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Heilpflanze Wolfstrapp: Ein einzigartiger Dirigent über den Hormonhaushalt

(Foto: Ralf Blechschmidt | Adobe Stock)

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Inhaltsverzeichnis

Wolfstrapp ist eine Heilpflanze mit besonderem Namen – dieser geht auf die Form der Laubblätter zurück, die Wolfspfoten gleichen sollen. Der Name der Pflanze ist genauso geheimnisvoll wie die naturheilkundliche Wirkung. Wenngleich diese seit Jahrhunderten nachgewiesen ist, waren die genauen Mechanismen dahinter lange unbekannt. Heute ist klar: Wolfstrapp ist eine von wenigen Pflanzen, die Einfluss auf den menschlichen Hormonhaushalt nimmt. Das erklärt die Erfolge, die das Kraut in der Behandlung von Dysbalancen im Bereich der Schilddrüsen- und Sexualhormone erzielt. Doch wo genau kommt Wolfstrapp zum Einsatz und wie wirkt das Heilkraut?

Lycopus europaeus: Wolfstrapp im Überblick

  • Wolfstrapp: 20 bis 100 Zentimeter hoher Lippenblütler (Lamiaceae) mit gezahnten Laubblättern und weiß bis rosafarbenen Blüten
  • Heilwirkung: u. a. beruhigend, entzündungshemmend, „Geschlechtshormon-hemmend“ (antigonadotrop), Prolaktin-senkend, schmerzstillend, „schilddrüsenhemmend“ (antithyreotrop),
  • Einnahme: Tabletten, Tropfen, Extrakt, Tee oder Globuli
  • Einsatzgebiete: Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Morbus Basedow, Spannungs- und Schwellungsgefühle der weiblichen Brust (Mastodynie)
  • Inhaltsstoffe: enthält eine Vielzahl an Wirkstoffen, u. a. Phenolcarbonsäuren und Flavonoide

Wolfstrapp: Anwendungsbereiche des Super-Krauts

Der Wolfstrapp, der unter dem botanischen Namen Lycopus bekannt ist und ebenfalls Wolfsfuß oder Zigeunerkraut genannt wird, ist nicht nur in Europa beheimatet. Nicht verwunderlich ist es daher, dass es zwei Arten des Wolfstrapps gibt, die als Heilpflanze geschätzt sind:

  • die europäische Variante: Lycopus europaeus
  • die amerikanische Art: Lycopus virginicus

Interessant ist, wie die Heilpflanze Verwendung findet. Einige Anwendungsbereiche gehen auf sichere Evidenzen zurück. Das bedeutet: Sie sind wissenschaftlich belegt. Andere Anwendungsbereiche beruhen auf sogenannter Erfahrungsheilkunde und kommen in der Volksheilkunde schon lange Zeit zum Einsatz.

Bereiche gesicherter Wirksamkeit – wo Wolfstrapp nachweislich wirkt

Die Wirksamkeit von Lycopus europaeus bzw. virginicus ist bei leichten Schilddrüsenüberfunktionen, Morbus Basedow und Spannungsgefühlen in der weiblichen Brust gesichert.

Schilddrüsenüberfunktion und Morbus Basedow – die einzigartige Wirkung des Wolfsfußes

Für eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sind einige Symptome charakteristisch, beispielsweise:

  • Herzbeschwerden wie Herzjagen, starkes Herzklopfen oder -stolpern
  • Zittern
  • Schwitzen
  • innere Unruhe, Reizbarkeit, Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust

Diese und weitere Krankheitszeichen gehen auf die erhöhte Verfügbarkeit von Schilddrüsenhormonen zurück. Durch Präparate aus Wolfstrapp lassen sich diese Symptome erfolgreich reduzieren. So zeigen Eiling et al. (2013) in ihrer Untersuchung, dass Wolfstrappkraut zu einer Besserung bei leichter Schilddrüsenüberfunktion führt: Die Schilddrüsenwerte normalisierten sich in der Folge der Behandlung. Auch die beschriebenen Symptome der überaktiven Schilddrüse nahmen im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe an Patienten ab.

