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Pfingstrose: Heilpflanze mit Geschichte

Die Pfingstrose ist eine wunderschöne Pflanze, die seit der Antike als Heilpflanze eingesetzt wird. Doch die Pfingstrose darf nur mit Vorsicht verwendet werden, da zahlreiche Inhaltsstoffe leicht giftig sind. (Foto: malkovkosta | Adobe Stock)

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Inhaltsverzeichnis

Die Pfingstrose ist nicht nur eine beliebte Zierpflanze, die durch ihre großen rosa-roten Blüten verzückt:Sie wird seit der Antike aufgrund ihrer vielfältigen Wirkweise geschätzt. So soll sie bei zahlreichen Beschwerden wie Rheuma, Magenschmerzen und innerer Unruhe Abhilfe schaffen – doch was steckt hinter der Heilwirkung? Erfahren Sie hier, warum die Pfingstrose offiziell nicht als Heilpflanze anerkannt ist, ob sie giftig ist und wie die Traditionelle Chinesische Medizin und Homöopathie die Heilwirkung der Pfingstrose nutzen.

Pfingstrose auf einen Blick

  • Pfingstrose: blühende Pflanze mit entzündungshemmenden Eigenschaften
  • Eingeschränkte Verwendbarkeit: leicht giftig und keine bis dato belegbare Heilwirkung
  • Heilwirkung in der Volksmedizin: antibakteriell, gefäßverengend, blutdruckerhöhend, krampflösend, entzündungshemmend
  • Einnahme: Tee, Fertigpräparate, Extrakte
  • Einsatzgebiet in der Volksmedizin: Hämorrhoiden, Rheuma, Gicht, Krämpfe, Haut- und Schleimhauterkrankungen, Herzbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden
  • Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Anthocyane, Monoterpene, Paeoniflorin
  • Botanik: krautige Pflanze mit rosa-roten Blüten aus der Familie der Pfingstrosengewächse (Paeoniaceae)
  • Andere Namen: Gemeine Pfingstrose, Echte Pfingstrose, Bauernrose, Kirchenblume, Gichtrose, Kirchenrose, Benediktinerrose, Garten-Pfingstrose, Pumpelrose

Die meisten kennen die Pflanze mit den großen, rosa-roten Blüten als dekorative Zierpflanze, dabei hat die Pfingstrose in der Medizin eine lange Geschichte. Ihr Name erinnert heute noch daran: Paeonia officinalis leitet sich vom griechischen Wort Paieon ab. Paieon galt als Schüler des heilkundigen Asklepios und später selbst als großer und bekannter Heiler. So heilte er der Sage nach die blutende Wunde des Ares mit Päonienwurzeln.

Pfingstrosen sind wunderschön anzusehen. Jedoch ist die Pfingstrose mehr als eine reine Zierpflanze. © juliasudnitskaya | Adobe Stock

Welche Wirkstoffe enthält die Pfingstrose?

Schon seit der Antike werden Teile der Pflanze für Heilzwecke genutzt – und dass, obwohl alle Pflanzenteile schwach giftig sind. Dies ist auf die enthaltenden Alkaloide zurückzuführen.

Weitere Inhaltsstoffe der Pflanze sind:

  • Anthocyane (Blüten)
  • Flavonoide (Blüten)
  • Gerbstoffe (Blüten)
  • Paeoniflorin (Wurzel)
  • Saccharose (Wurzel)
  • Gerbstoffe (Wurzel)
  • Harzsäuren (Samen)

Anthocyane sind wasserlösliche Pflanzenfarbstoffe, die für die rötliche Färbung der Pfingstrose sorgen – ebenso wie Flavonoide. Bei beiden handelt es sich um Antioxidantien, die unter anderem antibakteriell, entzündungshemmend und cholesterin- sowie blutdrucksenkend wirken sollen. Somit haben sie das Potenzial, das Immunsystem zu stärken und sich positiv auf Entzündungen sowie Krankheiten wie Diabetes Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuwirken.

Auch Gerbstoffe wirken als natürliche Abwehrstoffe, ebenso wie Paeoniflorin. Diesem Pflanzenextrakt werden antioxidative, entzündungshemmende, schmerzlindernde und beruhigende Eigenschaften nachgesagt. Doch sowohl Gerbstoffe als auch Paeoniflorin sind in ihrer Wirkung auf den Menschen nicht vollständig erforscht.

