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Colitis ulcerosa - Ursachen, Heilung & der Alltag

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Inhaltsverzeichnis

Alle Informationen über Colitis ulcerosa

Definition: Chronische Darmentzündung, bei der nur der Dickdarm betroffen ist

Risikogruppen: Besonders Nordeuropäer, weniger Südeuropäer sind betroffen

Auftreten: Colitis ulcerosa zeigt sich meist zwischen dem 20. & 30. Lebensjahr

Diagnose: Ein geführtes Darmtagebuch hilft dem Arzt bei einer besseren/schnelleren Diagnose

Bildgebende Verfahren: Auch MRT & CT können Colitis ulcerosa diagnostizieren

Colitis ulcerosa Definition: Was ist eine Colitis ulcerosa?

Unter den chronischen Darmentzündungen sind hauptsächlich zwei Erkrankungen bekannt. Auf der einen Seite gibt es den Morbus Crohn, eine Krankheit, die den gesamten Verdauungstrakt des Menschen betreffen kann und auf der anderen Seite gibt es die Colitis ulcerosa.

Beim Morbus Crohn entzünden sich Dünn- und Dickdarm und in vielen Fällen dringt die Erkrankung durch die Schichten der Darmwand hindurch. Aber auch die Mundhöhle oder der After können betroffen sein. Die Erkrankung kann sich über den gesamten Verdauungstrakt erstrecken.

Bei der Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronische Entzündung der Darmschleimhaut im Dickdarm (Colon), meist mit Geschwürbildung. Im Unterschied zum Morbus Crohn betrifft die Colitis ulcerosa lediglich diesen Teil des Körpers.

Colitis ulcerosa

Was ist eine Colitis ulcerosa?

Die Bezeichnung Colitis ulcerosa ist medizinisch und besteht aus lateinischen Begriffen. Colitis bezeichnet eine Erkrankung des Colons, also des Dickdarms und ulcerosa stammt von dem Begriff Ulcus ab, was so viel wie Geschwür bedeutet, ein Substanzdefekt der Darmschleimhaut. Ein Geschwür ähnelt einer Wunde, ist allerdings nicht durch ein traumatisches Ereignis, also nicht durch Gewalteinwirkung von außen entstanden.

Kann Colitis ulcerosa tödlich sein?

Auch wenn es bei der Krankheit keine Aussichten auf vollständige Heilung gibt, verläuft sie in der Regel nicht tödlich. Wird sie aber ignoriert und nicht behandelt, kann sich die Krankheit weiterentwickeln, zu tödlichem Darmkrebs oder aber zu einem Kreislaufschock führen, der ebenfalls einen tödlichen Ausgang nehmen kann. Daher sollte eine Behandlung unbedingt begonnen werden.

Dies gilt gleichermaßen für die Lebenserwartung. Patienten mit Colitis ulcerosa können ein völlig normales Leben führen und bei sachgemäßer Behandlung der chronischen Krankheit jahrelang beschwerdefrei sein. Daher weicht ihre Lebenserwartung statistisch nicht von der regulären Lebenserwartung ab.

Colitis ulcerosa Ursachen: Was sind die Auslöser von Colitis ulcerosa?

Eine Colitis ulcerosa entwickelt sich als chronische Krankheit über einen längeren Zeitraum. Dafür kann es sehr unterschiedliche Ursachen geben, in der Wissenschaft ist leider noch nicht hinreichend geklärt, welche Auslöser entscheidend sind. Es existieren allerdings verschiedene Ansätze und Erklärungsversuche.

Colitis ulcerosa Ursachen

Wie häufig ist die Colitis ulcerosa?

Die Colitis ulcerosa tritt bei weniger als einem von 10.000 Menschen auf. Sie betrifft überwiegend junge Leute zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr. Aus bislang ungeklärten Gründen tritt die Colitis gehäuft unter Menschen europoiden Ursprungs auf, also Menschen mit genetischen Wurzeln in Europa. Statistisch sind vor allem Männer von einer Colitis ulcerosa betroffen. Im Vergleich dazu ist die andere chronische Darmentzündung, der Morbus Crohn, eine Krankheit, die eher bei Frauen auftritt.

Allem Anschein nach beruht Colitis ulcerosa auf einer familiären Veranlagung. In manchen Familien kommen sie wesentlich häufiger vor als beim Rest der Bevölkerung. Ernährung und Rauchen scheinen dabei ebenfalls eine entscheidende Rolle zu spielen. Man geht davon aus, dass immer mehrere Auslöser zusammenkommen und sich gegenseitig beeinflussen.

