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Darmspiegelung: Aktive Prävention von Darmkrebs

Viele Menschen gehen nicht zur Darmspiegelung, weil sie Angst vor Komplikationen haben. Doch ist diese Furcht tatsächlich begründet? (Foto: DOC RABE Media - Fotolia)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Informationen zur Darmspiegelung

Definition: Untersuchung des Darms auf krankhafte Veränderungen (z. B. Polypen, Darmkrebs)

Durchführung: Vorgespräch, Einnahme von Abführmittel, Einnahme eines Beruhigungsmittels, Einführung Koloskop, Nachbesprechung

Gefahren: Sehr gering, keine Schmerzen für den Patienten

Bedeutung: Effektive Vorsorge gegen Darmkrebs

Bewertung: Trotz Vorbereitung lohnt sich die Darmspiegelung ungemein und kann Leben retten

Definition: Was ist eine Darmspiegelung?

Bei einer Darmspiegelung handelt es sich um eine Untersuchung des Darms, genauer des Dickdarms. Diese wird durch Einführung eines biegsamen Sichtrohrs, einem sogenannten Koloskop, durchgeführt. Auch die Untersuchung des Enddarms inklusive Rektum (Körperausgang) gehört zu einer Darmspiegelung dazu. Der Arzt untersucht die Darmwände auf Veränderungen, die auf Krankheiten wie Darmkrebs hindeuten können. Die Darmspiegelung ist ein wichtiges Vorsorge-Instrument gegen eine Krebserkrankung im Dickdarm.

Was ist ein Koloskop?

Unter einem Koloskop versteht man ein Sichtrohr oder Endoskop, welches zur minimal-invasiven Untersuchung des Körperinneren verwendet werden kann. Ohne dass der Arzt den Patienten aufschneiden muss, kann er das Körperinnere via Koloskopie untersuchen. Auch eine Narkose ist grundsätzlich nicht notwendig, wenn auch bei der Darmspiegelung regulär ein Beruhigungsmittel eingesetzt wird. 

Das Koloskop sieht aus wie ein langer, biegsamer Schlauch, der an seiner Spitze eine Kamera und zwei Lampen besitzt. Darüber hinaus besitzt das Koloskop eine Metallschlinge und einen Greifer, um entdeckte Darmkrebs-Polypen abzutrennen und aus dem Körper hinauszubefördern. Der Begriff Spiegelung meint im Zusammenhang mit dem Endoskop die vollständige Durchsicht des Organs und Kontrolle auf krankhafte Unregelmäßigkeiten.

Ablauf Koloskopie: Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Die Darmspiegelung gliedert sich in verschiedene Abschnitte, die nicht bloß den eigentlichen Vorgang selbst umfassen. Diese reichen von einer Vorbereitung der Untersuchung zwei Tage zuvor, über ein Vorgespräch, die Darmspiegelung selbst, bis hin zu einer Nachbesprechung.

Darmspiegelung Vorbereitung

Vor der Spiegelung muss zuerst der Darm entleert werden, denn sonst kann der Arzt ihn mit dem Endoskop nicht untersuchen. Dies umfasst allerdings eine vollständige Entleerung, denn selbst kleine Rückstände lassen den Arzt die Darmschleimhaut nicht zuverlässig beurteilen. Einen Tag vor der Untersuchung stellt der Arzt ein spezielles Abführmittel zur Verfügung, das den Darm gründlich von Speise- und Kotresten befreit.

Darmspiegelung Ernährung

24 Stunden vor der Untersuchung sollte der Patient nichts essen, was schwer verdaulich ist. Gleichzeitig sollte ab Mittag des Vortages der Untersuchung keine feste Mahlzeit mehr zu sich genommen werden. Lebensmittel mit Körnern sollten generell vermieden werden.

Am Abend vor der Darmspiegelung erfolgt die Darmentleerung. Der Patient trinkt 1 bis 2 Liter des Abführmittels (Fruchtgeschmack) und wiederholt dies am folgenden Morgen. Dieser Teil ist der unangenehmste Part der ganzen Angelegenheit, denn es kann zu heftigen durchfallartigen Entleerungen kommen.

