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Demenz: Ursachen, Symptome & Behandlungsmöglichkeiten

Bereits heute leben etwa 1 Million Menschen in der Bundesrepublik, die an einer Demenz erkrankt sind. Erfahren Sie hier mehr über die Volkskrankheit. (Foto: pathdoc - Adobe)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Bereits heute leben etwa 1 Million Menschen in der Bundesrepublik, die an einer Demenz erkrankt sind. Nach Schätzungen wird sich diese Zahl aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 verdoppelt haben. Das ist nicht nur ein gesundheitliches Problem: Die Demenz gehört bei sorgfältiger Therapie und Betreuung zu den kostenintensivsten Erkrankungen überhaupt.

Aber auch rechtlich tauchen bei Demenzkranken Fragen auf: Die Betroffenen sind zum einen nicht mehr in der Lage, ihre Angelegenheiten selbst zu erledigen. Zum anderen verschwindet zunehmend auch die Fähigkeit, die eigenen Leistungsgrenzen zu erkennen.

Steckbrief: Demenz

Definition: Gehirnstörung, die Denken, Sprechen, Argumentieren, Erinnern & bewegen beeinflusst

Formen: Alzheimer, vaskuläre Demenz, Lewy-Körperchen Krankheit, Pick-Krankheit

Symptome: Vergesslichkeit, schwindende Konzentration, Beeinträchtigung der Sprache & Bewegungen, Orientierungsverlust

Ursachen: Veränderungen in der Gehirnstruktur, Infektionen, Stoffwechselstörungen, psychische Erkrankungen

Diagnose: Neurologischer Demenz-Test, Ausschlussdiagnose mit bildgebenden Verfahren

Behandlung: AChE-Hemmer, Gedächtnistraining & psychotherapeutische Behandlungsweise

Vorbeugung: Auf die Ernährung achten, frühzeitiges Gedächtnistraining, aktiver Lebensstil

Definition: Was ist Demenz?

Am 25. November 1901 wurde Auguste Deter in Frankfurt am Main in die städtische Irrenanstalt eingeliefert. Ihr Zustand wurde als „völlige Verblödung” beschrieben. Für heutige Ohren sehr drastisch, handelt es sich für die damalige Zeit um eine übliche Beschreibung in Medizinerkreisen.

Der Psychiater Alois Alzheimer entwickelte fachliches Interesse an der Dame und erforschte an ihr die organischen Ursachen von Hirnleistungsstörungen. Nach ihrem Tod konnte er ihr Gehirn sezieren und fand Eiweißablagerungen und viele seit langer Zeit abgestorbene Nervenzellen. Für den Psychiater waren diese klar der Grund für die Wesensveränderung.

Die Krankheit Alzheimer, welche nach eben jenem Psychiater benannt ist, ist eine Form der Demenz. Es handelt sich um eine Ansammlung von Symptomen, die keine spezifische Krankheit bezeichnen, sondern den Oberbegriff für Störungen des abstrakten Denkens, des Gedächtnisses und des Urteilsvermögens bilden. Demenz ist der Verlust der intellektuellen und sozialen Fähigkeiten, was die Alltagsfunktionen der Betroffenen auf Dauer beeinträchtigt. Am verbreitesten ist die Alzheimersche Demenz, etwa 70 Prozent der Erkrankten leiden an dieser Demenzform. Eine Demenz betrifft das Denken des Menschen und seine Persönlichkeit. Für alle Formen typisch ist eine Verschlechterung des Gedächtnisses, das Urteilsvermögen leidet, das Denken geht verlangsamt vonstatten, das Sprechen ist gestört und das praktische Geschick eingeschränkt.

Demenz betrifft folgende Fähigkeiten:

  • Denken
  • Sprechen
  • Argumentieren
  • Erinnern
  • Bewegen

Welche Formen der Demenz gibt es?

Die Medizin unterscheidet verschiedene Formen von Demenz. Die häufigste und bekannteste ist die Alzheimerkrankheit, von welcher 60% der an Demenz erkrankten Personen betroffen sind. Es gibt allerdings auch noch andere Formen, darunter die vaskuläre (gefäßbedingte) Demenz. Diese ist die zweithäufigste Demenzart, welche chronische Durchblutungsstörung des Gehirns zur Folge hat. Bestimmte Faktoren wie Einsamkeit, Rauchen, Traumata (z. B. Kriegserlebnisse), Bluthochdruck, Alkohol und einseitige Ernährung können auf verschiedene Art die Gehirndurchblutung stören und so das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Hinweis

Für Alzheimer gibt es einen Gedenktag. Am 21. September wird versucht, die Aufmerksamkeit der Weltbevölkerung auf diese Form der Demenz zu lenken.

