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Scharlach - Symptome, Verlauf & Schutzmaßnahmen

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Fakten zu Scharlach 

Auslöser: Bakterium (Streptokokken, mit Bakteriophagen befallen)

Ansteckung: Tröpfcheninfektion (Sprechen, Husten, Niesen), Schmierinfektion (über die Hände in Mund und Nase); Lebensmittelinfektion, Infektion über offene Wunden (selten)

Symptome: Hals-/Rachenentzündung, Schwellung und Rötung an Rachen und Zunge – „Himbeerzunge“, nicht juckender charakteristischer Hautausschlag

Behandlung: Antibiotikum Penicillin o. Ä., bei Bedarf Schmerzmittel, fiebersenkende Medikamente, Gurgellösungen, Bettruhe

Vorbeugung: Hygiene, Regelmäßiges Händewaschen, Vermeidung von Kontakt mit Erkrankten

Die Infektionskrankheit Scharlach zählt gemeinsam mit anderen wie Masern, Windpocken oder Röteln zu den sogenannten Kinderkrankheiten. Diese sind stark ansteckend, was dazu führt, dass ein Großteil der Menschen bereits im Alter zwischen drei und neun Jahren daran erkrankt.

Bis zur Entwicklung der Antibiotika im 20. Jahrhundert war Scharlach eine sehr gefährliche Krankheit, die nicht selten zum Tod führte. Kinder wurden nach einer Scharlach-Infektion sechs Wochen lang isoliert. Die Eltern mussten die Wohnung und alle vom Kind benutzten Gegenstände desinfizieren. Bücher und Spielzeug wurden sogar verbrannt! Heute kann die Krankheit mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt werden.

Wie erfolgt die Ansteckung mit Scharlach?

Scharlach wird durch Streptokokken-Bakterien übertragen, die im Normalfall nur eine eitrige Mandelentzündung auslösen. Diese Bakterien können jedoch Träger eines Virus (Bakteriophage) sein, der die Bildung des Scharlach-Toxins auslöst. Dieses Gift bewirkt den für die Krankheit typischen Ausschlag.

Die Erkrankung tritt vorwiegend in der kalten Jahreszeit auf, vor allem bei trockenem und windigem Wetter. Besonders in Schulen und Kindergärten oder anderen öffentlichen Einrichtungen ist die Ansteckungsgefahr erhöht. Die Scharlach-Erreger, die sich zumeist im Rachenraum sammeln, werden als Tröpfchen-Infektion, etwa beim Sprechen oder Husten übertragen. Wenn die Bakterien eingeatmet werden, besiedeln sie die Schleimhäute ihres nächsten „Opfers” und lösen die Krankheit erneut aus.

Die Krankheitserreger haften auch auf Wäsche, Kleidung, Spielzeug oder Büchern. Sie werden als Schmier-Infektion übertragen, wenn man sich nach dem Kontakt mit den Händen an Mund oder Nase fasst. Gelegentlich verbreiten sie sich über verunreinigte, schlecht gekühlte Lebensmittel (Lebensmittel-Infektion).

Wie wird Scharlach übertragen?

Babys können ab sechs Monaten an Scharlach erkranken, davor haben sie noch einen „Nestschutz” von der Mutter. Trotzdem tritt die Infektion in vielen Fällen zwischen dem dritten und achten Lebensjahr auf, mit einem starken Anstieg im vierten Lebensjahr. Der Grund dafür ist häufig der Eintritt in den Kindergarten und der Kontakt mit anderen erkrankten Kindern. Mit zehn Jahren nimmt die Ansteckungsgefahr ab, erlischt aber nicht.

Kann man sich öfter mit Scharlach anstecken?

Bei einer Infektion mit Scharlach produziert das Immunsystem sogenannte Antikörper gegen den Giftstoff, sodass der Körper anschließend eine Immunität gegen den Erreger besitzt. Bei einem erneuten Kontakt kann er erfolgreich bekämpft werden und löst kein Scharlach aus. Da jedoch mindestens vier verschiedene Scharlachbakterien existieren, kann eine Ansteckung mit der Krankheit mehrmals erfolgen.

Eine Immunität schützt uns jedoch nur vor dem typischen Ausschlag auf der Haut, der durch das Scharlach-Toxin ausgelöst wird. Eine Halsentzündung durch die Streptokokken-Bakterien kann trotzdem entstehen!

