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Süßstoff: Wie gesund sind Zuckeralternativen wirklich?

Süßstoffe versprechen eine kalorienarme Ernährung sowie leichteres Abnehmen. Doch wie gesund sind die verschiedenen Süßstoffe wirklich für den Körper? (Foto: Luis Echeverri Urrea - Adobe Stock)

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Süßstoffe versprechen eine kalorienarme Ernährung und leichteres Abnehmen. Die Rechnung scheint bestechend einfach: Ein Stückchen Würfelzucker enthält zehn Kalorien, eine Tablette Süßstoff gar keine. Doch wissenschaftlich ist umstritten, wie gesund Süßstoffe wirklich sind. Alles Wissenswerte zum Thema Süßstoffe finden Sie in diesem Beitrag.

Welche Zuckerersatzstoffe gibt es?

Als Zuckeralternativen gibt es die Süßstoffe und die Zuckeraustauschstoffe. Sie unterscheiden sich nicht nur in ihrer Herstellung, sondern vor allem auch im Kaloriengehalt.

Süßstoffe (wie Aspartam, Saccharin und Cyclamat) enthalten so gut wie keine Kalorien. Und dennoch schmecken sie sogar 10- bis 13.000-mal süßer als Zucker (Saccharose) und haben damit eine höhere Süßkraft. Die künstliche Süße finden Sie als Zusatzstoffe in etlichen verarbeiteten Lebensmitteln, so zum Beispiel in Limonaden, Gewürzgurken, Fischmarinaden oder Joghurt. Auf den Zutatenlisten und Etiketten verstecken sie sich meist hinter den E-Nummern. Im Handel sind sie für die Verwendung zu Hause als flüssige Tafelsüße, in Tablettenform oder als Streusüße erhältlich.

Süßstoffe sind für bestimmte Lebensmittel ausdrücklich nur in begrenzten Mengen zugelassen. Sie werden auf chemischem Weg hergestellt beziehungsweise aus Pflanzen oder Mikroorganismen isoliert und dann einzeln oder in Kombinationen verwendet. Im Hinblick auf Karies sollen die Süßstoffe vorteilhafter sein als Zucker – doch wirklich gesund sind auch diese Süßmacher nicht.

Die Zuckeraustauschstoffe (wie Sorbit, Erythrit, Mannit und Xylit) hingegen sind nicht so kalorienarm. Sie sind auch unter dem Namen Zuckeralkohole (mehrwertige Alkohole, Polyole) bekannt. Doch obwohl sie annähernd so viele Kalorien enthalten wie Zucker und eine vergleichbare Süßkraft haben, braucht der Körper beim Abbauen der Zuckeraustauschstoffe kein Insulin. Das ist gerade für Menschen, die an Diabetes leiden und auf ihre Ernährung achten müssen, sehr vorteilhaft.

Hinweis: Diabetiker sollten mit Gesundheitsexperten Rücksprache halten, um zu erfahren, wie viel Zuckerersatzstoffe sie bedenkenlos zu sich nehmen können.

Sind Süßstoffe gesund?

Süßstoffe gelten als kalorienarmer Zuckerersatz. Dennoch ist umstritten, wie gesund sie tatsächlich sind. Sie stehen im Verdacht, Heißhungerattacken zu begünstigen, die Darmflora zu schwächen und sogar krebserregend zu sein.

Süßstoffe erleichtern den Verzicht auf Zucker erheblich. Doch welche Nebenwirkungen gehen mit der Einnahme von Süßstoff tatsächlich einher? © fusssergei | Adobe Stock

Heißhunger durch künstliche Süßstoffe

Light- und Diät-Getränke enthalten Süßstoffe statt normalen Zuckers. Viele Konsumenten berichten von einem starken Verlangen nach Süßem, nachdem sie ein solches Light-Getränk getrunken haben.

