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Folsäure in der Schwangerschaft: Deshalb ist das Vitamin so wichtig

In der Schwangerschaft zusätzlich Folsäure einzunehmen, kann Missbildungen beim Baby vorbeugen. Auch über Essen wird Folsäure aufgenommen.  (Foto: gpointstudio / Adobe Stock)

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Wer einen Kinderwunsch hat oder gerade von einer bestehenden Schwangerschaft erfahren hat, wird in demselben Zusammenhang auch ziemlich schnell bei einem Stichwort landen: Folsäure. An vielen Stellen steht, dass Folsäure wichtig für die Entwicklung des Kindes ist. Ohne eine ausreichende Folsäure-Versorgung können Fehlbildungen entstehen – auch Fehlgeburten sind möglich.

Werdende Mütter oder Frauen mit Kinderwunsch stellen sich daher nun zu Recht die Frage: Was bedeutet das für mich? In welchen Lebensmitteln ist Folsäure enthalten? Nehme ich genügend Folsäure zu mir oder muss ich Folsäurepräparate einnehmen? Und was ist, wenn ich erst spät von meiner Schwangerschaft erfahre und bis dahin nicht auf meine Folsäurezufuhr geachtet habe?

Schwangerschaft: Folsäuremangel kann Missbildungen auslösen

Besonders in den ersten Wochen der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure für das ungeborene Kind im Bauch der Mutter wichtig. Die Entwicklung des Zentralnervensystems kann bei einem Mangel an Folsäure eingeschränkt sein, mit schwerwiegenden möglichen Folgen:

  • eine Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte
  • ein offener Rücken
  • angeborene Herzfehler
  • Fehlbildungen des Gehirns
  • Harnwegsstörungen

Um derartigen Fehlbildungen vorzubeugen, sollten Schwangere ihren Folsäurespiegel im Blick haben. Auch Frühgeburten können durch einen Folsäuremangel in den ersten Schwangerschaftswochen ausgelöst werden. Hier spielen aber häufig verschiedene Faktoren hinein, sodass es keinen eindeutigen Zusammenhang gibt.

Was ist Folsäure genau?

Unterschieden werden muss zwischen Folat und Folsäure. Folat heißt das in der Nahrung natürlich vorkommende B-Vitamin. Folsäure ist eine synthetisch hergestellte Form des Folats – der Begriff Folsäure hat sich aber als Oberbegriff für das wasserlösliche Vitamin durchgesetzt. Folsäure wird vom Körper nicht selber gebildet, sie muss über die Nahrung oder Vitaminpräparate zugeführt werden.

Das Vitamin ist wichtig für die Blutbildung und an verschiedenen Stoffwechselprozessen beteiligt. Auch für Wachstumsprozesse im Körper wird Folsäure benötigt – dies ist besonders für Embryos wichtig. Zellwachstum und Zellteilung werden unter anderem durch Folsäure reguliert, weshalb der Körper der Mutter damit gut versorgt sein sollte.

So viel Folsäure wird in der Schwangerschaft pro Tag empfohlen

Nur etwa 50 Prozent der in Lebensmitteln vorkommenden Folate kann der Körper auch wirklich aufnehmen – viele Frauenärzte empfehlen Schwangeren daher die zusätzliche Einnahme von Vitaminpräparaten. Eine Überdosierung hat bei Folsäure keine schädlichen Auswirkungen, da der Körper die überschüssige Folsäure einfach wieder ausscheidet.

Männer und Frauen sollten am Tag 300 Mikrogramm Folsäure zu sich nehmen – so empfiehlt es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Schwangere Frauen benötigen mehr Folsäure – 550 Mikrogramm pro Tag werden empfohlen. Stillende Mütter brauchen 450 Mikrogramm Folsäure pro Tag. Selbst über eine ausgewogene Ernährung ist der Folsäure-Bedarf nicht immer ausreichend gedeckt.

In den ersten Wochen der Schwangerschaft finden wichtige Entwicklungsschritte des Babys statt, die ohne Folsäure fehlerhaft ablaufen können. So können in seltenen Fällen bereits in der zweiten und dritten Schwangerschaftswoche Missbildungen entstehen. Die ersten drei Schwangerschaftsmonate sind entscheidend für die Entwicklung des Fötus – in dieser Zeit sollten Schwangere besonders auf ihre Folsäurezufuhr achten. Dies ist sowohl durch die Ernährung als auch durch Nahrungsergänzungsmittel möglich.

Folsäure bei Kinderwunsch einnehmen

Auch Frauen mit Kinderwunsch können schon darauf achten, genügend Folsäure zu sich zu nehmen. So ist der Embryo ab dem Tag der Befruchtung gut versorgt. Frauen können ihren Folsäurespiegel im Blut von einem Arzt bestimmen lassen und sich auf Basis dessen Empfehlungen zu ihrer Ernährung und eventuellen Vitaminpräparaten geben lassen. Diese sollten am besten in der Apotheke gekauft und täglich eingenommen werden. Präparate aus dem Drogeriemarkt sind häufig nicht so hoch dosiert und dementsprechend weniger wirksam.

Frauen, die schwanger werden wollen, können ab dem Absetzen ihres Verhütungsmittels mit der zusätzlichen Einnahme von Folsäure beginnen. Der Körper braucht nämlich eine gewisse Zeit, um einen stabilen Folsäurespiegel im Blut aufzubauen.

