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Späte Schwangerschaft: Hat das Alter der Frau Einfluss?

Offiziell besteht eine Risikoschwangerschaft schon für Frauen ab 35 - und mit steigendem Alter verringert sich die Fruchtbarkeit.

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Mutter mit 40? Noch in den 1960er Jahren war das die große Ausnahme. Mit durchschnittlich 23 Jahren bekamen Frauen damals Kinder. Mittlerweile beträgt das durchschnittliche Alter von Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes 29,5 Jahre. Auch sogenannte Spätgebärende sind keine Seltenheit mehr. Mit steigendem Alter tritt allerdings auch das Problem Risikoschwangerschaft auf.

Wurden in den 60er Jahren alle Frauen jenseits der 30 so bezeichnet, trifft das heutzutage auf die Frauen ab 35 zu. Dabei ist eine späte Schwangerschaft mit mehr Risiken verbunden. Doch was genau heißt spät? Welche Risiken gibt es? Und welches ist das beste Alter, um Kinder zu bekommen?

Erst Karriere, dann Kinder?

Jedes vierte Baby in Deutschland wird von einer Frau zur Welt gebracht, die 35 Jahre oder älter ist. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich im veränderten Zeitgeist:

  • Viele Frauen wollen erst ihr Studium oder ihre Ausbildung abschließen, bevor sie Mutter werden.
  • Sie wollen berufliche Ziele erreichen und Karriere machen.
  • Frauen streben finanzielle Unabhängigkeit an.
  • Sie suchen länger nach einem geeigneten Partner.
  • Ein Leben ohne Kinder ist gesellschaftlich anerkannter als früher.

Früher waren die Ausbildungszeiten deutlich kürzer. Zwischen 1958 und 1977 gab es sogar noch einen Paragraphen im Gesetz, der die Berufstätigkeit von Frauen regelte. Frauen durften nur arbeiten gehen, wenn das mit ihren Pflichten als Hausfrau und Mutter vereinbar war. Heutzutage definieren sich Frauen oft nicht mehr nur über die Familie, weshalb sich die Einstellung zum Kinderkriegen verändert hat.

Veränderte Umstände bei unveränderter biologische Fruchtbarkeit

Auch die Medizin hat sich verändert und bietet Paaren mit Fruchtbarkeits-Problemen die Option künstlich nachzuhelfen. Denn genau hier liegt der Knackpunkt: Während sich viele äußere Umstände und auch die Möglichkeiten verändert haben, hat sich die biologische Fruchtbarkeit von Frauen nicht verändert. Je älter eine Frau ist, desto schwieriger wird es für sie, schwanger zu werden.

Alter der FrauWahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft (innerhalb eines Jahres)
20 bis 24 Jahre86 Prozent
25 bis 29 Jahre78 Prozent
30 bis 34 Jahre63 Prozent
35 bis 39 Jahre52 Prozent
40 bis 44 Jahre36 Prozent
45 bis 49 Jahre5 Prozent
50 Jahre und älterweniger als 1 Prozent

Umfragen haben gezeigt, dass etwa die Hälfte aller Paare zwischen 30 und 39 keine Zweifel daran hat, dass es bei ihnen mit einer Schwangerschaft klappt. Wie die Tabelle zeigt, wären Zweifel aber durchaus angebracht. Zwar achten viele Menschen heutzutage mehr auf ihre Gesundheit als noch vor einigen Jahrzehnten. An der Fruchtbarkeit ändert das aber nichts.

  • Bei einer Frau im Alter von 25 bis 30 liegt die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden pro Zyklus im Schnitt bei 23 Prozent.
  • Mit 35 Jahren liegt diese durchschnittliche Wahrscheinlichkeit pro Zyklus nur noch bei 16 Prozent.

Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass es deutlich länger dauert bis eine Frau schwanger wird – wenn es überhaupt klappt. So haben einige Frauen ab 35 zum Beispiel nicht mehr in jedem Zyklus einen Eisprung. Ihr Körper produziert weniger Hormone. Da der Eisprung eine wichtige Voraussetzung ist, kommt dann unter Umständen schon gar nicht mehr jeder Zyklus in Frage, um schwanger zu werden.

Welches ist das beste Alter um schwanger zu werden?

Ihre fruchtbarste Phase haben Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren. Am besten geeignet um schwanger zu werden sind die frühen 20er. Allerdings fühlen sich in diesem Alter viele Frauen noch nicht dafür bereit, stecken mitten in der Ausbildung und haben keine ausreichende finanzielle Absicherung für ein Kind. Die Angst vor einer ungeplanten Schwangerschaft in diesem Alter ist bei vielen größer als die Sorge, dass es irgendwann zu spät sein könnte.

Mit dem richtigen Timing die Fruchtbarkeit optimieren

Frauen können ihre Fruchtbarkeit nicht verlängern. Sie können sie aber optimal ausnutzen. 70 Prozent aller Babys entstehen am Tag des Eisprungs oder in den zwei Tagen davor. Wenn Frauen diese Tage genau kennen, können sie sie gezielt für Geschlechtsverkehr nutzen. Mit der Temperaturmethode können diese fruchtbaren Tage genau identifiziert werden. Dennoch gibt es auch dann keine Garantie für eine Schwangerschaft. Viele komplexe Vorgänge müssen dafür zusammenspielen.

Wenn Frauen nach einem Jahr regelmäßigem Sex ohne Verhütung immer noch nicht schwanger sind, sollten sie einen Arzt aufsuchen. Frauen ab 35 Jahren wird dieser Schritt sogar schon nach einem halben Jahr empfohlen. Falls eine Kinderwunsch-Behandlung nötig ist, stehen die Chancen dafür höher, je jünger die Frau ist.

