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Chlamydien: So gefährlich ist die sexuell übertragbare Krankheit

Chlamydien können zu Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten, Erblindung und chronischen Gelenkentzündungen führen. So können Sie sich davor schützen. (Foto: Adobe Stock - Y's harmony)

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Rund 10 Prozent aller sexuell aktiver Menschen bekommen mindestens einmal im Leben eine Infektion mit Chlamydien. Dabei wissen viele gar nicht, worum es sich dabei genau handelt. Die Chlamydien-Infektion ist eine sexuell übertragbare Krankheit. Sie ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten, sowohl weltweit als auch in Deutschland.

Geschätzt 300.000 Menschen stecken sich jedes Jahr in Deutschland mit Chlamydien an. Chlamydien-Infektionen können unentdeckt zu Unfruchtbarkeit und Gelenkentzündungen führen. Auch das Ansteckungsrisiko für HIV steigt bei einer unentdeckten Infektion.

Was sind Chlamydien?

Chlamydien sind Bakterien, die unter anderem die Geschlechtsorgane befallen. Auch in den Rachen oder Darm können sie gelangen. Die Bakterien sind sexuell übertragbar und sind insbesondere dann gefährlich, wenn die Krankheit nicht erkannt wird.

Besonders betroffen von Chlamydien sind Jugendliche und junge Erwachsene. Sie haben häufiger wechselnde Sexualpartner und nehmen das Thema Verhütung oft weniger ernst als ältere Menschen, wodurch sie ein höheres Ansteckungsrisiko haben. Zudem begünstigen bei jungen Mädchen die anatomischen Voraussetzungen eine Erkrankung mit Chlamydien.

So kann man sich mit Chlamydien anstecken

Eine Ansteckung mit Chlamydien erfolgt durch Sex:

  • Ungeschützter Vaginalverkehr
  • ungeschützter Analverkehr
  • ungeschützter Oralverkehr
  • verunreinigte Sexspielzeuge
  • alle weiteren Sexualpraktiken, bei denen es zu unmittelbarem Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten (Urin, Sperma, Vaginalflüssigkeit) und Schleimhäuten kommt.

Was ist das große Risiko von Chlamydien?

Das Gefährliche an der Krankheit ist, dass sie meist kaum oder sogar keine Symptome auslöst. Bei 70 bis 80 Prozent der Frauen und bei 50 Prozent der Männer verläuft die Krankheit ohne Beschwerden. Viele Menschen merken daher nicht, wenn sie sich mit Chlamydien infiziert haben.

Selbst wenn Symptome auftreten, werden diese häufig nicht direkt mit Chlamydien in Verbindung gebracht. Einige der typischen Symptome können auch bei Pilzinfektionen, Blasenentzündungen oder anderen Krankheiten auftreten.

Das können die Symptome von Chlamydien sein

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • ungewöhnlicher Ausfluss aus dem Penis oder der Vagina
  • Unterbauchschmerzen bei Frauen
  • Fieber
  • Hodenschmerzen bei Männern
  • ungewöhnliche Zwischenblutungen bei Frauen
  • Juckreiz am Penis, an der Vagina oder am After
  • kleine Hautknötchen
  • Schmerzen beim Vaginal- oder Analsex
  • schmerzhafte Schwellung der Lymphknoten

Wer eines oder mehrerer dieser Symptome bei sich feststellt, sollte umgehend zu einem Arzt gehen. Üblicherweise vergehen zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome sieben bis 28 Tage. Selbst wenn die Beschwerden nur für kurze Zeit auftreten und von alleine wieder verschwinden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Schließlich kann die bakterielle Infektion bestehen bleiben und sich unbemerkt verschlimmern.

Falls eine Infektion durch Oralsex über den Rachen erfolgt ist, ähneln die Symptome einer Halsentzündung mit einem geröteten Rachen, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Dass es sich bei den auslösenden Bakterien um Chlamydien handelt, ist den Betroffenen häufig nicht klar.