Während die Traditionelle Chinesische Medizin die Chinesische Pfingstrose (Paeonia lactiflora) aufgrund ihrer zahlreichen wirkungsvollen Inhaltsstoffe seit knapp 1.200 Jahren als Heilmittel sehr schätzt, verschwand die Pfingstrose als Heilpflanze in Europa beinahe ganz. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Die Wirksamkeit der gemeinen Pfingstrose und der Paeonia lactiflora sind in keinem Bereich wissenschaftlich belegt, weshalb die Pflanze von der Kommission E als negativ bewertet wird.

Dabei handelt es sich um die selbstständige wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland. Die Kommission kommt auch zu dem Entschluss, dass sie eine therapeutische Anwendung von Pfingstrosen nicht befürworten kann.

Die Pfingstrose wird bereits seit der Antike als Heilpflanze genutzt – und zwar, obwohl die Inhaltsstoffe der Pfingstrose leicht giftig sind. © hacohob | Adobe Stock

Früherer Einsatz von Pfingstrosen

Da die Pfingstrose leicht giftig ist und ihre Wirksamkeit nicht medizinisch belegt werden konnte, wird sie kaum noch einsetzt. Die Kommission E rät vom eigenmächtigen Gebrauch der Pfingstrose ab. Volkstümlich fanden die Pflanzenteile allerdings bei verschiedensten Beschwerden Anwendung:

Pfingstrosenblüten:

  • Haut- und Schleimhauterkrankungen
  • Fissuren und Hautrisse
  • Hämorrhoiden (auch heute Einsatz in der Homöopathie)
  • Erkrankungen und Beschwerden im Bereich der Atemwege
  • Herzbeschwerden
  • Gastritis (Magenschleimhautentzündung)

Pfingstrosenwurzeln:

  • Krämpfen unterschiedlicher Art und Ursache
  • Beschwerden im Bereich des Magen-Darm-Traktes
  • Verletzungen der Blutgefäße
  • Neuralgien
  • Migräne
  • Mittel zur allgemeinen Stärkung

Aus dem Mittelalter stammt auch der Brauch, die Samen der Pfingstrosen auf Ketten aufzureihen und zahnenden Kleinkindern zum Kauen zu gegeben. So sollen die Beschwerden, die beim Zahnen auftreten, durch die entzündungshemmenden und schmerzstillenden Eigenschaften der Pfingstrose gemindert werden. Darüber hinaus wurde bis ins 19. Jahrhundert ein Tee aus der Wurzel der Pfingstrose bei Epilepsie eingesetzt – zurückzuführen auf die potenziell beruhigende Wirkung der Pflanze.

Achtung: Heute sollten Sie Pfingstrosen aufgrund der giftigen Wirkung nicht mehr bei Babys einsetzen. Auch die Wirkung bei Krankheiten wie Epilepsie kann nicht belegt werden, weshalb auch hier auf die Gabe von Paeonia officinalis verzichtet werden sollte.

Die Blüten der Pfingstrose fanden früher bei zahlreichen Beschwerden Anwendung. Heutzutage werden sie aufgrund ihrer nicht belegbaren medizinischen Wirkung kaum noch eingesetzt. © hacohob | Adobe Stock

Wie lässt sich die Pfingstrose anwenden?

Trotz der genannten Erkenntnisse findet die Pfingstrose als Heilpflanze noch Anwendung: In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die getrocknete Wurzel der Chinesischen Pfingstrose genutzt und in Form von Chips oder Pulver verarbeitet. Abgekocht als Tee soll die Pfingstrose so Entzündungen lindern und vor allem bei Gicht oder Rheuma eine Besserung der Beschwerden verschaffen. Auch verschiedene Präparate und Nahrungsergänzungsmittel mit Teilen der Pfingstrose kommen bei der TCM zum Einsatz.

In der Homöopathie werden meistens die Blüten und Wurzeln der gemeinen Pfingstrose genutzt. Die Globuli „Paeonia officinalis“ können nicht nur vorbeugend bei starken Menstruationsbeschwerden, sondern auch bei Gicht und Rheuma eingenommen werden. Darüber hinaus finden sie aufgrund der potenziell beruhigenden Wirkung der Pfingstrose bei Angstzuständen oder Magenproblemen Anwendung. Homöopathische Tropfen werden bei Hämorrhoiden oder Entzündungen im Analbereich verabreicht.

