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Gesund mit Kohl: So wenden Sie das alte Hausmittel am besten an

Weißkohl und sein Saft können zu medizinischen Zwecken genutzt werden. Hier erfahren Sie alles über die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe des Kohls. (Foto: photocrew - Fotolia)

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Haben Sie einmal beobachtet, wie viele Menschen Kohlgemüse kaufen? Richtig, es sind die wenigsten. Kohl gilt heute als wertloses Arme-Leute-Essen. Doch das ist ein fatales Vorurteil, denn kaum ein anderes Gemüse ist ein so potenter Zellschützer, Bakterienbekämpfer und Krebsvorbeuger wie der Kohl. Dafür ist sein hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen (von den Glucosinolaten bis zum Lutein) verantwortlich.

Verschiedene Sorten Kohl
© Wolfgang Jargstorff -Adobe

Heilende Phytamine machen den Kohl so gesund

Unter Phytaminen versteht die Naturheilkunde (heilsame) Pflanzenstoffe mit einem Eiweiß als Trägerstoff. Die meisten sind Farb- bzw. Aromasubstanzen und zählen zu den sekundären Pflanzenstoffen.

Zu den wichtigsten Phytaminen des Kohls gehören:

  • Anthocyane (rote Farbstoffe)
  • Beta-Carotin und Lutein (gelbrote Farbstoffe)
  • Glucosinolate (Senföle, schwefelhaltige Aminosäuren und deren Abkömmlinge Sulforaphan und Indole)
  • Quercetin und Kaempferol (Farbbausteine)

Je nach Kohlsorte variiert die Zusammensetzung. So enthalten Rot-, Weiß-, Blumen- und Rosenkohl sowie Brokkoli wesentlich mehr entzündungs- und krebshemmende Schwefelverbindungen als Grünkohl. Dafür versorgt dieser Sie mit den augenschützenden Carotinoiden. Genauso vielseitig wie seine Farben und Formen sind auch die Heilwirkungen des Kohls, die von der Entzündungshemmung bis zur Krebsvorbeugung reichen.

Medizinische Wirkungen von Kohl

  • Er bekämpft schädliche Bakterien (v. a. im Verdauungs- und Urogenitaltrakt) sowie Wundkeime.
  • Er fängt freie Sauerstoffradikale und schützt die Zellen.
  • Er hemmt die Vermehrung von Krebszellen und verhindert die Bildung von hormonabhängigen Krebsarten.
  • Er fördert die Ausleitung von Giften.

Außerdem liefert Ihnen Kohl reichlich Magnesium, Kalzium, Kupfer und Eisen sowie B-Vitamine einschließlich Folsäure. Damit ist das Gemüse gerade in der Winterzeit eine unverzichtbare und vielseitige Vitalstoffquelle.

Senföle hemmen schädliche Bakterien in Magen und Darm

Der Pharmokologe Professor Jed W. Fahey von der John-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) war einer der ersten, der die antibiotische Wirkung der schwefelhaltigen Senföle bzw. ihres Abkömmlings Sulforaphan eindeutig belegen konnte. Wie die renommierte US-Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Science berichtete, blockiert Sulforaphan den Stoffwechsel des Magenkeims Helicobacter pylori, der Magengeschwüre und Magenkrebs begünstigt.

Schwefelstoffe verhindern die Vermehrung von Krebszellen

Darüber hinaus wies ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Jerry Kosmeder an der Universität Chicago im Tierversuch nach, dass Sulforaphan aus Brokkoli sogar die Teilung von Brustkrebszellen blockiert. Das Team arbeitet nun daran, ein Medikament aus synthetisch hergestelltem Sulforaphan (Oxomat) zu entwickeln.

Einen weiteren krebshemmenden Stoff entdeckten Forscher des finnischen Lebensmittelinstituts Jokioinen im Sauerkraut. Dabei handelt es sich ebenfalls um schwefelhaltige Substanzen (Isothiocynate), die beim milchsauren Vergären des Weißkohls entstehen.

Dunkelgrüne Kohlsorten bewahren Ihr Augenlicht

Dunkelgrüne Kohlsorten wie Grünkohl, Brokkoli, Rosenkohl und Wirsing liefern Ihnen das wichtige Augenvitamin Lutein, das Sie nachgewiesenermaßen vor dem Grauen Star (Linsentrübung) und der gefährlichen Makuladegeneration bewahren kann. Brokkoli und Wirsing enthalten überdies Beta-Carotin, das als Baustein des Sehpigments Rhodopsin für das Hell-Dunkel-Sehen und die Unterscheidung von Grautönen zuständig ist.

Gekochtes Ei

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Die Radikalfänger schützen auch Ihre Blutgefäße

Die krebsschützende Wirkung von Kohl wird durch dessen hohen Gehalt an potenten Radikalfängern (Antioxidantien) unterstützt. Dazu zählen vor allem die Anthocyane des Rotkohls sowie die Indole aus der Gruppe der Glucosinolate. Auch die Flavonoide Quercitin und Kaempherol, die auch Ihren täglichen Apfel so wertvoll machen, schützen Ihre Zellen vor dem schädlichen Angriff freier Sauerstoffradikale. Auf diese Weise verhindern sie Zellschäden, die zur Bildung von Krebszellen führen können. Mit Ausnahme der roten Farbstoffe wirken diese Radikalfänger zudem als Phytohormone und können sogar die Entwicklung von hormonabhängigen Krebsarten (bestimmte Prostata- und Brusttumore) verhindern.