Diese Risiken bergen unbehandelte Chlamydien-Infektionen

Unbehandelte Chlamydien-Infektionen können zu schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen:

  • Entzündungen des Gebärmutterhalses
  • Harnröhren-Entzündungen
  • Entzündungen der Eileiter, die so stark verkleben können, dass Eileiter- und Bauchhöhlenschwangerschaften wahrscheinlich sind
  • Unfruchtbarkeit
  • Frühgeburten bei einer Infektion während der Schwangerschaft sowie eine Übertragung auf das ungeborene Baby. Ein Indiz dafür ist eine Bindehautentzündung oder Mittelohrentzündung beim Neugeborenen.
  • Prostataentzündungen bei Männern
  • bei Männern lösen Chlamydien seltener Unfruchtbarkeit aus, es kommt aber vor
  • Entzündungen der Augen (bis hin zur Erblindung)
  • Entzündungen der Gelenke
  • Entzündungen am Herzen

Je nach Bakterienstamm verbleiben diese nicht nur in den genitalen Bereichen des Körpers, sondern können auch die Organe befallen. Die Leber, die Lunge und andere wichtige Organe können in Mitleidenschaft gezogen werden. Diese drei verschiedenen Chlamydien-Arten gibt es:

  • Chlamydia trachomatis
  • Chlamydia psittaci
  • Chlamydia pneumoniae
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Sie verursachen verschiedene Beschwerden und befallen unterschiedliche Bereiche des Körpers. So liegen die Gründe für 6 Mio. Fälle von Erblindungen weltweit laut der Weltgesundheitsorganisation bei unentdeckten Chlamydien-Infektionen. Chlamydia trachomatis ist der häufigste Erreger für die am häufigsten vorkommende Geschlechtskrankheit in Europa. Die Zahlen sind steigend, da viele Infektionen unentdeckt bleiben und wieder übertragen werden.

Mittels eines Urintests oder einem Abstrich des Gebärmutterhalses beim Frauenarzt können Chlamydien im Körper identifiziert werden. Besonders für schwangere Frauen empfiehlt sich dieser Test, um ein eventuelles Risiko für das Ungeborene auszuschließen.

Wer zahlt den Chlamydien-Test?

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen die Kosten für den Urintest einmal jährlich für Frauen bis 25 Jahre. Wer von sich aus einen Chlamydien-Test durchführen lassen möchte, muss die Kosten in der Regel auch selber tragen. Sie betragen je nach Arzt und Umfang zwischen 30 und 120 Euro.

Es gibt auch Selbsttests aus der Apotheke, mit denen auf Chlamydien getestet werden kann. Diese sind jedoch längst nicht so zuverlässig und ein negatives Ergebnis bedeutet nicht zwingend, dass auch wirklich keine Chlamydien im Körper vorhanden sind. Bei einem positiven Ergebnis sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden – er kann dann einen Labortest anordnen und dieser wird bei einem konkreten Krankheitsverdacht dann auch von der Krankenkasse übernommen. Gleiches gilt für eine bestätigte Chlamydien-Infektion beim Partner.

Die Gefahr liegt in der unwissentlichen Übertragung der Krankheit

Experten gehen davon aus, dass Chlamydien-Infektionen die häufigste erworbene Ursache von Unfruchtbarkeit sind. Ein Fünftel aller Unfruchtbarkeitsfälle können auf unbehandelte Chlamydien-Infektionen zurückgeführt werden – so schätzen die Wissenschaftler.

Die Gefahr in einer unerkannten Chlamydien-Infektion liegt darin, dass sowohl Männer als auch Frauen unwissentlich Überträger der Krankheit sein können. Wer nach einem positiven Chlamydien-Test denkt, dass der Partner untreu war, kann sich beruhigen: Viele Menschen tragen die Bakterien schon lange in sich, ohne davon zu wissen. Nach einer positiven Chlamydien-Diagnose sollten alle Sexualpartner der letzten sechs Monate informiert werden, damit diese sich auch untersuchen lassen können.