Bei Menschen mit einer vaskulären Demenz ist oft die Sprache stark eingeschränkt sowie die Fähigkeit zuzuhören und sich zu konzentrieren. Stimmungsschwankungen und Orientierungsprobleme treten ebenfalls häufig auf. Teilweise kommt es zu Problemen bei der Muskelkontrolle: Lähmungen, Gangstörungen oder Blasenprobleme sind die Folge. Die Gedächtnisleistung und die Persönlichkeit sind allerdings nur selten von dieser Form der Demenz betroffen.

Auch die Lewy-Körperchen Krankheit ist eine Art der Demenz, bei welcher jedoch die sogenannten „Lewy-Körperchen” gehäuft auftreten. Darunter versteht man Einschlüsse von Eiweißresten in den Nervenzellen der Großhirnrinde. Diese ähneln den Plaques bei Alzheimer und können nicht richtig abgebaut werden. Die Lewy-Körperchen-Demenz erkennt man insbesondere an optischen oder auch akustischen Illusionen sowie an starken Stimmungs- und Wachheitsschwankungen der Patienten. Das Gedächtnis ist nur wenig betroffen, nimmt aber mit Fortschreiten der Erkrankung ab. Wie bei Parkinson stellen sich teilweise auch Muskelsteifheit und ein Zittern ein.

Die frontotemporale Demenz wird auch als Pick-Krankheit bezeichnet. Sie zerstört die Stirn- und Schläfenlappen des Gehirns und geht anders als andere Demenzarten mit starken Persönlichkeits- und Sozialverhaltensveränderungen einher. Das Gedächtnis ist dabei jedoch kaum beeinträchtigt.

Es gibt zwei Ausprägungsarten der Pick-Krankheit, eine passive und eine aktive Seite.

Passive Ausprägungsart:·      Apathie

·      Antriebslosigkeit

·      Verwahrlosung

Aktive Ausprägungsart:·      Euphorie

·      Starker Antrieb

·      Suchtverhalten

·      Kriminalität

Seltener, aber mit Demenz verwandt, sind zudem das Korsakow-Syndrom und eine Demenz im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie Parkinson oder Creutzfeldt-Jakob.

Arten Demenz

Kann eine Demenz geheilt werden?

Die meisten Fälle von Demenz sind unheilbar. Eine medikamentöse Behandlung kann den Verlauf um etwa ein bis zwei Jahre verlangsamen, doch letztlich wird sich die Demenz mehr und mehr bemerkbar machen und den Patienten den Rest seines Lebens begleiten.

Dies mag tragisch klingen, doch meist sind Betroffene bereits in hohem Alter, können auf ein langes Leben zurückblicken (und sich an viele weiter zurückliegende Ereignisse erinnern) und normal weiterleben, wenn ihre Angehörigen sie unterstützen.

Häufigkeit von Demenz, Sterblichkeit & Entwicklung

Demenz ist eine häufige Erkrankung im Alter. Weltweit erkrankt ca. alle drei Sekunden ein Mensch an einer Demenzerkrankung, 60% davon an Alzheimer, 10 bis 20% an einer vaskulären Demenz. Weitere 15 % sind Mischformen beider Demenzarten. Die Tendenz für eine Erkrankung steigt: 2030 werden weltweit schätzungsweise über 70 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung leiden, in Deutschland allein liegt die Zahl aktuell bei ca. 1,5 Millionen Menschen.

Frauen haben eine fast doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, wie Männer. Gleichzeitig nimmt die Häufigkeit der Demenzkranken mit steigendem Lebensalter exponentiell zu. Das Risiko einer 65-jährigen Frau, in der ihr verbleibenden Lebenszeit an einer Demenzform zu erkranken, liegt bei 34,5%. Das eines gleichaltrigen Mannes bei lediglich 16%.

Jahrelang haben Wissenschaftler geglaubt, dass dieses deutlich erhöhte Krankheitsrisiko darin seine Ursache hat, dass Frauen länger leben als Männer. Inzwischen ist diese Theorie allerdings widerlegt, denn auch jüngere Frauen erkranken häufiger als jüngere Männer.

Stattdessen, so zeigen neuere Forschungen, sind die Wechseljahre stark mit der Gedächtnisleistung verbunden. Ein höherer Spiegel des weiblichen Geschlechtshormons Östradiol sorgt für bessere Gedächtnisleistungen. Mit Beginn der Menopause kommt es zu Veränderungen im Gehirn, diese können zum Entstehen von Alzheimer führen.

Demenz galt lange Zeit als eine Krankheit, die selbst nicht tödlich ist. Heute weiß man, dass auch die Auswirkungen der Krankheit im Gehirn letztlich tödlich sind. Aufgrund der guten medizinischen Möglichkeiten der heutigen Zeit sind Begleiterkrankungen, die früher häufig die Todesursache von Demenzpatienten waren, inzwischen gut behandelbar, sodass Betroffene nach der Diagnose noch lange leben können. Bis es zu einem demenzbedingten Tod kommt, können viele Jahre vergehen.

