MenüMenü

Rückenschmerzen - Einteilung, Ursachen & Behandlung

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes über Rückenschmerzen

Definition: Schmerzen entlang des Rückens, vom Nacken bis zu den Knien

Einteilung: Nach Lage, Dauer, Ursache & Häufigkeit

Ursachen: Körperhaltung, Übergewicht, Erkrankungen, Fehl- & Überbelastungen, Wirbelsäulenverkrümmung uvm.

Untersuchungsmethoden: Körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren, Labor, Elektromyographie

Therapie: Selbsthilfe, Übungen, Physiotherapie, Wärmebehandlungen, Akupunktur & Akupressur

Vorbeugung: Ausreichend Bewegung, Aufbau der Rückenmuskulatur, Übungen

Definition Wirbelsäulenbeschwerden: Was sind Rückenschmerzen?

Stundenlanges Sitzen, einseitige Belastung und zu wenig Ausgleichssport – das alles ist fast schon normal im heutigen Alltag. Aber irgendwann rächt sich dieses Verhalten mit heftigen Rückenschmerzen. Diese haben sich mittlerweile zu einem regelrechten Volksleiden entwickelt, denn laut regelmäßiger Umfragen leidet jeder dritte Deutsche an Rückenbeschwerden.

Spricht man von einem Volksleiden, so meint man eine Krankheit, unter der sehr viele Menschen in einer Gesellschaft leiden. In den Industrienationen gibt es, aufgrund der Überversorgung mit allen möglichen Bedarfsgütern und zu wenig Bewegung, viele Fälle von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie an Fettleibigkeit und Diabetes. Diese gefährlichen Gesundheitsprobleme können häufig tödlich enden und sind somit stark im Bewusstsein der Menschen verankert.

Im Fall von Rückenschmerzen ist das Leiden allerdings nicht direkt tödlich und steht somit weniger im Fokus, auch wenn viele Menschen darunter leiden und die damit verbundenen Schmerzen nicht zu vernachlässigen sind. Rückenschmerzen werden deshalb als ein Beschwerdebild oft vergessen, da es nicht als eine derart häufige Erkrankung angesehen wird.

Zahlen & Fakten
21 % der Arbeits-Fehltage in Deutschland gehen im Jahr 2018 auf Rückenschmerzen zurück. Rückenschmerzen sind damit ein echtes Volksleiden.

Aufbau & Funktion der Wirbelsäule

Die Wirbelsäule trägt den Rumpf des Menschen und sorgt für Stabilität. Sie besteht aus insgesamt 33 bis 34 verschiedenen Wirbeln, die entlang der Wirbelsäule in fünf Abschnitte unterteilt sind:

  • Halswirbelsäule
  • Brustwirbelsäule
  • Lendenwirbelsäule
  • Os sacrum (Kreuzbein)
  • Os coccygis (Steißbein)

Stöße werden von der Wirbelsäule abgefangen und Bewegungen ermöglicht. Zudem dient sie als Schutz des Rückenmarks.

Rückenschmerzen

Einteilung von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen lassen sich nach der Lage der Schmerzen und der Dauer der Beschwerden, als auch nach der Schmerzursache und der Häufigkeit des Vorkommens unterscheiden.

Einteilung nach Lage:Oberer Rücken:Schmerzen am oberen Ende der Wirbelsäule, z. B. Nackenschmerzen.
Mittlerer Rücken:Durch Reizungen großer Muskelgruppen oder durch Funktionsstörungen treten Schmerzen im mittleren Rückenbereich auf.
Unterer Rücken:Hier haben die meisten Menschen Rückenschmerzen. Vor allem Bandscheibenvorfälle und Überanstrengungen treten häufig im unteren Rückenbereich auf.
Einteilung nach Dauer:Akute Schmerzen:Zwischen Schmerzphasen liegen mindestens sechs Monate. Akute Rückenschmerzen verschwinden oft innerhalb weniger Wochen.
Subakute Schmerzen:Die Schmerzen dauern länger als sechs Wochen, aber maximal drei Monate an.
Chronische Schmerzen:Chronische Rückenschmerzen treten länger als drei Monate lang auf und variieren währenddessen in ihrer Intensität.
Einteilung nach Ursache:Spezifische Rückenschmerzen:Der Arzt erkennt eine klare Ursache für den Schmerz. Diese muss aber nicht zwingend im Rückenbereich liegen.
Nicht-spezifische Rückenschmerzen:Der Arzt findet keine spezifischen Ursachen für die Rückenschmerzen. Diese Kategorie umfasst die meisten Fälle von Rückenproblemen.
Einteilung nach Häufigkeit:


