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Inkontinenz - Ursachen, Behandlung & Vorbeugung

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Fakten zur Inkontinenz

Definition: Verlust der Kontrolle über die Blase

Folgen: Unkontrollierter Urinabgang

Ursachen: Je nach Form Beckenbodenschwäche oder Überaktivität der Blasenmuskulatur

Behandlung: Medikamente, Beckenbodenübungen, Lebensumstellungen

Definition: Was ist Inkontinenz?

Als Inkontinenz wird der Verlust der Fähigkeit bezeichnet, die eigene Blase, oder aber auch den Darm zu kontrollieren. Das bedeutet, bei der Harninkontinenz müssen die Patienten bis zu acht Mal nachts raus und auch tagsüber drückt die Blase oft. Wenn Sie Glück haben, erreichen sie die Toilette gerade noch rechtzeitig. Manchmal ist es allerdings schon zu spät.

Das klassische Symptom bei Harninkontinenz ist das unkontrollierte Wasserlassen, sowie ein ständiger Harndrang, der sich oft nicht willkürlich unterdrücken lässt. Typisch sind nächtliche Gänge zur Toilette, die den Schlaf empfindlich stören.

Mehr als 60 % der Menschen über 60 Jahren leiden an einer Blasenschwäche. Etwa jeder dritte Mensch leidet unter einer quälenden Harninkontinenz. Harninkontinenz tritt zwar zunehmend in hohem Alter auf, kann allerdings jeden treffen: vom Schulkind bis zum Senior. Da Frauen von Natur aus ein breiteres Becken als Männer haben, sind sie häufiger betroffen – und zwar in jedem Alter.

Falls Sie sich nun fragen, ob eine Inkontinenz eine gefährliche Krankheit ist, so kann Entwarnung gegeben werden. Eine Harn-Inkontinenz ist zwar keine gefährliche Krankheit, aber für die Betroffenen macht sie schon die kleinen Dinge des Lebens schwierig: Kann ich immer „das Wasser halten”, wenn ich huste? Schaffe ich es noch rechtzeitig zur Toilette? Soll ich mich wirklich zu dem Busausflug anmelden? Das sind Fragen, die das Leben der Patienten bestimmen. Mit der Inkontinenz geht also öfters auch eine Einschränkung der Lebensqualität einher.

Abgrenzung: Harninkontinenz-Stuhlinkontinenz

Während die Betroffenen einer Harninkontinenz an ständigem Harndrang und unkontrollierbarem Urinabgang leiden, liegt bei Stuhlinkontinenz das nicht kontrollierbare Entweichen von flüssigem bzw. festem Stuhl sowie Darmgasen vor. Die Darmentleerung ist kaum mehr selbstbestimmt möglich.

Stuhlinkontinenz wird in drei Graden eingeteilt. Während eine Erkrankung 1. Grades den Abgang von Darmschleim und -Winden mit leichter Verschmutzung der Wäsche bedeutet, leidet eine betroffene Person mit Grad 2 zusätzlich am Entweichen von flüssigem Stuhl. Der 3. Grad der Stuhlinkontinenz bedeutet den unkontrollierbaren Abgang von festem als auch flüssigem Stuhl und Darmwinden.

Der folgende Artikel legt seinen Schwerpunkt auf die Harninkontinenz.

Plötzliche Inkontinenz? Gehen Sie zum Arzt!

Falls Sie persönlich von Inkontinenz-Anzeichen betroffen sind, scheuen Sie sich nicht, den Arzt Ihres Vertrauens aufzusuchen. Durch zu langes Abwarten bleiben für später nur noch belastende Inkontinenzhilfen. Dazu gehören Einlagen, Windeln, am Bein zu befestigende Auffangbeutel und in schwereren Fällen von Organsenkung eine Operation, deren Erfolg nicht garantiert ist.

Zuerst wird sich der Arzt einen Überblick über das Erscheinungsbild Ihrer Inkontinenz verschaffen und schließt parallel andere Erkrankungen aus.

Unser Tipp:
Notieren Sie vor dem Arzttermin mehrere Tage lang die Häufigkeit Ihres Harndrangs und etwaige Malheure. Dieses „Tagebuch” gibt Ihrem Arzt wichtige Hinweise für die Diagnose.

