkt davon ausgegangen, dass eine Übertragung des Virus auf das Kind im Mutterleib nicht stattfindet.

Kann eine Coronavirus-Infektion zu Komplikationen während der Geburt führen?

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es keinen begründeten Verdacht dafür, dass eine vaginale Geburt weder für die Mutter noch für das Kind ein Risiko darstellt. Ebenfalls gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Corona-Infektion seitens der Mutter zu Komplikationen während der Geburt führen kann.

Allerdings wird Schwangeren mit Verdacht auf oder mit einer bestätigten Coronavirus-Infektion zur Sicherheit empfohlen, die Entbindung in einem Krankenhaus zu vollziehen. So kann das ungeborene Kind bereits während den Wehen permanent von den Ärzten und Hebammen überwacht werden.

Darüber hinaus stellt auch die PDA (Periduralanästhesie) zur Schmerzlinderung während der Geburt kein Problem dar. Dementsprechend können sich auch werdende Mütter, die unter der COVID-19-Erkrankung leiden, für eine PDA und somit eine schmerzarmere Geburt entscheiden.

Lediglich der Einsatz von Lachgas ist für Schwangere mit einer Corona-Infektion nicht möglich, da dieses die Ausbreitung des Virus erhöhen kann.

Wird das Neugeborene auf den Coronavirus getestet?

Stehen Sie unter einem begründetet Verdacht beziehungsweise wurden Sie positiv auf die COVID-19-Erkrankung getestet, wird auch Ihr neugeborenes Kind auf den Coronavirus getestet.

Kann die Mutter trotz bestätigter Diagnose bei Ihrem neugeborenen Kind bleiben?

Ist Ihr Kind gesund und muss nicht in der Neugeborenenstation betreut werden, können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt bei Ihrem Kind bleiben.

Allerdings sollten Sie diese Entscheidung zunächst mit Ihrer Familie sowie Ihren zuständigen Ärzten ausführlich besprechen und im Folgenden notwendige Sicherheitsvorkehrungen treffen.

Kann eine Mutter mit einer Coronavirus-Infektion Ihr Kind stillen?

Zum aktuellen Zeitpunkt besteht kein Verdacht darauf, dass der Coronavirus über die Muttermilch auf das Neugeborene übertragen werden kann.

Allerdings kann der enge Kontakt von Mutter und Kind während des Stillens zu einer Übertragung führen. Jedoch überwiegen in diesem Fall die anerkannten Vorteile des Stillens sowohl für die Mutter als auch für das Neugeborene das Risiko einer Kontaktinfektion.

Aus diesem Grund dürfen Sie Ihr Kind trotz Coronavirus-Infektion stillen. Um die Infektionsgefahr jedoch möglichst gering zu halten, sollten Sie folgende Schutzmaßnahmen beim Stillen einhalten:

  • Bevor Sie Ihr Kind berühren, sollten Sie sich zunächst gründlich die Hände waschen.
  • Um die Gefahr einer Tröpfcheninfektion zu minimieren, sollten Sie während des Stillens eine Atemschutzmaske tragen.

Haben Sie allerdings Probleme damit, Ihr Kind über Ihre Brust zu stillen, können Sie die Muttermilch auch abpumpen und Ihr Kind mit einem Flasche füttern. Dabei gelten ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wie beim Stillen über die Brust:

  • Waschen Sie sich sowohl vor dem Kontakt mit der Pumpe als auch vor dem Berühren der Babyflasche stets gründlich die Hände.
  • Beachten Sie nach Gebrauch der Pumpe stets die Empfehlungen zur Reinigung.
  • Sterilisieren Sie die Babyflasche ebenfalls nach jeder Verwendung.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.

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