So können Chlamydien behandelt werden

Wenn eine Infektion mit Chlamydien frühzeitig erkannt wird, ist sie gut behandelbar. Nach dem Test beim Arzt dauert es etwa drei bis fünf Tage, bis das Ergebnis kommt. Je nach Art der Antibiotika dauert die Behandlung sieben bis zehn Tage, um alle Erreger unschädlich zu machen. Während dieser Zeit sollten die Betroffenen keinen Sex haben und auch eine Woche danach noch darauf verzichten.

Selbst wenn die Symptome schon zurückgegangen sind, sollte die Behandlung nach genauer Anweisung bis zum Schluss durchgeführt werden. Andernfalls kann es zu Rückfällen kommen, da noch nicht alle Bakterien verschwunden waren. Genauere Informationen gibt der behandelnde Arzt. Die Früherkennung ist der einzige Weg, um Spätfolgen zu vermeiden. Regelmäßige Untersuchungen sind daher Pflicht – zumindest wenn es zu ungeschütztem Verkehr gekommen ist.

Der Partner des Patienten sollte sich direkt mitbehandeln lassen. Andernfalls kann die Infektion durch Sex immer wieder zwischen den Partnern hin- und hergegeben werden (PingPong-Effekt). Handelt es sich um eine spät entdeckte Chlamydien-Infektion, ist als Behandlung häufig eine Langzeit-Therapie mit Antibiotika nötig. Dabei werden Antibiotika über drei oder mehr Wochen eingenommen.

Wichtig: Bereits entstandene Schäden an den Organen wie verklebte oder vernarbte Eileiter können nicht geheilt werden. Sie bleiben ein Leben lang bestehen. Auch aus Chlamydien entstandene Gelenk- oder Herzentzündungen können chronisch werden und behandelbar sind dann höchstens noch die Symptome.

Wann sollten Sie sich auf Chlamydien untersuchen lassen?

Um Spätfolgen der Krankheit zu vermeiden, empfiehlt sich eine Untersuchung auf Chlamydien bei:

  • Partnerwechseln
  • Schwangerschaft
  • nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  • Auftreten von ungewöhnlichen Beschwerden beziehungsweise den beschriebenen Symptomen
  • Wenn ein früherer Sexualpartner oder der aktuelle Partner von seiner Chlamydien-Erkrankung berichtet.

Mit mechanischen Verhütungsmitteln vor Chlamydien schützen

Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einer infizierten Person anzustecken, liegt pro sexuellem Kontakt bei 25 Prozent. Kondome, Femidome und Lecktücher bieten bei richtiger Anwendung Schutz gegen den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten und Schleimhäuten. Sie schützen auch vor allen anderen Geschlechtskrankheiten. Wer einen neuen Partner hat, sollte bis nach dem Chlamydien- und HIV-Test warten, bis er ohne Verhütung mit ihm schläft.

Das HI-Virus und eine bakterielle Chlamydien-Infektion begünstigen sich gegenseitig negativ. Wer unter HIV leidet, muss mit einem schwereren Verlauf der Chlamydien-Infektion rechnen. Zudem ist er aufgrund eines geschwächten Immunsystems anfälliger für Infekte. Wer eine Chlamydien-Infektion hat, kann sich leichter mit HIV identifizieren. Der Grund dafür ist, dass die Schleimhäute bei einer Chlamydien-Infektion angegriffen sind und dadurch leichter das Aids-auslösende HI-Virus durchlassen können.

Zusammenfassung: Chlamydien

Im besten Fall kommt es gar nicht erst zum ungeschützten Geschlechtsverkehr – zumindest nicht, wenn nichts über den Gesundheitszustand des Partners bekannt ist. Andernfalls sollte regelmäßig ein Test auf Chlamydien durchgeführt werden, selbst wenn dieser aus eigener Tasche bezahlt werden muss. Früh entdeckt schlagen Behandlung und Therapie mit Antibiotika gut an. Das Risiko für Langzeitschäden ist bei dieser Krankheit groß, wenn sie nicht entdeckt wird und ihre Verbreitung steigt tendenziell an.

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