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Übersicht: Die 7 häufigsten Geschlechtskrankheiten

Eine Übersicht über die häufigsten Geschlechtskrankheiten gibt Aufschluss, wie viele Neuinfektionen es in Deutschland jährlich gibt.  (Foto: PinkShot - Adobe Stock)

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Sex ist schön, Sex macht Spaß und Sex macht krank – zumindest wenn man nicht aufpasst. Schließlich können bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr verschiedene Krankheiten übertragen werden, jedenfalls wenn einer der beiden Partner infiziert ist.

Nicht immer wissen die Betroffenen überhaupt, dass sie an einer Geschlechtskrankheit leiden. Denn nicht alle Krankheiten äußern sich auch wirklich durch klar zu identifizierende Symptome. Manche Krankheiten sind gut behandelbar und weniger dramatisch, andere können wenn sie unentdeckt bleiben langfristig zu schweren Schäden des Organismus oder sogar zum Tod führen. Um zu wissen, bei welchen Symptomen man gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen sollte, hilft eine Übersicht über die am häufigsten vorkommenden Geschlechtskrankheiten.

Chlamydien

Chlamydien sind Bakterien, die sexuell übertragbar sind. Sowohl durch vaginalen als auch durch analen und oralen Geschlechtsverkehr kann die Krankheit übertragen werden. Die Symptome von Chlamydien sind bei Frauen und Männern verschieden:

Frauen

  • vaginaler oder analer Ausfluss (je nach Infektionsherd)
  • Juckreiz am Anus oder an der Scheide
  • Schmerzen beim Urinieren
  • Schmerzen im Unterleib
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Blutungen beim Geschlechtsverkehr
  • Zwischenblutungen oder eine unregelmäßige Menstruation

Männer

  • weißlicher Ausfluss
  • Schmerzen beim Urinieren
  • schmerzende Hoden
  • Juckreiz oder Ausfluss am Anus

Eine Chlamydien-Infektion verläuft häufig unbemerkt. Nur 30 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer haben Beschwerden und das ist das Gefährliche. Chlamydien können bei Frauen zu Beckenentzündungen oder einem Verkleben der Eileiter führen. Die Folge können lebensgefährliche Bauchhöhlenschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit sein. Männer können durch Chlamydien eine Nebenhodenentzündung bekommen und anschließend ebenfalls unter Unfruchtbarkeit leiden. Babys können bei der Geburt mit Chlamydien infiziert werden – sie erkranken dann häufig an einer Lungenentzündung oder einer Bindehautentzündung.

Mittels Urintest oder Schleimhautabstrich kann der Arzt auf Chlamydien testen. Wird die Infektion erkannt, sind Antibiotika wirksam. Ist es durch eine Chlamydien-Infektion bereits zu einer Verklebung der Eileiter und einer damit verbundenen Unfruchtbarkeit gekommen, sind diese Folgen nicht mehr rückgängig zu machen. Weiterhin besteht für Patienten mit spät- oder unentdeckten Chlamydien-Infektionen ein höheres Risiko an Krebs zu erkranken.

Häufigkeit: 100.000 neue Chlamydien-Fälle gibt es jedes Jahr in Deutschland. Chlamydien sind daher die am weitesten verbreitete Geschlechtskrankheit des Landes und sogar in ganz Europa kommt keine sexuell übertragbare Krankheit so häufig vor wie die Chlamydien-Infektion.

Gonorrhoe (Tripper)

Die Inkubationszeit ist bei Tripper mit 2 bis 3 Tagen deutlich kürzer als bei Syphilis. Die Krankheit ist ebenfalls meldepflichtig und wird hauptsächlich sexuell übertragen. Typische Symptome für Tripper sind:

  • gelb-grünlicher Ausfluss
  • Juckreiz an den Genitalien
  • Fieber
  • Entzündungen der Harnröhre
  • Entzündungen am Gebärmutterhals bei Frauen
  • Unregelmäßige Blutungen außerhalb der Monatsblutung
  • Geschwollene Hoden und Schmerzen im Unterbauch durch die Ausbreitung des Erregers auf die Prostata und die Nebenhoden bei Männern
  • Nach einer Infektion durch Analverkehr kann Ausfluss auch am After auftreten. Auch Durchfall ist üblich.
  • Nach einer Infektion durch Oralsex bleiben die Symptome meist aus.