Der Grund dafür ist einfach: Süßstoffe stimulieren das Belohnungssystem im Gehirn nicht im gleichen Maße wie Zucker. Die Folge: Der Körper will die ihm zunächst vorgetäuschte Zuckeraufnahme schnell mit echtem Zucker nachholen.

Kein Gewichtsverlust durch Süßstoffe

Studien zeigen, dass es zu keiner konkreten Gewichtsabnahme kommt, wenn Süßstoffe verwendet werden (siehe dazu zum Beispiel Qing Yang et al.: „Gain weight by going diet? Artificial sweeteners and the neurobiology of sugar cravings“). Ursache und Wirkung sind nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich – die beschriebenen Heißhungerattacken könnten den Gewichtsverlust allerdings wesentlich beeinträchtigen.

Allerdings ist auch unklar, inwieweit andere Ernährungstipps während der Untersuchung berücksichtigt wurden. Ernähren sich die Versuchsteilnehmer unabhängig vom Zuckerkonsum ungesund, kann dies die Versuchsergebnisse beeinflussen.

Süßungsmittel statt Zucker – ungünstig für die Magen-Darm-Flora

Außerdem wirken sich künstliche Süßungsmittel in manchen Fällen ungünstig auf die Magen-Darm-Flora aus. Das Problem liegt darin, dass Süßstoffe das Mikrobiom stören. Damit bezeichnen Mediziner die Gesamtheit aller Bakterien, die im Darm leben. Ohne diese Bakterien würde die Verdauung sofort zusammenbrechen. Nach dem Konsum von Süßstoffen pumpt der Darm allerdings mehr Kohlenhydrate ins Blut und der Blutzucker steigt.

Süßstoff als Auslöser von Kopfschmerzen

Auch für Kopfschmerzen soll der Süßstoff verantwortlich sein, das zeigte zumindest eine Untersuchung der Universität von Washington in Seattle (USA), die bereits in den 1990er Jahren stattfand. Insgesamt 32 Probanden erhielten über sieben Tage hinweg täglich entweder 30 mg Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht und Tag oder ein wirkstofffreies Kontrollpräparat (Placebo) (van den Eeden et al., 1994).

An Tagen der Aspartameinnahme hatten 33 Prozent der Probanden Kopfschmerzen, an den Placebotagen nur 24 Prozent. Aufgrund der verhältnismäßig geringen Teilnehmerzahl wird jedoch auch diese Untersuchung von einigen Wissenschaftlern nicht ganz ernst genommen.

Krebsverdacht nicht eindeutig geklärt

Die Liste der Kritikpunkte ist damit jedoch noch nicht beendet: Methanol, das bei der Aspartamaufspaltung im Körper entsteht, zerfällt im Organismus weiter und zwar in Formaldehyd und Ameisensäure. Und Formaldehyd gilt als erbgutverändernde Substanz, die eine Krebserkrankung auslösen kann.

Immer ist ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Aspartam-gesüßten Lebensmitteln und der Entstehung von Krebserkrankungen in Diskussion. So auch aufgrund einer im Jahr 2005 veröffentlichten Studie des Ramazzini-Instituts in Bologna (Italien) (Soffritti et al., 2005).

Wissenschaftler hatten Ratten mit geringen Dosen von Aspartam gefüttert und sie bis zu ihrem natürlichen Tod beobachtet. Dabei stellte sich heraus, dass Tiere, die Aspartam gefressen hatten, häufiger an Lymphdrüsenkrebs und Leukämie erkrankten, als jene, die kein Aspartam bekommen hatten. Andere Untersuchungen wiederum konnten einen Zusammenhang von Aspartam und Krebs nicht bestätigen.

Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich dem Thema angenommen: Die EFSA wertete zahlreiche Studien zu Aspartam aus und kam zu dem Schluss, dass der Süßstoff in geringen Mengen nicht gefährlich sei.

Gut zu wissen: Als gesundheitlich unbedenklich gilt eine tägliche Höchstdosis von 40 Milligramm Aspartam pro Kilogramm Körpergewicht. Um diesen Wert zu überschreiten, müsste laut EFSA zum Beispiel ein 60 Kilo schwerer Erwachsener jeden Tag etwa 4 Liter aspartamhaltige Diät-Limonade trinken.

