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Schwindel: Ursachen & Behandlungsmöglichkeiten

Eine plötzliche Schwindelattacke ist das Hauptkennzeichen einer Form von Vertigo, die als benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel bezeichnet wird. (Foto: ArTo - Fotolia)

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Jeder wiederkehrende, unerklärliche und schwere Schwindelanfall rechtfertigt einen Arztbesuch. Eine Reihe von Tests bestimmt, welche Form von Vertigo bei Ihnen vorliegt oder ob Ihre Symptome möglicherweise mit anderen Erkrankungen verbunden sind. Im Bett herumdrehen, aufrecht sitzen oder sich bücken, um die Schuhe zuzubinden: Es sind einfache Bewegungen, die Sie täglich machen.

Wenn Sie an einer weitverbreiteten Form von Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel leiden, entwickeln sich diese Aufgaben zum Albtraum. Derartige Bewegungen hinterlassen bei Ihnen das Gefühl, als würde sich bei Ihnen alles drehen. Manchmal ist dieses Empfinden mit Übelkeit und Erbrechen verbunden. Treten Anfälle dieser Art mehrmals täglich auf, scheint die Erfüllung der Alltagspflichten unmöglich.

Was geschieht in Ihrem Körper?

Vertigo ist eine der verschiedenen Varianten des Schwindelgefühls. Sie tritt in Verbindung mit Beschwerden im Innenohr auf und ist kennzeichnet sich durch ein Gefühl, als ob sich alles im Kopf drehe.

Der gutartige, paroxysmale (anfallsartige) Lagerungsdrehschwindel (BPPV) stellt eine Sonderform der Vertigo dar, die in den meisten Fällen bei Erwachsenen ab dem 50. Lebensjahr auftritt.

Die genaue Ursache von BPPV bleibt unbekannt. Eine Infektion der oberen Luftwege oder ein Stoß gegen den Kopf, der Teile des Innenohrs beschädigt, führen möglicherweise zu Schwindel.

Die meisten Fälle gelten als natürliche Folge des Alterungsprozesses. Mit der Zeit bröckeln kleinste Partikel im Innenohr ab. Die Trümmer wandern durch die Bogengänge (drei bogenförmige Bestandteile im Innenohr, die mit Flüssigkeit gefüllt sind) und lagern sich im hintersten Bogengang ab.

Bestimmte Bewegungen wie das Umdrehen im Bett führen unter Umständen dazu, dass diese Partikel auf haarähnliche Rezeptoren im hinteren Bogengang treffen.

Dann lösen sie einen abrupten, kurzen Schwindelanfall aus. Es entsteht das Gefühl, als drehe sich alles in Ihrem Kopf.

Möglichkeiten der Diagnose

Gleichgewichtsstörungen oder Schwindel gelten als dritthäufigster Grund, weshalb sich Patienten in ärztliche Behandlung begeben, und der häufigste Grund bei über 75-Jährigen. Mehr als 25 Millionen Deutsche erleben irgendwann einen Schwindelanfall.

Dieses Leiden fordert die Ärzte und frustriert die Betroffenen: Es gibt viele Ursachen und wenige erfolgreiche Therapien.

Für eine Diagnose nimmt Ihr Arzt neben einer allgemeinen Untersuchung unter Umständen Hör- und Gleichgewichtsprüfungen vor. Er prüft, ob eine abnorme rhythmische Augenbewegung (Nystagmus) auftritt, der bei Vertigo typisch ist.

Dazu beobachtet der Arzt Ihre Augenbewegungen, während er Ihren Kopf dreht und Sie sich schnell abwechselnd setzen und hinlegen.

Durch eine bestimmte Augenbewegung stellt er fest, welches Ohr für den Schwindel verantwortlich ist.

Behandlung eines Lagerungsschwindels

Diagnostiziert Ihr Arzt einen benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel, behebt er mit einfachen ambulanten Maßnahmen den Schwindel. Dabei nimmt er eine Reihe von Lagerungsmanövern mit Ihnen vor.

Bei dem Befreiungsmanöver lagert er den Kopf in einer bestimmten Weise. Das Ziel ist, die Partikel von den Bogengängen langsam zurück in den Utriculus zu bewegen.

Dort verursachen sie keine Symptome. Eventuell muss man die Maßnahmen mehrmals wiederholen, bis keine Anzeichen eines Nystagmus mehr auftreten.

