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Kalzium & seine Aufgaben im Körper

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Inhaltsverzeichnis

Kalzium – Ein Überblick

Name: Kalzium, Calcium

Beschreibung: Metall, wichtiger Mineralstoff für den menschlichen Körper

Vorkommen: Milchprodukte, Nüsse, Obst, Gemüse uvm.

Aufgaben: Knochen- und Zahnbildung und Stabilität, Organfunktion, Blutgerinnung, Muskeln und Nerven

Symptome von Mangel: Kribbeln auf der Haut, Muskelkrämpfe, verlangsamter Herzschlag

Kalzium hilft gegen: Osteoporose, Allergien, Bluthochruck, Übergewicht, Darmkrebs, Muskelkrämpfe

Definition: Was ist Kalzium?

Dass Kalzium für den menschlichen Körper sehr wichtig ist, erklären Werbeanzeigen für Fruchtzwerg und Co schon in Kindertagen. Doch der Mineralstoff ist nicht nur für den Aufbau und die Stabilisierung von Knochen und Zähnen verantwortlich, sondern hat noch viel mehr Aufgaben. Obwohl Kalzium so wichtig für die Gesundheit ist, leiden heutzutage mindestens 60 Prozent aller Deutschen unter einem Kalziummangel. Wie ein solcher, warum man genügend Kalzium aufnehmen sollte und welche Lebensmittel dabei besonders hilfreich sind, wird im Folgenden besprochen.

Welche Aufgaben hat Kalzium im menschlichen Körper?

Die Hauptaufgabe von Kalzium im Körper ist bekannt: 99 Prozent dieses Vitalstoffs werden in den Knochen und Zähnen eingelagert, wo der Mineralstoff für deren Bildung und Erhaltung verantwortlich ist. Die restliche Menge hat vielfältige Aufgaben:

  • Korrekte Funktion von Enzymen
  • Stabiler Herzrhythmus
  • Gute Muskelarbeit
  • Freisetzung von Botenstoffen
  • Regulierung des Flüssigkeitshaushalts in den Körperzellen
  • Funktionierende Blutgerinnung
Symptome von Kalziummangel

Wo wird Kalzium im Körper gelagert?

Weil Kalzium für den Körper extrem wichtig ist, legt er sich einen Vorrat im Skelett an, um immer genügend Kalzium für die notwendigen Funktionen mobilisieren zu können. Im Skelett lagern etwa 99 Prozent des gesamten Körperbestandes. Es ist ein elementarer Bestandteil der Knochen. Da nicht nur der Knochen ständig erneuert wird, sondern auch von dort aus benötigtes Kalzium zu dem Ort im Körper geschickt wird, an dem es gebraucht wird, bleibt es keineswegs ausschließlich im Skelett und es muss ständig neues Kalzium aufgenommen werden.

Wo und warum wird Kalzium benötigt?

Wie bereits erwähnt findet der Mineralstoff nicht nur in den Knochen und Zähnen Verwendung, sondern weist eine vielfältige Wirkung auf. In den Muskeln und im Nervensystem kann man es als den biochemischen Gegenspieler von Magnesium bezeichnen. Wo Magnesium beruhigend und entspannend wirkt, sorgt Kalzium für Erregung und die Weiterleitung von Reizen über die Nerven: Es hilft, die kleinen Spalten zwischen den einzelnen Nerven zu überbrücken, indem es die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst. So wird die Bahn frei für Nervenimpulse.

Weiters wäre ohne die Einnahme von Kalzium jede Art der Bewegung unmöglich, da sich die Muskeln nicht zusammenziehen könnten. Somit ist dem Mineralstoff auch der Herzschlag zu verdanken. Auch die Stabilität der Zellwände liegt ihm zugrunde, so sind sie nur für die notwendigen Stoffe durchlässig.