Demenz Symptome: Geminderte geistige Fähigkeiten erkennen

Leichte Störungen des Gedächtnisses oder des Denkvermögens kennt jeder von uns: Vergesslichkeit, Unkonzentriertheit, Orientierungsprobleme. Wie können Sie diese von einer demenziellen Entwicklung abgrenzen? Es stimmt nämlich nicht, dass Altern zwangsläufig mit Gedächtnisstörungen und geistigen Problemen einhergeht.

Der Begriff „Demenz“ bezeichnet ein Krankheitsbild, das sich aus verschiedenen charakteristischen Symptomen zusammensetzt. Über die möglichen Ursachen der Demenz sagt dieser Begriff noch nichts aus. Eine Demenz wird dann von einem Arzt diagnostiziert, wenn intellektuelle Störungen in mehreren Bereichen nachweisbar sind und diese zu einer länger als sechs Monate andauernden Beeinträchtigung in der Bewältigung von Alltagsaufgaben führen. Dazu gehören:

  • Gedächtnisstörungen mit Einschränkungen beim Lernen von neuen Sachverhalten oder auch das Vergessen von früher Erlerntem
  • Störungen des Denkens, wie die eingeschränkte Urteilsfähigkeit oder ein reduziertes Umsetzungsvermögen
  • Störungen der emotionalen Kontrolle wie des Sozialverhaltens und der Motivation

Häufig treten noch weitere Symptome wie Schlafstörungen, Unruhe und Aggression, Depression, Apathie oder Halluzinationen auf.

Demenz kennt viele unspezifische und typische Symptome, die sich von Patient zu Patient unterscheiden. Im folgenden Abschnitt wird auf die wichtigsten Phasen und Faktoren eingegangen, die eine Demenz charakterisieren.

Wie beginnt eine Demenzerkrankung?

Die ersten Anzeichen für eine Demenz sind schleichend. Aus typischen Symptomen einer nachlassenden kognitiven Fähigkeit im Alter entwickeln sich Symptome in kürzeren Abständen und steigender Intensität. Der Mensch ist in der Lage viele Alltagspatzer zu kaschieren, daher treten die wirklichen Anzeichen einer Demenz erst spät in den Vordergrund, wenn die Betroffenen es nicht mehr schaffen, sie zu verstecken.

In der genauen Ausprägung der Symptome ist es nicht eindeutig möglich zu sagen, wie eine Demenz genau beginnt. Dies ist von Patient zu Patient unterschiedlich und während einige Patienten schon früh starke Symptome zeigen, dauert es bei anderen lange, bis diese „Anfangssymptome” auftreten. Sie können aber auch ganz ausbleiben.

Anzeichen Demenz

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer & seniler Demenz?

Alzheimer und Demenz sind stark miteinander verbunden. Tatsächlich handelt es sich bei Alzheimer um eine Form der Demenz. Alzheimer lässt einen Teil des Hirngewebes degenerieren, sodass die geistige Leistungsfähigkeit und das Gedächtnis mit der Zeit verloren gehen. Bei seniler Demenz handelt es sich nur um eine andere Bezeichnung für die Alzheimer Krankheit.

Alzheimer ist eine tückische Krankheit, die starke Einflüsse auf das soziale Miteinander hat. Es ist sehr wichtig, ausreichend über die Krankheit Bescheid zu wissen, nicht nur dafür, dass Symptome bei sich selbst bemerkt werden können, sondern auch für den Umgang mit anderen Alzheimer- oder Demenzpatienten. Das Umfeld muss sensibel auf Veränderungen im sozialen Gefüge reagieren.

Das gilt es zu wissen:

  • Vergesslichkeit ist nicht gleich Demenz.

Jeder kennt es: Die Peinlichkeit, einen Termin vergessen zu haben oder wenn einem der Name eines guten Bekannten gerade nicht einfällt, gehört für nahezu jeden Menschen zum Alltag. Es passiert sowohl jungen als auch alten Menschen und ist meist nur auf Stress oder generelle Unaufmerksamkeit zurückzuführen. Mit zunehmendem Alter kommt eine solche Vergesslichkeit allerdings häufiger vor, und auch das gehört zu einem normalen Alterungsprozess dazu. Anders sieht es allerdings aus, wenninnerhalb weniger Minuten die gleiche Frage gestellt wird und die Vergesslichkeit zur Norm wird. Das ist ein deutliches Zeichen für Demenz.

  • Nicht immer ist Demenz unheilbar.

Demenz hat viele Unterformen, einige davon sind sogar heilbar. Bestes Beispiel: Ein Vitamin-B12-Mangel kann zu einer Demenz führen, aber einfach behoben werden, wenn Präparate eingenommen werden.

