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Sterilisation bei Frauen: Eine Entscheidung fürs Leben

Frauen, die sich für eine Sterilisation entscheiden, verzichten auf die Möglichkeit ein Kind zu bekommen. Dies will sehr gut überlegt sein. (Foto: Kurhan - Fotolia)

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5 Prozent aller Frauen zwischen 18 und 49 Jahre sind sterilisiert – dieselbe Prozentzahl gibt es unter den Männern. Eine Sterilisation ist deshalb so besonders, da sie die eigene Lebensplanung definiert und ebenso die des Partners. Nur wer wirklich mit dem Thema Familienplanung abgeschlossen hat und keine eigenen Kinder (mehr) will, sollte eine Sterilisation auch wirklich durchführen lassen. Viele Kliniken führen eine Sterilisation bei Frauen erst ab dem 30. Lebensjahr durch, manche sogar erst ab dem 35. Lebensjahr. Unter Umständen kann der Eingriff aber auch schon früher durchgeführt werden:

  1. Wenn eine Schwangerschaft für eine Frau aus medizinischen Gründen lebensgefährlich wäre.
  2. Wenn eine Geburt für eine Frau aus medizinischen Gründen lebensgefährlich wäre.
  3. Wenn eine Frau glaubhaft versichern kann, dass sie sich die Sterilisation wünscht.

Besonders beim dritten Punkt liegt aber der Knackpunkt. Viele Ärzte schicken Frauen unter 30 wieder weg, die mit dem Wunsch nach Sterilisation zu ihnen kommen. Man geht davon aus, dass der Wunsch nach Kindern zu einem späteren Zeitpunkt noch kommen kann und dass Frauen eine zu frühe Sterilisation bereuen könnten.

Das Alter ist entscheidend

Selbst bei Frauen, die bereits Kinder haben, ist man vorsichtig den Eingriff durchzuführen – schließlich können sich auch für sie die Lebensumstände nochmal ändern und sie wollen mit einem eventuellen neuen Partner doch noch ein weiteres Kind bekommen. Je älter Frauen sind und wenn sie bereits Kinder haben, wird die Behandlung mit weniger Bedenken durchgeführt als bei kinderlosen Frauen unter 30. Einen Arzt für eine Sterilisation zu finden, ist je nach Alter und Lebenssituation daher gar nicht so leicht.

Wann bereuen Frauen eine Sterilisation?

Statistiken geben der Vorsicht der Ärzte zumindest zum Teil Recht: 5 bis 10 Prozent der Frauen und Männer bereuen ihren Schritt zur Sterilisation rückwirkend – meist im Rahmen einer neuen Partnerschaft. Auch wenn es sich viele in einer glücklichen Beziehung nicht vorstellen können, aber manchmal scheitern selbst diese und ein neuer Partner tritt ins Leben, mit dem man sich plötzlich doch wieder ein Kind vorstellen kann.

Das Bedauern ist umso größer, je

  • jünger die Betroffenen bei der Sterilisation waren.
  • stärker die Drucksituation bei der Entscheidung zur Sterilisation war, wie zum Beispiel bei einer Beziehungskrise.
  • unmittelbarer nach einer Geburt die Sterilisation durchgeführt wurde.

So lassen manche Frauen sich direkt im Zusammenhang mit einem Kaiserschnitt sterilisieren, bereuen diese Entscheidung aber zu einem späteren Zeitpunkt. Dies zeigt, dass es umso wichtiger ist, sich Zeit für eine solche Entscheidung zu nehmen.

Ärzte werden durch gezielte Fragen auch immer versuchen wollen herauszufinden, ob die Frau sich freiwillig zur Sterilisation entscheidet, oder ob sie von ihrem Partner unter Druck gesetzt wird. In diesen Situationen bereuen nämlich ebenfalls viele Frauen den Schritt.

Verschiedene Frauen, verschiedene Entscheidungen

Für manche Frauen, die sich schon früh sehr sicher sind, dass sie keine Kinder wollen, sind die vorsichtigen Ärzte eine Qual. Ihnen wird ihre Entscheidungsmündigkeit abgesprochen und häufig mit einem altklugen Unterton gesagt, dass sie ein paar Jahre warten sollen – dann wird sich der Kinderwunsch schon noch einstellen. Auf einige trifft das zu, auf andere nicht. Sie schlagen sich häufig jahrelang mit verschiedenen Verhütungsmethoden herum und wünschen sich nichts sehnlicher, als nicht mehr darüber nachdenken zu müssen.

Andere wiederum sind froh, wenn sie sich doch gegen eine Sterilisation entscheiden und zu einem späteren Zeitpunkt noch Kinder bekommen. Manche Frauen haben nach einer Sterilisation psychische Probleme, die ihr Liebesleben und ihr Wohlbefinden beeinflussen.