Was darf man vor einer Darmspiegelung essen und trinken?

Der Mythos, vor einer Darmspiegelung dürfe man den ganzen Tag nichts essen, ist falsch. Es sollte lediglich auf schwere und später feste Nahrung verzichtet werden. Leicht verdauliche Nahrung stellt kein Problem dar. Darüber hinaus können klare und helle Flüssigkeiten getrunken werden, darunter Wasser, Kamillen- und Fencheltee, klarer Apfelsaft, verdünnte Säfte, aber auch Brühe. Gegen das Hungergefühl hilft unter Umständen Kaugummi-kauen, falls durch die viele Flüssigkeit nicht sowieso der Hunger gestillt wird. Ab 2 Stunden vor der Untersuchung sollte auch auf Kaugummis verzichtet werden.

Essen Darmspiegelung Verdauung

Darmspiegelung Vorgespräch

Vor der Untersuchung bespricht der behandelnde Arzt alle folgenden Schritte und klärt über den Verlauf der Untersuchung auf. Dabei können eventuelle Ängste und Sorgen besprochen werden.

Ablauf der Darmspiegelung selbst

Bei der eigentlichen Darmspiegelung schiebt der Arzt das Koloskop mithilfe eines Gleitmittels durch den Dickdarm und betrachtet aufmerksam die Darmwände. Vor der Darmspiegelung kann ein Beruhigungsmittel über einen Venenzugang gereicht werden, das den Patienten eindämmern lässt. Unmittelbar nach der Untersuchung ist er wieder hellwach. Darmspiegelungen werden heute meistens ambulant in einer Arztpraxis oder Klinik durchgeführt.

Neben einer Spiegelung des gesamten Dickdarms (typische Darmspiegelung) kann auch eine „kleine” Darmspiegelung durchgeführt werden. Sie wird Sigmoidoskopie genannt und fokussiert sich auf das letzte Drittel des Dickdarms. Dort treten statistisch die meisten Polypen auf. Als Standard-Untersuchung ist sie nicht immer geeignet, bietet aber bei Nachuntersuchungen die Möglichkeit, die umfangreiche Vorbereitungsprozedur zu reduzieren.

Krebsvorsorge-Termin im Kalender eingetragen

Darmkrebs: 3 Typen von PolypenGrundsätzlich werden Polypen bei Erwachsenen wie im Artikel beschrieben in 3 verschiedene Typen eingeteilt. Lesen Sie hier mehr zum Thema. › mehr lesen

Darmspiegelung Nachbereitung

Nach der Untersuchung bespricht der Arzt die Ergebnisse der Koloskopie mit dem Patienten. Gab es während der Darmspiegelung Auffälligkeiten, werden diese zur näheren Untersuchung in ein Labor geschickt. In diesem Fall werden auch eventuelle Folgen einer Darmkrebs-Diagnose besprochen, sowie ein weiteres Vorgehen im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen und einer Behandlung.

Nach der Darmspiegelung sollte der Patient nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen, sofern ein Beruhigungsmittel verabreicht wurde. Es lohnt sich daher eine Begleitperson mitzunehmen.

Wie lange dauert eine Darmspiegelung?

In der Regel ist eine Darmspiegelung innerhalb von 20 bis 30 Minuten erledigt. Inklusive eines Vorgesprächs, einer Nachbesprechung und der Vor- und Nachbehandlung der eigentlichen Behandlung beläuft sich der ganze Termin auf ca. 2 Stunden.

Arten einer Darmspiegelung

Darmspiegelung bekämpft Darmkrebs

Darmkrebs ist eine der in Deutschland häufigsten Krebsarten. Die Tumore im Darm entstehen aus Polypen, die sich mit der Zeit weiterentwickeln. Die Darmspiegelung erweist sich diesbezüglich als eine sehr gute Maßnahme zur Prävention. Ergebnisse der Experten des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), ansässig in Heidelberg, unterstreichen die Wirksamkeit zur Früherkennung von Darmkrebs.