Colitis ulcerosa Ursachen sind nicht eindeutig bekannt

Warum sich der Darm auf diese Weise chronisch entzünden kann, ist bislang noch ungeklärt. Es wird jedoch vermutet, dass es sich um eine Schwäche des Immunsystems handelt – also um eine Immunerkrankung. Dies kann man sich folgendermaßen vorstellen: Das Immunsystem attackiert plötzlich aus unbekannten Gründen die Zellen der Darmschleimhaut und schädigt sie.

Neue Studien zeigen, dass auch ein Versagen der angeborenen Abwehr gegen Darmbakterien der Auslöser für die Krankheiten sein könnte. Die chronische Entzündung ist dann folglich als eine Reaktion und Antwort auf diese Abwehrschwäche zu verstehen.

Bereits vor mehr als zehn Jahren wurde gezeigt, dass sich die Entzündungsreaktion nicht primär gegen den eigenen Körper, sondern gegen „normale” Darmbakterien richtet. Ohne Anwesenheit dieser Bakterien schwächt die Entzündung im Darm ab. Eine Abwehrschwäche direkt an der Darmoberfläche lässt Bakterien in die Schleimhaut eindringen. Als Folge davon, nicht als Ursache dafür, tritt die Entzündung auf.

Die Folgen sind konsequent: Entzündungszellen reagieren auf die Eindringlinge und greifen sie an. Daraus resultiert eine chronische Entzündung.

Wie ansteckend ist Colitis ulcerosa?

Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) ist in keinem Fall ansteckend, somit ist es auch die Colitis ulcerosa nicht. Die Krankheit ist chronisch und entwickelt sich individuell. Andersherum ist es allerdings möglich, dass sich jemand mit Colitis ulcerosa mit einer anderen Krankheit ansteckt. Da das Immunsystem geschwächt ist, ist ein Patient anfälliger für Krankheiten. Angehörige und Partner sollten dies beachten.

Einfluss der Psyche auf die Colitis ulcerosa

Es gibt keine gesicherten Hinweise darauf, dass psychische Ursachen bei der Entstehung der chronischen Darmentzündungen eine Rolle spielen. Doch gerade Frauen mit Colitis ulcerosa berichten häufig über lebensbelastende Ereignisse, die ihren Schüben vorausgingen oder sie begleiteten.

Besonders häufig werden dabei TrauerTrennungen oder aber die Furcht vor einer Trennung genannt.

Colitis ulcerosa Symptome: Wie äußert sich die Colitis ulcerosa?

Eine Colitis ulcerosa flammt ohne Anzeichen plötzlich auf. Sie verursacht Bauchkrämpfe, heftige und häufige Darmbewegungen, Durchfall und blutige Stühle. Zwischen einzelnen Schüben liegen bei vielen Patienten jedoch häufig auch lange Phasen ohne Beschwerden.

Typische Anzeichen für Colitis ulcerosa

  • Schmerzen, meist im rechten Unterbauch
  • Durchfälle, mit oder ohne Blut
  • Teilweise ein ertastbarer, schmerzhafter Widerstand im Bauch
  • Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust
  • Leichte Temperatur
  • Blutarmut
  • Fissuren, Fisteln oder Abszesse am After

weitere Symptome

  • Gelenkschmerzen & geschwollene Gelenke
  • Vorübergehende rote, juckende Flecken auf der Haut
  • Schlecht heilende Wunden, ähnlich dem Ulcus cruris (offenes Bein)
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
  • Entzündung der Regenbogenhaut des Auges (Uveitis)

Colitis ulcerosa: Das toxische Megakolon

Das toxische Megakolon ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation der Colitis ulcerosa, bei der sich der Dickdarm erheblich aufbläht.

Die Symptome sind eine schwere Kolitis, Fieber und eine Anschwellung des Bauches. Dazu kommen Schmerzen und eine Veränderung der Darmperistaltik mit Störung der Darmentleerung. Dieser Befund erfordert meist eine intensivmedizinische Betreuung und eine notfallmäßige Operation.

