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Yin und Yang: Die Philosophie der Gegensätze, die sich anziehen

Das Zeichen für Yin und Yang kennen Sie sicher, aber was steckt dahinter? Hier lesen Sie alles zu den einander bedingenden Gegenpolen. (Foto: dule964 | Adobe Stock)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Yin und Yang beschreibt zwei entgegengesetzte Kräfte, die sich ergänzen. Das eine kann ohne das andere nicht sein. In der traditionellen chinesischen Medizin ist Yin und Yang entscheidende Grundlage zur Behandlung von Krankheiten.

Feuer und Wasser, Ebbe und Flut, Tag und Nacht – vieles in unserem Universum wirkt auf den ersten Blick gegensätzlich, kann jedoch ohne das jeweils andere nicht existieren. Yin und Yang beschreibt genau diese Gegensätze, die sich jedoch ergänzen.

In der traditionellen chinesischen Medizin ist Yin und Yang die Grundlage, um den Körper und die Organe den zwei unterschiedlichen Kräften zuzuweisen. In einem philosophischen Kontext beschreibt Yin und Yang die Gegensätze, auf denen die gesamte Welt fußt.

Wie sieht das Yin und Yang-Zeichen aus?

Das Zeichen für Yin und Yang haben Sie garantiert schon einmal gesehen – ein Kreis, getrennt von einer S-förmigen Linie, der eine Teil weiß, der andere schwarz, mit einem Punkt der jeweils anderen Farbe versehen. Der Name für dieses bekannte Symbol lautet „Taijitu“.

Wortwörtlich heißt das „Symbol des Höchsten, des Ultimativen“. Es stammt aus dem Daoismus (je nach Schreibart auch Taoismus), der in China als eigene Religion angesehen wird. Die altchinesische Anschauung besagt, dass das Yin-Yang-Taijitu-Symbol das Universum in seinem Urzustand darstellt.

Neben Yin und Yang gibt es in der Naturphilosophie auch noch das Symbol Hotu, das das Yin und Yang der Welt symbolisieren soll. Es ist jedoch deutlich weniger präsent.

Yin und Yang
© Adobe Stock

Was bedeutet Yin und Yang?

Yin und Yang und das Symbol Taijitu stehen symbolisch für die Gegensätze, die jedoch auch immer einen Teil der anderen Seite beinhalten. Aber was genau ist das Urprinzip hinter den beiden Begriffen und wie lautet ihre genaue Wortbedeutung?

  • Yin heißt auf Deutsch „Schattenseite des Berges“ bzw. „schattige Uferseite des Flusses“. Im Yin und Yang-Symbol ist das Yin Schwarz. Es stellt die rechte Seite des Symbols dar.
  • Yang bedeutet übersetzt „Sonnenseite des Berges“ bzw. „sonnige Uferseite des Flusses“. Im Yin und Yang-Symbol ist das Yang Weiß. Es stellt die linke Seite des Symbols dar.

Auf einer philosophischen Ebene bedeutet das:

  • Yin verkörpert die passive, nach innen gerichtete Energie und gilt als weiblich. Yin steht für Nacht, Dunkelheit und Stille.
  • Yang ist das aktive, Impulse gebende Prinzip und wird als männlich bezeichnet. Es steht für Sonne, Tag, Licht und Bewegung.

Diese beiden Begriffe sind scheinbar klar und unmissverständlich. Bei näherem Hinsehen merkt man, dass die Mehrheit der westlichen Autoren von Gegensatzpaaren ausgeht. Yin und Yang sind aber nicht ausschließende, sondern sich ergänzende Begriffe bzw. Kräfte. Sie sind ebenso wie Geschlechterverbände komplementär und lösen sich immer wieder ab. Mal steht das eine, mal das andere stärker im Vordergrund.

Yin und Yang außerdem nur mit weiblich und männlich zu verknüpfen ist außerdem zu kurz gegriffen. Viele weitere Begriffspaare kommen in Frage, zum Beispiel

  • aktiv und passiv
  • gebend und empfangend.

Weitere Zusatzbedeutungen sind Tiger für Yin und Drache für Yang. Diese Symbole stammen aus der chinesischen Lehre der Sternzeichen.

