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Heiraten oder nicht? 7 Gründe dafür und 7 dagegen

Zahlreiche Gründe sprechen für und auch einige gegen eine Hochzeit. Heiraten oder nicht ist Typ-Sache und die Meinungen gehen auseinander. (Foto: Adobe Stock - bilderstoeckchen )

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In allen langen Beziehungen kommt das Thema unweigerlich irgendwann auf: Sollen wir heiraten oder nicht? Nach dem Kennenlernen, Zusammenziehen und Einrichten eines gemeinsamen Lebens und Alltags ist das für viele der nächste logische Schritt. Zu heiraten gehört für viele Paare ganz selbstverständlich dazu. Doch nicht alle denken so. Schließlich hat sich zwischen 1950 und 2010 die Zahl der Eheschließungen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt halbiert.

Um glücklich zusammenzuleben, ist es nicht nötig zu heiraten und immer mehr Paare nehmen davon bewusst Abstand. Selbst Paare mit Kindern heiraten heutzutage seltener als früher. Schließlich sind uneheliche Kinder im Gegensatz zum Beginn des 20. Jahrhunderts weder eine Seltenheit noch ein Problem in der Gesellschaft.

Die Meinungen zum Thema Heiraten gehen stark auseinander. Im Jahr 2017 wurden 407.493 Ehen geschlossen. Die Scheidungsquote lag im selben Jahr bei 37,67 Prozent. Sie ist seit 2011 rückläufig, damals lag sie bei 49,66 Prozent und betraf somit jede zweite Ehe. Argumentationen für und gegen das Heiraten gibt es zur Genüge – am Ende ist es für die meisten aber keine Pro- oder Contra-Entscheidung, sondern eine Frage des Gefühls. Und das muss beim Heiraten definitiv stimmen.

Heiraten oder nicht? Diese 7 Gründe sprechen gegen eine Hochzeit

1. Hochzeiten sind teuer

6.500 Euro kosten Hochzeiten im Schnitt und die Hochzeitstrends und -feste überschlagen sich. Alle wollen größer und schicker heiraten als die anderen und Kosten von mehreren 10.000 Euro für eine Hochzeitsfeier sind keine Seltenheit mehr. Eine Hochzeit kann daher zur großen finanziellen Belastung werden, die Paare sich gut überlegen sollten.

Lohnt es sich, sich für ein Hochzeitsfest zu verschulden? Wer feiern will, muss in der Regel darauf hinsparen. In der Zeit vor und nach der Hochzeit müssen viele Paare finanziell kürzertreten und an anderen Stellen Abstriche machen. Die meisten bekommen zwar auch Geld zur Hochzeit geschenkt – dennoch müssen die Kosten erst einmal getragen werden. Wichtig ist daher, finanziell nicht über den eigenen Verhältnissen zu heiraten und nur Geld auszugeben, das man auch wirklich hat. Andernfalls wird das Fest zur Schuldenfalle und diesen Start in die Ehe wünscht sich doch nun wirklich niemand.

2. Eine Hochzeit zu organisieren bedeutet Stress

Die Organisation einer Hochzeit erfolgt in der Regel parallel zum laufenden Alltag und bedeutet jede Menge Planung und Stress:

  • Die richtige Location
  • ein schönes Kleid und ein gut sitzender Anzug
  • das Aussuchen der Ringe
  • die Hochzeitstorte
  • der DJ
  • die Dekoration
  • die Gästeliste
  • die Einladungskarten
  • das Essen
  • das Programm
  • die Trauung

und vieles mehr wollen im Vorfeld organisiert werden. Auch am großen Tag stehen viele Paare noch unter Strom. Die eigene Hochzeit in vollen Zügen zu genießen, fällt da gar nicht so leicht. Wer im kleinen Rahmen feiert, hat natürlich weniger Aufwand. So ganz ohne Organisation geht es bei einer Hochzeit aber nicht.

3. Die Scheidung kann zur Kostenfalle werden

Auch wenn verliebte Paare bei der Hochzeit nicht an die Scheidung denken wollen, schadet es nicht, für alle Fälle vorzusorgen. Unter Umständen sollte ein Ehevertrag abgeschlossen werden, um böse Überraschungen im Streitfall zu vermeiden. Wer nicht mit einem Ehevertrag vorsorgt, muss bei einer Scheidung im Rahmen des Zugewinnausgleichs das von ihm zu Zeiten der Ehe erwirtschaftete Vermögen in Teilen an den Partner abgeben.