  • Alzheimer bleibt ein Rätsel.

Alzheimer äußert sich durch einen Abbau von Nervengewebe im Gehirn bzw. durch einen Schwund der Gehirnrinde. Auslöser dafür sind Plaques (Eiweißablagerungen), die zum Absterben von Zellen führen. Warum diese Plaques entstehen, ist trotz intensiver Forschung noch immer unklar. Wenn aber in einer Familie mehrere Fälle von Alzheimer aufgetreten sind, so ist das Risiko für die nächste Generation erhöht.

  • Immer schnell zum Arzt gehen.

Eine frühzeitige Diagnose ist sehr wichtig, um schnell eine wirkungsvolle Behandlung beginnen zu können. Leider sind gerade die Patienten selbst meist nicht einsichtig bezüglich ihrer Krankheitsanzeichen und wirken auch auf ihre Umwelt gesund. Nur Angehörige, die mit der Person mehr Zeit verbringen, erkennen Ansammlung der Anzeichen. Die erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt, der eine Überweisung zum Neurologen oder in eine Gedächtnisambulanz ausstellen kann. Danach folgen viele Untersuchungen, um andere Symptomursachen auszuschließen.

  • Säulen einer Alzheimer-Therapie.

Auch wenn Alzheimer nach wie vor nicht heilbar ist, kann die Krankheit doch zumindest in Schach gehalten werden. Erfolgreiche Ergebnisse erzielt dabei das Vier-Säulen-Modell aus Medikamenten, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen (z. B. Memantine), Medikamenten, die Symptome wie nächtliche Unruhe, Aggressivität und Angstzustände lindern (z. B. Risperidon), Ergo- und Physiotherapien als Hilfe bei der Alltagsorientierung undUnterstützung für die Angehörigen, damit diese sich nicht selbst verlieren und gesund bleiben. Das ist besonders wichtig, da viele pflegende Angehörige selbst schon über 65 Jahre alt sind.

  • Es gibt keinen klassischen Krankheitsverlauf.

Alzheimer ist sehr individuell. Viele Patienten entwickeln Angstzustände, Unruhe und werden auch aggressiv, andere hingegen bleiben friedlich und freundlich. Wichtig ist es, dem Patienten bürokratische Aufgaben abzunehmen und entsprechende komplizierte Verpflichtungen von ihm fernzuhalten. Ebenfalls hilfreich sind eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht, um im Notfall alle Entscheidungen treffen zu können.

  • Wertschätzung entgegenbringen wirkt wahre Wunder.

Niemand mag es, seine Fehler vergegenwärtigt zu bekommen, auch Alzheimerpatienten sind da nicht anders. Erzählt ein erkrankter Angehöriger eine Geschichte mehrmals, dann sollten dies locker genommen und nicht kommentiert werden. In der Psychotherapie wird diese Akzeptanz der Welt des Patienten als „Wertschätzung” bezeichnet. Betroffene können Patienten gut über Emotionen erreichen (schöne Erinnerungen wie z. B. die Hochzeit, die Geburt der Kinder). Die Biografie kann Gespräche erleichtern, denn das Langzeitgedächtnis bleibt meist gut intakt.

Welche Stadien von Alzheimer gibt es?

Alzheimer verläuft in drei Stadien, die unterschiedlich lange, durchschnittlich jedoch etwa drei Jahre andauern. Im ersten Stadium lässt besonders das Kurzzeitgedächtnis nach, die Betroffenen vergessen beispielsweise schnell, was wenige Minuten zurückliegt. Ihr Wortschatz schrumpft und sie verlieren das Interesse für frühere Hobbies.

Im zweiten Stadium finden sich die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zurecht. Längere Konzentrationsphasen, etwa beim Autofahren, werden so gut wie unmöglich.

Vor allem im dritten Stadium wird ein Orientierungsverlust deutlich. Auch das Erkennen von nahen Angehörigen und die Kontrolle über körperliche Funktionen ist deutlich gestört.

Stadien Demenz

Demenz Ursachen: Warum lassen geistige Fähigkeiten nach?

Eine Demenz kann auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden. Teils sind diese vaskulärer Natur, aber auch äußerliche Einwirkungen auf den Organismus können die geistigen Fähigkeiten beeinflussen.

