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Vasektomie: Das müssen Sie über die Sterilisation beim Mann wissen

Eine Vasektomie ist nicht nur mit Kosten verbunden, sie ist auch noch eine sehr endgültige Entscheidung. Männer sollten gründlich abwägen. (Foto: Markus Bormann - Fotolia)

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Bei einer Vasektomie werden die Samenleiter des Mannes durchtrennt. Dies führt dazu, dass die im Hoden produzierten Spermien beim Orgasmus nicht mehr aus dem Penis herausgeschleudert werden, sondern im Körper abgebaut werden. Der Mann ist also durch eine Vasektomie nicht mehr zeugungsfähig – sie ist das sicherste und endgültigste Verhütungsmittel, das es für Männer gibt und macht eine Schwangerschaft unmöglich.

Der Eingriff sollte gut überlegt werden, da er nur mit einer aufwändigen und kostspieligen Operation rückgängig gemacht werden kann – und selbst das funktioniert nicht garantiert.

Wie läuft eine Vasektomie ab?

Eine Vasektomie wird in den meisten Fällen ambulant in einer urologischen Praxis oder in einer Klinik durchgeführt. Nach etwa einer halben Stunde ist schon alles vorbei – zum Teil genügt sogar eine örtliche Betäubung. Der Operateur verschafft sich im Hodensack Zugang zu den Samenleitern und durchtrennt diese. Zum Teil werden sie sogar um je einen Zentimeter gekürzt.

Sie werden anschließend abgebunden oder durch Hitze, chemische Substanzen oder mit Titanclips verschlossen. Danach werden sie in verschiedene Gewebeschichten verlegt. Dadurch und durch das Kürzen soll verhindert werden, dass sie wieder zusammenwachsen. Im Anschluss müssen sich Männer einige Tage schonen und auf Sex sowie Sport verzichten.

Eine Sterilisation bedeutet nicht, dass der Mann unfruchtbar ist

Die Besonderheit einer Vasektomie ist, dass der Mann durch sie nicht zwingend unfruchtbar ist. Die Spermien kommen zwar nicht mehr aus dem Körper heraus, werden aber trotzdem noch gebildet. Sie werden schmerzlos im Körper abgebaut – der Mann bemerkt das nicht. Falls sich also Männer trotz ihrer Entscheidung zu einer Vasektomie zu einem späteren Zeitpunkt doch noch dazu entschließen ein Kind zeugen zu wollen, ist dies auch über die Spermienentnahme aus dem Hoden und einer künstlichen Befruchtung der Frau möglich.

Dennoch reduziert der Körper die Spermienproduktion nach einer Vasektomie. Und gerade bei Männern, bei denen die Vasektomie schon länger als drei Jahre zurückliegt, dauert es unter Umständen, bis der Körper wieder zeugungsrelevante Mengen produziert.

Wie erfolgreich ist eine Sterilisation?

Männer, die sich sterilisieren lassen, sollten im Anschluss an den Eingriff zu mehreren Nachkontrollen gehen. Dort wird immer wieder überprüft, ob sich im Ejakulat noch befruchtungsfähige Spermien befinden. Im Schnitt sind 15 bis 20 Ejakulationen nötig, um das Vorkommen von Spermien im Ejakulat final auszuschließen – es kann aber auch mehrere Monate dauern, bis die komplette Zeugungsunfähigkeit erreicht ist. So gibt es immer wieder Fälle, wo trotz der Vasektomie noch ein Kind gezeugt wird.

Dennoch ist die Sterilisation mit einer Versagerrate von 0,1 bis 0,15 Prozent (1 bis 1,5 Fälle von schwangeren Frauen auf 1.000 Männer trotz Vasektomie) sehr gering. In den ersten Wochen nach dem Eingriff sollten aber noch zusätzliche Verhütungsmittel genutzt werden – bis der Arzt das Vorkommen von Spermien im Ejakulat mit Sicherheit ausschließen kann. Bei der Nachkontrolle wird außerdem untersucht, dass die Samenleiter nicht wieder zusammengewachsen sind. Dies passiert in ganz seltenen Fällen und verhindert ebenfalls den gewünschten Effekt der Zeugungsunfähigkeit.

Eine Vasektomie ist also eine sehr sichere Verhütungsmethode. Keiner der beiden Partner muss mehr über dieses Thema nachdenken und trotz Vasektomie schwanger zu werden ist so gut wie unmöglich. Die Erektions- und Ejakulationsfähigkeit des Mannes wird durch die Vasektomie nicht beeinflusst und auch das Lustempfinden bleibt unverändert. Dies sind weitere Vorteile dieser Art der Verhütung.

Die Komplikationen bei einer Vasektomie halten sich in Grenzen. In seltenen Fällen kommt es zu Blutungen oder Infektionen. Da der Eingriff aber recht klein ist, verläuft meistens alles ohne Probleme. Wichtig ist, dass Männer sich an die vorgegebene Schonzeit sowie das Sex- und Sportverbot halten. Andernfalls steigt das Risiko für Nachblutungen.