Einmalige Rückenschmerzen:Die Schmerzen treten einmal auf und sind nicht Teil von wiederkehrenden Rückenschmerzen.
Rezidivierende Rückenschmerzen:Rezidivierende Rückenschmerzen treten mindestens zweimal im Jahr auf, mit einer Unterbrechung von mindestens einem Monat. Eine Episode dauert mindestens 24 Stunden und hat eine Stärke von 2 oder mehr auf einer Skala von 0 – 10 (0 = kein Schmerz, 10 = der größte vorstellbare Schmerz).
Anhaltende Rückenschmerzen:Die Schmerzen dauern länger als 12 Wochen an und sollten von einem Arzt auf Ursachen hin untersucht werden.

Wirbelsäulenbeschwerden Ursachen: Wie entstehen Rückenschmerzen?

Nicht immer werden Rückenschmerzen von einem sichtbaren Defekt an der Wirbelsäule hervorgerufen. Das komplizierte Zusammenspiel von Wirbelgelenken, Bandscheiben und Muskulatur ist sehr störanfällig. So kann der Schmerz auch direkt in den Muskeln entstehen oder von den Nervenwurzeln herrühren.

Rückenschmerzen können die unterschiedlichsten Ursachen haben:

  • Übergewicht:

Übergewichtige Menschen leiden besonders häufig an Rückenschmerzen. Jedes Pfund zu viel belastet die Wirbelsäule zusätzlich. Insbesondere die Bandscheiben verschleißen dadurch rascher.

  • Falsche Körperhaltung:

Auch eine „schlechte” Körperhaltung erhöht das Risiko für Rückenschmerzen. Eine für die Wirbelsäule schädliche Körperhaltung entsteht durch jahrelange Tätigkeiten im Sitzen in Verbindung mit zu wenig Ausgleichssport. Durch die so typische, mangelnde Bewegung in unserem heutigen Alltag beginnen wichtige Muskeln, welche die Wirbelsäule stützen, zu verkümmern. Dies verstärkt die schlechte Haltung zusätzlich, denn es ist unmöglich, sich trotz schlechtem Zustand der Muskulatur zu guter Haltung zu zwingen.

  • Fehl-/Überbelastung:

Oft sind es einseitige, falsche Belastungen und zu lange Sitzphasen, die sich auf Dauer schmerzhaft bemerkbar machen. Denn die Muskulatur von Rumpf, Nacken und Schultern muss dann mehr Arbeit leisten. Ist sie wenig trainiert, kommt es schnell zu Muskelverspannungen und Schmerzen.

  • Bandscheibenvorfall:

Wenn Gefühlsstörungen oder Lähmungen auftreten oder wenn Harn oder Stuhl nicht mühelos entleert werden können, kann ein Bandscheibenvorfall die Ursache der Schmerzen sein. Am häufigsten betroffen ist die Lendenwirbelsäule, weil dort das größte Gewicht lastet. Eine verletzte Bandscheibe kann sich nie mehr völlig erholen. Sie bleibt dünner und verliert dauerhaft ihre Pufferfunktion.

  • Entzündlichen Krankheiten des Skeletts (z. B. Morbus Bechterew)

Bei Männern zwischen dem 15. und 40. Lebensjahr, aber auch bei Frauen, entstehen Rückenschmerzen manchmal im Rahmen einer chronisch entzündlichen Erkrankung der Wirbelsäule, dem Morbus Bechterew. In ihrem Verlauf wachsen die Wirbel zusammen. Im Röntgenbild sieht die Wirbelsäule dann aus wie ein Bambusstab.