Eine Scheidung geht zwar auch preiswert, hier ist aber eine einvernehmliche Einigung wichtig und der im Vorfeld abgeschlossene Ehevertrag. Auch wenn es unromantisch ist, über so etwas zu sprechen, ist es im Zuge der Ehevorbereitung wichtig – schließlich weiß niemand, was in 10, 20 oder 30 Jahren ist. Ein Ehevertrag kann daher mehr als Zeichen einer reifen und stabilen Beziehung angesehen werden, in der die Partner über alles sprechen. Es muss kein Damokles-Schwert sein, dass das Ende der Ehe besiegelt, bevor sie überhaupt begonnen hat.

3. Was ist schon für immer?

Menschen verändern sich und auch Partnerschaften verändern sich. Was heute in dem Gedanken geschlossen wird für immer zu halten, kann in einigen Jahren ganz anders aussehen. Gerade Paare, die noch nicht so lange zusammen sind und das Heiraten überstürzen, können böse überrascht werden.

Doch auch bei Paaren, die sich gut kennen, gilt: Nichts bleibt wie es ist. Sich heute etwas für in 50 Jahren zu versprechen, ist nicht immer leicht einzuhalten. Krankheiten, Traumata, Desillusionierung, andere Umstände und eine unterschiedliche Entwicklung beider Partner können das gegebene Versprechen infrage stellen.

4. Die Ehe als Rettungsanker

Die Ehe sollte nicht als Beziehungsrettung eingesetzt werden, sondern als Krönung einer stabilen und glücklichen Partnerschaft. Schließlich ist die Institution Ehe immer nur so gut wie die Beziehung zwischen zwei Menschen. Auch in einer Ehe können Menschen einsam und unglücklich sein, schließlich garantiert die Ehe kein ewiges Glück. An einer Beziehung muss man arbeiten und nur aus einer gut funktionierenden Partnerschaft heraus kann auch eine lebenslange Ehe bestehen. Wer heiratet, um die kriselnde Beziehung wieder zu stabilisieren, wird damit wahrscheinlich nicht lange erfolgreich sein.

5. Heiraten ist verbindlich

Paare, die heiraten, machen das gerne und bewusst. Das Ja zum Partner sollten sich Paare im Vorfeld aber gut überlegen. Im Verliebtheitsrausch einer Beziehung direkt einer Ehe zuzustimmen, wenn man sich erst seit einigen Monaten kennt, kann auch nach hinten losgehen. Falls sich der Partner nach einer überstürzten Hochzeit doch nicht als der Traum-Mann entpuppt, trennt man sich in einer Ehe nicht mehr so leicht wie in einer Beziehung ohne Trauschein.

6. Vorsicht vor der Enttäuschung nach der Hochzeit

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Viele Paare fallen nach ihrer Hochzeit erst einmal in ein Loch. Das große Fest, auf das monatelang hingefiebert wurde, ist vorüber und der Alltag hat einen wieder. Festzustellen, dass sich nach einer Hochzeit im Alltag nicht viel verändert, ist für manche Paare ernüchternd.

Auch wenn sich das Zusammengehörigkeitsgefühl ändert, geht das Leben ganz normal weiter. Paare sollten sich vor überhöhten Erwartungen schützen und sich im Vorfeld darüber austauschen. So können sie gemeinsam den Alltag nach der Hochzeit angehen und vielleicht direkt ein paar schöne Unternehmungen als frisch verheiratetes Paar planen.

7. Eine Hochzeit schützt nicht vor Unglück

Auch wenn die Partnerschaft durch eine Hochzeit sicher und stabil erscheint: eine Garantie gibt es nicht. Manche Paare wiegen sich nach einigen Jahren zu sehr in Sicherheit und arbeiten nicht mehr an ihrer Beziehung. Sie nehmen den anderen als selbstverständlich wahr und geben sich nicht mehr so viel Mühe für ihren Partner. Dies kann zu Unzufriedenheit führen. Auch schützt die Heirat nicht vor Einsamkeit. Schließlich ist eine Ehe kein Glücksgarant – das Paar muss gemeinsam an seiner Beziehung arbeiten. Bei unverheirateten Paaren bleibt immer ein wenig mehr Spannung in der Luft und die Partnerschaft ist weniger selbstverständlich.

Was negativ klingt, ist eine reine Aufzählung von Fakten und Gefahren, die eine Heirat bieten kann. Das muss natürlich nicht auf alle Paare zutreffen. Schließlich gibt es auch viele positive Aspekte, die eine Hochzeit mit sich bringt.

Was spricht für eine Hochzeit? 7 Gründe für das Ja-Wort

1. Ein Fest der Liebe

Eine Hochzeit ist ein Fest der Liebe und sehr romantisch. Mit ihr wird die Liebe zum Partner zelebriert und allen gezeigt. Eine Feier mit allen Freunden und Familienmitgliedern gibt es (wenn es gut läuft) nur einmal im Leben. Eine Hochzeit ist ein einmaliger Anlass und etwas woran man sich immer zurückerinnern kann. Auch in schlechten Zeiten kann man sich wieder auf das Glück und das Versprechen zu diesem Zeitpunkt berufen und für die Beziehung kämpfen, auch wenn Krisen dominieren.

2. Stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl

“Mein Mann” oder “meine Frau” statt “meine Freundin” oder “mein Freund” zu sagen, fühlt sich anders an und macht noch stärker deutlich, dass Paare zusammengehören. Eine Heirat ist ein schönes Zugeständnis und spricht für Verbindlichkeit, was in der heutigen Zeit nicht immer üblich ist.

3. Steuern sparen

Dank des Ehegattensplittings ist eine gemeinsame steuerliche Veranlagung verheirateter Paare möglich. Dafür werden die Einkommen beider Partner addiert, halbiert und auf diese jeweilige Hälfte wird dann der Steuersatz berechnet. Anschließend wird dieser Betrag wieder verdoppelt. So kommen Verheiratete in der Regel günstiger davon als unverheiratete Paare.

Besonders bei Paaren mit sehr ungleichem Einkommen lohnt sich das. Der mit dem höheren Einkommen profitiert enorm, da er nicht in die hohen Steuersätze gelangt. Bei gemeinsamen Kindern ist dieses Vorgehen sinnvoll, zum Beispiel dann, wenn einer Vollzeit arbeitet und der andere gar nicht oder nur in Teilzeit tätig ist. Paare, die gleich viel verdienen, ziehen keine steuerlichen Vorteile aus der Heirat.

4. Mehr vererben und verschenken

Ehepaare können untereinander Schenkungen oder Erbschaften von bis zu 500.000 Euro veranlassen, ohne darauf Steuern zahlen zu müssen. Wenn dieser Betrag überschritten wird, sind die Erbschaftssteuer oder Schenkungssteuer zudem niedriger als bei Paaren ohne Trauschein. 7 bis 30 Prozent müssen Verheiratete je nach Summe an den Staat abgeben, 30 bis 50 Prozent sind es für Unverheiratete.

5. Finanzielle Unterstützung durch den Ehepartner

Der Ehepartner ist verpflichtet, für den anderen aufzukommen, wenn dieser beispielsweise seinen Job verliert oder aus irgendeinem Grund die Miete nicht mehr bezahlen kann. Auch wenn einer von beiden die gemeinsamen Kinder erzieht und der andere arbeiten geht, greift dieses Modell. Unverheiratete, die länger als ein Jahr zusammenleben, gelten als Bedarfsgemeinschaft. Auch bei ihnen muss der eine für die finanzielle Notlage des anderen aufkommen.

6. Eheliches Auskunftsrecht

Als Ehepaar bekommt man im Krankenhaus Auskünfte über den Gesundheitszustand des Ehepartners, wenn dieser einen Unfall hatte oder erkrankt. Unverheiratete bekommen keinerlei Informationen über ihren Partner, sie sind auf den guten Willen der Familie des Partners angewiesen. Sie ist dann der erste Ansprechpartner, selbst wenn Paare schon 20 Jahre zusammen sind.

7. Wer Kinder hat, profitiert zusätzlich von einer Ehe

Der Vater eines Kindes wird auch vor dem Gesetz automatisch als Vater anerkannt, wenn das Paar verheiratet ist. Bei unverheirateten Paaren muss die Mutter den biologischen Vater noch extra anerkennen lassen, er ist es vor dem Gesetz nicht automatisch. In einer Ehe gilt der Mann vor dem Gesetz immer als der Vater eines Kindes, selbst wenn es biologisch nicht von ihm ist. Das Sorgerecht hat bei Unverheirateten nur die Mutter, sie muss es explizit auch auf den Vater übertragen. Auch Stiefkind-Adoptionen sind als verheiratetes Paar leichter, falls einer der beiden Partner schon Kinder in die Ehe mit einbringt.

Eine höchst individuelle Entscheidung

Bei allen Argumenten für und gegen das Heiraten gilt, dass jedes Paar das ganz individuell für sich entscheiden muss. Paare sollten sich klar machen, dass eine Ehe mehr bedeutet, als einen Ring am Finger zu tragen. Schließlich sind auch steuerliche und gesetzliche Regelungen damit verbunden und bei einer Trennung kann es schwierig werden. Im Jahr 2019 muss niemand mehr heiraten, um der gesellschaftlichen Norm zu entsprechen. Wer sich eine Eheschließung aber vorstellen kann und denkt, dass er den Partner für den Rest seines Lebens gefunden hat, sollte den Weg zum Traualtar nicht scheuen. Schließlich ist eine Heirat ein schönes Zugeständnis und eine tolle Bestätigung für die Beziehung.

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