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Paartherapie: Möglichkeiten, Kosten und Erfolgschancen

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Unerträgliches Schweigen, heftiger Streit, Untreue oder Perspektivlosigkeit – Gründe einen Paartherapeuten aufzusuchen gibt es einige. Viele Menschen scheuen diesen Schritt lange. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Es ist ihnen unangenehm, ihre Probleme vor einer anderen Person auszubreiten.
  • Sie denken, dass eine Paartherapie nichts mehr bringt.
  • Sie haben Angst vor dem Ergebnis der Therapie.
  • Nur einer der beiden ist bereit für eine Paartherapie, der andere weigert sich.
  • Sie scheuen die Kosten einer Paartherapie.

In den ersten Jahren einer Beziehung erscheint eine Paartherapie meilenweit weg. Die Verliebtheit wird mit der Zeit zu Liebe, Paare genießen das Zusammenleben und irgendwann folgen vielleicht eine Heirat und gemeinsame Kinder. Mit der Zeit oder mit der Familiengründung steigen für viele Paare die Herausforderungen.

Paartherapie als letzter Ausweg

Nicht allen Paaren gelingt es, immer offen zu kommunizieren, Konflikte sofort aus der Welt zu schaffen und ihre Beziehung zärtlich und liebevoll zu halten. Bei einigen nehmen Zerrüttung und Entfremdung Oberhand, die Distanz wird immer größer und das anfängliche Glück wandelt sich langsam aber sicher in Unglück.

Eine Paarberatung erscheint für viele häufig der letzte Ausweg aus der Krise. Sie anzugehen erfordert Mut und den Willen, etwas zu verändern. Hier zeigt sich auch schon ein entscheidender Hinweis, ob eine Therapie Sinn ergibt: Nur wenn beide Partner bereit sind, sich auf die Beratung einzulassen, haben sie eine Chance etwas an ihrer Beziehung zu verändern. Schließlich bedeuten Streit und Konflikte nicht gleich, dass sich Paare nicht mehr lieben. Vielmehr haben sie ihren Draht zueinander verloren und können nicht mehr kommunizieren. Diese Anzeichen können für eine Paarberatung sprechen:

  • Die Partner können nicht mehr miteinander reden. Jeder Versuch etwas zu klären, endet in Streit und Vorwürfen.
  • Einer oder beide haben keine Lust mehr auf Sex.
  • Die Streitthemen sind immer dieselben, nichts ändert sich, die Partner drehen sich im Kreis.
  • Sie sind sich unsicher, ob die Beziehung noch eine Chance hat.
  • Der eine fühlt sich vom anderen alleine gelassen und nicht genügend unterstützt.
  • Der eine hat das Gefühl, dass er in der Beziehung nichts mehr zu sagen hat und Entscheidungen nur noch einseitig durch den anderen getroffen werden.
  • Sie wollen ihre Distanz überwinden und das, was zwischen ihnen steht, aus dem Weg schaffen.
  • Sie haben aufgrund eines Seitensprungs des Partners das Vertrauen verloren und Schwierigkeiten, ihm zu verzeihen.
  • Die Gemeinsamkeiten sind weniger geworden, die Partner verbringen kaum noch Zeit miteinander.
  • Die Partner haben unterschiedliche Lebensvorstellungen.

Paartherapeuten sind Begleiter – für Beziehungen und auch für Trennungen

Entscheidend für den Erfolg einer Therapie ist, ob noch Liebe da ist und ob beide Partner die Beziehung überhaupt retten wollen. Schließlich kann eine Paartherapie nicht nur ein Mittel zur Rettung der Beziehung sein. Der Therapeut kann auch eine Trennung begleiten, wenn Paare diese nicht friedlich hinbekommen oder schon mittendrin im Rosenkrieg stecken.

Das Ergebnis der Gespäche in einer Paartherapie muss daher nicht zwingend die Rettung der Beziehung sein. Auch eine Trennung ist ein gutes Ergebnis, solange beide Partner dies als sinnvoll erachten. Der Therapeut sollte dabei nicht als Allheilmittel angesehen werden – er gibt nur Impulse und kann verschiedene Prozesse anleiten und begleiten. Die beiden Partner, deren Beziehung auf dem Spiel steht, müssen letztlich die Arbeit machen.

Paartherapie kann verschiedene Ausprägungen haben

Diese drei Therapieansätze gibt es:

  1. Verhaltenstherapie

    In einer Verhaltenstherapie werden das Verhalten und die Handlungen beider Partner in einer Beziehung analysiert und gemeinsam Alternativen erarbeitet. So kann das Paar lernen, Muster aufzubrechen und den Kreis der immer selben Vorwürfe zu durchbrechen.