Typische Ursachen einer Demenz:

  • Veränderungen in der Gehirnstruktur: Oft löst die Alzheimer Krankheit eine Demenz aus. Das Gehirn wird beeinträchtigt, Durchblutungsstörungen und multiple kleine Gehirninfarkte können Demenz auslösen.
  • Infektionen: Infektionen wie HIV oder Tuberkulose können zu Demenz führen. In 10 bis 30% der Fälle ist eine behandelbare medizinische Erkrankung die Ursache für Demenz-Symptome.
  • Stoffwechselstörungen: Einige Arten von Demenz entstehen durch übermäßige Arzneimitteleinnahme, Alkoholmissbrauch, Mangelernährung oder durch Schilddrüsenfunktionsstörungen.
  • Psychische Erkrankungen: Depressionen oder Angstzustände verursachen eventuell Beschwerden, die wie eine Demenz wirken. Es handelt sich dann aber nicht um eine Demenz.

Risikofaktoren für eine Demenz

Trotz umfangreicher Forschung ist es der Wissenschaft bislang nicht gelungen, ein Medikament gegen Demenz zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, zu wissen, wie man der Krankheit vorbeugt. Inzwischen spricht vieles dafür, dass bereits geringe Veränderungen des Lebensstils das Risiko für Demenz und Alzheimer maßgeblich reduzieren.

Risikofaktoren für eine Demenz sind insbesondere ein Bewegungsmangel, das Rauchen sowie ein niedriger Bildungsgrad. Nach Schätzungen von Experten könnten 50% der Demenzerkrankungen durch Lebensstilumstellung verhindert werden.

Haben Sie’s gewusst?

Auch Zucker hat einen Einfluss auf die Erkrankung an Alzheimer. Diabetiker erkranken häufiger an Demenz, dies liegt daran, dass die Eiweißmoleküle im Gehirn verzuckern. Das Insulinregulierungsenzym MIF (macrophage migration inhibitory factor) geht gleichzeitig seiner Arbeit nicht mehr ausreichend nach. Ein Verzicht auf Zucker ist eine gute Möglichkeit, die Gefahr einer Demenz zu verringern.

Beruhigungstabletten erhöhen Ihr Demenzrisiko

Gut 2 Millionen Deutsche werfen regelmäßig Schlaf- und Beruhigungsmittel ein. Was den meisten nicht bewusst sein dürfte: Die Pillen machen nicht nur süchtig, sondern erhöhen beunruhigenderweise auch das Demenzrisiko. Unter besonderem Verdacht steht hier der Wirkstoff Benzodiazepin, auch unter den Handelsnamen Valium, Adumbran oder Tavor bekannt.

In einer Studie der Universität Bordeaux Segalen mit 3.777 Teilnehmern über 65 erkrankten innerhalb von 15 Jahren 23 Prozent der Teilnehmer, die keine Benzodiazepin-Präparate einnahmen, an Demenz.

Bei denen, die die Pillen regelmäßig schluckten, erkrankten jedoch 32 Prozent. Die Ärzte warnen eindringlich: Benzodiazepine machen innerhalb weniger Wochen abhängig. Sie sollten am besten gar nicht und wenn dann nur niedrig dosiert und so kurz wie möglich eingenommen werden, maximal zwei Wochen lang. Wer bereits süchtig ist und die Medikamente wieder absetzen will, muss mit schweren Entzugserscheinungen rechnen und sollte dies nur unter ärztlicher Aufsicht tun.

Einfluss von Einsamkeit auf das Demenzrisiko

Menschen, die sehr einsam sind, haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Alzheimer. Diese Erkenntnis haben Forscher schon vor einigen Jahren erlangt. Den Grund dafür konnten sie schnell mitliefern: Einsamkeit bedeutet, dass das Gehirn weniger angesprochen und angeregt wird. Diese fehlende geistige Abwechslung führt dann zur Demenzerkrankung. Doch neue Forschungen legen eher den Schluss nahe, dass es umgekehrt sein könnte: Einsamkeit lässt sich als Anzeichen für eine beginnende Demenzerkrankung deuten.

Amerikanische Forscher hatten dies herausgefunden, als sie fast 80 ältere Menschen auf ihren geistigen Zustand hin untersuchten und befragten, wie groß ihre Einsamkeit war. Die Studienteilnehmer waren im Schnitt 76 Jahre alt und bekamen jeder drei Fragen gestellt:

  • Wie oft fühlen Sie sich von anderen Menschen isoliert?
  • Wie oft fühlen Sie sich ausgeschlossen?
  • Wie oft vermissen Sie Gemeinschaft?

Auf jede Frage mussten die Teilnehmer anhand einer Punkteskala antworten, diese reichte von 1 für nie bis 4 für sehr oft.

Zusätzlich wurden die Gehirne der Teilnehmer mit einem Positronenemissionstomografen (PET) durchleuchtet. Durch dieses Gerät konnten die Forscher bestimmen, wie viele Amyloid-ß-Ablagerungen im Gehirn zu finden sind. Hierbei handelt es sich um Eiweißablagerungen, die sich vor allem bei Menschen bilden, die unter Alzheimer leiden. Es zeigte sich: Menschen, bei denen viele dieser Ablagerungen zu finden waren, wiesen ein besonders großes Risiko auf, sich einsam zu fühlen verglichen mit denjenigen, bei denen wenige Ablagerungen im Gehirn zu finden waren.

Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit, sich einsam zu fühlen, siebenmal so hoch. Hinzu kommt: Es gibt Menschen, die verfügen über ein bestimmtes Gen, das Gen APOEε4. Bei den Studienteilnehmern, die dieses Gen aufwiesen, ließen sich nicht nur mehr Ablagerungen nachweisen, sie fühlten sich zudem besonders einsam.

Gruppe von Senioren
© yuri arcurs - Fotolia

Die Forscher weisen darauf hin, dass große Einsamkeit im Alter tatsächlich mit krankhafter Gehirnveränderung verbunden ist. Einsamkeit kann daher tatsächlich ein Anzeichen für ein frühes Stadium der Demenzerkrankung sein.

Ging man bisher davon aus, dass Einsamkeit Alzheimer begünstigt, muss man heute in Betracht ziehen, dass die Ablagerungen im Gehirn die Wahrnehmung von Einsamkeit verändern. Hinzu kommt, so die Wissenschaftler, dass beide Prozesse sich auch gegenseitig verstärken bzw. begünstigen können.

Auch wissen wir schon länger, das Depressionen, verstärkte Angst oder Reizbarkeit im Alter ein Anzeichen für Alzheimer sein können. Allerdings ist noch nicht erforscht, wie stark sich solche emotionalen Verhaltensänderungen wirklich auf die Entstehung der Demenzerkrankung auswirken.

Daher weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass es wichtig ist, emotionale Veränderungen, aber auch emotionale Faktoren wie Einsamkeit mit abzufragen bzw. im Auge zu behalten. So kann man in Zukunft das persönliche Alzheimerrisiko besser erkennen bzw. eine Alzheimererkrankung deutlich früher erkennen. Denn bisher werden Demenzerkrankungen in der Regel viel zu spät entdeckt und damit sind sie viel schlechter zu behandeln bzw. aufzuhalten als in einem frühen Stadium.

Demenz Diagnose: Tests & Untersuchungen als Früherkennung

Nicht immer wird eine Demenz rechtzeitig erkannt und nicht immer reagieren Betroffene so, wie ihre Angehörigen es erwarten oder gerne hätten. Vor allem bei Alzheimer spielt eine frühe Entdeckung aber eine wichtige Rolle, insbesondere bei der Behandlung.

Sind Ihnen Veränderungen der Gedächtnisleistung, der Urteilskraft, der Bewältigung alltäglicher Aufgaben, Veränderungen des Verhaltens oder der Stimmung aufgefallen, sollten Sie frühzeitig Ihren Arzt aufsuchen. Dieser wird eine genaue Anamnese bei Ihnen erheben. Dazu gehört, dass eine körperliche Untersuchung sowie Laboruntersuchungen durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Woran kann man eine Demenz erkennen?

In den Vereinigten Staaten konnten mithilfe eines EEGs (Elektroencephalogramm) in den Gehirnströmen eines Menschen Unterschiede zwischen Demenzpatienten und gesunden Menschen gefunden werden. Die Fähigkeit, Aromen zu erkennen, unterschied sich bei vereinzelten Gerüchen. Tatsächlich ist das Geruchsempfinden bei Alzheimerpatienten gestört. Die Gründe dafür sind weitgehend unbekannt. Einige Gerüche können jedoch, werden sie nicht entdeckt, nachweislich auf eine spätere Alzheimer-Erkrankung hinweisen.

Nicht erkannte Gerüche, die auf Alzheimer hinweisen können:

  • Nelken
  • Leder
  • Limone
  • Menthol
  • Gas
  • Ananas
  • Rauch
  • Seife
  • Erdbeeren

Erstaunlicherweise zeigte ein derartiger Test auf Geruchserkennung in ersten Studien eine größere Genauigkeit als andere, beispielsweise genetische Testmethoden. Als akzeptiertes Testverfahren kann die Geruchsprüfung allerdings noch nicht verwendet werden.

Checkliste für Demenz

Folgende Checkliste kann einen ersten Überblick über Symptome geben. Sie ersetzt natürlich keinen Arztbesuch mit qualifizierter Diagnose, kann aber ein Gefühl für die Symptome vermitteln. Ein Zustimmen zu den jeweiligen Aussagen ist immer ein Anzeichen für ein Demenz-Symptom.