Auch die Ernährung kann gezielt folsäurelastiger gestaltet werden. Folsäure ist zum Beispiel in vielen grünen Gemüsen enthalten. Hülsenfrüchte sind ebenfalls besonders folsäurehaltig. Rinderleber und andere Innereien sind sogar außerordentlich folsäurehaltig – vom Verzehr dieser wird Schwangeren aber abgeraten.

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So viel Folsäure ist in Lebensmitteln erhalten

LebensmittelFolsäure in Mikrogramm auf 100 Gramm des Lebensmittels
Weizenkeime304
Spinat145
Grünkohl187
Rosenkohl182
Brokkoli111
Spargel108
Feldsalat145
Haferflocken87
Porree100
Frische Erbsen159
Tiefkühl-Erbsen155
Weiße Bohnen200
Sojabohnen250
Linsen170
Frische Erdnüsse170
Sauerkirschen75
Süßkirschen52
Quinoa184
Haferflocken87

Achtung vor zu langem Kochen: Hitze zerstört das Vitamin und Wasser schwemmt es aus. Gemüse sollte daher möglichst roh verzehrt oder nur kurz angedünstet werden.

Wer sich mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten ernährt, ist in der Regel gut mit Folsäure versorgt. Dennoch schadet es nicht, den Mehrbedarf in der Schwangerschaft mit Tabletten zu decken.

Folsäurepräparate sollten am besten auf nüchternen Magen eingenommen werden, da dann fast 100 Prozent des Vitamins vom Körper auch wirklich aufgenommen werden können. Wechselwirkungen gibt es mit Antibiotika, Medikamenten bei einigen Autoimmunerkrankungen oder Medikamenten bei Epilepsie. Davon betroffene Schwangere sollten sich eng mit ihrem Frauenarzt absprechen, was für ihre Folsäureversorgung gilt.

Folsäure in der Stillzeit

Auch in der Stillzeit ist der Folsäurebedarf von Frauen noch erhöht. Laut Experten benötigen Säuglinge in den ersten vier Monaten täglich 60 Mikrogramm Folsäure pro Tag. Zwischen dem vierten und dem zwölften Lebensmonat steigt der Bedarf auf 80 Mikrogramm.

Kinder benötigen beispielsweise im Alter von sieben bis zehn Jahren 300 Mikrogramm Folsäure pro Tag, um zu wachsen und sich gut zu entwickeln. In einigen Ländern der Welt ist sogar das Mehl im Supermarkt extra mit Folsäure angereichert, um einem Mangel in der Gesellschaft vorzubeugen. Dazu zählen:

  • USA
  • Kanada
  • Chile
  • Ungarn

Trotz Schwangerschaft keine Folsäure eingenommen: Was bedeutet das für das Baby?

Wer erst spät von einer Schwangerschaft erfährt und weder Folsäure eingenommen hat, noch sonderlich auf seine Ernährung geachtet hat, muss nicht gleich verzweifeln: Viele Frauen bringen gesunde Kinder zur Welt, ohne auf eine ausreichende Folsäurezufuhr über die Ernährung geachtet zu haben. Missbildungen aufgrund von Folsäuremangel sind selten, so kommt beispielsweise in Mitteleuropa nur eines von 1.000 Kindern mit einem offenen Rücken zur Welt.

Falls es in der eigenen Familie bereits Fälle mit Missbildungen gab, kann dies ein Indikator sein, dass Schwangere stärker auf ihre Folsäurezufuhr achten sollten. Auch wer plant ein Kind zu bekommen oder schon früh von seiner Schwangerschaft erfährt, kann mit einer zusätzlichen Einnahme von Folsäure beginnen.

Wer zu spät ist, sollte aber nicht gleich panisch werden: Der Frauenarzt kann Aufschluss über den Entwicklungszustand des Fötus geben und in den allermeisten Fälle kommen die Babys gesund zur Welt. Sobald Frauen wissen, dass sie schwanger sind, können sie zusätzlich Folsäurepräparate einnehmen. Ist dies erst zu einem späteren Zeitpunkt der Fall, kann die Dosis erhöht werden. Um die Gesundheit ihres Babys sollten sich Frauen dabei nicht allzu große Sorgen machen – in den meisten Fällen bekommt die Natur das kleine Wunder in ihrem Bauch ganz wunderbar hin.

So äußert sich Folsäuremangel bei Erwachsenen

Auch Nicht-Schwangere Frauen und Männer sollten auf ihren Folsäurespiegel achten. Wer zu wenig Folsäure zu sich nimmt, kann unter verschiedenen Symptomen leiden:

  • Müdigkeit
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Reizbarkeit
  • Schwindel
  • Durchfall
  • Schleimhautentzündungen
  • Gewichtsverlust

Wie entsteht Folsäuremangel?

Die häufigsten Gründe für einen Folsäuremangel im Körper liegen nicht nur in der Ernährung begründet. Weitere Risikofaktoren begünstigen einen zu niedrigen Folsäurespiegel:

  • Regelmäßige Diäten
  • Rauchen
  • Starker Alkoholkonsum
  • Einnahme verschiedener Medikamente wie zum Beispiel die Pille
  • Vitamin-B12-Mangel
  • zu viel Sonne (der Folsäuregehalt im Körper reduziert sich bei starker Sonneneinstrahlung auf der Haut)
Aufschluss über den Folsäuregehalt gibt ein Bluttest beim Arzt – besonders Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch sollten diesen durchführen lassen, wenn sie um ihren Folsäurespiegel wissen und dementsprechend reagieren möchten.
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