Besonders bei Frauen treten häufig keine Symptome auf, wodurch die Krankheit unentdeckt bleibt.

Unfruchtbarkeit kann die Folge einer unbehandelten Gonorrhoe-Erkrankung sein. Auch Entzündungen der Haut, des Herzens, der Bindehaut oder den Gelenken sind möglich. Mit Antibiotika kann die Krankheit in der Regel gut behandelt werden. Der Arzt erkennt sie durch einen Abstrich an der Schleimhaut oder durch einen Urin- oder Bluttest.

Häufigkeit: Etwa 16.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Tripper.

Syphilis

Syphilis ist sexuell übertragbar und unterliegt der Meldepflicht. Die Meldung erfolgt in der Regel anonym – nur wer eine Behandlung verweigert, wird namentlich gemeldet. Wenn Symptome auftreten, geschieht dies in der Regel zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung.

Typisch ist eine Hautveränderung in Form eines kreisrunden Knotens oder Flecks. Dieser verfärbt sich dunkelrot und entsteht dort, wo das Bakterium in den Körper eintritt. In den meisten Fällen ist dies der Genitalbereich, doch auch an Mund oder Brüsten kann es vorkommen. Der Fleck entwickelt sich zu einem nässenden, gelblichen Geschwür, tut in der Regel aber nicht weh. Üblicherweise schwellen in den Wochen darauf die umliegenden Lymphknoten an. Diese Symptome klingen wieder ab. Wurde die Syphilis zu diesem Zeitpunkt nicht erkannt, da sie keine Beschwerden bereitet hat oder die Hautveränderung nicht bemerkt wurde, können nach zwei bis drei Monaten weitere Symptome auftreten:

  • Abgeschlagenheit
  • Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hautausschlag an Handflächen oder Fußsohlen, der zu kleinen Knoten wird (die in der Regel nicht jucken, bloß nässen oder schuppen)
  • Knötchenbildung im Intimbereich
  • Verdickung der Schleimhaut im Mund oder Rachen mit Rötungen im Mundraum
  • Haarausfall

Dabei müssen längst nicht alle Symptome auftreten. Zum Teil treten sie auf, flauen dann wieder ab und kommen dann wieder – immer in Wellen. So kann es bis zu einem Jahr gehen. Wurde die Krankheit dann immer noch nicht behandelt, können die inneren Organe im gesamten Körper befallen sein, was sehr gefährlich ist. Im letzten Stadium der Krankheit befällt der Erreger dann das zentrale Nervensystem mit Gehirn und Rückenmark. Lähmungen, Fehlempfindungen, mangelnde Reflex- und Muskelkontrolle und sogar Tod können die Folge sein.

Per Abstrich oder Bluttest kann Syphilis erkannt werden. Wird die Krankheit rechtzeitig erkannt, kann sie mit Antibiotika geheilt werden.

Häufigkeit: Rund 4.600 Menschen infizieren sich in Deutschland pro Jahr mit Syphilis.

Humane Papillomaviren

Eine Ansteckung mit humanen Papillomaviren (kurz: HPV) erfolgt in den meisten Fällen durch Sex. Weitere Möglichkeiten zur Infektion sind:

  • Weitergabe der Viren durch eine infizierte Mutter auf ihr Kind bei der Geburt
  • Nutzung infizierter Gegenstände wie zum Beispiel Sexspielzeuge

HPV ist keine direkte Geschlechtskrankheit, kann aber andere Krankheiten auslösen und wird beim Geschlechtsverkehr übertragen, weshalb sie trotzdem in diese Übersicht gehört. HPV kann Feigwarzen und andere Hautwarzen hervorrufen und ist besonders wegen seiner gewebeverändernden Auswirkung riskant. Krebsvorstufen sowie Krebs können durch HPV ausgelöst werden, die häufigsten Krebsarten sind:

Eine Infektion mit HPV zeigt sich nicht unmittelbar mit Symptomen. Vielmehr zeigen die Folgeerkrankungen Symptome wie zum Beispiel Knötchen mit Juckreiz bei Genitalwarzen oder Ausfluss und Blutungen bei Gebärmutterhalskrebs. Ob eine Infektion mit HPV vorliegt, kann der Frauenarzt mit einem Abstrich klären. Frauen können sich gegen HPV sogar impfen lassen, besonders bei jungen Frauen, die noch keinen sexuellen Kontakt hatten, macht diese Impfung Sinn.