  • Ischialgie:



Von Ischias
(medizinisch: Ischialgie) spricht man, wenn eine verlagerte oder vorgefallene Bandscheibe auf den sogenannten Ischiasnerv drückt, ein Nervenbündel in der Hüft- und oberen Beinregion. Typisch sind tiefsitzende, starke Rückenschmerzen, die bis in die Zehenspitzen ausstrahlen.

  • Osteoporose & andere Abnutzungserscheinungen:

Abnutzung ist eine häufige Ursache für Rückenschmerzen. Wenn Wirbel und Bandscheiben verschleißen, dann können die Austrittsöffnungen für die Nerven zu eng werden. Die in Bedrängnis geratenen Nerven antworten unverzüglich mit Schmerz und die alternden Bandscheiben machen die Wirbelsäule zunehmend instabil.

Bei älteren Menschen steckt oft auch eine Osteoporose hinter den Rückenschmerzen. Bei dieser Erkrankung werden die Knochen porös und ihre Belastbarkeit nimmt stark ab. Bereits bei geringfügigen Anlässen besteht die Gefahr eines Knochenbruchs.

  • Wirbelsäulenverkrümmungen & Funktionsstörungen:

Auch Verkrümmungen der Wirbelsäule nach vorn (Lordose) oder nach hinten (Kyphose) führen über die entstehende Fehlhaltung zu Rückenschmerzen, die durch Über- und Falschbeanspruchung ausgelöst werden. Darüber hinaus sind Funktionsstörungen von kleinen Wirbelgelenken der Hauptgrund von Rückenschmerzen.

Ein typisches Beispiel hierfür ist der Hexenschuss (Lumbago). Man versteht darunter einen plötzlich auftretenden Schmerz in der Lendengegend. Er wird meist durch eine ruckartige Bewegung oder Drehung, schweres Heben, beim Bücken oder Aufrichten ausgelöst.

Weitere Ursachen für Rückenschmerzen sind beispielsweise auch:

  • Stress
  • Eingeklemmte Nerven
  • Fehlende Muskulatur
  • Muskelverspannungen
  • Blockaden der Lendenwirbelsäule
  • Wirbelverletzungen
  • Spinalkanalsenosen
  • Arthrose
  • Rheuma
  • Tumore

Grundsätzlich müssen darüber hinaus auch internistische Krankheiten als Verursacher der Rückenbeschwerden ausgeschlossen werden.

Rückenschmerzen durch internistische Erkrankungen:

  • Entzündungen des Rippenfells
  • Entzündungen der Bauchspeicheldrüse
  • Die koronare Herzkrankheit
  • Zwölffingerdarmgeschwüre
  • Gallensteine & dadurch verursachte Koliken
  • Herzinfarkte
  • Lungenembolien
  • Nierenbeckenentzündungen
  • Gynäkologische Probleme
  • Gürtelrose

Die Wirbelsäule ist außerdem anfällig für psychosomatische Beschwerden. So kann sich unter anderem eine Depression in Rückenschmerzen ohne feststellbare Ursache äußern.

Bei Rückenschmerzen handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um ein hilfreiches Warnzeichen, ein klares Symptom, durch das auf Störungen im Bereich der Wirbelsäule hingewiesen wird.

Rückenschmerzen: Ursachen

Nicht-spezifische Ursachen für Rückenschmerzen

Bei den nicht-spezifischen Ursachen sind die Schmerzen des Rückens das Symptom einer unerkannten Erkrankung, die nicht im Rückenbereich liegt. Das können zum Beispiel Zahnprobleme sein, aber auch Stellungsfehler an Fuß und Knie. Die entstehenden Spannungen setzen sich bis in die Wirbelsäule fort.