Diese Erfolge gehen auf verschiedene Inhaltsstoffe von Wolfstrapp zurück. Sie wirken auf die beiden zentralen Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Wolfstrapp verhindern unter anderem die Umwandlung des Schilddrüsenhormons T4 in die aktivere Variante T3. Das konnten Forscher in einer Laboruntersuchung mit Ratten nachweisen (Auf’mkolk et al. 1984).

Interessant: Lycopus europaeus wirkt nicht erst auf Ebene der Schilddrüse. Er beeinflusst bereits die Signalübertragung der Hirnanhangsdrüse hin zur Schilddrüse. Das steuernde Hormon ist hierbei Thyreotropin – es liefert Jod an die Schilddrüse. Diese produziert daraus die zwei wichtigen Schilddrüsenhormone. Wolfstrapp macht Thyreotropin unwirksam und verhindert somit die Aktivierung der Schilddrüse. Man bezeichnet dies als antithyreotrope Wirkung.

Es gibt verschiedene Gründe für eine Schilddrüsenüberfunktion. Sie kann unter anderem auf die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow zurückgehen. Auch hier scheint die Behandlung mit Wolfsfuß für Abhilfe zu sorgen.

Spannungsgefühl in der weiblichen Brust mit Wolfstrapp wirksam abbauen

In den Tagen vor dem Eintreten der Periode klagen viele Frauen über Spannungsgefühle und Schmerzen in der Brust (Mastodynie). Hier kommt die antigonadotrope Wirkung von Wolfstrapp zum Tragen: Die Pflanze hemmt nämlich neben den Schilddrüsenhormonen auch Geschlechtshormone. Dazu zählt Prolaktin. Es ist für die Stimulation der Milchdrüsen in der Brust verantwortlich. Diese können Schmerzen verursachen, welche Wolfstrapp-Präparate wirksam lindern.

Mastopathie

Bereiche der Erfahrungsheilkunde – Chancen des Lycopus europaeus

Immer wieder lassen sich mit Wolfstrapp auch Erfolge bei der Behandlung weiterer Beschwerden rund um den Haushalt von Schilddrüsenhormonen und weiblichen Geschlechtshormonen beobachten. Kontrollierte klinische Untersuchungen stehen bei diesen Einsatzgebieten allerdings noch aus.

Hashimoto – Vielversprechende Aussichten

Es liegt nahe: Wenn Wolfstrapp die Schilddrüsenfunktion beeinflussen kann, ist es möglich, dass das Kraut auch bei anderen Schilddrüsenerkrankungen Abhilfe schaffen kann. Zum Beispiel bei der Autoimmunerkrankung Hashimoto.

Ähnlich wie bei Morbus Basedow lässt sich Hashimoto vermutlich auch erfolgreich mit Lycopus europaeus behandeln. Experten betonen allerdings, dass die naturheilkundliche Behandlung mit Wolfstrapp gerade bei Autoimmunerkrankungen Grenzen hat.

Hormonelle Verhütung und Wechseljahre – natürliche Abhilfe

Insbesondere die Einnahme der Pille – als hormonelles Verhütungsmittel – geht mit Unausgeglichenheiten im weiblichen Hormonhaushalt einher. Nebenwirkungen, wie Brustspannen und -schmerzen, lassen sich möglicherweise auch hier durch Wolfsfuß abschwächen.

Daneben handelt es sich bei den Wechseljahren um eine Phase hormonellen Umschwungs. Die Zeit vor der Menopause führt zu Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen und innerer Unruhe. Diese Beschwerden gleichen dem, was Personen mit Hyperthyreose beschreiben. Wolfstrapp hat sich in der Linderung solcher Symptome als wirksam erwiesen. Daher bietet sich die Anwendung der Heilpflanze auch in den Wechseljahren an.

Inhaltsstoffe: Wolfstrapp ist ein Power-Paket

Lycopus europaeus und Lycopus virginicus unterscheiden sich weder in ihrer Wirkung noch in den zentralen Inhaltsstoffen. Bedeutende Wirkstoffe sind folgende:

  • Gerbstoffe: fördern die Verdauung, indem sie Galle und Magensäfte stimulieren
  • ätherische Öle: wirken antibakteriell
  • Flavonoide: gelten als antikanzerogen (krebshemmend) und entzündungshemmend
  • Phenolcarbonsäuren: wirken antibakteriell und schmerzstillend

Letztere haben allerdings auch hormonregulierende Effekte. Man spricht von einer antigonadotropen und antithyreotropen Wirkung: Wolfstrapp kann der Überproduktion von Geschlechtshormonen – im Speziellen dem Prolaktin – günstig entgegenwirken (antigonadotrop). Das erklärt den Einsatz in der Frauenheilkunde.