  2. Systemische Paartherapie

    In einer systemischen Therapie geht es um das Sozialgefüge aus dem die beiden Partner kommen und in dem sie sich aktuell befinden. Ihre Rollen werden infrage gestellt, ebenso ihre Kommunikation. Die Bedürfnisse des anderen besser zu verstehen, ist dabei essentiell.

  3. Tiefenpsychologische Paartherapie

    In der tiefenpsychologischen Therapie konzentrieren sich Paartherapeuten auf die Kindheit der Partner und dort erlernte Gefühls- und Verhaltensmuster. Diese zu identifizieren legt den Grundstein, um sie zu ändern.

Viele Paartherapeuten folgen nicht nur einem der drei Ansätze, sondern kombinieren verschiedene Schwerpunkte. Welcher Ansatz für welches Paar am besten geeignet ist, hängt von den Problemen ab. Auch die Einstellung zur Therapie und zur Partnerschaft sowie der Grad der Bereitschaft etwas zu ändern, sind entscheidend.

Welche Aufgabe hat der Therapeut und welche das Paar?

Der Paartherapeut übernimmt in einer Beratung bzw. im Gespräch die Aufgabe der neutralen, dritten Person. Die zu besprechenden Themen bringt das Paar mit. Paartherapeuten können als Vermittler und als Spiegel dienen, der dem Paar seine eigentlichen Probleme aufzeigt. So liegen viele Konflikte in einer Partnerschaft in der Kommunikation begründet, die gestört ist. Paartherapeuten können neue Impulse bringen und dem Paar Tipps geben, um bestehende Kommunikationsmuster aufzubrechen.

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So lernen Paare wieder vorwurfsfrei und verständnisvoll miteinander umzugehen und ihre Distanz zu überwinden. Die Praxis des Therapeuten ist dabei ein neutraler Raum, in dem Konflikte ruhig und unter Anleitung ausgetragen werden können. Die bisherige Dynamik des Streits im heimischen Umfeld entfällt und Paare finden neue Möglichkeiten im Umgang mit Konflikten.

In der ersten Sitzung gilt es herauszufinden, welche Themen das Paar besprechen will. Denken sie oder einer von ihnen an eine Trennung? Welche Konflikte liegen vor? Wollen sie überhaupt wieder zueinanderfinden? Durch gezielte Fragen können Therapeuten das Ziel der Therapie festlegen und sich dann den konkreten Problemen widmen. Um herauszufinden, ob sich die Paare noch lieben, wird häufig nach der Anfangszeit der Beziehung und der Kennenlernphase gefragt. Je nachdem wie die Paare davon erzählen, zeigt sich, ob noch ausreichend Gefühle für den anderen vorhanden sind oder ob die Probleme der letzten Zeit die Liebe erdrückt haben.

Wann gilt eine Paartherapie als abgeschlossen?

Meist liegen zwischen den Sitzungen ein bis zwei Wochen. Diese Zeit ist wichtig, um das Gehörte zu verinnerlichen und zu Hause anzuwenden. Grundsätzlich entscheiden aber die Klienten, wie oft sie die Hilfe des Therapeuten in Anspruch nehmen wollen. Entscheidend ist die Bereitschaft des Paares, etwas an der Situation verändern zu wollen. Wenn nur einer zur Therapie motiviert ist und der andere nur mit verschränkten Armen stumm auf dem Stuhl sitzt, sind Therapeuten besonders gefragt.

Als abgeschlossen gilt eine Paartherapie dann, wenn beide Partner verstanden haben, welchen Beitrag sie zu den Problemen leisten. Auch die Sicht des anderen vorwurfsfrei zu verstehen und einen Blick dafür bekommen zu haben, wie er sich fühlt, ist ein Therapieziel. Weiterhin sollten beide Partner verstanden haben, wie sie ihre Probleme angehen und bestehende Muster verändern können.

So erkennen Paare einen guten Therapeuten

Paare, die sich für eine Therapie entscheiden, haben die Wahl zwischen unzähligen Therapeuten. Einen guten Therapeuten erkennt man nicht zwingend an seinen Referenzen oder Reputationen. Der Beruf des Eheberaters oder Paartherapeuten ist nicht geschützt, weshalb ihn nicht nur ausgebildete Psychotherapeuten ausüben dürfen.

Wichtiger als ein abgeschlossenes Studium sind Einfühlungsvermögen, Verständnis und dass sich beide Partner bei ihm wohlfühlen. Um einen guten Paarberater zu finden, empfiehlt es sich Freunde oder den Hausarzt nach Empfehlungen zu fragen. Am besten wird dann mit dem Berater eine erste Probestunde vereinbart. In dieser können sich das Paar und der Berater in einem Gespräch kennenlernen.