Formen der Inkontinenz

Die Art der Behandlung richtet sich nach der Form Ihrer Inkontinenz. Auch wenn der Volksmund den unfreiwilligen Harnverlust häufig als „schwache Blase” bezeichnet, ist die Blase nicht immer der Auslöser des Problems.

Die Medizin hat sich inzwischen auf eine neue Definition der Formen geeinigt:

Dranginkontinenz – die hyperaktive Blase

Ihre Blase ist noch fast leer und trotzdem empfinden Sie immer wieder einen starken, plötzlichen Harndrang? Manchmal gehen dabei auch ein paar Tröpfchen unkontrolliert ab? Dies deutet auf eine hyperaktive Blase hin (früher: Dranginkontinenz), eine nervöse Überaktivität der Blasenmuskulatur. Das heißt, die Blase sendet fälschlicherweise das Signal „Blase voll” an das Gehirn. Das Gehirn antwortet mit einem starken, krampfartigen Harndrang. Die abgehenden Urinmengen sind dabei meist nur gering.

Die Psyche ist ein häufiger Auslöser dieser fehlerhaften Kommunikation. Die Dranginkontinenz tritt häufig auch nachts auf, man spricht von Nykturie. Eine weitere treffende Bezeichnung für diese Inkontinenzart ist „Reizblase“.

Stressinkontinenz (Belastungsinkontinenz)

Ihre Harnröhre muss dem Druck der vollen Blase mit Gegendruck standhalten. Allerlei Faktoren können die Verschlussmuskulatur rund um die Blase schwächen. Hält der Blasenschließmuskel nicht mehr dicht, können unkontrolliert kleine bis größere Mengen Urin abgehen.

Bei körperlicher Belastung (Heben von Lasten, aber auch Husten und Niesen) kann bei einer Stressinkontinenz unwillkürlich Urin abgehen. Diese Form wird Stressinkontinenz genannt, besser wäre aber der Begriff Belastungsinkontinenz, da Stress eher als ein psychisches Problem verstanden wird. Psychischer Stress gehört aber nicht zu den Ursachen einer solchen Form von Inkontinenz.

Die Überlaufinkontinenz

Es gibt noch eine dritte Form, die Überlaufinkontinenz. Sie wird durch ein Hindernis im Bereich des Blasenausgangs verursacht. Da es sich hierbei meistens um eine vergrößerte Prostata handelt, sind von dieser Form fast immer Männer betroffen. Bei einer Überlaufinkontinenz bleibt stets eine Menge Urin in der Blase zurück, die bei einer erneuten Füllung von allein abläuft. Die Blase läuft also unkontrolliert über.

Ursachen: Wie kommt es zur Inkontinenz?

Je nach Form der Inkontinenz können verschiedene Gründe für den Kontrollverlust vorliegen. Mögliche Ursachen für eine Hyperaktive Blase sind:

  • Bakterielle Harnwegsinfektionen mit Schmerzen beim Wasserlassen, übelriechendem Urin, Fieber und Schmerzen im Beckenbereich
  • Altersbedingte Blasen- und Beckenbodenschwäche
  • Vergrößerung der Prostata
  • Bestrahlung von Tumoren in Blasennähe
  • Diabetes
  • Nierenerkrankungen
  • Herzinsuffizienz
  • Medikamente die den Blutdruck beeinflussen oder Antidepressiva.

Bei der Stressinkontinenz liegt häufig eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur vor. Dann sind hauptsächlich folgende Faktoren direkte Auslöser der Inkontinenz:

  • Alltägliche Vorgänge (z. B. Husten, Niesen, Lachen)
  • Körperliche Anstrengungen (z. B. Heben eines Getränkekastens, Tragen, Springen auf dem Trampolin)
  • Im fortgeschrittenen Stadium z. B. das Aufstehen, Hinsetzen und sogar Liegen (Lagewechsel)
  • Schwangerschaften und (schwere) Geburten
  • Übergewicht
  • Chronischer Husten
  • Schwaches Bindegewebe / Gewebsschwäche im Alter
  • Niedrige Östrogenausschüttung
  • Prostata-Operationen

Die Überlaufinkontinenz kennt in der Regel zwei typische Ursachen. Diese sind zum einen

  • ein Hindernis beim Abfluss (eine zu enge Harnröhre, Harnsteine, Prostatakrebs, eine abgesenkte Gebärmutter, etc.) und zum anderen
  • eine Muskelschwäche, ausgelöst durch Diabetes, bestimmte Medikamente oder Nervenschädigungen.