Krebs als mögliche Komplikation

Die meisten Patienten mit einer Colitis ulcerosa haben nur ein leicht erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko. Das Krebsrisiko steigt jedoch ständig an, je länger die Kolitis anhält. Patienten mit einer sogenannten Pankolitis, bei der der gesamte Dickdarm betroffen ist, und die seit mehr als acht Jahren an Kolitis leiden, besitzen das größte Risiko.

Sollte ein erhöhtes Dickdarmkrebsrisiko vorliegen, rät ein Arzt eventuell dazu, die Koloskopie häufiger als nur alle drei bis fünf Jahre durchführen zu lassen, nachdem das 50. Lebensjahr überschritten ist.

Colitis ulcerosa Diagnose: Wie wird eine Colitis ulcerosa diagnostiziert?

Eine klare Diagnose ist oft schwierig. Obwohl immer wiederkehrender Durchfall und Bauchkrämpfe den Verdacht auf eine chronische Darmentzündung nahelegen, dauert es dennoch oft sehr lange, bis eine Diagnose feststeht. Man schätzt, dass 200.000 bis 400.000 Bundesbürger unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa leiden.

Colitis ulcerosa Diagnose durch einen Bluttest

Bei einer Colitis ulcerosa kann der Arzt anhand einer Blutprobe feststellen, dass im Körper eine Entzündung vorliegt. Die Zahl der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die Blutsenkungsreaktion und der CRP-Wert stützen diese Erkenntnis.

Der CRP-Wert ist bei Entzündungen hoch. Das heißt, ein hoher Wert deutet darauf hin, dass es eine Entzündung im Körper gibt. Nun gilt es allerdings herauszufinden, wo genau diese tobt. Deshalb schaut sich der Arzt in einem nächsten Schritt den Darm genauer an.

Koloskopie, bzw. Darmspiegelung

Zur Diagnose einer Colitis ulcerosa wird häufig die sogenannte Koloskopie eingesetzt. Das ist ein Verfahren, bei dem durch den behandelnden Arzt ein langes, dünnes Instrument mit einer Kamera an der Spitze in den Dickdarm eingeführt wird. Währenddessen kontrolliert er auf einem Videomonitor die Struktur und Beschaffenheit der Dickdarmschleimhaut.

Dieses Verfahren wird auch eingesetzt, um viele andere Darmerkrankungen, darunter Darmkrebs, zu diagnostizieren. So unangenehm das Verfahren beim Lesen klingt, es ist völlig schmerzlos und häufig wird dem Patienten vor der Behandlung ein Beruhigungsmittel verabreicht, wodurch die Koloskopie in einer Art Dämmerzustand durchlebt wird.

Mithilfe dieser Untersuchungsmethode bestimmt der Arzt das Ausmaß der Entzündung. Das flexible Spezialendoskop ermöglicht es zudem, eine kleine Gewebeprobe zu entnehmen, die zur mikroskopischen Untersuchung in ein Labor gesendet wird. Dort kann schließlich genau bestimmt werden, ob eine Colitis ulcerosa vorliegt.

Colitis ulcerosa Behandlung: Ist eine Colitis ulcerosa heilbar?

Dank medizinischer Fortschritte ist die Krankheit mittlerweile deutlich besser behandelbar, als dies noch vor einigen Jahrzehnten möglich war. Durch neuere Forschungserkenntnisse ergeben sich vielversprechende Behandlungsansätze. Diese sind zu einem großen Teil medikamentöser Natur, es kann aber auch eine Operation notwendig sein.

Eine Heilung ist jedoch nicht möglich, mittels verschiedener Medikamente ist eine Colitis ulcerosa jedoch gut in den Griff zu bekommen.

Welche Medikamente bei Colitis ulcerosa?

Zur Vorbeugung von Schüben leichter bis mittlerer Colitis ulcerosa wird seit den 1940er Jahren der entzündungshemmende Wirkstoff Sulfasalazin eingesetzt. Leider treten bei der Einnahme bei 10 bis 40 % der Patienten verschiedene Nebenwirkungen auf, darunter Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge und Kopfschmerzen.

Neue Wirkstoffe gegen Colitis ulcerosa

Aus diesem Grund wurde in den vergangenen Jahren fieberhaft an neuen Medikamenten geforscht, die bei Colitis ulcerosa eingesetzt werden können. Neue Wirkstoffe umfassen beispielsweise Mesalazin (z. B. Salofalk®) und Olsalazin (Dipentum®). Diese Präparate können die Beschwerden mit geringeren Nebenwirkungen als Sulfasalazin reduzieren, sind allerdings aufgrund von Patenten noch teuer.

