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Stevia als Süßungsmittel: gesund oder nicht?

(Foto: HandmadePictures - Adobe Stock)

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Immer mehr Verbraucher interessieren sich für den natürlichen Zuckerersatz Stevia. Die wachsende Beliebtheit verdanken Produkte aus dem Kraut nicht nur ihrer bemerkenswerten Süßkraft. Denn verglichen mit Haushaltszucker ist Stevia auch sehr gesund. So enthält das Süßungsmittel keine Kalorien, kann keine Karies auslösen und nimmt weder Einfluss auf den Blutzuckerspiegel noch den Blutdruck. Dennoch gilt es auch bei Stevia Maß zu halten: In zu großen Mengen und für bestimmte Personen bringt die Zuckeralternative pflanzlichen Ursprungs Gefahren für die Gesundheit mit sich.

Steckbrief:

  • Stevia (Stevia rebaudiana bertoni): Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die seit Jahrhunderten als Süßungsmittel verwendet wird
  • Heilwirkung: einzelne Pflanzenteile sollen antioxidativ, leicht antimikromisch, entzündungshemmend und senkend auf Blutzuckerspiegel, Blutdruck und Blutfettwerte wirken
  • Anwendung: Süßstoff in Getränken und Süßigkeiten, Zuckerersatz (Tabletten, Flüssig- bzw. Streusüße) oder getrocknet in Teemischungen
  • Einsatzgebiete: kann in mäßiger Dosierung günstig auf Blutdruck, Bluthochdruck, Blutzucker, Zuckerkrankheit (Diabetes), Übergewicht (Adipositas) und Zähne wirken
  • Inhaltsstoffe: Süßungsmittel ist reich an Zuckeralkoholen (Steviolglycoside darunter v.a. Stevioside), Pflanzenteile enthalten außerdem Vitamin C, Flavonoide, Phenole und Folsäure
Ein Häufchen Stevia-Pulver und ein Blatt
Stevia Süßstoff und Lebensmittel mit Stevia gibt es mittlerweile in jedem Supermarkt zu kaufen © Adobe Stock – schmaelterphoto

Was ist Stevia?

Stevia (Stevia rebaudiana bertoni) wird auch als Süßkraut oder Honigkraut bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Pflanze mit stark süß-schmeckenden Blättern, die in Mittelamerika seit Jahrhunderten als Süßungsmittel Verwendung findet.

Als Ersatz für Haushaltszucker sind Erzeugnisse aus Stevia-Blättern auch hierzulande beliebt. Unter dem Namen Stevia und mit der E-Nummer E 960 findet sich das Süßungsmittel sowohl in Getränken, Süßigkeiten und Joghurts als auch in speziellen Zuckerersatz-Produkten in Form von Flüssigsüße, Pulver oder Tabletten.

Der Lebensmittelzusatzstoff aus Stevia hat dabei aber nur noch entfernt etwas mit der Pflanze zu tun: In den Blättern von Stevia rebaudiana bertoni wurden bis zu zehn natürliche Süßstoffe beziehungsweise Zuckeralkohole (Steviolglykoside) entdeckt. Für die Alternative zu Zucker werden diese mit einem komplexen Verfahren aus den Blättern der Pflanze extrahiert.

Den größten Anteil macht im Endprodukt eine bestimmte Gruppe an Steviolglycosiden aus: Steviosid. Daher kennen Sie Pulver, Tabletten und Flüssigsüße aus Stevia möglicherweise auch unter dem Namen Steviosid. Egal ob unter der Bezeichnung Stevia oder Steviosid: das Endergebnis ist bis zu 300-mal süßer als Zucker. Doch nicht nur das, Stevia ist auch in vielerlei Hinsichten gesund.

Ist Stevia gesund?

Bei Einhaltung der empfohlenen Tageshöchstdosis von 4 Milligramm Stevia pro Kilogramm Körpergewicht gilt der Zuckerersatz Stevia als gesund und sicher. Vor allem verglichen mit Haushaltszucker bringt das natürliche Süßungsmittel einige Zugewinne für die Gesundheit mit sich. Unverarbeitet gilt Stevia in anderen Ländern sogar als Heilpflanze. In Deutschland hat Stevia allerdings nur in Form des industriell verarbeiteten Lebensmittelzusatzstoffes E 960 eine Zulassung. Einzig in Teemischungen dürfen auch Stevia-Blätter enthalten sein.

Ist Stevia als Pflanze gesund?

Extrakte aus Stevia-Blättern sollen Studien zufolge entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Ferner hat sich gezeigt, dass Pflanzenteile von Stevia rebaudiana bertoni das Wachstum einzelner Keime eindämmen können.