Risikofaktoren für eine Harninkontinenz

Die Risikofaktoren für eine Harninkontinenz unterscheiden sich zwischen Männern und Frauen.

Bei Frauen sind es insbesondere

  • eine anlagebedingte Bindegewebsschwäche,
  • eine Schädigung, Überdehnung oder Schwächung der Beckenbodenmuskulatur durch Schwangerschaften, Entbindungen oder Operationen am Unterleib,
  • ein Östrogenmangel während/nach der Menopause (die Harnröhrenschleimhaut erschlafft),

die zu einer Bildung von Inkontinenz führen.

Beim Mann hingegen sind oft

  • eine gutartige Vergrößerung der Prostata (Abflusshindernis am Blasenausgang),
  • die dafür notwendige Medikation (z. B. Alpha-Rezeptoren-Blocker),
  • Operationen (z. B. Teilentfernung der Prostata)
  • und übermäßiger Genuss von Kaffee

mögliche Risikofaktoren von Harninkontinenz.

Für beide Geschlechter gilt gleichermaßen, dass insbesondere, dass:

  • Übergewicht,
  • Medikamente wie blutdrucksenkende ACE-Hemmer oder Antidepressiva,
  • psychosomatische Ursachen (Stress und Aufregung),
  • ständige Reizungen durch Harnwegsinfekte, Harnröhrenverengung oder Blasensteine,
  • Nervenschäden oder Reizungen (z. B. durch Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder aufgrund eines schlecht behandelten Diabetes mellitus),
  • übermäßiger Genuss von Alkohol und/oder Nikotin

das Risiko für eine geschwächte Blase und damit das Risiko einer Harninkontinenz erhöht.

Kaffee erhöht Inkontinenzrisiko bei Männern

Sie haben es gerade gelesen: Bei Männern ist Kaffeekonsum ein Inkontinenz-Faktor. Kaffee hat bei vielen Menschen den Effekt, dass er die Urinproduktion steigert. Bei Männern kann sich das enthaltene Koffein allerdings noch anders auf die Blase auswirken und erhöht das Inkontinenzrisiko um 72 % (mindestens zwei Tassen täglich) bis 100 % (mehr als drei Tassen täglich).

Auf Frauen hat der Kaffeekonsum hingegen nicht solche Auswirkungen.

Die 5 häufigsten Vorurteile über Inkontinenz

  1. Inkontinenz gehört zum Älterwerden. Falsch: Es kann jeden treffen.
  2. Inkontinenz ist gleich Inkontinenz. Falsch: Es gibt viele Formen.
  3. Inkontinenz ist selten. Falsch: Fast jede 3. Frau über 30 Jahren ist betroffen.
  4. Inkontinenz ist eine Frauenkrankheit. Falsch: Bei der Dranginkontinenz sind mehr Männer betroffen.
  5. Inkontinenz ist unheilbar. Falsch: Beckenbodentraining, Entspannungsverfahren und Heilpflanzen können wirksam helfen

Inkontinenz-Therapie: Ist die Inkontinenz heilbar?

Die beste Behandlungsmethode für häufiges Harnlassen ist es, die dafür verantwortliche Grunderkrankung anzugehen. Zusätzlich gibt es einige Medikamente, die dabei helfen können, die Blase oder die Harnröhre zu entspannen, um auf diese Art die Zahl der Toilettengänge zu reduzieren.

Medikamente gegen Inkontinenz

Eine überaktive Blase wird heute vor allem mit Medikamenten aus der Klasse der Anticholinergika behandelt.

Der Botenstoff Acetylcholin wird durch Nerven im Gehirn ausgeschüttet und bewirkt, dass die Blase entleert wird. Anticholinergika blockieren die Wirkung des Acetylcholins und vermindern so die unwillkürliche Blasenentleerung.

