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Entzündliche Darmerkrankungen: Sofort unter Kontrolle bringen

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Gereizter Magen, gereizter Darm, aufgeblähter Bauch, mal Verstopfung, mal Durchfall: So reagieren immer mehr Menschen auf Ärger, Termindruck und Stress. Ihre Lebensqualität wird dadurch enorm beeinträchtigt. Chronisch entzündliche Darmkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind unaufhörlich auf dem Vormarsch.

Zu Beginn der Erkrankung gehen die meisten wegen Durchfalls zum Arzt. Sie glauben, es handele sich um eine harmlose Erscheinung und erwarten, dass die Beschwerden rasch wieder vorbei gehen. Das tun sie manchmal auch, aber nur um nach einer Weile wieder aufzutauchen. Denn die Krankheit verläuft in Schüben. Der Arzt wird als erstes nach einer Lebensmittelvergiftung oder einer Infektion fahnden. Oft stehen jedoch andere Symptome im Vordergrund, die scheinbar nichts mit den Darmproblemen zu tun haben. Dann nährt sich der Verdacht auf eine chronische Darmentzündung.

Entzündliche Darmerkrankungen
© Sebastian Kaulitzki - Fotolia

Eine klare Diagnose ist oft schwierig

Obwohl immer wiederkehrender Durchfall und Bauchkrämpfe den Verdacht auf eine chronische Darmentzündung nahe legen, dauert es dennoch oft sehr lange, bis die Diagnose feststeht. Man schätzt, dass 200.000 bis 400.000 Bundesbürger unter chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn leiden. Bei der Colitis ulcerosa ist fast ausschließlich der Dickdarm beziehungsweise ein Teil davon entzündet. Beim Morbus Crohn können sich die Entzündungsherde im gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befinden.

Während der Morbus Crohn mehr Frauen betrifft, liegen Männer bei der Colitis ulcerosa an der Spitze. Warum sich der Darm auf diese Weise chronisch entzünden kann, ist bislang noch ungeklärt. Sicher ist inzwischen, dass es sich um eine Schwäche des Immunsystems (Autoimmunerkrankung) handelt. Dabei attackiert das Immunsystem plötzlich aus unbekannten Gründen die Zellen der Darmschleimhaut und schädigt sie nachhaltig.

Typische Symptome für Morbus Crohn

  • Augen: Bindehautentzündungen (Konjunktivitis, Uveitis)
  • Gelenke: Arthritis, Morbus Bechterew
  • Haut: vorübergehende rote Flecken auf der Haut, Erythema nodosum (spezielle Form der Dermatitis), Pyoderma gangraenosum (Dermatitis ulcerosa), chronisch vegetierende Pyodermie (durch Bakterien verursachte schwere Hauterkrankung)
  • Geschlechtsbereich: kleine Geschwüre, Hautirritationen
  • Lunge: granulomatöse Entzündung, bei der sich aus den entzündeten Zellen kleine Knötchen bilden
  • Bauchspeicheldrüse: granulomatöse Entzündung, bei der sich aus den entzündeten Zellen kleine Knötchen bilden

Reizdarmsyndrom: Psychotherapie kann helfen

Das Reizdarmsyndrom ist eine Störung im Verdauungstrakt. Betroffen sind überwiegend Frauen, Männer seltener. Organische Ursachen gibt es für die Erkrankung fast nie. Auslöser dagegen können Stress und Angst sein und hier wiederum könnte ein Hebel zur Linderung der Beschwerden sitzen. Wissenschaftler des Vanderbilt University Medical Center haben diese Annahme nun in einer Meta-Studie bestätigt. Die Forscher werteten über 40 Studien aus, an denen fast 2.300 Patienten teilgenommen hatten. Es zeigte sich, dass die Symptome sich bei denjenigen deutlich verbesserten, die sich psychologisch behandeln ließen.

Sowohl kognitive Verhaltenstherapie, Entspannung, Hypnose, aber auch Online-Therapieformen zeigten sich effektiv in der Bekämpfung des Reizdarms. Frühere Studien hatten schon gezeigt, dass am besten die dynamische Psychotherapie hilft. Diese lindert bei mehr als der Hälfte der Betroffenen die Beschwerden. Die Forscher sehen daher in dieser Therapieform die Möglichkeit, den Teufelskreis aus Verdauungsbeschwerden, Stress und Angst vor Verdauungsbeschwerden und neuen Verdauungsbeschwerden zu durchbrechen.