Auch Prednison kann zum Einsatz kommen, um bei mittleren bis schweren Schüben die Entzündung einzudämmen. Eine Verhinderung der Schübe selbst konnte bislang nicht erreicht werden. In diesem Bereich wird allerdings umfassend geforscht.

Linderung durch Lecithin

In einer größeren Untersuchung behandelten Mediziner der Universität Heidelberg Patienten mit Colitis ulcerosa erfolgreich mit Lecithin. Das ist ein Stoff, der besonders reichlich in Eidotter und den Zellen pflanzlicher Samen zu finden ist.

60 Patienten erhielten entweder 6 g Lecithin täglich oder ein Scheinmedikament (Placebo). Nach drei Monaten fragte man sie nach Beschwerden wie Schmerzen, Durchfall oder Übelkeit.

In der Lecithin-Gruppe besserten sich diese Beschwerden bei 90 % der Befragten signifikant. In der Placebo-Gruppe konnten hingegen lediglich 10 % über Linderungen berichten. Damit lässt diese Studie die Vermutung zu, dass die vitaminähnliche Substanz eine schützende Wirkung auf die Darmschleimhaut besitzt.

Behandlung mit Kortison

In hartnäckigen Fällen werden insbesondere kortikoidhaltige Medikamente eingesetzt. Dies ist jedoch umstritten. Für alle, die tagelang unter heftigsten und blutigen Durchfällen gelitten haben, grenzt die Durchschlagskraft von Kortison meist an ein Wunder: Von jetzt auf gleich sind die Beschwerden „wie vom Erdboden verschluckt“.

Dennoch treten schwere Nebenwirkungen auf, vor allem wenn Kortikoide langfristig eingesetzt werden. Diese reichen von einer Gewichtszunahme über Akne, Schlaflosigkeit und Augenerkrankungen bis hin zu Muskelschwäche, Bluthochdruck und Diabetes. Dazu kommt das typische aufgedunsene Gesicht, welches durch Wassereinlagerungen ausgelöst wird. Häufig wird Kortison nur gering dosiert, trotzdem droht immer die Gefahr von Nebenwirkungen.

Jüngst wurden allerdings Kortikoide entwickelt, die direkt im Darm, am Ort der Entzündung, wirken. Bislang musste das Kortison den ganzen Organismus „überschwemmen”, bis es die Entzündung gefunden hatte.

Je gezielter der Einsatz, desto weniger Nebenwirkungen treten auf. Diese so genannten topischen Kortikoide wirken als Kapsel eingenommen oder als Einlauf direkt auf die Entzündung der Darmschleimhaut.

Therapien der Zukunft

In Zukunft werden weitere Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen. So handelt es sich beispielsweise bei Budesonid um ein Kortikosteroid, das sich in klinischen Studien bei Morbus Crohn als effektiv erwiesen hat. Zukünftig könnte es möglicherweise auch eine Colitis ulcerosa unter Kontrolle bringen. Im Unterschied zu anderen Steroiden (etwa Prednison) kommt es bei Budesonid nicht zu weitreichenden Nebenwirkungen.

Es befinden sich darüber hinaus Nikotinpflaster im Testeinsatz, nachdem herausgefunden wurde, dass diese Pflaster Kolitisbeschwerden lindern können.

Das Nikotinpflaster gegen Colitis ulcerosa?

Die Idee einer Behandlung mit Nikotinpflastern stammt aus den USA. Dies klingt auf den ersten Blick seltsam, wurden diese doch bislang üblicherweise zur Raucherentwöhnung eingesetzt. In Deutschland sind Nikotinpflaster derzeit für die Anwendung bei Colitis ulcerosa noch nicht amtlich zugelassen, einige Ärzte testen jedoch zurzeit die Anwendung.

Verschiedene amerikanische Studien haben gezeigt, dass der Gebrauch des Nikotinpflasters zur kurzzeitigen Linderung der Schübe einer Colitis ulcerosa beitragen kann. Wenn akute Colitis ulcerosa Patienten das Pflaster einen Monat lang trugen, erfuhren sie viermal häufiger eine Linderung von ihren Symptomen als Personen mit einem Placebopflaster, also einem Pflaster ohne Wirkstoff.

Wie wirkt Nikotin auf den Darm?