Vergesslichkeit: Namen und Termine werden häufig vergessen und man ist unerklärlicherweise verwirrt. Das alltägliche Leben wird dadurch erschwert und es muss viel improvisiert werden.
Schwierigkeiten mit gewohnten Handlungen: Manchmal sind es Kleinigkeiten, manchmal sind es größere Schnitzer. Der Topf wird auf dem Herd vergessen, der Herd angelassen oder aber Rezepte funktionieren nicht mehr, weil wichtige Zutaten fehlen. Teilweise werden die Schwierigkeiten rätselhaft und unerklärbar.
Sprachprobleme: Die einfachsten Begriffe fallen einem nicht mehr ein. Stattdessen werden sogar unpassende Worte eingebaut. Umschreibungen sind häufig unnötig kompliziert.
Räumliche & zeitliche Orientierungsprobleme: Räumliche Orientierungsprobleme treten auf, man findet sich an gewohnten Orten nicht mehr zurecht und auch zeitlich scheint man wie aus der Welt gehebelt.
Eingeschränkte Urteilsfähigkeit: Gerade bei der Kleidungsauswahl kommt es zu Problemen. Die Kleidung passt nicht mehr zum Wetter und auch in anderen Belangen werden unpassende Entscheidungen getroffen.
Probleme mit Geldgeschäften: Abstraktes Denken ist kaum mehr möglich. Eine einfache Rechnung sorgt für starke Verwirrung.
Liegenlassen von Gegenständen: Oft finden sich Dinge an seltsamen Orten wieder. Ständig müssen Gegenstände gesucht werden und tauchen beispielsweise im Kühlschrank oder in der Zuckerdose wieder auf.
Persönlichkeitsveränderungen: Stimmungsschwankungen sind üblich. Ärger, Eifersucht oder Ängste treten in Situationen auf, die früher als Kleinigkeiten abgetan wurden. Es kommt zu schnellen Schwankungen zwischen guter und sehr schlechter Laune. Dies gilt aber nicht für alle Demenzkranke.
Verlust der Eigeninitiative: Eine Motivationslosigkeit macht sich breit.

Welche Untersuchungen werden beim Demenz-Verdacht durchgeführt?

Es gibt keinen einheitlichen Test, der bei einem Verdacht auf Demenz durchgeführt werden kann. Häufig werden stattdessen verschiedene Tests gemacht, um diverse Krankheiten auszuschließen. Dabei sind neurologische, aber auch körperliche Untersuchungen üblich. Um zum Beispiel einen Tumor auszuschließen, können bildgebende Verfahren (CT, MRT) eingesetzt werden. Ein geschrumpftes Gehirn deutet auf diesen Bildern wiederum auf eine Demenz hin. Andere typische Testverfahren sind Untersuchungen von Blutdruck, Herzrhythmus, Muskelreflexe und Pupillenreaktion.

Der neurologische Demenz-Test ist ebenfalls eine Demenztestung. Sie ist auch unter dem Namen „Uhrentest” bekannt. Die Fähigkeit zur Konzentration ist ein wichtiger Faktor bei der Demenz-Diagnose. Ein Patient soll eine Uhr auf ein Blatt Papier malen, in Form eines Kreises mit den Zeigern auf einer bestimmten Uhrzeit. Menschen mit starker Demenz schaffen dies nicht. Die Zeiger sind irgendwo eingezeichnet und auch der Kreis ist beispielsweise nicht geschlossen.

Behandlung von Demenz: Medikamente & Methoden gegen Vergesslichkeit

Um Demenz angemessen zu behandeln, gibt es verschiedene Medikamente aber auch anderweitige Methoden.

Welche Medikamente helfen bei einer Demenz?

Medikamente werden hauptsächlich eingesetzt, um den Verlauf der Krankheit zu verlangsamen. Wirkstoffe wie Donepezil (Aricept®), Acetylcholinesterase (AChE)-Hemmer, senken das Risiko des Fortschreitens von leicht kognitiven Störungen zu einer Alzheimer-Krankheit. Die AChE-Hemmer Galantamin (Reminyl®) und Rivastigmin (Exelon®) erzielen ähnliche Effekte.

Wie kann der Verlust der geistigen Fähigkeiten natürlich verhindert werden?

Auch die Gabe von Vitaminen kann helfen, den Homozystein-Spiegel zu reduzieren. Die Aminosäure Homozystein gilt nach neueren Erkenntnissen als Risikofaktor für die Gesundheit der Nervenzellen im Gehirn.

Geeignete Mittel zur Vorbeugung von Demenz sind insbesondere die Vitamine C und E. Diese verhindern zelluläre Abbauprozesse im Gehirn. Vitamin C ist in fast allen Obst- und Gemüsesorten enthalten, Vitamin E findet sich in Sonnenblumenöl und Haselnüssen.

Welche Therapie hilft bei Demenz?

