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Verhütung: So funktionieren die gängigen Methoden

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Zu den bekanntesten und am häufigsten genutzten Mitteln zur Verhütung zählen Kondome sowie die Antibabypille. Doch es gibt noch viele weitere Methoden, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Doch die Empfängnisverhütung ist nicht der einzige Zweck eines Verhütungsmittels – auch vor Geschlechtskrankheiten können sie schützen.

Welche Arten von Verhütungsmitteln gibt es?

Die Auswahl an Verhütungsmitteln für Männer ist gering – es gibt nur zwei Varianten:

Es gibt deutlich mehr Verhütungsmittel für Frauen, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Körper haben:

  • Hormonelle Verhütung durch Pille, Mini-Pille, Verhütungsring, Hormonpflaster, Hormonspirale, Drei-Monats-Spritze (auch Depotspritze genannt) oder Verhütungsstäbchen bzw. Hormonimplantat.
  • Mechanische Verhütung durch Diaphragma, Femidom, Kupferspirale oder Kupferkette. Neben dem Kondom schützt nur noch das Femidom nicht nur vor Schwangerschaft, sondern auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten.
  • Chemische Verhütung durch Zäpfchen, Verhütungsgels oder -cremes, die spermienabtötende Stoffe enthalten.
  • Natürliche Verhütung durch die Temperaturmethode oder die Kalendermethode. Auch der Koitus interruptus kann als natürliche Verhütungsmethode angesehen werden.
  • Operative Verhütung durch Sterilisation, denn nicht nur Männer können sich die Samenstränge durchtrennen lassen, sondern auch Frauen die Eileiter.
  • Notfallverhütung durch die „Pille danach“ oder die „Spirale danach“.

Wichtig: Die Sicherheit eines jeden Verhütungsmittels hängt von der richtigen Anwendung ab.

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Verhütungsmitteln. Während der Mann oft auf das Kondom zurückgreift, gilt die Pille als ein beliebtes Verhütungsmittel für die Frau. Jedoch haben Frauen noch viele andere Verhütungsmöglichkeiten. © itakdalee | Adobe Stock

Wie wird die Sicherheit von Verhütungsmitteln bestimmt?

Die Sicherheit wird über den Pearl-Index angegeben. Je niedriger die Zahl ist, desto sicherer ist die Methode. Ein Pearl Index von 1 besagt, dass eine von 100 Frauen schwanger wird, die dieses Verhütungsmittel ein Jahr lang anwenden. Ein Pearl-Index von 0,1 bedeutet, dass eine von 1.000 Frauen schwanger wird, usw.

Bei vielen Verhütungsmittel sind von/bis-Werte im Pearl-Index angegeben. Der niedrige Wert bezieht sich auf die Idealbedingung ohne Anwendungsfehler, der höhere Wert berücksichtigt auch Anwendungsfehler. Liegen die beiden Werte nah beieinander, spricht das dafür, dass das Verhütungsmittel kaum Spielraum für Anwendungsfehler bietet.

Wie funktioniert die hormonelle Verhütung?

Bei der hormonellen Verhütung werden durch die Zuführung der Hormone Östrogen und Gestagen im sowohl der Eisprung unterdrückt als auch der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verhindert, so dass sich Spermien nicht einnisten können. Die Zufuhr der Hormone kann auf verschiedene Weise erfolgen.

Hormonelles VerhütungsmittelAnwendungSicherheit (Pearl-Index)
AntibabypilleTägliche orale Einnahme von Östrogen und Gestagen für 21 Tage, dann 7 Tage Pause0,1-0,9
Mini-PilleTägliche orale Einnahme von Gestagen an jedem Tag im Monat0,5-3
Drei-Monats-SpritzeAlle drei Monate eine Spritze0,3-0,88
HormonspiraleEinsetzen in die Gebärmutter für bis zu 5 Jahre0,16
VaginalringEinsetzen in die Scheide für eine Zykluslänge0,4-0,65
VerhütungspflasterAufnahme der Hormone über ein Verhütungspflaster auf der Haut, das dreimal pro Zyklus für 10 Tage aufgeklebt wird0,72-0,9
VerhütungsstäbchenEinsetzen unter der Haut am Oberarm – das Stäbchen gibt drei Jahre lang Hormone ab.0-0,08

Welche Nebenwirkungen kann die hormonelle Verhütung haben?