Gesunde Menschen können in manchen Fällen Träger und Überträger von Streptokokken sein. Sie geben die Bakterien dann beim Husten und Niesen weiter. Die Inkubationszeit bis zur Entstehung der Krankheit beträgt drei bis fünf Tage, Schwankungen von ein bis sieben Tagen sind möglich.

Welche Symptome löst Scharlach aus?

Nach der Ansteckung durch die Erreger dauert es etwa zwei bis vier Tage bis die Krankheit ausbricht. In den meisten Fällen kommt es zu Beginn zu einer Halsentzündung (Angina tonsillaris), weil die Streptokokken-Bakterien zuerst den Rachenraum besiedeln. Sie ist von eher unspezifischen Symptomen wie Halsschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Erbrechen begleitet.

Erst danach treten die durch das Scharlach-Toxin ausgelösten Folgen auf. Etwa am zweiten Tag der Krankheit steigt das Fieber und an der Schleimhaut des Rachens bildet sich ein Ausschlag. Die Mandeln schwellen an, der Rachen verfärbt sich dunkelrot. Schluckbeschwerden und Lymphknotenschwellung sind ebenfalls ein Anzeichen für Scharlach.

Zu Beginn der Erkrankung ist die Zunge mit weißem Belag bedeckt, der sich nach und nach löst. Danach färbt sich die Zunge himbeerfarben – die „Himbeerzunge” eines der klassischen Scharlach-Symptome. Die darauf sitzenden Geschmacksknospen sind dann deutlich zu erkennen.

Scharlach-Symptom Himbeerzunge
Die Rotfärbung der Zunge – “Himbeerzunge” – ist ein typisches Symptom der Krankheit Scharlach. © Afag Azizova – Wikimedia Commons

Wie sieht der Scharlachausschlag aus?

Nach weiteren maximal vier Tagen kommt es zu dem typischen Ausschlag, der sich von der Leistengegend ausbreitet. Es handelt sich dabei um einzelne stecknadelkopfgroße Flecken, die nicht jucken und leicht hervorragen. Wenn man mit der Handfläche über die Haut streicht, fühlt sie sich an wie Sandpapier oder eine leichte Gänsehaut. Die Erhebungen des Ausschlags sehen zunächst zart rosa, später flammend rot (eben scharlachrot) aus.

Überwiegend treten sie an der Leiste und den Achseln auf, manchmal auch am gesamten Körper. Es bleibt allerdings das charakteristische Dreieck um Mund und Kinn (“Milchbart“) sowie die Handflächen und Fußsohlen frei. Die Rötungen unterscheiden sich von denen der Krankheiten Masern oder Mumps, denn sie verblassen nach der Ausübung von leichtem Druck für eine kurze Zeit.

Kinderhände mit Scharlach Ausschlag
Der Ausschlag, der durch das Scharlach-Toxin ausgelöst wird, breitet sich von der Leistengegend aus und juckt nicht. © Anastasiya – Adobe Stock

Nach ein bis drei Wochen verschwindet der Ausschlag. Er wird langsam blasser. Die Haut beginnt schließlich sich abzuschuppen, besonders an den Innenseiten von Händen und Füßen. Weil die Krankheit meistens leicht verläuft, tritt der Ausschlag am Körper oft nur blass rosa und wenige Stunden lang auf. Es gibt darüber hinaus Fälle, die ohne Ausschlag verlaufen Das Kind leidet ausschließlich unter Schluckbeschwerden. Am Abschuppen der Haut kann auch eine vorausgegangene, unbemerkte Scharlach-Erkrankung im Nachhinein diagnostiziert werden.

Symptome von Scharlach

Scharlach ohne Ausschlag?

Manche Scharlachinfektionen können ohne Ausschlag verlaufen. Eine davon ist die durch Streptokokken ausgelöste Mandelentzündung. Diese tritt ohne Ausschlag auf, allerdings kann dann die Haut an Händen, Füßen und im Gesicht abblättern.

Werden die Erreger bei Hautverletzungen oder auch nach Operationen übertragen, entsteht ein sogenannter Wundscharlach. Der Ausschlag, der für den Scharlach so typisch ist, entwickelt sich nur rund um die Wunde.