Alle bisherigen Medikamente, die gegen eine Inkontinenz eingesetzt werden, haben so viele Nebenwirkungen, dass 70 % bis 90 % der Inkontinenzpatienten die Therapie entnervt abbrechen und stattdessen die Unannehmlichkeiten der Inkontinenz auf sich nehmen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören:

  • Mundtrockenheit
  • Verstopfung
  • Verwirrtheitszustände
  • Gedächtnisschwäche
  • Schlaflosigkeit
  • Übelkeit
  • Sehstörungen
  • Herzrasen, Herzrhythmusstörungen

Mirabegron: Das neue und verträglichere Mittel

Falls auch Sie bisher mit diesen Medikamenten schlechte Erfahrungen oder keinen Erfolg hatten, sollten Sie Ihren Arzt auf den neuen Wirkstoff Mirabegron ansprechen. Es ist kein Anticholinergikum, sondern ein Beta-3-Adrenozeptor-Antagonist. Er wirkt auf Nerven in einem anderen Teil des Gehirns. Diese schütten Adrenalin aus, was auf die Blasenmuskulatur eher eine entspannende Wirkung hat. Mirabegron unterstützt dies und reduziert so den Harndrang.

Die Wirkung stellt sich oft erst nach zwei bis vier Wochen ein. Gehen Sie also nicht davon aus, dass Ihnen bereits die ersten Tabletten helfen. Ihr Arzt sollte die Pulsfrequenz und den Blutdruck regelmäßig kontrollieren, da Mirabegron diese Werte leicht erhöhen kann.

Die Wirksamkeit von Mirabegron wurde im Jahr 2014 an der Universität von Alberta in Kanada an über 8.400 Patienten untersucht. Nach zwölf Wochen verringerte sich die Zahl der Inkontinenzepisoden etwa um die Hälfte. Im Vergleich zu den herkömmlichen Anticholinergika war auch die Verträglichkeit besser.

Vibrationstraining stärkt den Beckenboden

Eine sehr erfolgreiche Methode, besonders gegen Belastungsinkontinenz, ist das Beckenbodentraining durch Vibration. In Göttingen wurden 2003 im Rahmen einer Studie 90 Frauen, die an Belastungsinkontinenz litten, mit einer Kombination aus Vibrations- und Beckenbodentraining behandelt. Vier von fünf Patientinnen konnten so vollkommen von ihrer Inkontinenz geheilt werden. Beim herkömmlichen Training liegt diese Rate lediglich bei zwei von fünf.

In diesen Fällen dürfen Sie das Vibrationstraining nicht anwenden:

Die Behandlung wird nicht von den Krankenkassen übernommen und kostet pro Trainingseinheit zwischen 10 und 20 Euro.

Falsches Training verstärkt Ihr Harntröpfeln, da es den Druck im Bauchraum erhöht. Daher sollten Sie Beckenbodenübungen nur unter professioneller Anleitung erlernen. Hilfreich können Beckenbodentraining mit Vaginalkonen (kleine Gewichte, die in der Scheide getragen werden) bzw. mit einer Vaginalsonde mit Elektrostimulation sowie Biofeedback sein.

Gelinjektionen: Ein ambulanter Eingriff verengt die Harnröhre

Einen anderen Ansatz zur Heilung der Harninkontinenz, ausgelöst durch physischen Stress, bietet das Zuidex®-System. Dabei werden in einer ambulanten Operation feine Injektionsnadeln durch den Harnleiter vorgeschoben. Dann wird an vier ringförmig angeordneten Punkten ein Gel in die Wand der Harnröhre injiziert. So wird sie verengt und der Harn kann (z. B. beim Niesen oder beim Sport) besser zurückgehalten werden.

Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung vorgenommen und dauert lediglich 15 Minuten. Die Krankenkassen sind nicht verpflichtet, die Kosten zu tragen. Daher müssen Sie diese Frage vorher mit Ihrem Kassensachbearbeiter klären. Die Erfolgsrate liegt mit dieser Methode bei 70 bis 80 %.

Nachteil der Methode: Das Implantat muss nach etwa vier Jahren erneuert werden.