Die Rolle von Kalzium im Auf- und Abbau von Knochen

Der Knochen wird ständig ganz natürlich auf- und wieder abgebaut. Für den Abbau des Knochens sind Osteoklasten (Knochenfresszellen) verantwortlich. Hierbei spielt der Kalziumgehalt im Blut eine Rolle. Der Kalziumhaushalt wird vom Hormon Calcitonin und seinem Gegenspieler, dem Parathormon, reguliert. Sinkt der Gehalt des Mineralstoffes im Blut, wird in der Nebenschilddrüse Parathormon gebildet. Dieses sorgt dafür, dass Kalzium aus dem Knochen abgegeben wird und die Nieren den Mineralstoff im Körper zurückhalten. Ist ausreichend Kalzium im Körper vorhanden, kommt Calcitonin zum Zug: Dieses Hormon aus der Schilddrüse bewirkt den Einbau von Kalzium in den Knochen und fördert die Ausscheidung des Mineralstoffes über die Niere.
Normalerweise folgt auf den Abbau automatisch der Neuaufbau des Knochengewebes an derselben Stelle. Die Osteoblasten, welche für den Aufbau des Knochens zuständig sind, bilden hierzu das Vitamin-D-abhängige Protein Osteokalzin. Zusätzlich sind für den Knochenaufbau die Mineralstoffe Magnesium und eben das Kalzium nötig. Das Osteokalzin dient als Transportmittel für das Kalzium.

Achtung
Die Aufnahmefähigkeit für Kalzium in den Körper ist begrenzt. Aus diesem Grunde ist es nicht sinnvoll, die Tagesration an Kalzium in einer einzigen Mahlzeit zu konzentrieren. Der Körper würde einen Großteil dieses Kalziums gar nicht verarbeiten. Schlauer ist es, die tägliche Dosis an Kalzium auf mehrere Mahlzeiten aufzuteilen.

Wie hoch ist der Tagesbedarf an Kalzium?

Der Tagesbedarf an Kalzium ist abhängig vom Alter und den Lebensumständen des Menschen. Empfohlen sind:

  • 500mg für Säuglinge
  • 1200mg für Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase
  • 900mg für Erwachsene
  • 1200mg für Schwangere
  • 1300mg für Stillende

Interessant ist, dass die eigentliche Aufgabe des Kalziums in der Prävention liegt. Schon in Kindertagen sollte genügend Kalzium eingenommen werden, um die Knochen optimal zu mineralisieren. Ab einem Alter von 30 Jahren wird kein zusätzliches Kalzium mehr eingelagert. Der Körper zieht dann aus den bis zu diesem Zeitpunkt angesetzten Polstern.

Die Notwendigkeit einer ausreichenden Einnahme von Kalzium ist weitestgehend bekannt. Trotzdem leiden rund 60% der deutschen Bevölkerung an einem Kalziummangel.  Sie nehmen nur 60-70% des täglichen Bedarfs zu sich. Mit 700mg Kalzium pro Tag liegt das weit unter der empfohlenen Tagesdosis. Oftmals sind die schwerwiegenden Folgen eines Kalziummangels nicht bekannt oder werden ignoriert.

Welche Folgen hat ein Kalziummangel?

Ein Kalziummangel kann viele Folgen haben. Einige davon sind:

  • Kribbeln auf der Haut (Hände, Füße, Mund
  • Muskelkrämpfe
  • gesteigerte Reflexe
  • schlechte Zahnqualität, Karies, Parodontitis
  • Osteoporose
  • Tetanien

Bei zuletzt Genanntem handelt es sich um Spasmen und Krämpfe an Händen und Füßen. Dabei begeben sich die Hände in eine sogenannte „Pfötchenstellung”, der Fuß verrenkt sich zur Spreizfußstellung.

Es können aber auch deutlich schlimmere Symptome auftreten. Ein Kalziummangel kann den Herzschlag verlangsamen oder in Extremfällen das Herz sogar bis zum Herzstillstand schwächen, es können Angstzustände und Depressionen verursacht werden.

Kalziummangel als Grund von Osteoporose?