Bislang ist allerdings unklar, ob diesen potenziell gesundheitsförderlichen Effekten von Stevia rebaudiana bertoni auch weniger gesunde Wirkungen gegenüberstehen. Risiken und Nutzen von Stevia als Heilpflanze stehen daher in der EU auf dem Prüfstand. Außerdem gilt es zu erforschen, welche der enthaltenen bioaktiven Stoffe die Wirkung der Stevia-Blätter erklärt. Nachgewiesen sind neben Steviolglycosiden wie Steviosid auch diese Inhaltsstoffe:

Wissenschaftler diskutieren potenziell gesundheitsförderliche Effekte vor allem für Phenole und Flavonoide. Doch auch die extrahierten Glykoside aus den Blättern von Stevia sind gesund.

Kann Stevia auch als Süßungsmittel gesund sein?

Das Süßungsmittel Stevia beinhaltete vor allem Steviosid. Dieser natürliche Süßstoff ist nicht nur um ein Hundertfaches süßer als herkömmlicher Haushalszucker, er soll Studien zufolge auch einige gesunde Effekte von Stevia verantworten.

So ließ sich vielfach zeigen, dass Steviosid kalorienfrei ist und daher keinen Einfluss auf den Blutzucker nimmt. Das liegt daran, dass der Körper Stevia nicht verarbeitet (wie es bei Industriezucker üblich ist), sondern es einfach wieder ausscheidet. Blutzuckerspiegel und Blutfettwerte bleiben nach der Gabe des Stoffs in der Regel gänzlich unverändert. Das macht Stevia zu einer gesunden Zuckeralternative.

Für wen kann Stevia als Süßstoff besonders gesund sein?

Gerade bei Patienten mit Bluthochdruck, Übergewicht (Adipositas) oder Diabetes Typ 2 kann Stevia gesund sein. So steht der Zuckerersatz unter Verdacht Folgeerscheinungen dieser Erkrankungen (Insulin-Resistenz, metabolisches Syndrom) einzudämmen.

Da allerdings auch Belege dafür vorliegen, dass Stevia bei Personen mit Übergewicht und Diabetes kontraproduktiv wirkt, sind hier noch Folgestudien nötig. Verglichen mit dem fortgesetzten Konsum großer Mengen an Zucker oder chemischen Fertigsüßstoffen, bringt die Süße aus Stevia aber allemal Vorteile mit – sei es für Personen mit oder ohne diese Vorerkrankungen.

Ist der Fertigsüßstoff Stevia so gesund wie andere Süßstoffe?

Stevia ist verglichen mit anderen handelsüblichen Süßstoffen sehr gesund. Birkenzucker (Xylit) beispielsweise ist – anders als Stevia – nicht kalorienfrei. Aspartam hingegen hat keinen pflanzlichen Ursprung, sondern ist ein Chemieprodukt. Einzig Erythrit hat genau wie Stevia eine natürliche Herkunft und keine Kalorien.

Achtung: Weil sie keine Kalorien enthalten und aus der Natur stammen, scheinen Stevia und Erythrit am besten als natürliches und gesundes Mittel zum Süßen geeignet. Dennoch hängt es immer vom konkreten Produkt ab, ob es wirklich kalorienfrei ist.

In Streusüße aus Stevia beispielsweise wird häufig auch Haushaltszucker beigemischt, weil sich so der gewohnte Geschmack von Zucker besser herstellen lässt. Auch in zuckerarmer Cola oder anderen Softdrinks lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste, um festzustellen, ob das Produkt nicht doch Kalorien enthält.

Ist Stevia genauso gesund oder gesünder als Zucker?

Im postmodernen industrialisierten Zeitalter essen die Menschen viel zu viele Lebensmittel mit großen Mengen an raffiniertem Zucker. Über die Jahre zeigte sich jedoch, dass Haushaltszucker mit einer Vielzahl an Krankheiten in Verbindung steht und einige Nachteile mit sich bringt. Stevia hingegen scheint nicht mit diesen Risiken behaftet zu sein.

Folgende gesundheitliche Nachteile soll der übermäßige Konsum von Zucker in Lebensmitteln – nicht aber Stevia – mit sich bringen:

  • Zucker kann Karies verursachen, Stevia wirkt wie Xylit nicht auf die Zähne und ist daher ein gesundes Süßungsmittel für Zahnpasta oder Mundwasser.
  • Zucker kann den Blutzucker erhöhen und damit Diabetes begünstigen. Stevia hingegen soll überhaupt keinen Einfluss auf den Blutzucker nehmen. Damit ist Stevia in Maßen gesund für Diabetiker, die immer sehr stark auf ihren Blutzuckerspiegel achten müssen.
  • Haushaltszucker nimmt Einfluss auf den Blutdruck und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Für Stevia ist ein solcher Effekt nicht bekannt.

Deutlich wird: Vor allem bei Diabetes oder Bluthochdruck kann die Süße aus Stevia eine gesunde Alternative sein. Doch auch, wer seinen Zähnen etwas Gutes tun oder sein Körpergewicht ein wenig reduzieren möchte, kann von dem Süßungsmittel profitieren. Besser als Haushaltszucker ist Stevia in dieser Hinsicht allemal. Aufgrund potenziell schädlicher Effekte bei übermäßigem Konsum von Stevia sollte allerdings auch hier Maß gehalten werden.