Hormonelle Verhütung wird häufig als bequem empfunden und ist darüber hinaus bei korrekter Anwendung sehr sicher. Allerdings gehen mit ihr auch Nebenwirkungen einher, die durch die Hormone entstehen können, unter anderem:

  • Gewichtszunahme
  • Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen
  • Verminderte Libido
  • Erhöhtes Thromboserisiko
  • Haarausfall
  • Abgeschlagenheit

Immer mehr Frauen entscheiden sich daher für eine hormonfreien Verhütung.

Zwar überzeugen hormonelle Verhütungsmittel mit ihrer einfachen und sicheren Anwendung, jedoch treten durch die Hormone auch Nebenwirkungen auf. © Antonioguillem | Adobe Stock

Entscheidend bei der hormonellen Verhütung ist die richtige Anwendung. So muss die Pille regelmäßig zur selben Uhrzeit eingenommen werden, um sicher wirken zu können – Durchfall oder Erbrechen können die Wirksamkeit beeinträchtigen. Auch beim Vaginalring und dem Pflaster müssen Frauen regelmäßig daran denken, ihr Verhütungsmittel zu erneuern.

Wie funktioniert die mechanische Verhütung und wie sicher ist sie?

Mechanische Verhütungsmittel sind das Kondom, Femidom oder Diaphragma. Sie alle sorgen für eine natürliche Barriere zwischen Gebärmutter und Spermien, sodass diese es gar nicht erst durch den Muttermund schaffen. Weitere mechanische Verhütungsmittel sind die Kupferspirale und die Kupferkette, deren Kupferionen die Gebärmutterschleimhaut so verändern, dass sich keine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann.

Mechanisches VerhütungsmittelAnwendungSicherheit (Pearl-Index)
KondomEs fängt die Spermien auf und verhindert, dass sie in die Gebärmutter gelangen. Es ist das einzige Verhütungsmittel für Männer, das vor Geschlechtskrankheiten schützt.2-12
FemidomEs wird in der Scheide platziert und kleidet sie wie eine zweite Haut aus. Es ist das einzige Verhütungsmittel für Frauen, das vor Geschlechtskrankheiten schützt.5-25
DiaphragmaNach Auftragen von spermienabtötendem Verhütungsgel wird es vor dem Sex in die Scheide eingeführt und so platziert, dass es den Muttermund abdichtet.1-20
KupferspiraleSie wird in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort bis zu fünf Jahre verbleiben. Die Kupferionen verändern die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich keine Samenzellen einnisten können.0,3-0,8
KupferketteKupferzylinder auf einem Nylonfaden werden in die Gebärmutter eingeknotet und können dort bis zu fünf Jahre verbleiben. Die Kupferionen verändern die Gebärmutterschleimhaut, sodass sich keine Spermien einnisten können.0,1-0,5

Welche Nebenwirkungen können mechanische Verhütungsmittel haben?

Auch mechanische Verhütungsmittel haben Nebenwirkungen. So verändern Kondome oder Femidome das Gefühl beim Verkehr und das Einsetzen des Femidoms oder Diaphragmas unterbricht das Liebesspiel. Das Einsetzen des Diaphragmas oder Femidoms muss außerdem geübt werden.

Bei der Kupferspirale oder -kette kann es zu einer verstärkten Regelblutung, Schmierblutungen und Krämpfen kommen. Das Risiko einer Unterleibsentzündung steigt ebenfalls und zudem empfinden viele Frauen das Einsetzen als schmerzhaft. Dafür müssen sie anschließend fünf Jahre lang an nichts denken und die Nebenwirkungen wie bei der hormonellen Verhütung bleiben aus.

Mechanische Verhütungsmittel beinhalten zwar keine Hormone, können jedoch ebenfalls Nebenwirkungen hervorrufen. © adragan | Adobe Stock

Chemische Verhütung: Was gilt in Sachen Anwendung, Sicherheit und Nebenwirkungen?