Nach der Behandlung sollten Sie den Kopf für 48 Stunden aufrecht halten, selbst beim Schlafen. Das trägt dazu bei, dass die Partikel fest im Utriculus verbleiben. Um den Kopf in einer aufrechten Position zu halten, hilft eine Halskrause.

Zusätzlich legen Sie beim Schlafen Ihr Kopfkissen so, dass Ihr Kopf angehoben ist. Tritt bei Ihnen wiederholt ein BPLS auf, sollten Sie grundsätzlich vermeiden, Ihren Kopf so zurück zu lehnen wie zum Beispiel beim Haarewaschen im Frisörsalon oder beim Zahnarztbesuch.

Fragen Sie in solchen Situationen, wie man Ihnen entgegenkommen kann, damit Sie Ihren Kopf nicht so weit zurücklehnen müssen.

Konsequenzen aus der Behandlung

Wendet man das Lagerungsmanöver richtig an, beträgt die Erfolgsrate zwischen 80 und 90 Prozent. Danach treten in der Regel keine Symptome mehr auf. Falls doch, hilft möglicherweise eine Wiederholung der Prozedur.

Wenn sich der Schwindel immer weiter verschlechtert oder zusammen mit anderen Symptomen auftritt, begeben Sie sich sofort in ärztliche Behandlung.

Haben Sie häufiger Kreislaufprobleme oder wird Ihnen schwarz vor Augen, wenn Sie die Arme über den Kopf heben? Fühlen Sie sich mehrere Tage lang benommen und schwindelig?

Dann weist das Schwindelgefühl möglicherweise auf eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder andere Grundleiden hin, die Sie behandeln müssen. Konsultieren Sie deshalb rasch einen Arzt.

Medikamenteneinnahme nicht ratsam

Die Einnahme von Medikamenten gegen Schwindelattacken (Antivertiginosa) empfiehlt sich nicht. Sie dämpfen Ihr zentrales Nervensystem und sorgen dafür, dass das Schwindelgefühl länger andauert.

Der Körper kann den Ausfall des Gleichgewichtsorgans nicht kompensieren. Neben der notwendigen und regelmäßigen Bewegung und ausreichend Schlaf können Sie eine Reihe weiterer Maßnahmen ergreifen.

Beim Benommenheitsschwindel bewährten sich pflanzliche Mittel zur Durchblutungsförderung.

Dazu gehören Heilpflanzen wie Ginkgo biloba (als Fertigarznei aus der Apotheke), Knoblauch und Rosmarin.

Gegen Schwindelgefühle auf Reise setzt man Ingwer erfolgreich ein. Darüber hinaus helfen homöopathische Mittel hier zuverlässig. Mittel wie Tabacum, Conium und Petroleum wählt Ihnen ein erfahrener Therapeut nach Ihren persönlichen Bedürfnissen aus.

Daneben bewährte sich das Kombinationspräparat Vertigoheel. Sie erhalten es rezeptfrei in der Apotheke.

Alternative Möglichkeiten

Bei nervösem Schwindel, Angstschwindel und der Menière-Krankheit ist eine homöopathische Konstitutionstherapie hilfreich. Bei ausgeprägtem Angstschwindel rät sich häufig zusätzlich eine Verhaltenstherapie.

Sind verschobene Halswirbel die Ursache für das Schwindelgefühl, beseitigt ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Chirotherapie“ die Störung.

Wegen der Gefahr von massiven Nebenwirkungen lassen Sie sich nicht durch andere Berufsgruppen behandeln.

Akupunktur, Neuraltherapie und Fußreflexzonenmassage helfen, Schwindelanfälle in den Griff zu bekommen. Dies gilt insbesondere, wenn sie auf Muskelverspannungen oder Spätfolgen von Nervenentzündungen zurückzuführen sind.

Generell empfehlen sich Morgenmassagen und Kneipp’sche Wasseranwendungen wie kalt-warme Wechselduschen.

Sie bringen Ihr Abwehrsystem und Ihren Kreislauf auf Trab und sorgen für eine bessere Durchblutung des Innenohrs. Im Fitness-Studio finden Sie spezielle Geräte zum Training des Gleichgewichtssinns.