Spezifische Ursachen für Rückenschmerzen

Bei den spezifischen Rückenschmerzen finden sich diverse Ursachen für Schmerzen im Rücken. Die häufigsten dieser Gründe sind im Folgenden zusammengefasst:

Fehlstellung/Blockade der Wirbel:Zieht ein verspannter Muskel einen Wirbel aus seiner normalen Position, dann kommt es zu einer Wirbelfehlstellung, die Schmerzen verursacht. Ein Beispiel hierfür wäre das Iliosakralgelenk-Syndrom.
Bandscheibenvorfall:Bei einem Bandscheibenvorfall verrutscht der puffernde Gallertkern zwischen den Rückenwirbeln. Dies führt zu Schmerzen, da er auf die benachbarten Nerven drückt.
Osteoporose:Die Knochen werden brüchig und brechen schon bei geringen Belastungen. Kleine Splitter können zu großen Schmerzen führen.
Angina pectoris:Die Herzenge führt unter anderem dazu, dass Rückenschmerzen in Form von Strahlungsschmerzen entstehen.
Lungenentzündung:Manchmal können Rückenschmerzen auch auf eine Lungenentzündung zurückgeführt werden. Die Ursache sind meist Bakterien.

Wirbelsäulenbeschwerden Diagnose: Welche Untersuchungen bei Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können sich auf verschiedene Weise äußern, entsprechend strahlt der Schmerz auch in unterschiedliche Regionen aus. Die Schilderung der Art der Rückenschmerzen durch den Patienten ist für den Arzt ein wichtiges Indiz für die Diagnose. Um die richtigen Behandlungsmaßnahmen ergreifen zu können, muss der Arzt zunächst die Ursache der Rückenschmerzen herausfinden. Eine Diagnose erfolgt nach gründlicher Anamnese und eventuell unter Zuhilfenahme bildgebender Verfahren.

Am Anfang der Untersuchung steht die Erhebung der Krankenvorgeschichte. Daran schließt sich eine gründliche Untersuchung an: Der Arzt prüft die Beweglichkeit der Wirbelsäule, hält Ausschau nach sichtbaren Verbiegungen, tastet die Wirbelsäule ab und beurteilt die Rückenmuskulatur. Abgerundet wird der „Rücken-Check-up” durch Laboruntersuchungen.

Grundsätzlich sind bei Erkrankungen der Wirbelsäule zunächst Röntgenaufnahmen notwendig. Oft müssen sie in verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Winkeln aufgenommen werden. Mit der Computertomographie (CT) kann ein Bandscheibenvorfall besonders gut erkannt und zudem die Knochendichte gemessen werden.

Die Kernspintomographie ist unübertroffen zur Darstellung von Muskeln, Bändern und Bandscheibenvorfällen. Durch diese Methode sind unangenehme Untersuchungen mit einem Kontrastmittel heute nur noch bei speziellen Fragestellungen notwendig.

Bei Verdacht auf eine Nervenwurzelschädigung gibt die Elektromyographie (EMG) Aufschluss. Sie identifiziert Verletzungen der Nervenwurzel durch Messung der elektrischen Aktivität einzelner Muskelgruppen. Damit kann beispielsweise auch auf den Schweregrad eines Bandscheibenvorfalls geschlossen werden.

Hinweis
Der 15. März wurde zum Tag der Rückengesundheit auserkoren. Zu diesem Datum gibt es deutschlandweite Veranstaltungen.

Behandlung von Rückenschmerzen: Wirbelsäulenbeschwerden therapieren

Es gibt viele Mittel, um Rückenschmerzen effektiv zu behandeln. Sie lassen sich in drei Hauptmaßnahmen unterteilen:

  • Wärme (aber keine übertriebene Hitze)
  • Entlastung
  • konzentrierte und ruhige Atmung

Behandlung spezifische Rückenschmerzen

Unabhängig von der Ursache der Rückenschmerzen ist das Ziel der Behandlung immer Schmerzfreiheit und den Erhalt beziehungsweise die Verbesserung der Beweglichkeit zu erhalten.

Mithilfe von Wärme kann sich die verkrampfte Muskulatur entspannen, zudem wird die Durchblutung angeregt. Liegen kann parallel dazu verhindern, dass sich der Zustand der Muskulatur verschlechtert. Durch konzentrierte, ruhige Atmung kann zudem verhindert werden, dass man flach und hektisch atmet und so der Körper anderweitig leidet.