Beachten Sie: Die Einnahme der Präparate oder Anwendung der volksmedizinischen Heilmethoden ersetzen keine Schulmedizin oder Arzneimittel. Verschlechtern sich die Beschwerden oder treten weitere Symptome auf, sollten Sie die Therapie sofort beenden und einen Arzt aufsuchen.

Nebenwirkungen: Ist die Pfingstrose essbar?

Pfingstrosen sind schwach giftig und sollten deshalb nicht verzehrt werden. Dies liegt an den Glykosiden und Alkaloiden, die sowohl in den Blüten als auch in den Samen enthalten sind. Insbesondere bei einer hohen Dosierung kann die Pfingstrose zu typischen Vergiftungserscheinungen führen, wie:

Zudem soll sich das Wurzelextrakt der Pfingstrose auf die Spannung der Gebärmuttermuskulatur auswirken. Deshalb sind Einnahme und Anwendung der Pfingstrose bei schwangeren Frauen nicht geeignet. Aufgrund von fehlenden Untersuchungen sollten auch stillende Mütter und Kinder keine Teile der Pfingstrose zu sich nehmen oder anwenden – auch nicht in Form von Globuli.

So wächst die Pfingstrose

Pfingstrosen gelten nicht als Rosen, sondern als Hahnenfußgewächse. Die bedeutendsten Arten sind die Edelpäonie, die Strauchpfingstrose die Staudenpfingstrose und die Bauernpfingstrose. Ihre prachtvollen Blüten entwickelt sie von Mai bis Juni. Die Paeonia officinalis liebt sonnige Standorte und ihre schweren, großen Blüten erreichen mühelos einen Durchmesser von 12 cm.

Die Pfingstrose gedeiht unter der Sonne und kann bis zu 100 cm groß werden. © pictures_for_you | Adobe Stock

Die gesamte Pflanze wächst 50 bis 100 cm hoch. Um die üppig blühenden und duftenden Sträucher der Pfingstrose ranken sich von alters her viele Mythen und Sagen. Besonders im Mittelmeerraum galt die Pfingstrose von jeher als magische Pflanze. Auch in China genießt die Pfingstrose hohe Wertschätzung. Dort sind Päonien als Mou Tan bekannt und genießen das Privileg, die Nationalblume Chinas zu sein.

Pfingstrose in der Geschichte

In der griechischen Mythologie lassen sich neben der Geschichte um Ares noch weitere Bezugspunkte zur Pfingstrose finden. So berichtet die griechische Mythologie unter anderem von Virbios: Nachdem er durch das Pferd seines Vaters Theseus zu Tode gekommen war, erweckte Diana ihn mit einer Päonie zum Leben.

Man glaubte darüber hinaus, die Pflanzen könnten durch den Einfluss des Mondes entstandene Krankheiten heilen. So weihte man die Päonien der Erdgöttin Hekate, die mit dem Mondmythos in Zusammenhang gebracht wurde. Dioscurides empfiehlt die Pfingstrose bei Frauenleiden sowie Blasen- und Nierenschmerzen.

Erst viel später taucht die Pfingstrose in den Kräuterbüchern des Mittelalters auf. Aufgrund der Vermutung, dass die Benediktiner sie über die Alpen brachten, erhielt sie den Namen „Benediktinerrose“. Von den Klostergärten fand sie rasch den Weg in die Bauerngärten und in die Anwendung für vielerlei Erkrankungen, wie Gicht oder Epilepsie. Daher verdankt die Pflanze auch ihren Namen als Gichtrose.

Fazit: Die Heilpflanze Pfingstrose ist heute nur eingeschränkt zu empfehlen

Die Pfingstrose wird als Heilpflanze kaum noch eingesetzt, da alle ihre Bestandteile leicht giftig sind und es zudem keine wissenschaftliche Belge für ihre Heilwirkung gibt. Die Traditionelle Chinesische Medizin und die Homöopathie verwenden aber Blüten und Wurzel, um beispielsweise Entzündungen zu bekämpfen oder das Immunsystem zu stärken. Dabei ist es wichtig, vor der Einnahme oder Anwendung der Pfingstrose immer mit einem Mediziner Rücksprache zu erhalten, da solche Therapien keine Schulmedizin oder Arzneimittel ersetzen können.

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