Es ist nicht unüblich, dass Paare zwei oder drei verschiedene Therapeuten ausprobieren, bis sie bei einem bleiben. Schließlich ist Wohlbefinden eine wichtige Voraussetzung für eine offene Gesprächsatmosphäre. Wer allerdings von Therapeut zu Therapeut geht und immer wieder etwas entdeckt, das ihm nicht zusagt, sollte seine tatsächliche Therapiebereitschaft hinterfragen.

Wie erfolgreich sind Paartherapien wirklich?

In 80 Prozent der Fälle sind es die Frauen, die beim Paartherapeuten anrufen. Männer werden seltener aktiv. Nur rund 30 Prozent der Paare entschließen sich auf Anhieb gemeinsam dazu, eine Paartherapie zu machen. Studien belegen, dass sich bei 40 bis 50 Prozent der therapierten Paare die Beziehung maßgeblich verbessert.

Eine Paartherapie ist also durchaus einen Versuch wert, wenn Paaren noch etwas an ihrer Beziehung liegt. Je bereitwilliger beide Partner in die Therapie gehen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Beziehung wieder in den Griff bekommen können.

So viel kostet eine Paartherapie

Die Kosten für eine Therapie müssen Paare selber tragen. Sie werden nicht von der Krankenkasse übernommen. Schließlich handelt es sich nicht um eine Psychotherapie, bei der eine psychische Krankheit zugrunde liegt, sondern vielmehr um eine Beratung. Eine Paartherapie-Sitzung kostet zwischen 80 und 200 Euro. Die Preise variieren in der Regel je nach Erfahrung, Ausbildung und Standort des Therapeuten. 10 Sitzungen belaufen sich also auf 800 bis 2.000 Euro. Bei manchen Paaren sind auch bis zu 15 bis 20 Stunden nötig, um ihre Probleme zu thematisieren und Lösungen zu finden. Die Kosten fallen dementsprechend höher aus.

Nicht alle Paare benötigen so viele Sitzungen. Manche benötigen auch nur Unterstützung in einer konkreten Angelegenheit oder kommen schneller zu Ergebnissen als andere. Es gibt kein Muss, keinen Druck und keine Vorgaben. Das Paar entscheidet, bis zu welchem Punkt es begleitet werden möchte.

Es gibt auch Erstsitzungen, zu denen nur einer der Partner erscheint. Dem anderen mangelt es an Überzeugung für das Vorhaben und er muss fast zur Beratung gezwungen werden. Dies kann ein Anzeichen sein, dass möglicherweise jede Hilfe zu spät kommt. Die Leben der beiden Partner haben sich schon zu weit voneinander entfernt und die Trennung ist der einzig sinnvolle Ausweg. Der Paartherapeut begleitet auch hierbei und kann ein neutraler Berater in vielen Fragen sein.

Kostengünstige Alternativen zur Paartherapie

Wer sich scheut so viel Geld auszugeben oder es schlichtweg nicht hat, muss mit seinen Beziehungsproblemen trotzdem nicht alleine bleiben. Kirchliche und staatliche Beratungsstellen bieten Paaren Hilfe an (zum Beispiel “pro familia”), wenn sie mit ihren Konflikten alleine nicht mehr weiterkommen. Manche Angebote sind sogar kostenlos, andere kosten 20 bis 30 Euro pro Sitzung. Das Angebot ist in der Regel begrenzt: Mehr als 10 Sitzungen können bei diesen Stellen häufig nicht in Anspruch genommen werden.

Zusammenfassung: Paartherapie

Eine Paartherapie kann Partnern helfen, wieder zusammenzufinden. Die wichtigste Voraussetzung ist, dass beide auch dazu bereit sind. Kommunikationsprobleme, Konflikte und Unstimmigkeiten können auf neutralem Boden mit einer neutralen, dritten Person ausgetragen werden, die anleitet und neue Impulse gibt. Die Erfolgschancen einer Paartherapie stehen gut, wenn beide Partner an ihrer Beziehung arbeiten wollen. Durch die Hilfe des Therapeuten können neue Perspektiven aufgezeigt und alte Muster aufgebrochen werden.

Einen guten Therapeuten erkennt man an seiner Feinfühligkeit und am eigenen Wohlbefinden in seiner Praxis. Die vierstelligen Kosten einer Paartherapie übernehmen die Krankenkassen nicht – sie zu investieren kann aber durchaus lohnen. Wer die Kosten scheut, kann erst einmal auf ein kostengünstigeres staatliches oder kirchliches Angebot zurückgreifen. Bei Mehrbedarf kann dann immer noch ein Therapeut zurate gezogen werden.

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