Wie verläuft eine Erkrankung mit Scharlach?

1. Tag: Fieber, Hals und Kopfschmerzen, Erbrechen. Halsschmerzen und Schluckbeschwerden

2. bis 4. Tag: Das Fieber steigt auf 39 bis 40 Grad und bleibt ohne Penicillin ein paar Tage auf gleicher Höhe. Antibiotika senken das Fieber innerhalb von 24 Stunden.

Der Hautausschlag beginnt in den Achselhöhlen und an den Innenseiten der Oberschenkel. Von dort greift er auf den ganzen Körper über. Die anfangs weiß belegte Zunge färbt sich rot. Der Rachen ist ebenso verfärbt.

5. bis 7. Tag: Die Schleimhaut der Zunge schuppt sich allmählich, ihre Oberfläche ist gerötet und geschwollen. Die Lymphknoten im Kieferwinkel sind vergrößert und druckempfindlich. Das Gesicht ist gerötet, um Mund und Nase bleibt die Haut blass.

Vom 7. Tag an: Der Ausschlag geht zurück. Die Haut beginnt zu schuppen, zunächst am Hals und dann am restlichen Körper. Dieses Abschuppen dauert drei oder mehrere Wochen.

Scharlach bei Kindern und Erwachsenen

Wie bereits beschrieben, erkranken Kinder deutlich häufiger an Scharlach als Erwachsene. Die Kinderkrankheit kann jedoch grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Bei erwachsenen Personen wird eine Infektion jedoch gar nicht oder erst sehr spät erkannt. Die Symptome werden nicht mit der Krankheit in Verbindung gebracht, sondern als „einfache“ Mandelentzündung eingestuft. Das kann jedoch ernstzunehmende Folgen wie Herz- oder Nierenentzündungen nach sich ziehen.

Scharlach in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft hat eine Scharlach-Erkrankung der Frau im Gegensatz zu Masern, Mumps oder Röteln keine negative Auswirkung auf das Ungeborene. Wenn jedoch Komplikationen wie Herzmuskelentzündungen auftreten, dann ist die Versorgung des Kindes mit Sauerstoff und Nährstoffen beeinträchtigt. Das kann einen Einfluss auf die Entwicklung des Fötus haben. Scharlach in der Schwangerschaft muss deshalb rechtzeitig mit Antibiotika behandelt werden. Es erfolgt außerdem eine umfassende medizinische Überwachung.

Welche Komplikationen können bei Scharlach auftreten?

Selten befallen die Erreger der Scharlach-Erkrankung auch andere Organe. So kann sich eine Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung bis hin zu einer Herzmuskel- oder Lungenentzündung entwickeln. Starke Eiterbildung im Rachen kann in eine Blutvergiftung resultieren.

Die Infektion mit Streptokokken-Bakterien führt bei ungefähr einem von 5.000 Erkrankten nach zwei bis drei Wochen zu rheumatischem Fieber. Das ist eine Autoimmunreaktion bei der die Antikörper, die gegen die Erreger gebildet wurden, den Körper angreifen. Daraus kann ebenso eine Herzmuskel- oder Gelenkentzündung entstehen.

Diese Komplikationen werden mit einer rechtzeitigen Einnahme von Antibiotika verhindert! 

Das Risiko wird oft unterschätzt!

Es gerät in Vergessenheit, welche gefährlichen Folgen die Krankheit haben kann. Im Glauben, der samtartige Ausschlag stelle eine harmlose Kinderkrankheit dar, lehnen einige Eltern eine Antibiotika-Behandlung ab. Zum Nachteil der kleinen Patienten, meint die Stiftung Kindergesundheit. Die Krankheitserreger lösen in manchen Fällen Komplikationen aus. Dazu zählen schmerzhafte Entzündungen des Mittelohrs oder der Nebenhöhlen, Schwellungen der Lymphdrüsen und gefährliche Abszesse in den Rachenmandeln.

Professor Koletzko: „Besonders gefürchtet sind die Folgekrankheiten. Mit einer Verzögerung von drei bis fünf Wochen nach der Ansteckung kann das akute rheumatische Fieber ausbrechen. Es führt zu Gelenkveränderungen mit Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen.