In der chinesischen Philosophie ist das Prinzip von Yin und Yang eine entscheidende Grundlage zur Erklärung der Welt, zusammen mit anderen Wissensgebieten wie der Astronomie und der Astrologie.

Yin und Yang: Wie entstehen Vollkommenheit und Glück?

Yin und Yang – das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Sie beschreiben Zustände, die nicht starr oder absolut sind, sondern sich immer wandeln können. In jedem Yin ist ein Anteil Yang enthalten und umgekehrt.

Ereignisse oder Strukturen, die Kraft aufnehmen und sammeln, zeigen das Prinzip des Yin. Das Yang dagegen geht nach außen sowie nach oben und neigt dazu, sich zu erschöpfen.

Yin und Yang sind keine unüberbrückbaren Gegensätze. Im Yin ist Yang enthalten und umgekehrt. Zudem bedingen sie sich gegenseitig: ohne Yin kein Yang und umgekehrt. Mal dominiert das eine, mal das andere, doch sollten beide stets in einem ausgewogenen Verhältnis stehen.

Befinden sich beide Prinzipien im Gleichgewicht, können die Energien ungehemmt fließen – dies führt zu Vollkommenheit und Glück. Somit ist einer der Hauptgedanken des Yin und Yang-Prinzips die Harmonie, sowohl in der Welt als auch im und um den Menschen selbst.

Diese beiden Gegensätze ziehen sich eben an, allerdings sollten ihre unterschiedlichen Energien nicht dazu genutzt werden, um sich gegenseitig zu bekriegen. Vielmehr sollten sie zusammengeführt werden, um sich zu ergänzen und so etwas Neues, ein Ganzes zu erzeugen.

Yin und Yang in der Partnerschaft: Wie lässt sich das Prinzip auf die Liebe übertragen?

Yin und Yang kommt in verschiedenen Bereichen mit seiner Symbolkraft zum Einsatz. Es steht als Symbol für Freundschaft, Liebe und für Paare, die zeigen wollen, dass sie unzertrennlich sind. Harmonie und Gleichgewicht definieren das Symbol. Dabei kann es sich auch immer um Gegenpolehandeln, die sich anziehen.

In einer Partnerschaft darf keines der beiden Prinzipien auf Dauer dominant sein. Jeder muss sich auf den anderen einstellen, damit Yin und Yang bzw. Mann und Frau in einem ausgewogenen, partnerschaftlichen Verhältnis zueinanderstehen.

Dies gelingt dann am besten, wenn Mann und Frau sich eines klarmachen: Die Energie des gegensätzlichen Anteils ist immer in ihnen enthalten. Jede Frau hat männliche Energie, genauso wie jeder Mann weibliche Energie hat.

Allerdings verstehen wir es selten, diese Anteile zu wecken und zu nutzen. Wenn der Mann nur einige weibliche Ansätze – also etwas Yin – nutzt, die Frau sich dagegen Yang aktiv zu eigen macht, entsteht wiederum ein Ganzes: eine liebevolle, glückliche Beziehung.

Welche Typen gibt es auf Basis des Yin und Yang-Prinzips?

So wie das Symbol für Yin und Yang in zwei Hälften geteilt ist, lassen sich nach dieser Philosophie auch Menschen in zwei Typen einteilen. Somit sind jedem der beiden Typen Eigenschaften zugeteilt, die für sie sprechen. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) wird mit diesem Prinzip gearbeitet. Nicht nur Menschen unterliegen in der TCM den beiden Kräften Yin und Yang, sondern auch

  • Tiere
  • Pflanzen
  • Gegenstände

Das gesamte Universum kann nach der TCM dementsprechend eingruppiert werden.

  • Yin steht also für weiblich und kalt.
  • Yang steht für männlich und warm.

Und auch hier gilt: Die beiden Energien sind gegensätzlich, ziehen sich aber an.

Bedeutung von Yin und Yang

Welche Eigenschaften kennzeichnen den Yin- und den Yang-Typ?

Yin und Yang symbolisieren sich natürlich auch in uns Menschen: Die Frau als Yin, der Mann als Yang.