Neues Verfahren verbessert Behandlung

Jetzt stehen dem Arzt neue Möglichkeiten zur Verfügung. Eine neuartige, relativ einfache Übung ist in der Lage, eine häufig anzutreffende Form von Schwindel zu stoppen oder zumindest beträchtlich zu verbessern.

Während der letzten Jahre setzten Ärzte mit zunehmendem Erfolg eine neue Behandlungsmethode für BPPV ein. Sie besteht aus fünf einfach auszuführenden Lageveränderungen des Kopfes.

Jede Lageveränderung transportiert Partikel schrittweise vom hintersten Bogengang in einen winzigen sackartigen Teil (Utriculus). Hier bleiben die Partikel an den klebrigen Membranwänden haften, wo sie kein Schwindelgefühl mehr verursachen.

In vielen Fällen beseitigt eine einzige Behandlung das Schwindelgefühl. Falls nicht, löst man durch einen zweiten Versuch die Partikel, die in den Bogengängen steckengeblieben sind.

Das Verfahren kann sich auch wiederholen, wenn der Schwindel erneut auftritt.

Gründe für den zunehmenden Einsatz

Zur Standardtherapie bei BPPV gehören verschiedene Methoden. Darunter fällt unter anderem das Vermeiden von problematischen Körperhaltungen und schwierigen Kopfübungen sowie die Einnahme von Beruhigungs- bzw Schlafmitteln.

Sie bewirken, dass Ihnen das Schwindelgefühl nicht mehr so bewusst ist. Das neue Repositionsverfahren übertrifft die Standardmethoden, denn es ist:

  • effektiver – Die herkömmlichen Kopfübungen unterstützen das Ablösen von Partikeln. Sie sind jedoch unangenehm und erfordern eine tägliche Wiederholung. Die meisten Patienten brechen die Übungen ab, bevor sich überhaupt eine Wirkung einstellt. Eine andere Methode besteht darin, zu versuchen abzuwarten, bis sich das Problem von selbst löst. Dies dauert Wochen oder Monate. Manchen Patienten kommen die Monate wie Jahre vor, ohne dass der Schwindel abnimmt.
  • besser verträglich – Das Repositionsverfahren ist üblicherweise eine einmalige Behandlung im Vergleich zu den vielen Tagen, die eine Therapie mit herkömmlichen Übungen erfordert. Die Bewegungen wirken angenehmer als Standardübungen. Es kommt nicht zu der Schläfrigkeit, die bei Beruhigungsmitteln auftritt.
  • leicht durchführbar – Die Behandlung dauert fünf bis zehn Minuten und findet bei einem normalen Besuch in der Arztpraxis statt.
  • kostengünstiger – Es erfordert keine spezielle Ausrüstung, teure Tests oder Medikamente.

In welchen Fällen eignet es sich nicht?

Das Bogengang-Repositionsverfahren eignet sich nicht zur Behandlung anderer Formen von Schwindel außer BPPV. Bevor es als Therapie in Frage kommt, müssen Hör- oder Balancetests sicherstellen, ob BPPV vorliegt.

Aus diesem Grund erfolgt diese Therapie unter ärztlicher Anleitung und nach Ausschluss anderer Schwindelursachen.

Ein üblicher Test stellt unter anderem die schnelle Lageveränderung von einer Sitz- in eine Liegeposition und wieder zurück in die Sitzposition dar.

Wenn Sie an BPPV leiden, bewegen sich Ihre Augen beim Hinlegen schnell in eine Richtung. Sie bewegen sich in die andere Richtung, wenn Sie sich wieder setzen.

Das Repositionsverfahren eignet sich eventuell nicht bei Nackenproblemen wie Arthritis oder Arthrose. Die erforderlichen Dehn- und Drehbewegungen führen unter Umständen zu stärkeren Schmerzen und verschlechtern den Zustand.

Weitere Ursachen von Schwindel

Eine plötzliche, kurze Schwindelattacke ist das Hauptkennzeichen einer Form von Vertigo, die als benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS) bezeichnet wird. Andere Erkrankungen des Innenohrs können länger anhaltenden oder intensiveren Schwindel verursachen.

Dazu gehören folgende Beispiele:

Entzündung im Innenohr oder Neuritis vestibularis

Auch bekannt als Labyrinthitis. Vermutlich ist eine Virusinfektion die Ursache. Zu ihren Symptomen gehören plötzlicher, intensiver Schwindel, der mehrere Tage anhalten kann, sowie Übelkeit und Erbrechen.