Therapie von Inkontinenz: So ändern Sie Ihren Lebensstil

Bei den Behandlungsmaßnahmen der Inkontinenz steht eine Veränderung des Lebensstils an erster Stelle:

  • Reduzieren Sie Ihr Gewicht auf Normalgewicht
  • Rauchen Sie nicht
  • Ernähren Sie sich frisch, gesund und ausgewogen
  • Trinken Sie weniger Kaffee (als Mann)
  • Trinken Sie generell weniger
  • Regulieren Sie Ihren Stuhlgang
  • Kreuzen Sie vorbeugend beim Husten oder Niesen ihre Beine
  • Lassen Sie sich Beckenboden- und Blasentraining zunächst von einem Profi zeigen

Bei Reizblase: Kräftigende Übungen plus Entspannung

Bei einer hyperaktiven Reizblase kombinieren Sie am besten kräftigende und entlastende Maßnahmen miteinander:

  • Beim Entspannen nach den Beckenbodenübungen hilft beispielsweise ein Wärmekissen (z. B. ein erwärmtes Kirschkernkissen) auf dem Unterbauch.
  • Progressive Muskelentspannung entspannt nicht nur, sondern schärft Ihre Körperwahrnehmung insgesamt.
  • Pilatestraining hat neben dem seelischen Effekt den Beckenboden immer im Fokus.

Folgende Übungen können erste Erfolge schon nach vier bis sechs Wochen zeigen.

1. Übung:

  • Legen Sie sich auf den Bauch und winkeln Sie das rechte Bein an, sodass Sie in einer bequemen Position liegen. Ihre Stirn liegt auf den Händen.
  • Spannen Sie ihre Beckenbodenmuskulatur so stark es geht an.
  • Halten Sie diese Position für zehn Sekunden und lassen Sie dann locker.
  • Wiederholen Sie diese Übung insgesamt achtmal und wechseln Sie dann die Beine, indem Sie das linke Bein anwinkeln und das rechte strecken.

2. Übung:

  • Gehen Sie auf Ihre Knie.
  • Legen Sie die Füße zusammen, die Knie sind etwas geöffnet.
  • Senken Sie den Oberkörper nach vorne und legen Sie die Stirn auf Ihre Hände.
  • Spannen Sie die Beckenbodenmuskulatur an.
  • Halten Sie diese Spannung für einige Sekunden und lassen Sie dann locker.
  • Wiederholen Sie diese Übung etwa zehn- bis zwölfmal.

3. Übung:

  • Legen Sie sich ausgestreckt auf die linke Seite.
  • Stützen Sie den linken Unterarm am Boden ab, sodass sich der Ellenbogen unter Ihrer Schulter befindet.
  • Schieben Sie jetzt zunächst Schulter und Ohr „auseinander”, sodass Sie Ihren Hals strecken.
  • Ziehen Sie nun den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule ein.
  • Heben Sie langsam die Hüfte vom Boden ab. Einige Sekunden oben halten und langsam wieder absenken und kurz lockerlassen.
  • Wiederholen Sie die Übung sechsmal und wechseln Sie dann die Seite.

4. Übung:

  • Legen Sie sich entspannt auf den Rücken und atmen Sie ruhig.
  • Klemmen Sie sich ein zusammengerolltes Handtuch, eine Decke oder ein kleines Kissen zwischen Ihre Knie. Ihre Arme legen Sie locker neben Ihrem Körper ab.
  • Nun spannen Sie Ihren Bauch und Ihren Beckenboden leicht an, als würden Sie ihn nach innen „saugen”. Ihr Becken hebt sich dabei leicht vom Boden ab.
  • Drehen Sie das Becken nun langsam nach rechts und anschließend nach links, 20-mal im Wechsel.
  • Dann ablegen und eine kurze Pause machen.

Intensivere Variante: Alternativ zu der Seitdrehung können Sie nach dem Abheben Ihres Beckens in dieser Haltung mit Ihrem Beckenboden pulsieren: an- und entspannen im Sekundentakt für etwa fünf bis zehn Atemzüge, pausieren und wiederholen.

5. Übung:

  • Setzen Sie sich mit rundem Rücken auf einen Stuhl.
  • Spannen Sie nun die Muskeln rund um den After an, als ob Sie Stuhlgang zurückhalten wollten. Ziehen Sie dabei den After nach oben.
  • Atmen Sie ein, halten Sie die Spannung und zählen Sie beim Ausatmen bis 10.
  • Lassen Sie nun wieder locker.