Wird über Kalzium berichtet, steht meist seine Schutzwirkung vor Osteoporose im Vordergrund. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland 6 bis 8 Millionen Menschen unter Osteoporose. Jede vierte Frau nach der Menopause und etwa die Hälfte der Senioren (Männer wie Frauen) über 75 Jahre sind betroffen. Bei Osteoporose verlieren die Knochen an Festigkeit und elastischer Stabilität; Knochenmasse schwindet, die Knochen werden porös und brüchig. Knochenbrüche, oft der Hüfte, des Oberschenkelhalses, der Wirbelkörper und des Unterarmes, sind die Folgen.

Eine kalziumarme Ernährung allein ist selten der Auslöser für eine Osteoporose. Heute geht man davon aus, dass meist noch weitere Faktoren hinzukommen müssen: Da in einer Familie oft mehrere Personen betroffen sind, vermuten die Experten eine genetische Komponente. Dennoch können alle Frauen mit einer guten Kalziumversorgung (zusammen mit Vitamin D) in jedem Alter zum Aufbau und Erhalt von Knochenmasse beitragen. In puncto Osteoporose ist Übergewicht eher von Vorteil als Untergewicht, insbesondere wenn die schlanke Linie durch Diäten erreicht wird. Diäten sind oft kalziumarm und damit ein Risikofaktor für Osteoporose.

Kalzium-Blutwerte: Was ist normal?

Auch bei den Blutwerten wird der Bereich “Normal” im Alter unterschieden. Als normal gelten:

  • 1,75 – 2,70 mmol/l für Neugeborene
  • 2,05 – 2,70 mmol/l für Säuglinge, Kinder und Jugendliche
  • 2,02 – 2,60 mmol/l für Erwachsene

Eine Über- bzw. Unterschreitung dieser Werte kann unterschiedliche Gründe haben.

Warum sind die Kalziumwerte zu gering (Hypokalzämie)?

Eiweiß- oder Vitaminmangel, Hormonstörungen oder Nierenerkrankungen, eine Unterfunktion der Schilddrüse, gestörte Aufnahme von Vitamin D oder Kalzium, akute Bauchspeicheldrüsenentzündung oder das ein Mangel an Albumin (Eiweiß im Blutplasma) können einen Kalziummangel hervorrufen, aber auch verschiedene Medikamente können der Grund dafür sein:

  • Kortison
  • Säureblocker (Antazida, z. B. bei Magenproblemen)
  • Epilepsiemittel
  • Schilddrüsenhormone
  • Abführmittel
  • Antibiotika (Tetracycline)

Im Falle einer leichten Hypokalzämie kann der Betroffene versuchen, seinen Kalziumhaushalt mit der Aufnahme des Mineralstoffes durch kalziumhaltige Nahrung auszugleichen. In schwereren Fällen ist es ratsam, auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Warum sind die Kalziumwerte zu hoch (Hyperkalzämie)?

Befindet sich zu viel Kalzium im Blut, wird dies meist durch die vermehrte Ausschüttung des Mineralstoffes aus dem Knochen ausgelöst. Dadurch kann der Knochen instabil und brüchig werden. Dies kann durch zwar auch durch einige Medikamente (häufig Psychopharmaka oder Entwässerungsmittel) ausgelöst werden, meist liegt den erhöhten Blutwerten jedoch eine andere Vorerkrankung zugrunde, wie zum Beispiel

  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen
  • Unterfunktion der Nebennierenrinde
  • bösartige Tumoren
  • Überschuss an Eiweiß im Blut
  • erhöhte Produktion an Wachstumshormonen
  • vererbte Faktoren

Tritt die Hyperkalzämie nur leicht auf, reicht es oft, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen und sich kalziumarm zu ernähren. Sind die Werte stark erhöht, muss dies mithilfe entsprechender, vom Arzt verschriebener Medikamente geschehen. Außerdem muss der Auslöser – die Grunderkrankung – behandelt werden.

Welche Voraussetzungen hat die Aufnahme von Kalzium im Körper?