Medikamente gegen Übelkeit können wirksam sein. Eine spezifische medikamentöse Therapie kann ebenfalls hilfreich sein, wenn sie frühzeitig angewandt wird.

Menière-Krankheit

Plötzliche Schwindelanfälle, die 20 Minuten oder länger andauern, sind charakteristisch. Weitere typische Symptome sind das Gefühl, das Ohr sei verstopft, sowie Klingel- oder Dröhngeräusche im Ohr (Tinnitus).

Häufig tritt eine Hörminderung auf, deren Ausmaß stark schwankt. Eine Flüssigkeitsansammlung im Innenohr, deren Ursache unbekannt ist, soll die Menière-Krankheit auslösen.

Menière-Attacken können mit Medikamenten gegen Schwindel (Antivertiginosa) und Erbrechen (Antiemetina) sowie Beruhigungsmitteln (Sedativa) behandelt werden.

Mitunter bedingt die Behandlung auch diätetische Maßnahmen oder die Gabe von Diuretika, manchmal auch die Verabreichung von Antibiotika. Gelegentlich wird auch eine operative Therapie erforderlich.

Dehiszenzsyndrom des oberen Bogenganges (Superior Kanal Dehiszenz Syndrome SCDS)

Diese Erkrankung resultiert aus einer Lücke zwischen knöcherner Innenohrabdeckung und mittlerer Schädelgrube.

Dies kann zu plötzlichen Schwindelattacken führen, die durch Geräusche oder verstärktes Hören im betroffenen Ohr ausgelöst werden.

Zu den Symptomen gehören Schwindelgefühl, Übelkeit und Gleichgewichtsstörungen. Bild gebende Verfahren können die Öffnung im Knochen (Dehiszenz) bestimmen; durch eine operative Abdeckung der Öffnung können die Beschwerden vermindert werden.

Durch Angst verursacht

Der Linzer Psychologe Dr. Hans Morschitzky hat die Erfahrung gemacht, dass bei Frauen mit Schwindelgefühlen, besonders mit Schwankschwindel häufig eine generelle Angst, Verunsicherung, Depressionen, aktuelle Konflikte, psychosozialer Stress oder Probleme, die sich zuspitzen, zu finden sind.

Er glaubt, die Stand- und Gangunsicherheit, die mit dem Schwankschwindel verbunden ist, stehe für folgende Lebensfragen, die die Betroffenen für sich beantworten müssten:

  • Wie sehr möchte ich, wie gut kann ich auf eigenen Beinen stehen?
  • Was bereitet mir eine solche Angst, dass ich mich nicht fallen lassen kann?
  • Was passiert, wenn ich einfach loslasse und falle? Wohin falle ich dann?
  • Wer oder was fängt mich dann auf?

Diese Fragen beschäftigen besonders Frauen in der Lebensmitte.

Drehschwindel

Ein BPLS kann auftreten, wenn die winzigen Kristalle des Utriculus (Statolithen) ihre ursprüngliche Position verlieren. Die Statolithen können abreißen und sammeln sich dann meist in dem hinteren Bogengang an.

Obwohl ein BPLS in jedem Alter vorkommen kann, tritt er zunehmend häufiger ab einem Alter von 50 Jahren auf.

Die genaue Ursache des benignen paroxysmalen Lagerungsschwindels ist unbekannt, er kann aber als Folge eines Schlages oder Sturzes auf den Kopf auftreten.

Bei bestimmten Bewegungen – zum Beispiel im Bett herumdrehen, aufstehen, nach oben schauen oder bücken – können die Partikel die Innenohrflüssigkeit verschieben und die haarähnlichen Sensoren knicken ab.

Wenn dies geschieht, wird ein falsches Bewegungssignal an das Gehirn gesendet. Dadurch wird eine plötzliche, kurze Schwindelphase hervorgerufen, die in der Regel weniger als eine Minute andauert.

Ein BPLS kann ebenfalls zu Übelkeit und Erbrechen, Müdigkeit, Überempfindlichkeit und Gleichgewichtsstörungen führen.

Ohne Behandlung kann der durch BPLS verursachte Schwindel über einen Zeitraum von Wochen oder gar Jahren unvorhersehbar immer wieder in Erscheinung treten.

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