6. Übung:

  • Bleiben Sie auf dem Stuhl sitzen, kippen Sie aber jetzt Ihr Becken vor, sodass ein Hohlkreuz entsteht.
  • Spannen Sie beim Einatmen die Muskeln rund um die Harnröhre kräftig an.
  • Zählen Sie beim Ausatmen wieder bis 10.
  • Entspannen Sie danach die Harnröhrenmuskeln.

Trainings wie diese sollten Sie jeden Tag durchführen. Wiederholen Sie dabei jede Übung mehrere Male. Da einige dieser Übungen unbemerkt durchgeführt werden können, können Sie durchaus auch unterwegs (z. B. im Bus oder im Auto) trainieren. Alle Übungen sind sowohl für Frauen als auch für Männer geeignet.

Möglicherweise hilft auch körperliche Aktivität, die Beschwerden einzudämmen. Männer, die sich wöchentlich mindestens eine Stunde bewegen (Schwimmen, strammes Gehen), sind laut Studienergebnissen zu 35% weniger von schwerem Harndrang mit mindestens dreimaligem „Rausmüssen” betroffen als solche, die keinen Sport betreiben.

Aber: Diese schützende Wirkung bleibt nur erhalten, wenn die Männer auch im Alter aktiv blieben.

Leben mit Inkontinenz

Eine Reizblase ist nicht nur ein lästiges Übel, sie kann auch die Lebensqualität drastisch einschränken. Das Gefühl, ständig eine Toilette aufsuchen zu müssen, kann einen Kinobesuch oder Einkaufsbummel zur echten Qual werden lassen. Nicht wenige Betroffene ziehen sich daher immer mehr in die eigenen vier Wände zurück.

Und nicht nur das: Viele Menschen gehen aus Angst vor einem Malheur bei jeder Gelegenheit zur Sicherheit auf die Toilette. Doch das verschlimmert die Probleme, denn die Blase „lernt” dadurch, bereits bei kleinster Harnmenge das Signal „Harndrang” zu geben.

Tagebuch: Erziehen Sie Ihre Blase mit Kontinenztraining

Wenn Sie das Problem in den Griff bekommen möchten, sollten Sie zunächst ein Tagebuch führen, in dem Sie sich folgende Daten notieren:

  • Wann haben Sie wie viel getrunken?
  • Wie oft mussten Sie zur Toilette?
  • Wie stark war der Drang vorher (erarbeiten Sie sich ihre eigene Skala)?
  • Bei welchen Gelegenheiten kam es am ehesten zu unfreiwilligen Harnabgang?

Dieses Tagebuch ist die Grundlage für ein gezieltes Toilettentraining. Dabei trainieren Sie Ihre Blase, sich wieder an einen normalen Füllungszustand zu gewöhnen. Die Basis für Ihr Training bildet dabei Ihr Tagebuch. Anhand der hier ermittelten Abstände zwischen den Toilettengängen können Sie nun Ihre „Toilettenzeiten” festlegen.

Kontinenztraining: So funktioniert’s

Das könnte beispielsweise so aussehen, dass Sie zunächst exakt alle zwei Stunden zur Toilette gehen und urinieren, egal ob Sie Harndrang haben oder nicht. Verlängern Sie dann allmählich die Zeitabstände jeweils um fünf Minuten. Beginnen Sie Ihr Training damit, dass Sie beim nächsten Harndrang den Gang zur Toilette etwas hinauszögern:

Protokollieren Sie die Trinkmengen, den Harndrang und die Toilettengänge wieder in einem kleinen Tagebuch. So stellt sich nach einigen Wochen Ihr individueller Rhythmus ein. Das Fassungsvermögen der Blase steigt und Sie erhalten Schritt für Schritt wieder die Kontrolle über Ihre Blase. Den Erfolg können Sie schwarz auf weiß sehen, wenn Sie Ihre aktuellen Einträge mit dem ursprünglichen Tagebuch vergleichen.

Keine Sorge: Dieses Training kann Ihrer Blase nicht schaden – im Gegenteil: Sie lernt schrittweise, sich wieder an einen normalen Füllungszustand zu gewöhnen. Sollte der Drang einmal zu stark werden, können Sie sich mit einem einfachen Trick helfen: Beugen Sie Ihren Oberkörper nach vorne und unten. Dadurch verändern Sie die Druckverhältnisse in Bauch und Becken, wodurch der Harndrang nachlässt.