Solange der Konsum von Süßstoff in einem angemessen Ausmaß erfolgt, ist die Aufnahme nicht gesundheitsschädlich. © Monika Wisniewska | Adobe Stock

Welche Reaktionen löst Süßstoff im Körper aus?

Süßstoff bzw. sein süßer Geschmack entfaltet seine Wirkung bereits auf der Zunge. Dort geschieht eine Reihe von Reaktionen. Der Körper wird darauf vorbereitet, dass er bald etwas Süßes erhält. Die Bauchspeicheldrüse aktiviert die Insulinproduktion.

Die Folge: Weil das Insulin nicht wirklich benötigt wird (der Süßstoff erhöht eben nicht den Blutzuckerspiegel), entsteht Heißhunger. Süßstoff wirkt dabei nicht nur kurz-, sondern auch langfristig appetitanregend. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten bestätigen diese Erkenntnis.

Welche Süßstoffe sind auf dem Markt zugelassen?

Die europäische Union regelt im Lebensmittelrecht, welche Süßstoffe verwendet werden dürfen. Aktuell sind elf Alternativen zum herkömmlichen Haushaltszucker genehmigt. Darunter sind beispielsweise Saccharin, Acesulfam und Cyclamat.

Diese Süßstoffe sind in Europa zugelassen:

  • Acesulfam
  • Advantam
  • Aspartam
  • Aspartam-Acesulfam-Salz
  • Cyclamat
  • Neohesperidin DC
  • Neotam
  • Saccharin
  • Steviolglycoside “Stevia
  • Sucralose
  • Thaumatin

Die meisten dieser Süßungsmittel werden im Labor hergestellt. Einige sind allerdings auch das Ergebnis chemischer Reaktionen oder werden aus Pflanzen gewonnen. Die europäische Union hat außerdem Grenzwerte festgelegt, um zu regeln, wie viel Süßstoff in Lebensmittel enthalten sein darf.

Saccharin (E 954) und Cyclamat (E 952)

Saccharin gilt als die erste erforschte Zuckeralternative. Bereits im 19. Jahrhundert entdeckte ein Forscher während eines Experiments zufällig den Stoff. Dennoch stehen dieser Süßstoff sowie Cyclamat bis heute in der Kritik, weil sie im Tierversuch zu Blasenkrebs führten.

Für den Menschen konnte dies allerdings nicht nachgewiesen werden. Da beide Süßstoffe im Körper nicht abgebaut werden, ist langfristig gesehen jedoch ein gewisses Risiko nicht auszuschließen. Saccharin kann eine Resistenz gegen Antibiotika nach sich ziehen, Cyclamat den Blutdruck erhöhen.

Aspartam (E 951)

Dieser Süßstoff besteht aus den Eiweißbausteinen Phenylalanin und Asparaginsäure – und ist somit eine Phenylalaninquelle. Der menschliche Körper kann diese Stoffe abbauen. Seine gesundheitlichen Risiken werden unterschiedlich bewertet.

Schädliche Auswirkungen lassen sich nicht wirklich ausschließen. Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass er Leiden wie Parkinson, Alzheimer oder Multiple Sklerose verschlechtert. Beim Abbau von Aspartam im Körper entsteht Formaldehyd, das als Nervengift bekannt ist und in Verbindung mit bestimmten anderen Nahrungsbestandteilen süchtig machen kann.

Acesulfam K (E 950)

Hierbei handelt es sich um einen rein synthetischen Süßstoff, der vom Körper aus dem Darm aufgenommen, aber nicht verstoffwechselt wird. Er wird unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden. Dies ist weitestgehend gesundheitlich unbedenklich.