Die Aufnahme von Kalzium im Körper setzt das Vorhandensein von ausreichend Vitamin D voraus. Um den Bedarf an Vitamin D zu stillen, reichen täglich 15 Minuten Sonnenbestrahlung auf der Haut (Gesicht, Hände, Arme) aus. Da dies in den Wintermonaten problematisch werden kann, sollte man den Vitamin D Status im Blut zu dieser Zeit überprüfen. Liegt er zu niedrig, kann mit Ergänzungsmitteln nachgeholfen werden. Außerdem findet man Vitamin D in Leber, Eigelb und fettreichem Fisch.

Ein Hindernis für die Aufnahme von Kalzium im Körper sind die Kalziumräuber. Oxalsäuren (z.B. in Tomaten, Spinat, Schokolade) und Phytinsäuren (z.B. Hülsenfrüchte, Mais, Getreide) binden Kalzium und verschlechtern so die Aufnahme. Immer beliebter wird auch eine phosphatreiche Ernährung (Fertiggerichte, Wurst, Softdrinks), welche die Kalziumaufnahme im Darm verhindert. Auch der Konsum von Kaffee, Tee und Kochsalz sollte eingeschränkt werden.

Wie wird Kalzium in den Körper aufgenommen?

Kalzium kann der menschliche Körper nicht selbst bilden. Es muss über die Nahrung aufgenommen werden. Mengen bis zu 2.000mg pro Tag sind für Menschen ohne Vorerkrankungen unproblematisch. Bei beispielsweise einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen sollte allerdings kein zusätzliches Kalzium eingenommen werden.

Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) empfiehlt für Personen ab 19 Jahren eine Tagesdosis von 1000mg, was möglichst über eine gesunde Ernährung aufgenommen werden sollte. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus: Dem neusten Ernährungsbericht der DGE zufolge nehmen Deutsche im Durchschnitt nur 670mg Kalzium täglich mit der Nahrung auf, obwohl die Vielfalt an kalziumreichen Lebensmitteln doch recht groß ist.

In welchen Lebensmitteln ist Kalzium enthalten?

Weitestgehend bekannt ist, dass Milchprodukte wie Trinkmilch, Joghurt, verschiedene Käsesorten ausgezeichnete Lieferanten von Kalzium sind. Außerdem ist grünes Gemüse, ganz weit vorne der Grünkohl, eine gute Basis für eine kalziumreiche Ernährung. Der Mineralstoff kann aber auch über Mineralwasser, Äpfel und Nüsse aufgenommen werden. Zusätzlich kann man auf kalziumreiche Mineralwässer setzen. Allerdings ist deren Anteil an der Kalziumversorgung in der Regel weniger bedeutend als viele Menschen glauben. Das zeigt folgendes Rechenbeispiel: Die wenigsten Mineralwässer enthalten mehr als 50 bis 100mg/l Kalzium. Anhand der untenstehenden Tabelle ist ein Überblick über den Kalziumgehalt verschiedener Lebensmittel gegeben.

LebensmittelKalziumgehalt in mg pro 100g
Trinkmilch 1,5 %118
Joghurt 1,5 %114
Frischkäse70 bis 95
Camembert360 bis 600
Edamer710 bis 750
Gouda800
Emmentaler1100
Parmesan1290
Haselnüsse225
Äpfel5
Kartoffeln10
Brokkoli110
Fenchel109
Grünkohl210
Schnittlauch165
Petersilie145
Schweinekotelett11
Rindsfilet7

Beispiel: Wie deckt man den Tagesbedarf an Kalzium?

Wie bereits erwähnt sollte der Bedarf an Kalzium nicht nur mit einer einzigen Mahlzeit gestillt werden, sondern über den Tag verteilt in kleineren Mengen. Hier zwei Beispiele:

oder

  • 1 Scheibe Käse, z. B. Gouda
  • 1 Sojajoghurt/-pudding mit Kalziumzusatz
  • 1 Glas Orangensaft mit Kalziumzusatz
  • 1 Portion Brokkoli, Lauch oder Grünkohl mit Kräutern
Kalziumreiche Lebensmittel

Studie zur Ernährungsempfehlung

Neuseeländische Wissenschaftler haben hinterfragt, inwiefern man die Theorie der starken Knochen bei 1000mg Kalzium pro Tag stimmt. Dabei wurden rund 100 Studien ausgewertet, welche die Auswirkungen von Kalzium auf die Knochen von Menschen über 50 Jahren betrachteten.

