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Schmerzen beim Sex: Das können Frauen tun

Schmerzen beim Sex beeinflussen die Lust und können zu Konflikten in der Partnerschaft führen. Ärzte können unter Umständen Abhilfe schaffen (Foto: grooveriderz | Adobe Stock)

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Wohl jede Frau hatte schon einmal Schmerzen beim Sex. Sie sind das häufigste sexuelle Problem, das Frauen haben und können sogar so häufig oder intensiv auftreten, dass manchen Frauen die Lust am Sex vergeht.

10 Prozent der Frauen haben regelmäßig Schmerzen beim Sex. Bei Männern tritt das Problem deutlich seltener auf.

Wem kommt das bekannt vor?

Es gibt verschiedene Arten von Schmerzen beim Sex:

  • ein unangenehmes Druckgefühl
  • ein schmerzhaftes Brennen in der Vagina
  • ein Ziehen oder Stechen im Bauch/Unterleib
  • ein Ziehen oder Stechen in der Scheide

Die Schmerzen werden von jeder Frau anders wahrgenommen, können aber für alle gleichermaßen beeinträchtigend sein. Ursachen für die Schmerzen beim Sex kann es viele geben – Behandlungsmöglichkeiten jedoch auch. So gehen viele Frauen mit ihren Beschwerden nicht zum Arzt, sondern nehmen die Situation als gegeben hin. Sie suchen die Schuld bei sich oder schämen sich für die Symptome.

Manche Frauen denken auch, dass die Schmerzen schon irgendwann von alleine wieder aufhören werden oder dass es dann beim nächsten Mal schmerzfrei klappt. Einige Frauen akzeptieren die Schmerzen sogar als Teil des Geschlechtsverkehrs und nehmen sie in Kauf, um ihrem Partner einen Gefallen zu tun. Dabei muss niemand beim Sex Schmerzen leiden und es gibt fast immer Mittel und Wege, diese zu vermeiden.

Schmerzen beim Sex müssen nicht sein

Dass gelegentlich mal Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten, ist wohl normal. Kurz vor der Regelblutung ist der Unterleib oft angespannt, kurz danach ist die Scheide noch ein paar Tage zu trocken und in stressigen Phasen ist meist der ganze Körper empfindlicher, was sich auch auf die Sexualität niederschlagen kann.

Auch gibt es je nach Tagesform mal Stellungen, die angenehmer oder unangenehmer sind. Verstopfung oder ein durch Blähungen gereizter Darm können die Penetration unangenehm machen. In der Stillzeit oder nach einer Geburt können ebenfalls Schmerzen auftreten, gleiches gilt für die Menopause.

Wenn Schmerzen jedoch bei jedem Geschlechtsverkehr und jedem Eindringen des Penis auftreten und Frauen diesen gar nicht mehr genießen können, dann sollte nach tiefergehenden Ursachen geforscht werden. Schließlich können sogar ernsthafte Krankheiten dahinterstecken, die behandlungsbedürftig sind.

Die Ursachen für die Schmerzen beim Sex können vielfältiger Natur sein

Unter Fachleuten heißen Schmerzen beim Sex auch ganz allgemein “Dyspareunie”. Dieser Begriff bezeichnet das sehr allgemeine Beschwerdebild, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Dabei müssen die Schmerzen nicht unbedingt körperlicher Natur sein. Auch die Psyche kann einen großen Einfluss darauf haben, wie angenehm oder unangenehm der Sex wahrgenommen wird. Besonders bei Frauen in den Wechseljahren kommt Dyspareunie häufig vor. Doch auch in jüngeren Jahren gibt es zahlreiche Auslöser für Schmerzen beim Sex.

Frauen, die unter Schmerzen beim Sex leiden, sollten ihren Frauenarzt aufsuchen und ihre Symptome schildern. Anschließend wird der Gynäkologe eine gründliche Untersuchung durchführen und einige Fragen stellen:

  • Zu welchem Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs und an welcher Stelle im Körper werden die Schmerzen empfunden?
  • Wie können diese beschrieben werden? i
  • Kommen sie bei der Penetration vor oder beim Orgasmus?
  • Wie regelmäßig ist der Zyklus und wie schmerzhaft ist die Monatsblutung?
  • Liegen die Wechseljahre oder eine Schwangerschaft vor? Stillt die Patientin gerade?
  • Besteht ein unerfüllter Kinderwunsch?
  • Gab es bei einer zurückliegenden Geburt Verletzungen wie zum Beispiel einen Dammriss oder Dammschnitt?
  • Wie ist es um die Libido bestellt?
  • War Sex schon immer schmerzhaft oder sind die Schmerzen erst kürzlich aufgetreten?
  • Bestehen Probleme zum Orgasmus zu kommen?
  • Wie läuft es in der Partnerschaft? Gibt es Konflikte in der Beziehung oder wird der Akt nur dem Partner zuliebe vollzogen?
  • Gab es bereits Operationen im Unterleib oder Bauchraum?
  • Sind Entzündungen bekannt wie eine Blasenentzündung oder andere Infektionen?
  • Liegen chronische Krankheiten wie Morbus Crohn, Schuppenflechte oder ähnliches vor?
  • Hat ein naher Verwandter eine chronische Erkrankung?
  • Liegen Essstörungen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen oder ein falsches Bild vom eigenen Körper vor?