Für wen kommt eine Vasektomie in Frage?

Männer, die sich zu diesem Schritt entschließen, sollten sich sehr sicher sein. Eine Vasektomie ist eine gute Variante eine Zeugung zu verhindern, wenn:

  • ein Mann schon Kinder hat und keine weiteren Kinder möchte.
  • er ab einem gewissen Alter sicher weiß, dass er überhaupt keine Kinder will.

Männer unter 30, die mit dem Wunsch nach einer Vasektomie zum Urologen kommen, werden häufiger wieder weggeschickt. Man geht davon aus, dass sich ihr Kinderwunsch in den nächsten Jahren noch stark verändern wird und will sie vor Übersprunghandlungen schützen.

Welche Kosten bedeutet eine Vasektomie?

Eine Vasektomie kostet zwischen 450 und 500 Euro und wird nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Vasektomie ist ein vom Mann selbst gewünschter Eingriff und in einem Großteil der Fälle nicht medizinisch notwendig, weshalb die Kosten der Vasektomie selber getragen werden müssen. In dem Betrag von 450 bis 500 Euro sind meist alle Untersuchungen und Nachuntersuchungen bereits enthalten – am besten wird diese Information im Aufklärungsgespräch aber nochmal erfragt.

Vasektomie rückgängig machen: Möglich aber ohne Garantie

50.000 Männer lassen sich in Deutschland im Schnitt pro Jahr sterilisieren. Bei jedem zehnten ändert sich im Laufe des Lebens etwas an dieser Entscheidung und er hat den Wunsch, die Vasektomie rückgängig zu machen. Die Möglichkeit einer Refertilisierung gibt es, dies ist das Fachwort für das Rückgängigmachen der Vasektomie.

Diese Operation ist deutlich aufwändiger als die Vasektomie an sich. Nur erfahrene Operateure können die Refertilisierung mit speziellem Gerät durchführen. Im Hodensack müssen die durchtrennten Samenstränge gefunden und wieder zusammengenäht werden. Ihr Durchmesser beträgt nur etwa einen Millimeter. Selbst wenn die Operation gelingt, gibt es anschließend keine Garantie auf eine erfolgreiche Befruchtung. Diese hängt von vielen Faktoren ab:

  • Wie lange ist die Vasektomie her?
  • Werden noch ausreichend Spermien produziert?
  • Haben diese eine ausreichend gute Qualität?
  • Sind die Samenstränge wieder so zusammengewachsen, dass die Spermien wieder aus dem Körper heraus transportiert werden können?
  • Wie alt ist die Partnerin?

Es kann bis zu zwei Jahre dauern, bis der Mann nach einer Refertilisierung wieder ausreichend Sperma produziert. Die Erfolgsquoten der Refertilisierung reichen je nach Quelle von 50 bis 95 Prozent, die wieder ein Kind zeugen konnten.

Eine Refertilisierung kostet mehrere tausend Euro und ist somit deutlich teurer als eine Vasektomie. Diese Kosten müssen die Männer ebenfalls selber tragen.

Vasektomie: Eine gründliche Beratung in Anspruch nehmen

Männer, die über eine Sterilisierung nachdenken, sollten sich von einem Arzt gründlich beraten lassen und sich auch über die Risiken aufklären lassen. In der Beratung wird den Männern deutlich gemacht, dass ihre Entscheidung eine endgültige Tragweite hat. Wenn Männer in dem Aufklärungsgespräch erfragen, ob die Möglichkeit besteht, Spermien einfrieren zu lassen, werden sie meist vom Arzt dazu aufgefordert, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Auch Männer, die sich gerade in einer privaten Krise befinden wie zum Beispiel einer Trennung von der Partnerin, sollten sich nicht voreilig steriliseren lassen. Die Geburt eines Kindes kann ebenfalls ein Grund sein zu sagen, “Nun reicht es mit Kindern, ich lasse mich sterilisieren”. Diese Einstellung kann sich aber ebenfalls nach einiger Zeit noch ändern und wenn dann ein erneuter Kinderwunsch aufkommt, kann es zu spät sein. Nur wer sich seiner Sache sicher und aller Risiken bewusst ist, sollte die Vasektomie durchführen lassen. Erfahrene Ärzte wollen die Hintergründe für die Vasektomie erfahren und haben die herausfordernde Aufgabe

  • einerseits diejenigen vor einer Vasektomie zu schützen, die ihre Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt bereuen könnten
  • andererseits diejenigen, die den tatsächlichen Wunsch haben und sich ihrer Sache sicher sind, ernst zu nehmen und ihnen ihren Wunsch zu erfüllen.

Dieser Spagat ist nicht immer einfach, aber lieber geht man an dieses Thema übervorsichtig heran, als eine Situation zu provozieren, die der Betroffene später bereut.

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