Das Ergebnis: Die Zufuhr von Kalzium erhöht tatsächlich die Knochendichte, aber leider um gerade einmal 1 bis 2 Prozent. Diese Menge hat kaum Auswirkungen auf die Krankheitsentwicklung und keine Auswirkungen auf die Knochen. Dabei, so die Forscher, gibt es eine deutlich vielversprechendere Methode, die Knochen stark zu halten, und das ist ausreichend Bewegung. Vor allem Balancetraining kräftigt die Knochen. Darüber hinaus sollte auf Zigaretten verzichtet, Übergewicht abgebaut und eine ausgewogene Ernährung eingehalten werden.

Kalziumzufuhr bei verschiedenen Ernährungsformen

Immer beliebter werden die umwelt- und gesundheitsschonenden Ernährungsformen des Vegetarismus und Veganismus. Während vor allem Ovo-Lacto-Vegetarier, also jene Personen, die sowohl Milch als auch Eier konsumieren, oftmals erhöhte Kalziumwerte im Blut haben, kann es für vegan lebende Personen schwierig sein, ohne den Konsum von Milchprodukten die empfohlene Tagesdosis an Kalzium zu erfüllen. Pflanzliche Getränke als Ersatz von Milch sind in dieser Hinsicht weniger vorteilhaft, da sie nur wenig verwendbares Kalzium enthalten. Viele Hersteller reichern daher ihre Produkte mit zusätzlichem Kalzium an, was nicht optimal ist, da dieses vor allem bei Frauen das Herzinfarktrisiko erhöht. Wird ganz auf Milchprodukte verzichtet, kann auf Lebensmittel wie Sardinen, Lachs, Austern, Kohl, Mangold, Brokkoli, Mandeln, Avocado und Tomaten zurückgegriffen werden.

Wann sollte man Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel einnehmen?

  • bei geringem Verzehr von Milchprodukten und Gemüse
  • im Alter über 60 (vor allem Frauen nach den Wechseljahren)
  • in der Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei der Einnahme von Kortisonpräparaten
  • bei hohen Schweißverlusten (Schwerarbeit, Sport)
  • bei hohem Alkohol- und Zigarettenkonsum
  • bei chronischen Darmkrankheiten (geringere Kalziumaufnahme)

Kalziumpräparate (meist als Brausetabletten) sind preisgünstig in jedem Supermarkt zu Monatstherapiekosten von weniger als 5 Euro zu erhalten. Diese Präparate enthalten in der Regel das anorganische Kalziumcarbonat. In der Apotheke bekommt man darüber hinaus deutlich teurere Präparate mit organischen Kalziumverbindungen (z. B. Kalziumgluconat, Kalziumcitrat oder Kalziumlactat). Diese lösen sich im Wasser besser auf. Für die Verwertbarkeit im Körper spielt das jedoch eine untergeordnete Rolle. Ein Beispiel bietet eine Studie der Creighton-University in Omaha, Nebraska, USA aus dem Jahr 1999: Die Teilnehmer einer Testreihe nahmen Kalziumcarbonat und -citrat gleich gut im Darm auf. Werden die preisgünstigen Kalziumcarbonat-Brausetabletten auflösen, sollte jedoch darauf geachtet werden, dass kein Bodensatz im Glas zurückbleibt.

Prinzipiell ist es aber nur von Vorteil, ein Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel zu sich zu nehmen, wenn die ausreichende Tagesdosis über die Ernährung nur schwer oder gar nicht zu erreichen ist. Das kann aufgrund einer Vorerkrankung oder einer Hypokalzämie der Fall sein.

Was sollte man bei der Einnahme von Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel beachten?