Auf welche Weise das Nikotin zur Linderung der Symptome beiträgt, ist bislang nicht hinreichend geklärt. Einige Experten vermuten, dass das Nikotin den Dickdarm schützt, indem es dort die Schleimproduktion anregt und den Schleim verdickt.

Wichtig zu beachten ist allerdings, dass die positiven Effekte des Nikotins lediglich im Zusammenhang mit einer kurzfristigen Behandlung auftraten. Bezüglich einer langfristigen Behandlung könnte es sich im Rahmen weiterer Untersuchungen auch als wirkungslos herausstellen. Dennoch ist Nikotin im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Colitis ulcerosa Schüben als vielversprechend einzuordnen.

Die neue Abwehrthese

Die neuen Erkenntnisse, nach denen eine Colitis ulcerosa durch Darmbakterien ausgelöst wird, kann zu völlig neuen Ansätzen in der Therapie führen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Substanzen entwickelt werden, die das angeborene Immunsystem stärken und die Darmbarriere wiederherstellen. Erste entwickelte Wirkstoffgruppen müssen noch untersucht und getestet werden.

Mit Colitis ulcerosa leben: Der Alltag mit der Colitis ulcerosa

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Die Schmerzen, aber auch der häufige Gang zur Toilette sowie die Furcht vor Missgeschicken, belasten die Betroffenen. Hinzu kommt die Angst vor einer Verschlimmerung der Krankheit.

Diese seelischen Begleiterscheinungen sollten mit einer psychotherapeutischen Behandlung therapiert werden.

Colitis ulcerosa

Nachlässigkeit bei der Behandlung kann Folgen haben

Wenn sich die Entzündung ausweitet, kehren die Schübe immer häufiger zurück und die Symptome verschlimmern sich. Durch blutige Durchfälle geht gleichzeitig so viel Blut verloren, dass es zu einer regelrechten Blutarmut kommen kann.

In erster Linie droht dadurch eine Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen – insbesondere Vitaminen. Der Grund ist, dass die Darmschleimhaut bei Entzündung die Nahrung nicht mehr richtig aufnehmen kann. Ein Betroffener nimmt ab, wird immer schwächer und dabei auf anfälliger für andere Krankheiten.

Im fortgeschrittenen Stadium einer Colitis ulcerosa, wird dann auch die Behandlung immer schwieriger. Es kann so weit kommen, dass der entzündete Darmabschnitt operativ entfernt werden muss.

Kommt hinzu, dass der verbleibende Darmabschnitt nicht mehr ausreicht, um eine Verbindung zwischen Darm und After herzustellen, so muss ein künstlicher Darmausgang gelegt werden. Dies ist sicherlich die größte Angst jedes Patienten einer chronischen Darmentzündung. Ein solcher Ausgang weckt Horrorvorstellungen, wenn auch der Ausgang in der Praxis weniger einschränkend und schrecklich ist, als viele vermuten. Trotzdem muss es ja nicht so weit kommen.

Behandlung startet häufig zu spät

Zu viele Patienten mit einer Colitis ulcerosa, einer chronischen Darmentzündung, werden, nach Einschätzung von Magen-Darm-Spezialisten, zu spät und unzureichend behandelt. Dabei gibt es heute viele Möglichkeiten, die entzündete Schleimhaut zu heilen.

Dr. Thomas Ochsenkühn, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Gastroenterologische Onkologie in München bringt dies auf den Punkt: „Wenn ein Viertel aller betroffenen Patienten ihren Dickdarm verlieren, können wir kaum von einer vergleichsweise gutartigen Darmerkrankung sprechen”. Es werde zu spät, zu schwach, zu kurz und oft jahrelang mit Kortison behandelt. „Ein Skandal”, meint Ochsenkühn. Dabei kann das Ziel nur heißen, die entzündete Darmschleimhaut „anhaltend zu heilen”.

Erheblich eingeschränkte Lebensqualität

Der Heidelberger Experte Professor Dr. Robert Ehehalt betont, dass Betroffene frühzeitig mit einer Therapie beginnen sollten. Gerade um einen Strukturverlust der Schleimhaut zu verhindern, muss das Ziel der Therapie eine rasche Heilung der Schleimhaut sein. Dies sei mit modernen Arzneimitteln heute bei zwei von drei Patienten möglich.

Die bisherige Strategie, nur die Symptome zu behandeln, sei zweifelhaft. Ärzte sollten zudem berücksichtigen, dass die chirurgische Entfernung des Darms, die Kolektomie, in vielen Fällen nicht mehr zeitgemäß ist.