Anhand dieser Fragen versucht der Arzt sich ein Bild zu machen.

Wie untersucht der Arzt für die Ursachenfindung?

Anschließend kommen die körperlichen Untersuchungen:

  • Ultraschall
  • Abtasten
  • Urin- und Blutprobe
  • Abstrich
  • Gewebeproben
  • Hormonanalysen
  • Genetische Tests
  • Immunologische Tests

Je nach vorangehender Beantwortung der ärztlichen Fragen werden verschiedene Untersuchungen gemacht und gegebenenfalls gibt es bereits Befunde, die bestimmte Untersuchungen entweder ausschließen oder nötig machen.

Mögliche Ursachen für Schmerzen beim Sex

Endometriose: Bei der Krankheit Endometriose befindet sich die Gebärmutterschleimhaut nicht nur in der Gebärmutter, sondern auch an anderen Stellen des Bauchraums. Da sie dort nicht abfließen kann, bilden sich dort schmerzhafte Schwellungen, die Druck ausüben, der dann beim Sex weht tut.

Myome und Zysten: Ähnlich wie bei der Endometriose bilden sich bei Myomen und Zysten Gewebeveränderungen in der Scheide oder im Eierstock- sowie Gebärmutterbereich. Diese verursachen auf Druck, wie er beim Sex entstehen kann, Schmerzen.

Erkrankungen der Haut wie Schuppenflechte, Neurodermitis oder Lichen: Hautkrankheiten am Scheideneingang beziehungsweise Scheidenbereich können die Schleimhaut verändern. Sie kann reißen, ist wund oder verdickt sich. Dies führt dann bei mechanischen Reizungen wie sie beim Geschlechtsverkehr vorkommen zu Schmerzen.

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Scheidenpilz, Bakterien oder Viren: Erreger oder Infektionen können über Toiletten, Schwimmbadwasser oder Sex übertragen werden. Sie sorgen für ein Jucken und Brennen in der Scheide, für kleine Bläschen oder für Rötungen und Ausfluss. Der Sex wird dadurch schmerzhaft und durch Penetration des Penis werden die Beschwerden häufig schlimmer.

Hormonelle Umstellungen: Sowohl in den Wechseljahren als auch in der Stillzeit ist die Schleimhaut in der Vagina empfindlich und trocken. In den Wechseljahren wird sie zudem auch noch dünner und ist anfälliger für Risse. Der Grund dafür ist ein veränderter Hormonhaushalt.

Fehlerhafte Intimhygiene: Aggressive Intimdeos oder Intim-Reinigungslotionen können den PH-Wert in der Scheide verändern. Dies kann zu Reizungen und Trockenheit führen, die den Sex unangenehm machen. Auch Verhütungsschaum kann so aggressiv für die Schleimhaut sein, dass er zu Schmerzen beim Sex führt. Sogar zu enge Unterwäsche wie zum Beispiel String Tangas können die Scheide reizen und Schmerzen verursachen.

Enger Scheideneingang: Besonders bei jungen Mädchen kann der Scheideneingang noch sehr eng sein. Die Schmerzen, die dann beim Sex empfunden werden, sollten sich mit der Zeit “herauswachsen”.

Vaginismus: Beim Vaginismus handelt es sich um einen Scheidenkrampf, der unwillkürlich gesteht. Dabei verkrampft sich die gesamte Muskulatur. Diese Krämpfe können nicht nur beim Geschlechtsverkehr, sondern auch beim Einführen eines Tampons oder bei gynäkologischen Untersuchungen auftreten. Für die Betroffenen sind sie äußerst Schmerzhaft und machen Geschlechtsverkehr unmöglich.

Viele weitere Faktoren können zu Schmerzen beim Sex beitragen. Krankheiten, Muskelverspannungen, Verwachsungen oder Verformungen im Scheiden- und Gebärmutterraum sind weitere mögliche Gründe. So kann zum Beispiel auch ein bisher unentdeckter Tumor für die Schmerzen beim Sex verantwortlich sein. Nur ein Facharzt kann der Ursache auf den Grund gehen und bei der Behandlung helfen – dafür ist es wichtig ihn aufzusuchen.