Und nicht zuletzt unterbinden die Radikalfänger auch Gefäßschäden durch das LDL-Cholesterin. Daher können Sie mit Kohl auch der Arteriosklerose wirksam vorbeugen. Essen Sie also möglichst viel Blumen-, Rosen-, Rot-, Grün- und Weißkohl sowie Brokkoli als Gemüsebeilage, denn diese Kohlsorten sind besonders reich an antioxidativen Substanzen.

Eine besondere Sorte: Der Weißkohl

Weißkohl-Blätter oder der aus ihnen herausgepresste Saft können durchaus zu medizinischen Zwecken verwendet werden. Aus den Kohlblättern können Sie sich eine ganze Reihe altbewährter Hausmittel zur innerlichen und äußerlichen Anwendung herstellen oder Sie kaufen einen fertig gepressten Kohlsaft zum Einnehmen. Diese gesunden Stoffe stecken im Weißkohl:

  • Senfölglykoside
  • Mineralsalze (z. B. Phosphor, Kalzium, Jod)
  • Vitamine (u. a. A, B, C)
  • Eiweißverbindungen (z. B. Aminosäuren wie S-Methylmethioninsulfoxid)

Aufgrund dieser Inhaltsstoffe wirkt der Weißkohl schmerzstillend, entzündungshemmend, entgiftend und abwehrsteigernd. Außerdem sollen die Weißkohlblätter ein Anti-Ulkus-Vitamin (Methiosulfoniumchlorid) enthalten, durch das der Kohlsaft die Magenschleimhaut vor dem Angriff der Magensäure schützen und der Bildung von Magengeschwüren entgegenwirken kann.

Weißkohl
© Adobe Stock – kab-vision

Kohl gegen Krebs

Die innerliche Anwendung hat in der Volksmedizin eine lange Tradition. Vor allem bei Magenproblemen, die auf eine Übersäuerung zurückzuführen sind, hat sich der Kohlsaft bewährt. Allerdings stuft die Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamts den Weißkohl immer noch als Lebensmittel ein und spricht daher keine Empfehlung für medizinische Kohlanwendungen aus.

Erste Studienergebnisse u. a. der Universitätsklinik Heidelberg lassen jedoch vermuten, dass die Inhaltstoffe des Kohls Krebserkrankungen vorbeugen können. Der regelmäßige Kohlgenuss wird daher von Experten unbedingt empfohlen. Sollten Sie zu Blähungen neigen, macht eine Prise Kümmel Ihr Kohlgericht besser verträglich.

Weißkohl-Rezepte für Ihre Gesundheit

Weißkohl können Sie das ganze Jahr über in jedem Supermarkt kaufen. Wenn Sie ihn jedoch für medizinische Anwendungen verarbeiten möchten, sollten Sie sich lieber für unbehandelten Kohl aus dem Bioladen entscheiden. Fertig abgefüllten Weißkohl-Frischsaft erhalten Sie sowohl in der Apotheke als auch in Reformhäusern und Bioläden. Probieren Sie bei den entsprechenden Beschwerden doch einmal die folgenden Rezepte aus:

Magenschützender Weißkohlsaft

Entfernen Sie von einem kleinen Weißkohl die äußeren Blätter, waschen Sie die verbleibenden und geben Sie diese nach und nach in einen Entsafter. Füllen Sie den Saft in eine Flasche ab und bewahren Sie ihn kühl auf. Trinken Sie bei Magenproblemen täglich bis zu drei Gläser davon.

Schmerzstillender Kohlwickel

Befreien Sie zwei gewaschene Kohlblätter vom Strunk und schneiden Sie die harte Mittelrippe flach ab. Rollen Sie nun die Blätter mit einem Nudelholz oder mit einer Flasche so lange, bis sie weich sind und der Kohlsaft auszutreten beginnt. Legen Sie nun die Kohlblätter auf die schmerzende oder entzündete Stelle und umwickeln Sie die Auflage mit Frischhaltefolie. Geben Sie ein Baumwolltuch darüber und lassen Sie den Wickel über Nacht einwirken.

Entzündungshemmende Kohlsalbe

Schmelzen Sie 10 g Bienenwachs und 40 g Lanolin (aus der Apotheke) im Wasserbad, fügen Sie 100 ml Maiskeimöl hinzu und erwärmen Sie alles zusammen auf 60 °C. Erwärmen Sie nun in einem zweiten Topf 80 ml Kohlsaft ebenfalls auf 60 °C, lösen Sie einen Teelöffel Honig unter Rühren darin auf und fügen Sie 20 ml Doppelkorn hinzu. Gießen Sie nun dieses Gemisch in den Topf mit den Fetten und rühren Sie alles kräftig mit einem Mixer um. Füllen Sie die Salbe nach dem Abkühlen in eine Dose. Kühl aufbewahrt ist sie etwa drei Monate haltbar.

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Beate Rossbach
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Dies ist das Profil von Beate Rossbach, Chefredakteurin von „Naturmedizin Aktuell“ und „Natur & Gesundheit“. Lesen Sie hier alles über sie:

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