Mithilfe von Physiotherapie, krankengymnastischen Übungen und Wärme- sowie Kältebehandlungen, kann ebenfalls Schmerzlinderung erreicht werden. Im Fall von Morbus Bechterew kommen Kältebehandlungen mit Temperaturen von -70 °C zum Einsatz. Diese Temperaturen halten jedoch bei der Behandlung nur wenige Sekunden an.

Behandlung nicht-spezifischer Rückenschmerzen

Bei chronischen Rückenschmerzen unklaren Ursprungs kommen häufig diverse konservative Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz. Dazu gehören Massagen, Physiotherapie, eine Ernährungsumstellung, Psychotherapie und andere. Einen hohen Stellenwert hat auch die chirotherapeutische Behandlung bzw. die manuelle Therapie, die besonders geschulte Ärzte, Heilpraktiker oder Physiotherapeuten beherrschen.

Personen, die viel stehen müssen, neigen häufig dazu, das Becken abzuknicken. Dann entsteht ein Hohlkreuz. Oftmals fehlt eine ausgeprägte Bauchmuskulatur als stabilisierender Gegenspieler. Wer sich wiedererkennt, kann leicht etwas gegen die Symptome unternehmen.

Selbsthilfe bei Hohlkreuz:

  • Auf dem Rücken liegend müssen die Oberschenkel angezogen werden, bis sie mit den Unterschenkeln einen rechten Winkel ergeben.
  • Anschließend werden die Unterschenkel gekreuzt und abwechselnd nach rechts und nach links gedreht. Die Drehung darf nur so weit reichen, dass sie nicht schmerzhaft ist.
  • Die Übung sollte 10- bis 15-mal wiederholt werden. Sie entlastet die beim Stehen stark strapazierte Lendenwirbelsäule.

Im Liegen kann sich die Wirbelsäule am besten erholen. Doch das gelingt nur dann, wenn die Matratze rückenfreundlich ist und man auf die Liegeposition achtet. Sowohl eine zu weiche als auch eine zu harte Matratze können den Schlaf stören und zu Rückenproblemen führen.

Tipp
Stiftung Warentest und andere Vergleichsportale testen regelmäßig Matratzen. Es lohnt sich bei Rückenschmerzen in eine optimale Matratze zu investieren.

Welche Medikamente bei Rückenschmerzen?

Wenn Muskelverspannungen der Grund für die Schmerzen sind, beispielsweise bei einem Hexenschuss oder Ischiasproblemen, helfen krampflösende Medikamente. Sie haben meist gleichzeitig eine beruhigende Wirkung. Der Nachteil: Auf der einen Seite machen sie müde und auf der anderen Seite können sie bei Langzeitanwendung zu einer Gewöhnung führen.

Bei akut auftretenden Rückenschmerzen setzt der Arzt zur Schmerzlinderung im Allgemeinen zunächst nichtsteroidale Antirheumatika ein (z. B. Diclofenac oder Ibuprofen). Sie lassen gereizte Nerven abschwellen und lindern so den Schmerz. Diese Mittel schädigen bei Überbenutzung allerdings die Magenschleimhaut und führen zu Übelkeit, Magenschmerzen und eventuell auch zu Magengeschwüren. Daher dürfen sie nicht in hohen Dosen über lange Zeit eingenommen werden.

Ist eine Nervenwurzel eingeklemmt oder sind Nerven durch den Verschleiß von Wirbelgelenken oder Bandscheiben stark gereizt, dann kann eine Serie von Kortisoneinspritzungen sinnvoll sein. Die Beschwerden klingen meist rasch ab, Nebenwirkungen treten nur bei einer langfristigen Therapie auf.

Wann muss man bei Rückenschmerzen zum Arzt?

Nicht immer erfordern es Rückenschmerzen, einen Arzt aufzusuchen. Oft reicht es bereits, einfache Übungen durchzuführen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Rückenschmerzen sowie immer, wenn sich die Rückenschmerzen untypisch anfühlen, sollte man sie von einem Arzt abklären lassen. Der Arztbesuch sollte dann jedoch auf keinen Fall herausgezögert werden, denn wenn die Beschwerden ignoriert werden, setzt sich der Schmerz möglicherweise fest und verursacht langwierige Probleme.