Die chemische Verhütung erfolgt durch Zäpfchen, Tabletten, Gels oder Cremes. Sie alle enthalten sogenannte Spermizide, die die Samenzellen unschädlich machen. Die chemischen Verhütungsmittel müssen vor dem Verkehr in die Scheide gegeben werden, zum Teil dauert es zehn Minuten bis sie wirken. Sie als alleiniges Verhütungsmittel zu benutzen, gilt als relativ unsicher. Der Pearl-Index wird mit 3-21 angegeben. Für den besseren Schutz empfiehlt sich daher die Kombination mit einem Diaphragma.

Die Nebenwirkungen chemischer Verhütungsmittel sind ein eventuelles Brennen in der Scheide oder auch am Penis. Die chemischen Wirkstoffe nimmt der Körper über die Scheidenschleimhaut auf – bisher wurde keine schädliche Wirkung auf den Körper nachgewiesen. Es kann jedoch zu Scheidenentzündungen und einer Schädigung der Schleimhäute kommen.

Wie sicher sind die natürlichen Methoden zur Empfängnisverhütung?

Die natürliche Empfängnisverhütung basiert stets auf der Messung und Bestimmung der fruchtbaren Tage im weiblichen Zyklus. Hierbei kann die Frau während ihrer unfruchtbaren Tage und ohne den Einsatz weiterer Verhütungsmittel Sex haben. Innerhalb des fruchtbaren Zeitraums muss auf den Geschlechtsverkehr verzichtet oder auf ein zusätzliches Verhütungsmittel zurückgegriffen werden

Natürliches VerhütungsmittelAnwendung Pearl-Index
TemperaturmethodeMessung der Körpertemperatur jeden Morgen. Um den Eisprung steigt die Körpertemperatur an, was die fruchtbaren Tage kennzeichnet. Verschiedene Messzeiten, Krankheiten etc. müssen berücksichtigt werden. An fruchtbaren Tagen muss zusätzlich verhütet werden.3,8-20
Billings-MethodeDer Schleim vor dem Muttermund verändert sich je nach Zyklusphase. Durch Beobachtung des Zervixschleims können die fruchtbaren und nicht-fruchtbaren Tage ausgemacht werden.3-23
Symptothermale MethodeKombination der Temperatur- und Billings-Methode. Zusätzliches Abtasten des Muttermundes, um die fruchtbaren Tage auszumachen. An fruchtbaren Tagen ist er leicht geöffnet, weicher und liegt höher.0,4-2,3
Koitus interruptusHerausziehen des Penis aus der Scheide vor dem Orgasmus.4-18

Bei den natürlichen Verhütungsmethoden wird im Gegensatz zur hormonellen, mechanischen oder chemischen Verhütung nicht in den Körper eingegriffen. Dafür sind die Methoden auch weniger sicher. So werden kleinere Veränderungen des Körpers nicht immer direkt erkannt und an den fruchtbaren Tagen muss außerdem mit anderen Mitteln verhütet werden – für diese Tage gilt dann deren Pearl-Index. Beim Koitus interruptus kommt es darauf an, dass der Mann sich wirklich rechtzeitig zurückzieht. Zudem kann schon vor dem Orgasmus Samenflüssigkeit austreten.

Bei natürlichen Verhütungsmethoden wie zum Beispiel der Temperaturmessung gibt es zwar keine Nebenwirkungen, jedoch sind die natürlichen Methoden oftmals unsicherer. © fotoduets | Adobe Stock

Was hat es mit der operativen Verhütung durch chirurgische Methoden auf sich?

Neben den zeitweiligen Verhütungsmitteln gibt es noch weitere Methoden zur Verhütung, die jedoch mit einer endgültigen Unfruchtbarkeit einhergehen: Die Sterilisation bei der Frau und die Vasektomie bei dem Mann.

Diese Art der Empfängnisverhütung stellt einen chirurgischen Eingriff dar, bei dem die Samenleiter des Mannes oder die Eileiter der Frau durchtrennt werden. Der Pearl-Index der Vasektomie beträgt 0,1, bei der Sterilisation der Frau beträgt er 0,2-0,3.