Akupunktur beruhigt die Darm-Nerven

Wissenschaftler der Universität Heidelberg haben die Wirksamkeit der Akupunktur beim Reizdarmsyndrom bewiesen. Kennzeichen der Krankheit sind ein schmerzhaftes Spannungsgefühl im Bauch sowie chronischer Durchfall, der oft im Wechsel mit Verstopfung einhergeht. Die Ursachen sind bisher unklar, allerdings scheint eine Störung im autonomen (vegetativen) Nervensystem daran beteiligt zu sein. Jeweils 43 Patienten wurden in der Studie entweder mit „echten“ Akupunkturnadeln oder Placebo-Nadeln behandelt, die nicht in tiefere Gewebeschichten eindringen.

Menschlicher Darmtrakt - in Illustration hervorgehoben

Das ist der Unterschied zwischen Colitis Ulcerosa und Morbus CrohnDie beiden Entzündungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn werden immer in einem Atemzug genannt, sind jedoch zwei unterschiedliche Erkrankungen. › mehr lesen

Das Ergebnis: Die „echte“ Akupunktur konnte die Überaktivität des autonomen Nervensystems um durchschnittlich 50 Prozent bremsen. In der Placebo-Gruppe betrug der Rückgang dagegen nur etwa 25 Prozent. Die Patienten berichteten außerdem von weniger Schmerzen. In der Studie wurde fünf Wochen lang jeweils zweimal wöchentlich akupunktiert. Falls auch Sie an einem Reizdarm leiden, ist die Akupunktur eine neue Alternative für Sie. Die belastenden Beschwerden sprechen auf andere Therapien oft nur unzureichend an. Allerdings übernimmt die Krankenkasse die Kosten in der Regel nicht.

Stress schlägt auf den Magen!

Wann immer sie etwas bedrückt und belastet, taucht es irgendwo als Problem zwischen Speiseröhre und Enddarm wieder auf. Da, wo alles im dopptelten Sinne Hinuntergeschluckte verarbeitet wird. Der direkte Draht zwischen Stress und Bauch ist inzwischen sogar wissenschaftlich nachgewiesen und als Bauchgehirn aktenkundig geworden. Zwei Nervenstränge, der Vagus und der Sympathikus, verbinden Gehirn und Eingeweide. Wenn Ihre innere Anspannung ansteigt, überschüttet Ihr Gehirn den Verdauungsapparat mit Neurotransmittern und Hormonen.

Der Teufelskreis

Je nach persönlicher Schwachstelle hat das unterschiedliche Folgen: Mal verlangsamt sich die Verdauungsarbeit, mal verkrampft sich die Muskulatur, mal bildet sich zu viel Säure im Magen. Mal reagiert der Magen nervös, mal der Darm. Je stärker das subjektive Stressempfinden, desto mehr biochemische Stressstoffe schüttet der Körper aus: ein Teufelskreis. Jedoch keiner, der sich nicht durchbrechen lässt.

Die meisten Darmprobleme haben keine organische Ursache. Fast ein Drittel aller Menschen, die den Hausarzt aufsuchen, klagen über Magen- und Darmprobleme. Die meisten leiden unter funktionellen Beschwerden. Hier lassen sich keinerlei organische Veränderungen aufspüren, welche die Symptome erklären könnten. Das heißt, die Organe sind völlig gesund. Bei näherem Besehen stellen die Ärzte oft fest, dass es im Leben der betroffenen Person Probleme gibt. Auf diese Spannungen reagiert dann der Verdauungstrakt mit Symptomen. Hektik, Unruhe, Überarbeitung, zu wenig Schlaf, Angstzustände, Probleme mit den Tagen vor den Tagen: All das kann den Magen- und Darmtrakt nervös machen. Die Amerikaner nennen dieses Erscheinungsbild denn auch „unhappy colon” (unglücklicher Darm).