Neohesperidin-Dihydrochalcon / Neohesperidin-DC (E 959)

Dieser Süßstoff stammt aus Zitrusschalen. Er hat einen lakritzähnlichen Beigeschmack und wird meist in Kombination mit anderen Süßstoffen verwendet. Er kann geschmacksverstärkend wirken und bittere Geschmacksnoten überdecken. Der Körper kann Neohesperidin-DC in geringen Mengen aufnehmen und abbauen.

Thaumatin (E 957)

Den Grundstoff für diesen Süßstoff liefern die Beeren der westafrikanischen Katemfefrucht. Thaumatin wird als Eiweißstoff im Körper abgebaut und gilt als gesundheitlich unbedenklich.

Wie gefährlich ist der Süßstoff Aspartam?

Im Jahr 1965 forschte der amerikanische Chemiker James L. Schlatter an einem Mittel gegen Geschwüre: Intensiv experimentierte er mit Aminosäuren. Während der Laborarbeit durchsuchte er eines Tages seine Unterlagen. Um nach einem Blatt zu greifen, leckte er einen Finger ab. Plötzlich wurde er von einem extrem süßen Geschmack überrascht: Per Zufall hatte er einen Süßstoff kreiert, der später als Aspartam bekannt werden sollte.

Aspartam ist einer der bekanntesten Süßstoffe und wird in zahlreichen Lebensmitteln verwendet. Doch wie gesund ist dieser Zuckerersatz? © Zerbor | Adobe Stock

So beliebt ist der Süßstoff

Mittlerweile ist der Stoff weltweit über 9.000 Produkten beigesetzt. Wenn auf einer Lebensmittel-Verpackung „Light“, „Wellness” oder „Zuckerfrei” zu lesen ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie Aspartam zu sich nehmen. Bei Industrie und Verbrauchern ist die Substanz ausgesprochen beliebt: Im Vergleich zu anderen Süßstoffen hat Aspartam keinen bitteren Beigeschmack.

Gut zu wissen: Auch hinter den Bezeichnungen „NutraSweet”, „Canderel” oder „E 951“ verbirgt sich der Süßstoff Aspartam.

Die Wirkung von Aspartam

Seit 1990 ist Aspartam auch in Deutschland zugelassen. Etwa genauso lange herrscht eine gewisse Verunsicherung in der Bevölkerung, denn der Süßstoff steht massiv in der Kritik. Verbraucherschutzorganisationen sagen ihm nach, krebserregend oder schädlich für das Nervensystem zu sein.

Die drei Grundbausteine von Aspartam sind die beiden Aminosäuren Phenylalanin und Asparaginsäure sowie der Alkohol Methanol. Mit der Nahrung aufgenommen, zerfällt Aspartam im Körper in diese drei Ausgangsstoffe.

Aspartam steht im Verdacht, für Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Gedächtnisprobleme verantwortlich zu sein. Darauf deuten zumindest vereinzelte Untersuchungen hin, jedoch gibt es keine Studie, die dies mit großer Probandenzahl bestätigen könnte.

Süßstoffe: Zuckeralternative mit Haken

Süßstoffe enthalten keine Kalorien und haben trotzdem mindestens dieselbe Süßkraft wie Haushaltszucker. Das scheint zu gut um wahr zu sein – und tatsächlich scheint es das auch zu sein. Zumindest weisen Wissenschaftler immer wieder auf die gesundheitlichen Risiken von Zuckeraustauschstoffen hin. So sollen sie die Gewichtsabnahme behindern und die Darmflora schwächen.

Doch für Diabetiker sind die Süßstoffe eine reizvolle Alternative, da sie den Blutzuckerspiegel nicht so hoch treiben wie herkömmlicher Zucker. Doch wie bei allen Genussmitteln sollte auch hier die Menge eingeschränkt werden. Sie wollen im Alltag nicht auf eine gewisse Süße verzichten? Dann greifen Sie vermehrt zu natürlichen Zuckerersatzprodukten wie Agavendicksaft.

Lebensmittelverpackung, Ernährung, Ernährungstipps, Ernährungsirrtümer

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