  • Das Kalziumpräparat sollte wenn möglich nach der Mahlzeit eingenommen werden. Das steigert die Aufnahmefähigkeit im Dünndarm um 30 bis 40 Prozent.
  • Die Tagesdosis soll auf mehrere kleinere Portionen aufgeteilt werden (z. B. 4 x 250mg statt 1 x 1.000mg). Dadurch werden ebenfalls 30 Prozent mehr Kalzium aufgenommen als bei einer einzigen Ration.
  • Präparate sollten nicht zusammen mit phosphathaltigen Nahrungsmitteln (z. B. Colagetränke, Pökelfleisch und -wurst, Schmelzkäse) eingenommen werden. Phosphat behindert die Aufnahme des Kalziums im Darm.
  • Die früher vertretene Auffassung, wonach Kalziumpräparate Nierensteine auslösen, erweist sich als falsch. Ebenso unrichtig ist es, dass Kalzium Arteriosklerose (Arterienverkalkung) begünstigt.
  • Mehr als 2 g Kalzium täglich sollte man ohne ärztliche Kontrolle in Form von Präparaten nicht zuführen. Das gilt vor allem dann, wenn zusätzlich Vitamin-D-Präparate eingenommen werden, welche die Kalziumaufnahme im Darm steigern.
  • Bei einer chronischen Nierenschwäche nehmen sollte vor Einnahme von Kalziumpräparaten der Arzt konsultiert werden. Dieser überwacht die Blutkalziumwerte stets genau. Bei Störungen der Nebenschilddrüse verzichten sollte auf Kalziumpräparate verzichtet werden.

Gegen welche Krankheiten wirkt Kalzium?

Eine erhöhte Einnahme von Kalzium über die Ernährung oder Präparate hat nicht nur den Sinn, bestehende Dysfunktionen zu normalisieren, sondern kann auch zukünftige Beschwerden und Krankheiten vorbeugen.

Darmkrebs

In den letzten zehn Jahren fanden verschiedene Wissenschaftlerteams weltweit Beweise für die Schutzwirkung von Kalzium gegen Darmkrebs. Forscher der Universität Buffalo, New York, USA werteten 2005 sämtliche bis dahin verfügbaren Studiendaten zusammenfassend aus. Das American Journal of Gastroenterology veröffentlichte diese Analyse im März 2005. Die Wissenschaftler berücksichtigten dabei Patienten, bei denen bereits Vorstufen von Darmkrebs (Darmpolypen) vorlagen und entfernt wurden. Durch Kalziumpräparate (täglich etwa 1 bis 1,2 g) sank das Risiko für das Widerauftreten der Polypen nach vier Jahren um 20 Prozent im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo).

Werden vom Arzt im Rahmen einer Früherkennungsuntersuchung bereits Darmpolypen entdeckt und entfernt, sollten betroffene Patienten Kalziumpräparat ein, um ihr Krebsrisiko zu reduzieren. Dieses bindet freie Fettsäuren und Gallensäuren, welche ansonsten aus dem Nahrungsbrei in der Darmschleimhaut ein krebsartiges Wachstum auslösen. So schützt es die Darmzellen vor Krebs.

Bluthochdruck

Bluthochdruckpatienten profitieren von zusätzlichen Kalziumgaben. Das ergab eine große Bevölkerungsstudie in den USA aus dem Jahr 2003 an der Universität von South Carolina, USA. Dort beobachtete man 17.000 Menschen über 20 Jahre. Ihre durchschnittliche Kalziumaufnahme lag bei 760mg pro Tag. Allerdings wiesen diejenigen, die täglich mehr als 1.200mg des Mineralstoffs zu sich nahmen, ein um 40 Prozent geringeres Risiko für Bluthochdruck auf.