Weibliche und männliche Hand halten gemeinsam ein Kondom

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Häufigkeit: 80.000 Menschen infizieren sich jedes Jahr mit humanen Papillomaviren. Schützen kann man sich primär durch Kondome oder Femidome.

HIV

Lange Zeit galt HIV als die Schlimmste aller sexuell übertragbaren Krankheiten, da es noch keine entsprechende Behandlung gab und eine Infektion mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zum Ausbruch von Aids und dann zum Tod führte. Mittlerweile ist HIV gut behandelbar und infizierte Personen können mit entsprechenden Medikamenten fast genauso alt werden wie Menschen ohne HIV. Dennoch ist die Krankheit alles andere als ungefährlich und ein Leben mit HIV ist von Einschränkungen, regelmäßigen Bluttests, der Einnahme starker Medikamente und eventuellen Nebenwirkungen dieser geprägt.

Die Symptome einer HIV-Infektion sind vielfältig und nicht immer klar zuzuordnen. Erst drei Monate nach einer Infektion werden im Blut Antikörper gegen das HI-Virus gebildet und erst ab diesem Zeitpunkt kann mit einem Bluttest nachgewiesen werden, dass ein Mensch mit HIV infiziert ist. Die Krankheit kann sich bei einer frischen Infektion folgendermaßen bemerkbar machen:

  • Tagelanges Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Gliederschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Durchfall
  • Nachtschweiß
  • geschwollene und schmerzende Mandeln
  • geschwollene Lymphknoten
  • wunde und offene Stellen im Mund

Viele HIV-Infizierte verwechseln die Symptome der Krankheit zunächst mit einer Erkältung oder einem grippalen Infekt. Zudem treten nicht alle dieser Symptome parallel oder überhaupt auf. Eine frühe Identifizierung der Krankheit ist essentiell, um eine Ansteckung zu verhindern. Besonders in den ersten Monaten nach der Infektion kommen in den Körperflüssigkeiten viele Erreger vor, wodurch Personen in dieser Zeit hochansteckend sind.

Nach der ersten, grippeähnlichen Phase, die in der Regel nach zwei bis vier Wochen wieder abklingt, nistet sich das Virus dann in den Organen ein und schwächt das Immunsystem zunehmend. Auch das Gehirn und das Nervensystem können Schaden nehmen. Bei einer vollständigen Herabsetzung des eigenen Immunsystems ist dann die Rede von Aids – die Krankheit ist das Endstadium einer HIV-Infektion. Schon ein Schnupfen kann in diesem Stadium tödlich sein.

Häufigkeit: 3.000 Menschen infizieren sich in Deutschland jedes Jahr neu mit dem HI-Virus.

Genitalherpes

Genauso wie Lippenherpes entsteht auch Genitalherpes durch das Herplex simplex Virus. Genitalherpes wird durch den Kontakt mit Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten übertragen:

  • Sperma
  • Blut
  • Vaginalsekret

Besonders an Mund, Anus und Genitalien ist das Ansteckungsrisiko hoch, wenn der Sexualpartner sichtbare Bläschen hat. Doch auch ohne sichtbare Symptome ist eine Ansteckung möglich. Die Symptome bei Genitalherpes sind vielfältig:

  • juckende, brennende und nässende Bläschen im Genitalbereich
  • geschwollene Lymphknoten
  • Schmerzen und Brennen beim Urinieren
  • Fieber

Nicht immer treten diese Symptome auf. Bei vielen verläuft eine Ansteckung symptomlos, was sie so gefährlich macht. Tritt das Virus einmal auf (und die Erstinfektion ist häufig die Heftigste), kann es immer wieder ausbrechen, da die Herpesviren lebenslang im Körper verbleiben. Durch Stress oder andere Belastungen des Immunsystems können die Symptome immer wieder auftreten.