Je länger Paare schon versuchen schwanger zu werden, desto unwahrscheinlicher wird eine natürliche Schwangerschaft. Eine 35 Jahre alte Frau hat nach einem Jahr unerfülltem Kinderwunsch nur noch eine Chance von 6 Prozent pro Zyklus, auf natürliche Weise schwanger zu werden. Künstliche Befruchtung kann dann ein Thema werden – die Möglichkeiten sind heutzutage vielfältig.

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Risikoschwangerschaft: Das Alter ist ein entscheidender Faktor

Mit steigendem Alter sinkt nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft. Das Risiko für Fehlgeburten und Schwangerschaftskomplikationen nimmt zu. Das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen bei Frauen zwischen 20 und 29 liegt bei 10,4 Prozent. Im Alter von 35 bis 39 Jahren verdoppelt es sich fast und steigt auf 19,3 Prozent.

Je älter eine Frau in der Schwangerschaft ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Chromosomenschäden beim Kind. Das Down-Syndrom ist die wohl bekannteste Ausprägung dieser Chromosomenschäden. Aufgrund eines Fehlers im Erbgut sind Kinder mit Down-Syndrom sowohl körperlich als auch geistig beeinträchtigt.

Alter der FrauAnzahl der mit Down Syndrom geborenen Kinder
20 bis 24 Jahre1 von 1.400 Kindern
25 bis 29 Jahre1 von 1.100 Kindern
30 bis 31 Jahre1 von 900 Kindern
32 Jahre1 von 750 Kindern
35 Jahre1 von 350 Kindern
37 Jahre1 von 225 Kindern
40 Jahre1 von 100 Kindern
43 Jahre1 von 50 Kindern
45 Jahre und älter1 von 25 Kindern

Risiken einer späten Schwangerschaft

Im Mutterpass von Frauen, die während einer Schwangerschaft 35 oder älter sind steht der Vermerk “Risikoschwangerschaft”. Schwangere Frauen in diesem Alter sollten deshalb aber keine Panik bekommen. Die Risiken sind höher, müssen aber selbstverständlich nicht zwangsläufig auftreten. Die meisten Kinder kommen problemlos und gesund zur Welt.

Spätgebärende werden aber während der Schwangerschaft medizinisch intensiver überwacht. Der Vermerk im Mutterpass ist der Hinweis für Frauenärzte, auf Risikofaktoren zu achten und das Alter der Mutter bei ihren Untersuchungen zu berücksichtigen. So können einige Chromosomenschäden oder Fehlbildungen beim Kind schon während der Schwangerschaft festgestellt werden. Eine Fruchtwasseruntersuchung oder eine Untersuchung des Plazentagewebes kann Aufschluss geben – die Kosten werden bei einer Risikoschwangerschaft von der Krankenversicherung übernommen.

Weitere mögliche Schwierigkeiten einer Risikoschwangerschaft:

  • höhere Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt (7 Prozent im Alter von 20 bis 24 Jahren, 17 Prozent ab 35 Jahren)
  • Bluthochdruck
  • Thrombosen
  • Beschwerden des Nervensystems
  • eine tiefliegende Plazenta
  • Blutungen im letzten Schwangerschaftsdrittel
  • ältere Frauen leiden häufiger unter chronischen Krankheiten als jüngere
  • ältere Frauen sind eher übergewichtig als jüngere

All diese Umstände können sich auf die Schwangerschaft auswirken. Auch die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaftsdiabetes ist im Alter erhöht. Diese entsteht, wenn der Körper nicht genug Insulin produziert. Der Bedarf an Insulin ist in der Schwangerschaft doppelt so hoch wie sonst. Je älter die Frau ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper nicht genug Insulin produziert. Nur 1 Prozent der unter 25-jährigen sind von einer Schwangerschaftsdiabetes betroffen. Bei Schwangeren ab 35 Jahren sind es 6,5 Prozent.

Je älter die Frau, desto komplizierter kann die Geburt werden

Auch für die Geburt steigen die Risiken ab dem Alter von 35 Jahren:

  • künstliche Einleitung der Geburt
  • mehr Geburten mit Saugglocke oder Geburtszange
  • ein Kaiserschnitt wird wahrscheinlicher

Die Vorteile einer späten Mutterschaft

Der Großteil der Babys kommt ohne Komplikationen auf die Welt, auch bei Spätgebärenden. Mit 35 oder später Mutter zu werden, hat auch Vorteile:

  • Frauen sind finanziell oft besser abgesichert als in jungen Jahren.
  • Ihre Lebenserfahrung hilft ihnen, die Herausforderungen der Elternrolle besser zu bewältigen. Sie sind gelassener und “stehen mit beiden Beinen im Leben”.
  • Viele Frauen haben in diesem Alter bereits ein oder mehrere Kinder und verfügen dadurch bereits über Erziehungserfahrung.

Risikoschwangerschaft: Welche Rolle spielt das Alter des Mannes?

Nicht nur das Alter der Frau kann für eine Risikoschwangerschaft sorgen. Auch Männer können theoretisch zu alt für Kinder sein. Zwar können sie rein biologisch gesehen auch mit 70 oder 80 Jahren noch Kinder zeugen. Das Risiko für Krankheiten wie Schizophrenie oder Autismus bei den ungeborenen Kindern ist bei Männern ab 50 aber höher als in jüngeren Jahren.

Zwar sind diese Zusammenhänge deutlich komplexer als beim Down Syndrom, da nicht nur eine Genmutation dafür verantwortlich ist. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit für Mutationen bei älteren Männern höher als bei jungen. Neue Spermien entstehen im Hoden durch die Teilung von Stammzellen und je häufiger sich diese teilen, desto höher ist das Risiko, dass dabei Fehler passieren.

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