Hinweis
Achtung auch bei Eigentherapie, denn falsch durchgeführte Rückenübungen können die Beschwerden verschlimmern und sogar zu neuen Verletzungen führen.

Wann muss bei Rückenschmerzen operiert werden?

In der Regel müssen Rückenschmerzen nicht operiert werden. Eine Operation kann in manchen Fällen allerdings unumgänglich sein.

Rückenschmerzen müssen operiert werden, wenn:

  • Einseitige Muskelschwächen auftreten
  • Lähmungserscheinungen auftreten und/oder
  • Die Schmerzen nach mehreren Wochen immer noch nicht nachgelassen haben.

Mithilfe einer Operation können akute Schmerzen reduziert oder beseitigt werden. Gezieltes Rückentraining im Anschluss ist danach allerdings sehr wichtig, damit die eingebüßten Rückenfunktionen wiederhergestellt werden können. Es bleiben jedoch immer Risiken. Dazu gehört, dass der Rücken zusätzlich strukturell geschwächt wird und jede Operation letztlich Wunden und Narben hinterlässt, die ebenfalls schmerzhaft sein können.

Gleichzeitig sind viele durchgeführte Operationen unnötig und die Beschwerden könnten auch durch rechtzeitige konservative Behandlung gelindert und geheilt werden. Es gilt immer: Eine Operation ist die letzte Option, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Sie nimmt lediglich die Beschwerden, hinterlässt hingegen keinesfalls einen guten Rücken.

Rückenschmerzen alternativ behandeln

Zu den alternativen Behandlungsmethoden gehören unter anderem die Neuraltherapie und die Akupunktur. Eine neuraltherapeutische Behandlung kann den Teufelskreis aus Schmerzen und Verkrampfung der Muskeln schnell durchbrechen. Hierzu spritzt der Arzt mit einer feinen Nadel kleine Quaddeln mit einem lokalen Betäubungsmittel (z. B. Procain) unter die Haut.

Akupunktur soll sogar noch besser gegen chronische Rückenschmerzen wirken als diverse Medikamente, so eine Studie von 2009 aus den USA. Sogar eine Scheinakupunktur (die Nadeln werden nicht tief genug eingestochen) führte teilweise zu Ergebnissen, die mit jenen echten Akupunktur-Behandlung vergleichbar sind. Die Krankenkasse übernimmt eine solche Therapie.

Akupressur-Anwendung gegen Rückenschmerz



Bei Akupressur
handelt es sich um eine traditionelle chinesische Methode, bei der stumpfer Druck auf die betroffene Stelle des Körpers ausgeübt wird. Wie bei der Akupunktur wird auch bei der Akupressur mit bestimmten Druckpunkten gearbeitet. Je nach betroffener Stelle kann der Patient diese Methode auch teilweise selbst erlernen und anwenden.

Rückenschmerzen vorbeugen: Rückenübungen für eine gute Haltung

Fast immer ist Bewegung der erste Schritt aus der vermeintlich aussichtslosen Situation. Diese Bewegung muss kein anstrengender Kraftsport sein, denn gerade mäßig fordernde Ausdauersportarten können für eine Stabilisierung der Psyche sorgen. Neben Sport helfen auch Massagen, um dem Rückenschmerzen zu Leibe zu rücken, dauerhaft sollte jedoch eine Kräftigung der Muskulatur in Betracht gezogen werden.

Sinnvolle Bewegungs- & Sportangebote sind:

  • Radfahren
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • Tai-Chi
  • Yoga
  • Nordic Walking
  • Pilates
  • Feldenkrais
  • Schwimmen

Rückenübungen für zwischendurch

An jedem zweiten Tag sollte man sich 15 Minuten Zeit für Rückenübungen nehmen. Folgende fünf Übungen sind besonders effektiv, um den Rückenschmerzen vorzubeugen:

  • Sitzdrehung:

Die Übung startet im Sitzen auf einem Hocker mit festem Stand. Die Füße werden fest auf den Boden gestellt und die Außenseite der linken Hand wird außen gegen das rechte Knie gelegt. Anschließend wird der Arm zur Seite ausgestreckt. Nun dreht man sich aus dem unteren Rücken heraus nach hinten, so weit es geht und hält diese Position für fünf Atemzüge. Dann dreht man sich langsam nach vorn zurück und wechselt die Seite. Das Ganze wird fünfmal wiederholt und verbessert dadurch die Beweglichkeit der Wirbelsäule und dehnt die Brustmuskeln.