„Antithyreotrop“ steht für die erwähnte Hemmung des Schilddrüsenhormons Thyreotropin – welche sich positiv auf Symptome leichter Schilddrüsenüberfunktionen auswirkt.

Darreichungsformen von Wolfstrapp

Wolfstrapp lässt sich als Tee oder als Tabletten, aber auch in Form von Tropfen und Globuli einnehmen. Die Grundlage bildet das Kraut der Heilpflanze. Die Ernte und schonende Trocknung von Wolfsfuß finden während der Blütezeit im Sommer statt.

Tee aus Wolfsfuß

Den Heil-Tee gewinnen Sie, indem Sie folgendem Rezept folgen:

  • Messen Sie 1 Teelöffel des getrockneten und fein geschnittenen Krautes ab
  • Gießen Sie 500 Milliliter heißes – nicht kochendes – Wasser darüber
  • Lassen Sie das Ganze 10 Minuten ziehen und sieben Sie die Pflanzenteile anschließend ab

Empfohlen wird die Einnahme von 2 Tassen pro Tag für die folgenden 20 Tage.

Wolfstrapp Tabletten und Tropfen – Wirkung mit Zeugnis

In der Apotheke haben Sie eine breite Auswahl an Präparaten aus Wolfstrapp: neben Tees werden auch Tabletten und Tropfen verkauft. In der Studie von Eiling et al. (2013) haben sich Thyreogutt® mono Tabletten und Tropfen als wirksam erwiesen.

Wolfstrapp Globuli – eine Glaubenssache

Die Pflanze kommt sowohl in der Naturheilkunde als auch in der Homöopathie zum Einsatz. Während es für naturheilkundliche Erfolge häufig Wirksamkeitsnachweise gibt, fehlen sie für die Homöopathie oft.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Konzentration der naturheilkundlich wirksamen Inhaltsstoffe: In naturheilkundlichen Präparaten wie den Tabletten von Thyreogutt® sind die Wirkstoffe nachweisbar. Homöopathie hingegen setzt auf die sogenannte Potenzierung – als eine starke Verdünnung der Droge – weshalb hier teilweise keine Wirkstoffe mehr erkennbar sind.

Wer sich für homöopathische Arzneimittel aus Lycopus virginicus entscheidet, der hat zwar die Sicherheit, dass die Urtinktur aus frisch blühenden Pflanzen stammt. Er hat aber keine Zusicherung dafür, dass die Inhaltsstoffe in ausreichender Konzentration vorhanden sind. Die empfohlene Dosierung für Globuli mit Wolfstrapp liegt bei je fünf Globuli-Kügelchen dreimal täglich.

Dosierung: Vorsicht mit dem Kraut der Wölfe

Die Deutsche Kommission E, eine Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel, empfiehlt für die Einnahme von Wolfstrapp eine Dosis von zwei Gramm pro Tag. Diese Dosis der Droge sollte nicht überschritten werden. Jenes gilt auch für Tee und alle anderen Darreichungsformen.

Dosierung: Die Dosis macht das Gift

Die dauerhafte Einnahme einer erhöhten Dosis von Wolfsfuß kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen. Bei einer ohnehin bereits vergrößerten Schilddrüse ist von der naturheilkundlichen Anwendung von Wolfstrapp daher von vornherein abzuraten.

Außerdem ist ein einschleichender Behandlungsbeginn und eine ausschleichende Beendigung der Therapie mit Wolfstrapp empfohlen. Auch Unterbrechungen der Behandlung gilt es zu vermeiden.

Wie immer in der Naturheilkunde gilt: Sprechen Sie vor der Einnahme mit einem Arzt oder Apotheker, um Wechselwirkungen sowie Nebenwirkungen der Heilkräuter auszuschließen.