Wann und für wen ist Stevia nicht gesund?

Einzelne Studien legen nahe, dass ein übermäßiger Verzehr von Zuckeralternativen aus Stevia krebserregend sein kann. Auch allergische Reaktionen oder Darmprobleme durch Stevia sind nicht auszuschließen, weshalb zur Einhaltung der tägliche Höchstdosis geraten ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich zusammen mit der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen auf eine empfohlene tägliche Maximaldosis von 4 Milligramm Stevia pro Kilogramm Körpergewicht geeinigt. Bei einem Körpergewicht von 60 Kilogramm sind Mengen von unter 240 Milligramm Stevia pro Tag also unbedenklich.

Bezogen auf die krebsauslösenden Effekte geben Forscher mittlerweile Entwarnung. Ergebnisse einer groß angelegten Übersichtsarbeit konnten keine genschädlichen (genotoxischen) und krebsauslösenden Effekte von Steviolglykosiden feststellen.

Viel wahrscheinlicher ist eine allergische Reaktion auf Stevia. Denn die Pflanze gehört der Familie der Korbblütler an und viele Menschen reagieren auf Vertreter dieser botanischen Gruppe allergisch. Testen Sie Präparate daher immer erst einmal in kleinen Dosen und warten Sie potenzielle unerwünschte Körperreaktionen ab. Bei einem übermäßigen Verzehr von Stevia ist es zudem – genau wie bei anderen Süßstoffen – möglich, dass Darmbeschwerden wie Durchfall auftreten.

Achtung: Wegen der starken Süßkraft braucht es zwar nur geringe Mengen Stevia, um Speisen zu süßen, dennoch kann bei Kombination verschiedener Lebensmittel mit Stevia die tägliche Höchstdosis überschritten werden. Achten Sie daher vor allem bei Kindern darauf, dass Stevia nur in Maßen gegessen wird. In Teemischungen kann Stevia auch ohne spezielle Kennzeichnung enthalten sein. Studieren Sie die Zutatenliste von potenziell gesüßter Nahrung daher immer sorgfältig, damit Stevia für Sie und Ihre Familie angemessen dosiert und damit gesund ist.

Wie sieht eine gesunde Ernährung mit Stevia aus?

Stevia kann ein Schlüssel zu einer kalorienarmen und damit gesunden Ernährung sein. Vor allem als Ersatz für Haushaltszucker beim Kochen oder Backen ist Stevia geeignet. Dabei gilt es allerdings einige Besonderheiten des Süßungsmittels zu beachten. Produkte aus Honigkraut sind wasserlöslich und bis zu Temperaturen von 200 Grad hitzebeständig. Verglichen mit Zucker, erzielen Sie beim Backen mit Stevia allerdings nicht die gewohnte Bräunung von Kuchen oder Gebäck.

Auch die Dosierung beim Kochen und Backen kann sich stark vom klassischen Zucker unterscheiden. Je nachdem, ob Sie auf Flüssigsüße oder Streusüße aus Stevia zurückgreifen, sollten Sie daher Rezepte suchen, die sich mit dem Süßstoff bereits bewährt haben. Alternativ besteht auch die Möglichkeit zur Nutzung spezieller Rechner im Internet, um Mengenangaben von Zucker in Stevia umzurechnen. Sie werden überrascht sein: Meist brauchen Sie erheblich weniger Stevia als beim selben Rezept mit Zucker.

Vorsicht: Achten Sie beim Einsatz von Stevia in der Küche unbedingt auf die Einhaltung der empfohlenen Tageshöchstdosis der EU. Nur so kann Stevia eine gesunde Ergänzung Ihrer Ernährung sein.
Tee in Tassen mit Kanne
In der Küche und als Süße in Tee und Kaffee brauchen Sie meist erheblich weniger Stevia als beim selben Rezept mit Zucker. © Luftbildfotograf - Fotolia

Fazit: Stevia – verglichen mit Haushaltszucker oder Aspartam durchaus gesund

Stevia hat sich in den letzten Jahren in deutschen Supermärkten, Reformhäusern und Drogerien verbreitet. Der Grund: Diese industrielle Aufbereitung der Stevia-Blätter enthält – anders als herkömmlicher Zucker – keine Kalorien und wird vom Körper ausgeschieden, ohne Einfluss auf Zähne, Blutzucker oder Blutdruck zu nehmen.

Daher gilt die Süße aus Stevia als gesunde Alternative zum klassischen Haushaltszucker oder Süßungsmitteln chemischen Ursprungs (z. B. Aspartam). Eine Menge von 4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht sollte dennoch eingehalten werden, damit Stevia als gesund gilt.

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