Eine Sterilisation kann rückgängig gemacht werden, allerdings nur mit stark eingeschränkter Wahrscheinlichkeit, dass es danach zur Schwangerschaft kommen kann. Für Frauen schwanken die Erfolgsaussichten zwischen 30 und 70 Prozent und hängen von vielen weiteren Faktoren ab, bei Männern sind es 50 bis 70 Prozent.

Der Eingriff sollte daher gut überlegt sein und die Vor- und Nachteile abgewogen werden. Die Familienplanung sollte abgeschlossen sein, bevor ein solcher Eingriff durchgeführt wird.

Wann wird die Notfallverhütung fällig?

Die „Pille danach“ oder „Spirale danach“ kommt dann zum Einsatz, wenn es zu Geschlechtsverkehr ohne Verhütung gekommen ist oder zum Beispiel das Kondom gerissen ist. Bis zu 5 Tage nach dem Sex kann die Notfallverhütung noch eine Schwangerschaft verhindern. Einen Schutz vor Geschlechtskrankheiten bietet sie nicht.

Wichtig: Bei jeder Art von Verhütungsmittel sollte nicht nur der Aspekt der Schwangerschaft bedacht werden, sondern auch der Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei wechselnden Sexualpartnern sollten daher ein Kondom oder Femidom auch trotz Spirale, Pille, Verhütungsring oder Temperaturmethode immer dazugehören, damit das Liebesleben nicht zur bösen Überraschung wird.

Jedes Verhütungsmittel hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Bei der Wahl sollten daher spezielle Kriterien wie die Sicherheit, die Bequemlichkeit oder die eigene Lebenssituation und das Alter berücksichtigt werden. © methaphum | Adobe Stock

Wie finden Sie das für sich richtige Verhütungsmittel?

Da jede Verhütungsmethode andere Vor- und Nachteile hinsichtlich Anwendung, Sicherheit und Wirkungsweise hat, sollten Frauen zunächst Prioritäten unter Berücksichtigung folgender Kriterien festlegen:

  • Hohe Verhütungssicherheit
  • Häufigkeit der Einnahme oder Anwendung
  • Eigene Lebenssituation sowie das Alter
  • Gesundheitliche Einschränkungen
  • Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten
  • Einstellung zum eigenen Körper
  • Beeinträchtigung des Sexuallebens
  • Zusätzliche Einnahme von Hormonen
  • Endgültigkeit der Empfängnisverhütung
  • Wiederherstellung der Fruchtbarkeit
  • Familienstand

Anhand dieser Faktoren können Frauen schnell herausfinden, welches Verhütungsmittel das Richtige ist, um sich nicht nur gegen eine Empfängnis zu schützen, sondern auch um sich rundum wohlzufühlen. Auch ein Frauenarzt kann bei der Wahl des richtigen Verhütungsmittels beraten und über Vor- und Nachteile sowie die Kosten aufklären.

Fazit: Die Qual der Wahl aus zahlreichen Verhütungsmethoden

In Liebe und Partnerschaft geht es auch um Verantwortung, zu der das Thema Verhütung gehört. Ob eine hormonelle, mechanische, chemische, operative oder natürliche Verhütungsmethode gewählt werden, hängt von vielen Faktoren ab. Nicht jede Frau verträgt Spirale, Pille oder Hormonpflaster gleich gut oder kommt mit der Temperaturmethode zurecht. Außerdem schützen nur Kondome oder Femidome vor Geschlechtskrankheiten, was insbesondere bei wechselnden Sexualpartnern immer berücksichtigt werden sollte.

Nebenwirkungen, Familienstand, Schutz vor Krankheiten, Sicherheit, Kinderwunsch, gesundheitliche Einschränkungen und die Art der Anwendung sind nur einige von vielen Aspekten, die bei der Entscheidung für das richtige Verhütungsmittel eine Rolle spielen. Frauenärzte können bei der Wahl behilflich sein und zu Vor- und Nachteilen beraten.

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