  • Gestreckte Wirbelsäule:

Startposition ist der Vierfüßlerstand. Die Knie sind auf den Boden aufgelegt, der Rücken ist gerade, es wird kein Hohlkreuz gemacht. Das linke Bein und der rechte Arm werden angehoben und ausgestreckt. Beide Extremitäten sollten eine Linie mit dem Rücken bilden. Die Finger sind gespreizt und die Zehne zeigen zum Boden. Nach sechs Atemzügen wird zurück in den Vierfüßlerstand gewechselt und die andere Seite wird gestreckt. Jede Seite wird dreimal wiederholt. Das stärkt die Bein-, Gesäß- und Rückenmuskulatur.

  • Katzenbuckel:

Wieder Start im Vierfüßlerstand. Der Kopf wird zur Brust gezogen und ein Rundrücken gemacht. Dies fällt leichter, wenn dazu der Bauch eingezogen wird. Dann wird langsam ein Hohlkreuz gemacht. Dabei wird der Kopf nach oben angehoben. Danach erfolgt die Rückkehr zum Rundrücken und die Übung wird bis zu zehn Mal wiederholt.

  • Seitenstütz:

Die Startposition ist die linke oder rechte Seite. Die Beine sind ausgestreckt und der Arm liegt lang auf dem Körper. Mit dem anderen angewinkelten Arm stützt man sich ab, hebt die Hüfte an und bildet mit Rumpf und Beinen eine Linie. Der Po darf nicht nach hinten fallen, die Position muss zehn Sekunden lang gehalten werden. Absenken, viermal wiederholen und dann die Seite wechseln.

  • Crunch:

Start auf dem Rücken vor einem Stuhl oder Hocker. Die Beine sind angewinkelt und liegen auf dem Sitzmöbel. Die Arme liegen seitlich neben dem Körper. Nun werden langsam Kopf und Schultern angehoben, dabei werden die Handflächen in Richtung des Hockers geschoben. Anschließend werden die Arme abgelegt, die Übung wird zehnmal wiederholt.

Tipp
Eine rückenfreundliche Gestaltung des Arbeitsplatzes kann die Beschwerden von Rückenschmerzen verringern. Wer häufig unter Beschwerden leidet, sollte Standing-Desks als Alternative ausprobieren.

Fazit: Der Rücken braucht Übung

Untrainiert hat die Wirbelsäule eine Mindesthaltbarkeit von nur ca. 30 Jahren. Daher muss der Mensch sie trainieren und gesund halten. Die verschiedenen Beschwerden entlang der Stützsäule des Menschen sind eine wahre Volkskrankheit, ungefähr jeder Dritte leidet unter Rückenschmerzen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Maßnahmen getroffen werden, um den Rücken zu stärken.

Ursachen für Probleme sind unter anderem fehlende Bewegung, eingeklemmte Nerven und Verspannungen. Kurzfristig können Wärmebehandlungen und Medikamente helfen, langfristig sind nur richtige Übungen zielführend, um die Schmerzen in den Griff zu bekommen.

Nach oben
Über den Autor
Redaktionsteam Gesundheitswissen

Profitieren Sie von der Expertise unserer jeweiligen Experten und erhalten Sie detaillierte Informationen zu Ihrem Lieblingsthema.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter vom Redaktionsteam Gesundheitswissen. Herausgeber: FID Verlag GmbH. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz
Rückenschmerzen Helmut Erb Chiropraktik: Hände weg von der Halswirbelsäule!

Chiropraktik ist ungefährlich, wenn sie fachgerecht ausgeführt wird. Gefährlich kann es z. B. bei falschem Einrecken von Halswirbeln werden.