Die nötige Hygiene bei Inkontinenz

Bis Sie durch die unterschiedlichen Trainingsmethoden den gewünschten Erfolg erzielt haben, sollten Sie auf peinlich genaue Hygiene achten. Wenn der Urin längere Zeit auf die Haut einwirkt, kann es zu Reizungen und Infektionen kommen. Waschen Sie den Intimbereich daher jedes Mal, wenn Sie unfreiwilligen Harnabgang bemerken.

Behelfen Sie sich auch nicht mit normalen Monatsbinden, sondern verwenden Sie bei Bedarf spezielle Inkontinenzbinden, da diese die Feuchtigkeit besser binden und einer Geruchsbildung entgegenwirken. Auf ärztliche Verordnung werden diese Hilfsmittel auch von Ihrer Krankenkasse erstattet.

Was bedeutet es, inkontinent zu sein?

Das ist der pure Horror pur für viele: Stundenlange Staus auf der Autobahn – und keine Toilette in der Nähe! Endlose Schlangen vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen – und die Blase drückt! Gerade für Menschen mit Blasenschwäche wird die Reise in den Urlaub meist zur Qual. Statt sich entspannt auf Sonne, Strand und Meer zu freuen, kreist bei ihnen alles um die Frage: Wo ist die nächste Toilette?

Doch seien Sie beruhigt: Auch Menschen mit Blasenschwäche können normal leben und verreisen, theoretisch überall hin.

Stressfreier reisen Sie, wenn Sie sich im Flugzeug oder in der Bahn einen Sitzplatz in der Nähe der Toilette reservieren. Und natürlich geht nichts ohne Notfallköfferchen mit ausreichend Einlagen oder Pants. Zudem gehören Waschlappen und Ersatzunterwäsche zur Sicherheit ins Handgepäck.

Wenn Sie unter Blasenschwäche leiden, müssen Sie Ihre Ferien besonders sorgfältig planen und vor der Abreise folgende Fragen klären:

  • Wie viele Einlagen brauche ich?
  • Wie kann ich sie transportieren?
  • Kann ich am Urlaubsort hochwertige Einlagen kaufen?
  • Erstattet mir meine Krankenkasse die Kosten?

Am besten klären Sie das vorab, denn manche Kassen liefern die gewohnten Hilfsmittel sogar bis an den Urlaubsort.

Fazit: Ein abschließender Überblick zur Inkontinenz

Ist man von einer Harninkontinenz betroffen, so äußert sich das in Form von ständigem Harndrang und unkontrolliertem Urinverlust. Je nach Form sind unterschiedliche Faktoren ursächlich. Eine sogenannte hyperaktive Blase, zeichnet sich durch sensible Nerven aus, welche Harndrang-Signale senden, obwohl die Blase noch nicht gefüllt ist. Diese kann u. a. durch eine altersbedingte Schwäche der Blasen-/Beckenbodenmuskulatur, Zuckerkrankheit, Nierenerkrankungen oder einen Harnwegsinfekt bedingt sein. Stress- bzw. Belastungsinkontinenz entsteht durch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur, beispielsweise durch eine Schwangerschaft. Dabei tritt bei körperlicher Belastung Urin unkontrolliert aus. Eine Überlaufinkontinenz ist durch ein Abfluss-Hindernis des Urins oder durch eine Muskelschwäche bedingt.

Inkontinenz kann durch eine medikamentöse Therapie behandelt werden. Leider treten bei den gängigen Medikamentengruppen häufig Nebenwirkungen auf. Alternativ ist bei der Belastungsinkontinenz die operative Behandlung durch eine Gelinjektion möglich. Zur Behandlung, aber auch zur Vorbeugung von Inkontinenz zählt die Verringerung der Risikofaktoren. Diese sind unter anderem Übergewicht, Alkohol- und Nikotinmissbrauch, Muskelschwäche sowie Erkrankungen wie Diabetes. Es existieren zahlreiche Übungen für die Stärkung der Beckenbodenmuskeln.

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