Darmspiegelung: Wichtig, um Krankheiten vorzubeugen

In Deutschland werden jedes Jahr etwa 63.000 weitere Menschen mit Darmkrebs diagnostiziert. Durch eine regelmäßige Koloskopie könnten zahlreiche Neuerkrankungen jährlich verhindert werden. Die Experten des DKFZ berechneten auf Basis einer Formel, dass eine Reduzierung um 25 Prozent erzielt werden kann. Dies sind immerhin 16.000 Diagnosen weniger. Die zugrundeliegende Formel bezog Sterberate, Häufigkeit und zeitlicher Rahmen der Krebsweiterentwicklung mit ein; die Ergebnisse gelten als zuverlässig und wurden bis zum Jahre 2045 hochgerechnet.

Durch Veröffentlichung der Ergebnisse hoffen die Forscher darauf, dass mehr Menschen die Vorsorgeuntersuchung für die Früherkennung nutzen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung macht hiervor Gebrauch und geht damit ein unnötiges Risiko ein. Oftmals aus den völlig falschen Gründen wie Scham.

Darmkrebs Vorsorge mit Koloskopie

Jeder niedergelassene Arzt kann als ersten Teil der Vorsorge eine rektale Austastung durchführen. Der Frauenarzt führt dies beispielsweise im Rahmen der generellen Krebsvorsorge durch. Leider ist diese Präventionsmaßnahme nicht ausreichend. Hintergrund: Krebs kann auch in höheren Darmabschnitten wie dem Dickdarm wachsen. Der Hämoccult-Test, der von der Krankenkasse einmal im Jahr übernommen wird, ist ebenfalls nicht ausreichend. Obwohl der Test nicht sichtbares Blut beim Stuhlgang nachweisen soll, haben verschiedene Studien ergeben, dass die Fehlerquote sehr hoch ist. Bis zu 61% der Darmpolypen, die Hauptursache für den Darmkrebs, werden bei diesen beiden Maßnahmen zur Früherkennung schlichtweg übersehen.

Um bei der Darmkrebsvorsorge wirkliche Gewissheit zu erlangen, bleibt also nur die Koloskopie. Diese bietet die beste Chance, entsprechende Darmkrebsvorstufen zu entdecken und während des Eingriffs direkt mit zu entfernen. Es wird für Menschen, die kein erhöhtes Risiko besitzen, empfohlen, dass diese Maßnahme zur Früherkennung regelmäßig in einem Turnus von 10 Jahren durchgeführt wird. Ab dem 55. Lebensjahr übernehmen die Krankenkassen diese Präventionsmaßnahme.

Ist eine Darmspiegelung schmerzhaft?

Viele Patienten entwickeln Scham- und Angstgefühle im Zusammenhang mit einer Darmspiegelung. Allerdings verläuft die Untersuchung in der Regel schmerzfrei. Zum Einführen des Koloskops verwendet der Arzt ein Gleitmittel, zudem verabreicht der Arzt dem Patienten optional ein Beruhigungsmittel. Dadurch bekommen Patienten, die das Koloskop als unangenehm empfinden, nur wenig von der Untersuchung mit.

Wie gefährlich ist eine Darmspiegelung?

Da der behandelnde Arzt lediglich ein langes Instrument in den Darm einführt, um diesen zu untersuchen, besteht keine unmittelbare Gefahr. Sollte er bei seiner Untersuchung Anzeichen auf Darmkrebs, in Form von Polypen, entdecken, wird er diese direkt entfernen, um sie anschließend näher untersuchen zu können. Dabei kann es zu Blutungen kommen, die jedoch keine Komplikationen verursachen. Sollte ein Patient blutverdünnende Medikamente einnehmen, muss dies allerdings mit dem Arzt besprochen werden. Ein Durchstoßen der Darmwand ist ebenfalls sehr unwahrscheinlich. Entsprechend ist die Darmspiegelung ein sicheres Verfahren, welches zudem noch schmerzfrei ist.