Die Symptome von Genitalherpes sind mit antiviralen Cremes und Tabletten behandelbar. Heilbar ist die Krankheit aber nicht. Je früher bei einem Ausbruch der Symptome mit der Behandlung begonnen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Symptome schnell wieder abheilen.

Ärzte erkennen Genitalherpes häufig schon per Blickdiagnose – im Zweifelsfall wird ein Abstrich genommen, um sicherzugehen. Wer mehr als sechs Mal im Jahr unter Herpes leidet, kann mit seinem behandelnden Arzt über eventuelle Präventivbehandlungen sprechen.

Während einem akuten Ausbruch von Lippenherpes sollte auf Oralverkehr verzichtet werden, da es sonst zu einer Ansteckung mit Genitalherpes kommen kann.

Häufigkeit: 10 bis 15 Prozent der Deutschen tragen das Virus, das Genitalherpes auslösen kann, in sich. bei 10 bis 30 Prozent dieser Personen bricht Genitalherpes dann auch tatsächlich aus. Da die weiblichen Schleimhäute empfindlicher sind als die des Mannes, sind Frauen häufiger von Genitalherpes betroffen.

Pilzinfektionen

Eine Pilzinfektion ist eigentlich keine Geschlechtskrankheit – dennoch treten diese Infektionen häufig im Scheidenbereich auf und können auch an Sexualpartner weitergegeben werden. Zur Erklärung: Bakterien und Pilze gehören eigentlich zum normalen Milieu der Scheide. Wird dieses Milieu nun aus dem Gleichgewicht gebracht, zum Beispiel bei einem geschwächten Immunsystem, Krankheiten oder auch durch die Einnahme von Antibiotika (diese töten Bakterien ab, wodurch sich die Anzahl der Pilze in der Scheidenflora erhöhen kann), können sich die Pilzerreger vermehren. Eine vaginale Pilzinfektion äußert sich durch folgende Symptome:

  • vaginaler Ausfluss
  • starker Juckreiz
  • Rötungen an der Scheide
  • Schwellungen

Mit Cremes oder Vaginalzäpfchen lässt sich eine Pilzinfektion gut bekämpfen, die Symptome gehen zurück und das Milieu wird wieder hergestellt. Pilzinfektionen können auch an Geschlechtspartner weitergegeben werden, weshalb in einer festen Partnerschaft beide Partner die Creme verwenden sollten. Andernfalls ist ein sogenannter Ping-Pong-Effekt möglich. Ärzte erkennen eine Pilzinfektion häufig schon per Blickdiagnose, im Zweifelsfall gibt ein Abstrich Aufschluss.

Eine Pilzinfektion bei Männern äußert sich durch eine gerötete Vorhaut und Eichel, die unter Umständen brennt und nässt.

Häufigkeit: 75 Prozent aller Frauen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer vaginalen Pilzinfektion. Sie gehört somit zu den häufigsten Infektionen im Genitalbereich.

Vor Geschlechtskrankheiten schützen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Bei jedem ungeschützten Geschlechtsverkehr ist theoretisch ein Ansteckungsrisiko vorhanden. Schließlich wissen mit einer Krankheit infizierte Personen selber nicht immer, dass sie übertragbare Erreger in sich tragen.

Kondome oder Femidome sind die einzige Möglichkeit, sich zuverlässig vor Geschlechtskrankheiten zu schützen. Sie verhindern den direkten Kontakt zwischen den Schleimhäuten, was ein typischer Ansteckungsweg ist. Sowohl beim Vaginal- und Anal- als auch beim Oralverkehr sollten Kondome verwendet werden, wenn ein Schutz vor Geschlechtskrankheiten gewünscht ist. Für Frauen gibt es darüber hinaus noch Lecktücher – sie schützen den Mann beim Oralverkehr vor einer Ansteckung.

Um die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten auch selber aktiv einzudämmen, hilft es, sich neben der Verwendung von entsprechenden Verhütungsmitteln auch regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Nur wer sich über seinen eigenen Gesundheitszustand im Klaren ist, kann auch andere vor einer Ansteckung bewahren.

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