Der Yin-Typ ist durch diese Eigenschaften gekennzeichnet:

  • ist eher nach innen gerichtet und neigt dazu Probleme herunterzuschlucken,
  • fühlt sich häufig eher traurig, depressiv und verstimmt,
  • reagiert langsam, aber bedacht, entspannt und unauffällig,
  • ist meist schlank, hat ein eher schwaches Bindegewebe,
  • neigt zu chronischen Schwächezuständen wie niedrigem Blutdruck, Herzschwäche oder Blutarmut,
  • hat wenig Durst und trinkt gerne Warmes,
  • hat einen wenig ausgeprägten Appetit, liebt aber Salate, Rohkost, Milch und Kräutertee,
  • liebt eher vegetarische Kost.

Worin äußert sich Yin?

  • weiblich, Erde, Mond, Nacht
  • dunkel, nass, kalt
  • untere Körperhälfte, Bauch, das Körperinnere, Speicherorgane

Yin-Organe produzieren die lebenswichtigen Substanzen:

  • Blut
  • Jing (Basis-Energie für alle organischen Prozesse und Funktionen)
  • Shen (Geist)
  • Flüssigkeiten (Körpersäfte)

Bei Überschuss an Yin-Energie entsteht zu viel Feuchtigkeit. Zur Symptomatik zählen starke Schleimsekretion, Absonderungen – und in der westlichen Diagnostik auch Herpes zoster. Bei Yin-Schwäche kommt es zu Fieber mit Schwächegefühl, roten Wangen und nächtlichem, schwitzenden Mund.

Wie erkennt man einen Yin-Mangel?

  •  Nachtschweiß
  •  heiße Füße und Hände
  •  Durst, trockener Mund
  •  Schlafstörungen
  •  innere Unruhe, Nervosität
  •  Stressanfälligkeit
  •  Schwindel

Den Yang-Typ kennzeichnen diese Eigenschaften:

  • lebt eher nach außen und verschafft seinen Gefühlen Luft,
  • neigt zu überschäumenden Ausbrüchen wie Zorn und Eifersucht,
  • reagiert schnell und wird leicht ungeduldig,
  • hat einen auffällig kräftigen Körperbau und straffes Gewebe,
  • leidet eher an plötzlich auftretenden Krankheiten wie Entzündungen, Fieber und Herzinfarkt,
  • trinkt viel und gerne Kaltes, mag auch Alkohol,
  • sein Appetit ist ausgeprägt, er mag gerne scharf gewürzte Speisen, isst gerne Fleisch und Gebratenes,
  • hat kein Faible für fleischlose Kost.

Hierin äußert sich Yang:

  • männlich, Himmel, Sonne, Tag
  • hell, trocken, heiß
  • obere Körperhälfte, Rücken, das Körperäußere, Hohlorgane

Yang-Organe nehmen Nährstoffe auf, zerlegen und verteilen sie. Der nicht verwertete Rest wird ausgeschieden.

Bei Überschuss an Yang-Energie entsteht Hitze. Zur Symptomatik zählen akutes Fieber und brennender Hautausschlag. Bei Yang-Schwäche kommt es zu:

  • Frösteln
  • Müdigkeit,
  • Kraft- und Energielosigkeit,
  • Druckschmerzen.

Welche Ernährungsempfehlungen gibt es für die beiden Typen?

Um die Naturkräfte in Balance zu halten, gibt es für beide Typen spezielle Ernährungsempfehlungen, die gut zu den jeweiligen Eigenschaften passen.

  • Ernährungsempfehlung für den Yin-Typ: Sie sollten wärmende Nahrungsmittel wie scharfe Gewürze bevorzugen, Möhren, Walnüsse, Lammfleisch, Suppen, Eintöpfe und Gebackenes.
  • Ernährungsempfehlung für den Yang-Typ: Sie sollten abkühlende Nahrungsmittel bevorzugen, Gurken, Blatt- und andere Salate, Wassermelonen, Rohkost und Obst.

Wie äußern sich Yin und Yang in der medizinischen Praxis?

“Wer Yin und Yang begriffen hat, der hat die ganze Medizin begriffen”, so heißt es im Klassiker der inneren Medizin. Diese pauschale Aussage mag zwar überspitzt klingen, doch ist sie im Kern richtig.