Wie können die verschiedenen Ursachen behandelt werden?

Je nach Ursache gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die dann auch dafür sorgen können, dass der Sex wieder angenehmer wird. So kann Schuppenflechte zum Beispiel mit Cortisoncreme behandelt werden. Pilze oder Bakterien können ebenfalls mit Cremes oder sogar Antibiotika unschädlich gemacht werden.

Doch nicht immer ist eine Behandlung auf diese Weise effektiv, gerade wenn es sich wie bei Schuppenflechte um Auto-Immunkrankheiten handelt, die immer wieder kommen. Dennoch können die Betroffenen bei konsequenter Anwendung der Therapie über längere Zeit beschwerdefrei sein.

Bei Endometriose oder Zysten können in schweren Fällen nur Operationen helfen, bei denen die Schleim-Herde im Unterleib entfernt werden. Auch eine Hormontherapie kann Erfolge bringen – dies gilt auch für besonders schwere Fälle von Wechseljahrbeschwerden.

Falls die Schmerzen beim Geschlechtsverkehr aus einer zu trockenen Vagina resultieren, können Gleitgels, Zäpfchen oder Cremes helfen. Eine Umstellung der Intimhygiene kann das Milieu zusätzlich verbessern.

So können Frauen mit Schmerzen beim Sex umgehen

Paare sollten sich viel Zeit für den Sex nehmen, damit die Frau ausgiebig stimuliert werden kann und die Möglichkeit bekommt, die Scheide auf die Penetration vorzubereiten. Am besten wird für den Sex eine Stellung gewählt, in der die Frau die Tiefe des Eindringens und das Tempo bestimmen kann – zum Beispiel wenn sie oben und der Mann unten ist.

Wenn es mit der Penetration trotz verschiedener Behandlungen nicht schmerzfrei klappt, sollten Paare versuchen andere Wege für ihre Lustbefriedigung zu finden. Stimulation mit der Hand oder dem Mund können ebenfalls befriedigend sein, falls es anders nicht möglich ist. Beckenbodentraining, Yoga oder Tai Chi können dabei helfen Verspannungen und Verkrampfungen zu lösen. Dies kann auch bei Krankheiten wie Endometriose zu beschwerdefreierem Sex führen.

Die Psyche nicht außer Acht lassen

Falls keine organischen Ursachen bei der Frau gefunden werden können, die die Schmerzen beim Sex rechtfertigen, wird in der Regel über psychische Ursachen gesprochen und gegebenenfalls der Gang zu einem Therapeuten empfohlen.

So kann Vaginismus zum Beispiel psychische Ursachen haben wie zum Beispiel die Angst vor einer Schwangerschaft, traumatische sexuelle Erfahrungen oder sexuelle Hemmungen. Anhaltende Schmerzen beim Sex können ebenfalls Scheidenkrämpfe auslösen, da der Körper sich vor der nächsten schmerzhaften Erfahrung direkt unbewusst schützt.

Doch auch das offene Gespräch mit dem eigenen Partner kann helfen, Schmerzen beim Sex entgegenzuwirken. Falls es unausgesprochene Konflikte oder schon lange schwelende Probleme in der Sexualität des Paares gibt, können klärende Gespräche dazu beitragen, die Schmerzen beim Sex zu lindern.

Schließlich gehört zu genussvollem Sex die nötige Entspannung und diese fängt schon im Kopf an. Wer unentspannt oder gestresst ist und sich nicht richtig fallen lassen kann, verkrampft oft unterbewusst. Dies kann zu Problemen beim Eindringen des Penis führen oder die folgende Penetration schmerzhaft machen.

Pauschale Lösungen für Schmerzen beim Sex gibt es nicht, sie hängen stark von der Ursache der Schmerzen ab.

Schmerzen beim Sex bei Männern

Bei Männern können Schmerzen beim Sex ebenfalls körperlicher oder psychischer Natur sein. Gründe dafür gibt es ebenfalls viele:

  • Vorhautverengung
  • Prostataentzündung
  • Krankhafte Penisverkrümmung
  • Blasen- oder Harnröhrenentzündung
  • Penisbruch
  • Hautkrankheiten
  • psychische Traumata

Männer, die regelmäßig Schmerzen beim Sex haben, sollten ebenfalls einen Arzt aufsuchen. Er kann sie auf eventuelle körperliche Ursachen hin untersuchen und bei unauffälligen Befunden an einen Therapeuten verweisen.

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