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Die Entscheidung für eine Sterilisation ist etwas sehr Persönliches und sollte sehr gut überlegt werden. Sie sollte unbedingt in Absprache mit dem Partner erfolgen – wenn es denn einen Partner im Leben gibt -, schließlich ist Familienplanung etwas Gemeinsames. Sterilisation bei Minderjährigen ist per Gesetz verboten. Selbst mit der Einwilligung der Eltern dürfen Minderjährige nicht sterilisiert werden.

Wie funktioniert die Sterilisation bei Frauen genau?

Bei einer Sterilisation werden die Eileiter der Frau verschlossen. Dadurch können die aus den Eierstöcken wandernden Eizellen die Gebärmutter nicht mehr erreichen, um dort von einer männlichen Samenzelle befruchtet zu werden.

Der Verschluss der Eierstöcke erfolgt entweder durch eine Verödung durch Hitze oder durch das mechanische Abklemmen mittels eines Clips. Sie durchzutrennen ist ebenfalls möglich. Ihren Eisprung hat die Frau trotzdem noch – die Eizelle wird dann bloß in der Bauchhöhle abgebaut und nicht mehr in der Gebärmutter.

Risiken einer Sterilisation

Für den Eingriff wird ein kleiner Schnitt in den Bauchnabel gemacht – wie bei einer Bauchspiegelung -, durch den die Ärzte dann arbeiten. Üblich für den etwa einstündigen Eingriff ist eine Vollnarkose. Der Eingriff kann sowohl ambulant als auch stationär durchgeführt werden. Die Narkose vertragen dabei nicht alle Patientinnen gut. Die Komplikationen der Narkose können folgende sein:

  • Blutgerinnsel
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • allergische Reaktion auf Narkosemittel

Auch die Sterilisation birgt Risiken:

  • Blutungen
  • Infektionen der Wunde oder der inneren Organe
  • Schädigung von Blutgefäßen
  • Schädigung der Darmwand
  • Schädigung innerer Organe
  • schlechte Wundheilung

Schwanger trotz Sterilisation? Möglich, aber unwahrscheinlich

Trotz einer Sterilisation kann es immer noch zu einer Befruchtung der Eizelle kommen. Daraus entwickelt sich dann meist eine Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft, die sehr gefährlich ist. Doch auch eine “richtige” Schwangerschaft ist noch möglich, wenn auch sehr unwahrscheinlich.

Der Pearl-Index einer Sterilisation liegt bei 0 bis 0,5. Das bedeutet, dass höchstens fünf von 1.000 sterilisierten Frauen schwanger werden. Als Verhütungs-Variante ist die Sterilisation daher sehr sicher. Auch greift sie im Gegensatz zu hormonhaltigen Verhütungsmitteln wie der Pille nicht in den natürlichen Zyklus der Frau ein. Auswirkungen auf die Libido gibt es ebenfalls keine. Die Monatsblutung kann sich durch die Sterilisation verändern – bei einigen Frauen wird sie stärker, bei anderen schwächer. Fragen dazu beantwortet am besten ein Frauenarzt.

Was kostet eine Sterilisation?

Eine Sterilisation kostet in der Regel zwischen 600 und 1.000 Euro. Wenn eine Schwangerschaft aus medizinischen oder psychologischen Gründen nicht empfehlenswert ist und andere Verhütungsmittel nicht vertragen werden, kann bei der Krankenkasse ein Antrag auf Kostenübernahme gestellt werden.

Kann die Sterilisation bei Frauen rückgängig gemacht werden?

Während die Sterilisation beim Mann mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit wieder rückgängig gemacht werden kann, ist das bei Frauen so gut wie unmöglich. Es gibt zwar eine Refertilisierungs-Operation, bei der die verschlossenen Enden der Eileiter wieder durchlässig gemacht werden. Die Operation ist aber kompliziert und die Erfolgschancen gering. Je älter die Frau ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, nach der Refertilisierung schwanger zu werden.

Die Sterilisation kann daher mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit als eine endgültige Entscheidung bezeichnet werden und sollte daher gründlich überlegt werden, denn eine Sterilisation bei Frauen bedeutet: Keine eigenen (weiteren) Kinder für den Rest ihres Lebens.

Frauen, die Sorge haben, ob sie sich nach einer Sterilisation noch als Frau wahrnehmen, sollten über andere Verhütungsmethoden nachdenken. Auch bei den leisesten Zweifeln gegenüber der Sterilisation, sollten Frauen sich mit der Entscheidung Zeit lassen. Sie ist das endgültigste Verhütungsmittel, das es gibt.

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