Funktionelle Dyspepsie lässt den Magen stöhnen

Die häufigste Störung des Magens ist der Reizmagen, medizinisch als funktionelle Dyspepsie bezeichnet. Er äußert sich durch Magendruck, Völlegefühl, Aufstoßen und Übelkeit, die sich bis zum Erbrechen steigern kann. Manchmal fühlt sich der Magen dann auch ganz hart an. Das ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne. Ursache ist weder ein Zuviel an Magensäure noch der Magenkeim Helicobacter pylori, sondern eine Funktionsstörung des Magens. Die Beweglichkeit von Magen und Darm ist dabei beeinträchtigt.

Diese nicht willentlich steuerbaren, rhythmischen Bewegungsabläufe sorgen für den Transport des Speisebreis von der Speiseröhre zum Zwölffingerdarm, für die Zerkleinerung und Durchmischung mit Verdauungssäften. Eine Störung dieses sorgfältig abgestimmten Systems kann sich dann so anfühlen, als läge einem ein Stein im Magen. Bleibt der Speisebrei liegen, kommt es zu Fäulnisprozessen mit Blähungen und Krämpfen. Zur medikamentösen Behandlung werden heute vor allem Mittel verordnet, die die Eigenbewegung von Magen und Darm normalisieren.

Stressabbau als wichtigste Maßnahme

Medikamentös werden Mittel gegen Krämpfe eingesetzt. Viel wichtiger aber ist es, dass Sie Stress abbauen, wenn Magen und Darm auf diese Weise rebellieren. Regelmäßige Bewegung und regelmäßige, in Ruhe eingenommene Mahlzeiten sowie ausreichend Ruhepausen und das regelmäßige Ausüben von Entspannungsverfahren sind für Reizdarm- und Reizmagen-Geschädigte das A und O. Hilfreiche Kräuter (z. B. als Tee) sind Kamille, Kümmel und Schafgarbe. Bei Bauchweh versuchen Sie es mit feuchtwarmen Bauchwickeln und Zubereitungen zum Beispiel aus Schöllkraut, Kümmel und anderen Heilkräutern. Hier gibt es verschiedene bewährte pflanzliche Präparate, nach denen Sie in der Apotheke fragen sollten.

Probieren Sie einmal aus, ob kurzfristiges Heilfasten Ihnen Linderung verschafft. Dabei sollten Sie natürlich vorher den Rat Ihres Arztes einholen. Manchmal werden bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, die Sie dann konsequent meiden sollten. Auch homöopathische Zubereitungen sind häufig erfolgreich. Positive Erfahrungen werden ebenso mit chinesischer Pflanzenmedizin (lassen Sie sich von einem erfahrenen Therapeuten behandeln und kaufen Sie keine Mittel im Internet), Ozontherapie, Eigenblutbehandlung, Akupunktur und Entspannungsmethoden gemacht.

Chronische Gastritis: Brokkoli vertreibt Magenkeime

Bei den über 50-Jährigen leidet in Deutschland fast jeder Zweite an einer chronischen Entzündung der Magenschleimhaut, die sich durch gelegentliches Völlegefühl, Magendrücken oder Aufstoßen äußern kann. Sehr häufig wird eine solche chronische Gastritis durch eine Infektion mit dem Keim Helicobacter verursacht, und Ärzte verordnen dann zwei verschiedene Antibiotika, um das Bakterium auszurotten.

Forscher der Johns Hopkins Universität in Baltimore (USA) konnten nachweisen, dass Brokkolisprossen den Magenkeim ebenso wirkungsvoll vertreiben können wie ein Antibiotikum. Die Wisenschaftler hatten 48 mit dem Magenkeim infizierten Patienten täglich 70 g Brokkolisprossen und einer Kontrollgruppe Alfalfasprossen verabreicht. Acht Wochen später hatte sich die Keimzahl in der Brokkoli-Gruppe deutlich verringert. Bei der Kontrollgruppe gab es keine Veränderung. Die keimtötende Wirkung der Brokkolisprossen erklären die Wissenschaftler mit einer speziellen Schwefelverbindung (Sulforaphan), die in diesen Keimen enthalten ist.

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