Für die klinische Praxis bilden Yin und Yang ein erstes Raster, das ganz prinzipiell das Therapiekonzept festlegt. Diese Raster finden sich in der Diagnostik wieder, wo dann weiter differenziert und Ursachenforschung betrieben wird, ob es sich um eine oberflächliche (akute) oder tiefe (chronische) Erkrankung, um eine Kältekrankheit (verlangsamter Prozess) oder um eine Hitzekrankheit (beschleunigter Prozess), um einen Fülleprozess (Überbelastung des Systems) oder um einen Leereprozess (Defizienz) handelt.

Letztlich ergibt sich schon daraus die Therapie der Wahl, denn nicht jede Methode der TCM vermag jede Störung zu beheben. Leereprozesse sind beispielsweise der Akupunktur nur schwer zugänglich, während sie bei Füllekrankheiten in jeder Form sehr hilfreich ist.

Sind Yin und Yang in der Welt im Gleichgewicht?

Nicht nur in der persönlichen Betrachtung des einzelnen Menschen sind Yin und Yang von Bedeutung, sondern auch auf globaler Ebene. Seit einigen Jahren herrscht in der modernen, westlichen Gesellschaft ein Yin und Yang-Ungleichgewicht und es besteht ein akuter Yang-Überschuss. Die Welt dreht sich immer schneller, die Digitalisierung hat Prozesse beschleunigt, Hektik und Stress sind allgegenwertig und Aktivität und Produktivität sind zu Statussymbolen geworden. Außerdem ist der Alltag häufig von männlichen Werten geprägt, was ebenfalls für einen Yang-Überschuss spricht.

Insbesondere für Frauen ist dieser Yang-dominierte Lebensstil häufig besonders anstrengend, weshalb es für sie umso wichtiger ist, den Wert auf ihr Yin zu legen. Im Yin-Yoga beispielsweise wird genau dieser Umstand berücksichtigt.

Entschleunigung, Entspannung und Ruhe sind entscheidende Elemente, jedoch ist auch die Anerkennung dieser Werte etwas, bei dem die Gesellschaft zum Teil noch stark zurückhinkt. So wird Erziehungsarbeit oder Arbeit im Haushalt häufig nicht ausreichend gewürdigt, Erzieherinnen oder Altenpflegerinnen werden deutlich schlechter bezahlt als Jobs in der Wirtschaft – dabei sind sie das Rückgrat der Gesellschaft.

Wie lassen sich Yin und Yang ins Gleichgewicht bringen?

Ein Leben im Einklang mit sich selbst, mit der Umwelt und mit den eigenen Werten, das ist was die Philosophie hinter Yin und Yang vermitteln soll. Balance ist das Stichwort und der Energiefluss im Menschen und im Universum funktioniert nur, wenn ein Gleichgewicht vorliegt. Wer dies im Außen nicht schafft, kann zumindest in sich hineinhorchen und den Fokus auf die eigenen Bedürfnisse legen.

Mit Achtsamkeitspraktiken, Yoga und insbesondere Yin-Yoga sowie Meditation oder autogenem Training können Sie Yin und Yang ins Gleichgewicht bringen. Auch Zeit in der Natur, Rückbesinnung und die Verbindung mit der Erde und dem Universum helfen bei Stimmungsschwankungen, bei einem positiven Energiefluss und geben Ihnen wieder mehr Antriebskraft.

Fazit: Mit dem Prinzip von Yin und Yang zu mehr Einklang im Leben

Yin und Yang bezeichnet eine Naturphilosophie aus dem Daoismus. Dabei geht es nicht um religiöse Ansichten, sondern vielmehr um ein spirituelles Prinzip, nach dem alles im Universum in Wechselbeziehung zueinandersteht. In der traditionellen chinesischen Medizin wird das Prinzip auf den gesamten Menschen, den Körper und die Organe angewandt und ist die Grundlage für entsprechende Behandlungen.

Die Grundbedeutung von Yin und Yang ist, dass entgegengesetzt scheinende Dinge sich auch immer ein Stück weit ergänzen und ohne das jeweils andere nicht funktionieren können. Das spiegelt auch das Symbol für Yin und Yang wider. Im Alltag lässt sich das Prinzip von Yin und Yang ebenfalls anwenden und das Ziel sollte es sein, ein Gleichgewicht zu erreichen, von Körper, Geist und Umwelt.

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