Das scheint auf den ersten Blick ein verwirrendes Ergebnis. Denn normalerweise werden bei hohem Blutdruck Kalzium-Antagonisten (Kalziumgegenspieler) verschrieben. Diese sollen verhindern, dass zu viel Kalzium über Kalziumkanäle in die Muskelzellen strömt. Dadurch werden die Muskelzellen, die um die Gefäße liegen, entspannt. Das erweitert die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Wissenschaftler gehen aber davon aus, dass eigentlich ein Kalziummangel der Grund für den Bluthochdruck ist. Kalzium strömt immer in die Muskelzellen, es entsteht aber durch den Mangel ein Missverhältnis zwischen dem Kalziumgehalt in den Zellen und dem Kalzium außerhalb der Zellen. So kommt es zur Verengung der Muskelzellen und der Gefäße. Durch eine Kalziumzufuhr wird der Kalziummangel im Körper ausgeglichen. Es kommt nicht zu einem Missverhältnis. Die Zellen können sich wieder entspannen und ohne Medikamente sinkt der Blutdruck.

Übergewicht

Vor allem Frauen ab Mitte 40 können aufatmen: Die Einnahme von 500 mg Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel kann einer unerwünschten Gewichtszunahme in den Wechseljahren vorbeugen. Das gilt aber nur, wenn die Kalziumaufnahme über die Ernährung deutlich unter dem empfohlenen Richtwert von 1.200 bis 1.500mg pro Tag liegt. An einer Langzeitstudie des Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, Washington, USA nahmen 5.000 Frauen teil, deren Alter nun zwischen 53 und 57 Jahren liegt. Im Durchschnitt nahmen sie täglich nur knapp 640 mg Kalzium über die Ernährung zu sich.

Diejenigen, die zusätzlich 500mg Kalzium als (Brause-)Tablette einnahmen, brachten innerhalb von zehn Jahren knapp 2 kg weniger auf die Waage als jene ohne zusätzliche Kalziumzufuhr, schreibt die US-Fachzeitschrift Journal of the American Dietetic Association im Juni 2006. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass eine zu geringe Kalziumzufuhr zu einer vermehrten Speicherung von Fett führt. So lange das Tagesziel von 1.200 bis 1.500mg Kalzium als Knochenschutz allein durch die Ernährung erreicht wird, werden keine Zusatzmittel benötigt. Lässt sich diese Richtlinie aber nicht erfüllen, sollte nicht nur des Gewichtes wegen, sondern auch um die Knochengesundheit zu wahren, zu Kalziumpräparaten gegriffen werden.

Allergien

Lange vor dem Einsatz moderner Antiallergika wie z.B. Loratadin oder Cetirizin ihren Einsatz in der Medizin gefunden haben, wurden Allergikern Kalziumpräparate verschrieben. Kalzium hatte sich schon längere Zeit erprobt, man kann auf Erfolge in der alltäglichen Praxis zurückschauen. Besonders hilfreich ist es bei allergisch bedingten Hautbeschwerden, Erythem- und Quaddelbildung, Juckreiz, aber auch als Notfallmedikation bei Insektenstichen.  Calcium galt als probates Mittel der Wahl bei allergisch bedingten Hautbeschwerden, die mit starkem Juckreiz, Erythem- und Quaddelbildung verbunden sind, bei allergischer Rhinokonjunktivitis und auch als Notfallmedikation bei Insektenstichen. Die durch Kalziumionen induzierte Senkung der Gefäßpermeabilität, die bei allergischen Reaktionen vom Sofort-Typ vor allem durch Histamin ausgelöst wird, reduziert diese Beschwerden.

Schützt die Einnahme von Kalzium vor Osteoporose?

Da die Krankheit Osteoporose nicht allein durch kalziumarme Ernährung ausgelöst wird, sondern, wie oben bereits erwähnt, auch genetisch bedingt ist, ist eine erhöhte Kalziumeinnahme auch nicht die alleinige Lösung. Vielmehr gilt es, seine Knochen mit dem 3-Punkte-Plan der Experten der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V.  (DGOU) zu schützen.

  • Kalziumreiche Ernährung
  • viel Bewegung
  • frische Luft und Sonnenlicht zur Anregung der körpereigenen Vitamin-D-Bildung

Benötigt man auch keine Medikamente und fühlt sich vollkommen gesund: Die Kalziumzufuhr darf nicht vernachlässigt werden. Kein zweiter Mineralstoff unterstützt die Gesundheit besser und beugt gleichzeitig gegen viele Alterskrankheiten vor.

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