Gegenanzeigen: Wann man auf Wolfstrapp besser verzichtet

Wolfstrapp schafft für Abhilfe bei Beschwerden in Folge einer Schilddrüsenüberfunktion. Die Präparate hemmen wichtige Hormone der Hirnanhangsdrüse und der Schilddrüse selbst. Daher ist es selbsterklärend, dass die Einnahme solcher Mittel bei einer Unterfunktion der Schilddrüse nicht zu empfehlen ist. Hier verstärkt Wolfstrapp die Symptome.

Wegen der Beeinflussung des Spiegels weiblicher Geschlechtshormone ist die Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit ebenso wenig geeignet. Auch bei Kindern ist die Behandlung mit Wolfstrapp nicht ratsam.

Wolfsfuß sammeln oder kaufen?

Der europäische Wolfstrapp wächst als etwa ein Meter hohe Staude an sonnigen Flecken feuchter Wälder oder am Ufer fließender und stehender Gewässer. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September. In diesem Zeitraum lässt sich das blühende Kraut ernten und nach Trocknung zur naturheilkundlichen Verwendung weiterverarbeiten.

Die Pflanze gehört der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae) an und hat einige markante optische Charakteristika:

  • Stiel: vierkantiger Stiel mit bis zu 1 Meter Höhe vom Boden gemessen
  • Laubblätter: gesägte, asymmetrisch angeordnete Blätter
  • Blüten: rosafarbene bis weiße Blüten an den oberen Blattachseln in Scheinquirlen – also knotigen Anordnungen

Verwechslungsgefahr besteht insbesondere gegenüber folgenden Heilpflanzen:

  • weißer Andorn
  • weiße Taubnessel
  • Katzenminze

Sie alle gelten als essbar. Eine Verwechslung ist demnach weniger schwerwiegend. Bei besonderem Augenmerk auf die Form und Anordnung der Laub- und Blütenblätter lassen sich Verwechslungen in der Regel jedoch vermeiden.

Sie können Kraut oder Extrakte selbstverständlich eigenständig anfertigen. Um eine Überdosierung der Heilpflanze zu vermeiden, empfiehlt sich der Griff zu Präparaten aus der Apotheke. Mit diesen Arzneimitteln lassen sich eine konstante Wirkstoffmenge und Qualität besser sicherstellen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, um Risiken und Nebenwirkungen zu vermeiden.

Fazit: Wolfstrapp ist ein Wundermittel für Schilddrüse und Frauenleiden

Wolfstrapp ist unter der Bezeichnung Zigeunerkraut schon Jahrhunderte lang bekannt. Anwendung findet es seit dem Mittelalter in Europa auf vielfältige Art und Weise. Das Wolfstrappkraut kommt heute bei leichten Schilddrüsenüberfunktionen zum Einsatz. Es soll aber auch bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto für Abhilfe sorgen.

In der Frauenheilkunde hat sich die Pflanze ebenfalls einen Namen gemacht: Sie lindert verschiedene Beschwerden rund um Menstruation und Wechseljahre. Seine Wirkung erzeugt der Wolfstrapp durch die Beeinflussung des menschlichen Hormonhaushaltes. Das hebt Wolfstrapp von anderen Heilpflanzen hervor und macht ihn zu einem besonderen Bestandteil der Hausapotheke.

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Wolfstrapp

Was ist Wolfstrapp?

Wolfstrapp ist eine Pflanze, die der Familie der Lippenblütler angehört. Sie lindert Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion wie Herzbeschwerden, Schwindel, innere Unruhe oder Schlafprobleme. Außerdem schafft sie Abhilfe bei prämenstruellen Brustschmerzen.

Welche Inhaltsstoffe hat Wolfstrapp?

Wolfstrapp beinhaltet neben verdauungsanregenden Gerbstoffen auch entzündungshemmende Flavonoide. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind die Phenolcarbonsäuren: sie hemmen die Schilddrüse, Geschlechtshormone und das milchproduzierende Hormon Prolaktin.

Wie wendet man Wolfstrapp an?

Wolfstrapp findet als Tee, Tablette oder Tropfen Verwendung in der Naturheilkunde. Homöopathen verschreiben das Kraut auch in Form von Globuli.

Wo wächst Wolfstrapp?

Wolfstrapp wächst am Ufer von Flüssen, Seen oder Weihern. Die Pflanze präferiert sonnige Standorte und gleichzeitig feuchten Boden.

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