Wie sicher ist die Darmspiegelung wirklich?

Viele Patienten haben vor der Koloskopie Bedenken oder verspüren gar eine Angst. Daher ging das Krebsregister Saarland und das DKFZ den Bedenken auf den Grund. Im Fokus stand die Erforschung von etwaigen Komplikationen vor beziehungsweise nach dem Eingriff. Zu diesem Thema fand eine Befragung von 5.200 Patienten sowie deren Ärzte, die die Behandlung durchführten, statt. Um ein entsprechend vollständiges Bild zu erhalten, wurde die Befragung nicht nur direkt nach dem Eingriff durchgeführt, sondern auch noch mal vier Wochen später. Lediglich 20 befragte Personen, also 0,38% der Patienten, hatten entsprechende Komplikationen. Diese traten primär in der Form von nachfolgenden Blutungen auf. Die Angst vor der Koloskopie ist also unbegründet. 

Die gefürchtete Darmperforation

Diese Komplikation, also ein Durchbruch der Darmwand, trat lediglich bei zwei der befragten Patienten auf. Doch eine Darmperforation ist gefährlich, denn dadurch kann der Darminhalt und die im Darm lebenden Bakterien in den Bauch eindringen. Die Folgen sind nicht selten starke Entzündungen. Im schlimmsten Fall können diese zu lebensgefährlichen Blutvergiftungen ausarten. 

Bei den beiden Patienten der Studie kam es glücklicherweise nicht zu diesem Resultat, sie konnten erfolgreich therapiert werden. Im Nachhinein konnte rekonstruiert werden, dass es zu den Darmperforationen während der Entfernung von Krebsvorstufen bzw. bösartigen Tumoren kam. Die Komplikationen standen also nicht im direkten Zusammenhang mit der Koloskopie selbst, sondern waren der Gewebeentnahme geschuldet. Hieraus lässt sich schließen, dass eine regelmäßige Prävention von Darmkrebs in Form der Koloskopie auch vor einer Darmperforation schützen kann. Denn werden Polypen frühzeitig entdeckt, entwickeln sich diese nicht mehr zu Krebsvorstufen und steigern damit das Risiko für eine Verletzung.

Wann ist eine Koloskopie nötig?

Wie bereits festgestellt, gilt die Koloskopie als einzig wirksame Krebsvorsorge-Untersuchung bei der Früherkennung bzw. Prävention. Da eine Darmspiegelung nicht nur für Klarheit sorgt, sondern Krebsvorstufen beziehungsweise Tumore im Frühstadium direkt entfernt werden, ist die Koloskopie auch eine effektive Therapieform. Die Studien haben gezeigt, dass durch vorsorglichen Darmspiegelungen rund 16.000 Neuerkrankungen im Jahr verhindert werden können. Alleine aus diesem Grund sollte die Früherkennungsmaßnahme genutzt werden.

Gründe Darmspiegelung

Anspruch auf eine Darmspiegelung

Ab dem 55. Lebensjahr besteht ein Anspruch auf die Koloskopie und wird von der Krankenkasse übernommen. Ohne Befund beziehungsweise Auffälligkeiten wird die Untersuchung dann zehn Jahre später wiederholt. Bei Befund wie Polypen folgt die nächste Koloskopie in einem kürzeren Turnus. Eine Darmspiegelung vor dem 55. Lebensjahr ist darüber hinaus immer dann angebracht, wenn nahe Angehörige an Darmkrebs erkrankt sind.

Kostenübernahme bei einer Darmspiegelung

Alle Versicherte in einem Alter von 55 und älter bekommen alle 10 Jahre eine Darmspiegelung von ihrer Krankenkasse bezahlt. In Ausnahmefällen, beispielsweise Fällen vonDarmkrebs in der Familie, können auch frühere Untersuchungen übernommen werden. Zusätzlich kann einmal im Jahr der Stuhl immunologisch untersucht werden. Dabei können schon sehr kleine Mengen an Blut ermittelt werden.

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