Ein ernsthaftes Risiko stellt das Scharlachherz dar, eine Entzündung des Herzmuskels, der Herzinnenhaut und manchmal der Herzklappen. Darüber hinaus sind akute Nierenentzündungen möglich. Eine übertriebene Angst vor Antibiotika ist bei dieser Krankheit unangebracht.”

Wie wird Scharlach diagnostiziert?

Ein Arzt stellt eine Scharlach-Diagnose anhand der Kombination der typischen Symptome, der Entzündung des Rachens, der Schwellung der Lymphknoten sowie des charakteristischen Ausschlags fest. Dieser verblasst lokal, wenn man Druck auf ihn ausübt und juckt nicht.

Mithilfe eines Abstriches aus dem Rachenraum lässt sich außerdem ein Schnelltest auf eine bakterielle Infektion durchführen. So kann eine Infektion durch einen Virus und eine falsche Behandlung ausgeschlossen werden. Die Analyse der Blutwerte gibt ebenfalls Auskunft über eine Erkrankung, die von Bakterien ausgelöst wurde. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen ist dann erhöht.

Therapie: Wie wird Scharlach behandelt?

Richtiges Verhalten bei Scharlach

Diese Infektion wird im Normalfall mit dem Antibiotikum Penicillin erfolgreich therapiert. Bei einer Allergie werden alternative Medikamente verschrieben. Diese Therapie muss 10 Tage lang erfolgen und darf nicht unterbrochen werden.

In Ausnahmefällen wird das Penicillin durch eine einzelne Injektion verabreicht. Die Spritze in den Muskel verursacht jedoch Schmerzen, weswegen man sie Kindern ungern zumutet. Das Antibiotikum zerstört die Zellwand der Bakterien und tötet sie ab. Sie vermehren sich nicht weiter und die Symptome klingen allmählich ab.

Richtiges Verhalten bei der Einnahme von Antibiotika

„Von größter Wichtigkeit ist die Einnahme des vom Arzt verordneten Antibiotikums so lange, wie es vom Arzt vorgeschrieben ist. Das bedeutet in den meisten Fällen 10 Tage lang.“ Dies betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

„Mit Hilfe der Penicillin-Behandlung geht es nach 24 bis 48 Stunden besser. Das Verschwinden der Beschwerden bedeutet nicht, dass die Bakterien eliminiert sind. Die Behandlungsdauer von zehn Tagen ist notwendig, um alle Bakterien abzutöten.

Bleiben Reste im Organismus, könnte die Krankheit erneut aufflackern. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass sich Erreger an das Antibiotikum gewöhnen und eine Resistenz entwickeln.“

Die weiteren Begleiterscheinungen wie Halsschmerzen oder Fieber werden mit Schmerzmitteln sowie fiebersenkenden Medikamenten behandelt. Vom Arzt wird Bettruhe und ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit verordnet. Bei starken Halsschmerzen bietet sich das Gurgeln mit Salbeitee an.

Wie lange ist man nach einer Erkrankung mit Scharlach ansteckend?

Es existiert keine Schutzimpfung gegen Scharlach. Trotz der Bildung von Antikörpern, die Immunität gegen den jeweiligen Krankheitserreger gewährleisten, kann man sich erneut mit einem anderen Stamm anstecken. Besonders scharlachkranke Kinder sollten keinen Kontakt zu anderen haben, um die Ausbreitung zu verhindern. Auch Geschwister ohne Symptome sollten erst nach einer Absprache mit dem Arzt wieder in Schule oder Kindergarten gehen.

Um das Risiko einer Ansteckung zu verringern, muss enger Kontakt mit Erkrankten gemieden werden. Außerdem sollten die Hände regelmäßig mit Seife gewaschen werden. Das verhindert Schmier-Infektionen. Hatte man Kontakt zu einer an Scharlach erkrankten Person, aber keine Symptome, ist eine vorbeugende Behandlung mit Antibiotika normalerweise nicht nötig. Nur Menschen mit geschwächtem Immunsystem wird vom Arzt zur Vorbeugung ein Antibiotikum verschrieben.

Wie kann man sich vor Scharlach schützen?

 

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Scharlach Redaktionsteam Gesundheitswissen Scharlach: Verbreitet, aber leicht zu behandeln

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