Operative Behandlung

Nach einer Operation weisen die Patienten zwar kein erhöhtes Krebsrisiko mehr auf und können auf eine weitere Medikamenteneinnahme verzichten. Ihre Lebensqualität jedoch kann erheblich sinken, da der in der Regel angelegte Pouch mit erheblichen Nebenwirkungen einhergeht.

Ein Pouch (englisch: Beutel, Tasche) ist ein aus Dünndarmschlingen geformtes Reservoir. Es sammelt den flüssigen Darminhalt des Dünndarms und zögert die direkte Entleerung hinaus. Mithilfe dieses Beutels müssen die Patienten weniger häufig auf die Toilette.

Bei 13 % der Patienten kommt es laut Ehehalt jedoch zu einem Pouch-Versagen, bei 40 % zu einer chronischen Entzündung (Pouchitis). Bei Frauen führt es zu einer reduzierten Fruchtbarkeit und bei Männern, in 1,5 % der Fälle, zu Impotenz. Dennoch werden rund 24 % bis 30 % der Patienten kolektomiert.

Ernährung: Was sollte man nicht essen bei Colitis ulcerosa

In den meisten Fällen ist eine spezielle Ernährung nicht erforderlich. Es gibt also keine typische Diät für Colitis-Patienten.

Stattdessen sollte ein Betroffener selbst herausfinden, was gut bekommt und was nicht. Leichte Vollwertkost und der Verzicht auf blähende, scharf gewürzte Speisen sind dennoch sinnvoll und empfehlenswert.

Während eines akuten Schubs ist sogar Trinken wichtiger als Essen. Dies hängt insbesondere mit dem Flüssigkeitsverlust zusammen. Für sehr geschwächte Menschen ist proteinreiche Ernährung ohne Ballaststoffe zur Entlastung des Darms sehr wichtig. Zusätzlich sollten Vitamine und Mineralstoffe – vor allem Eisen – genommen werden, um eine Versorgung des Körpers sicherzustellen.

Wer sich ausreichend kräftig fühlt, kann probieren, ob Heilfasten Linderung verschaffen kann, natürlich nur unter vorheriger Absprache mit einem Arzt.

Chinesische Medizin bei Colitis ulcerosa

Positive Erfahrungen werden ebenso mit chinesischer Pflanzenmedizin, Ozontherapie, Eigenblutbehandlung, Bioresonanzverfahren, Akupunktur und Entspannungsmethoden gemacht.

Seit Kurzem weiß man, dass auch Weihrauch bei Darmentzündungen helfen kann. Bei Colitis ulcerosa können Schübe mit Weihrauch sogar zum Abklingen gebracht werden. Die Boswellia-Säuren im Weihrauch hemmen ein Entzündungsenzym.

Ein paar Tipps bei Colitis ulcerosa

Wir haben nun noch ein paar Tipps, die Betroffenen helfen können, ihren Alltag besser zu bestehen. Diese stellen wir im Folgenden vor.

Den Alltag meistern:

  • Ein Darmtagebuch kann helfen, die Beschwerden und die Ernährung zu dokumentieren.
  • Ausreichend rohfaserreiche Nahrungsmittel (Getreideprodukte, Obst und Gemüse) sind hilfreich bei Darmentzündungen.
  • Ausreichend Wasser zu trinken, ist der Schlüssel dazu, keine Flüssigkeit und Nährstoffe zu verlieren. Täglich 1,5 bis 2 Liter sind das Optimum.
  • Kohlensäurehaltige und koffeinhaltige Lebensmittel sollten vermieden werden.
  • Regelmäßige Essenszeiten lassen den Darm und seine Funktionen in einen Rhythmus kommen.
  • Stress ist schlecht für den Darm und ein wesentlicher Risikofaktor für das Reizdarm-Syndrom.
  • Lakritz wirkt entspannend, entzündungshemmend und verdauungsfördernd.
  • Pfefferminzextrakt (aus der Apotheke) kann gegen krampfartige Beschwerden helfen.
  • Brokkoli vertreibt Magenkeime: Er wirkt ähnlich wirkungsvoll wie Antibiotika, um den Keim Heliobacter zu vertreiben. Verantwortlich dafür sind spezielle Schwefelverbindungen (Suforaphan) im Brokkoli.
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