Neben der medikamentösen Therapie kann auch durch Gedächtnistraining die Demenz eingedämmt werden. Als besonders interessant haben sich in den letzten Jahren psychotherapeutische Behandlungsweisen erwiesen. Durch Einfühlung in den Patienten können so beispielsweise die Beweggründe für Verhalten erkannt werden und ein Therapeut kann sich besser in das Gegenüber hineinversetzen. Informationen in einem Ich-Pass, ähnlich einem „Freundebuch” können schnell Einblick in den Patienten liefern und regelmäßig aktualisiert werden.

Demenz Prävention: Geistige Fähigkeiten lange erhalten

Es gibt auch Möglichkeiten, das Demenzrisiko aktiv zu minimieren oder zumindest den Ausbruch hinauszuzögern. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Ernährung. Forscher entdeckten zehn Lebensmittelgruppen, die sich sehr positiv auf die Gehirngesundheit auswirkten.

Lebensmittelgruppen mit positivem Effekt:

  • Gemüse
  • Vollkornprodukte
  • Fisch & Nüsse (durch Omega-3-Fettsäuren)
  • Geflügel
  • Beeren
  • Bohnen
  • Olivenöl

Darüber hinaus haben sich fünf Lebensmittelgruppen als sehr ungesund für das Gehirn herausgestellt.

Lebensmittelgruppen mit negativem Effekt:

  • Butter & Margarine
  • Rotes Fleisch
  • Fast Food & Gebratenes
  • Käse
  • Süßwaren & Gebäck

Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut erhöht ebenfalls das Demenz-Risiko, da die Bildung von Plaques gefördert wird. Daher sollten die Werte im normalen Bereich (160mg/dl) gehalten werden. Auch Transfettsäuren, die in gehärteten, hoch erhitzten Fetten vorkommen, sollten vermieden werden.

Stattdessen können Ballaststoffe im Darm Gallensäure abfangen, die für die Cholesterinbildung verwendet wird. Zusammen mit genügend Flüssigkeitsaufnahme (trotz weniger Durst im Alter) kann das Gehirn wieder besser arbeiten.

Gedächtnistraining gegen Demenz

Hat das Gehirn oft Pause, kann dies Demenzerkrankungen begünstigen. Menschen mit einem Leben in geordneten Bahnen, mit täglichen Aufgaben und ständiger Aktivität, die besonders viel Pflichtgefühl zeigten, hatten ein um 89% niedrigeres Alzheimer-Risiko als Menschen mit weniger Pflichtgefühl und geordneten Lebensbahnen. Die Ausprägungen der Demenz werden durch ein regelmäßiges Training allerdings nicht beeinflusst, die Krankheit selbst tritt nur statistisch seltener auf.

Bewegung verbessert das Gehirn

Sport und Bewegung bauen Nervenzellen auf und zwar genau in der Region des Gehirns, die für Gedächtnisleistungen zuständig ist. Ganz besonders gut gelingt dies, wenn die Bewegung mit Spaß verbunden ist. Darauf wies dieser Tage auch die Techniker Krankenkasse (TK) hin.

Allerdings ist das bei einer 96-Jährigen kein leichtes Unterfangen. Die TK empfiehlt Angehörigen von demenzkranken Menschen, die betroffenen Familienmitglieder zur Aktivität zu ermuntern. Allerdings, so zeigt eine FAZ-Studie im Auftrag der TK, bewegt sich nur jeder Siebte der über 60-Jährigen regelmäßig. Wie der Zellaufbau im Gehirn funktioniert, erklärt der bekannte Hirnforscher Professor Manfred Spitzer von der Universität Ulm:

„Es ist tierexperimentell eindeutig nachgewiesen, dass durch Bewegung dafür gesorgt wird, dass Nervenzellen vermehrt nachwachsen. Dies hat positive Auswirkungen auf Merkfähigkeit und Gedächtnis. Für diesen Effekt ist es aber wichtig, dass die motorische Tätigkeit gerne und freiwillig erfolgt”, sagt Spitzer.

Denn die Freude an der Aktivität garantiere auch eine entsprechende Hormonausschüttung und damit die nötigen chemischen Prozesse. Bewegung und Hormone kombiniert, ergeben dann das Zellwachstum. Von der Art und dem Stadium der Erkrankung hänge es ab, so Spitzer, wie sich die Symptomatik durch positive Emotionen und Bewegung bessere. Außerdem trainiert die regelmäßige Bewegung die Mobilität im Alltag und schützt vor Stürzen, die mit ihren Folgeverletzungen im Alter bekanntermaßen ein zusätzliches Gesundheitsrisiko darstellten.

Demenz vorbeugen betrifft den gesamten Lebensstil

Nicht nur die Ernährung, sondern auch die Bewegung ist wichtig im Kampf gegen die Demenz. Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen, oder Nordic Walking verbessern die Durchblutung und schützen vor Gefäßerkrankungen, die Alzheimer und vaskuläre Demenz begünstigen.

Auch soziale Kontakte sind ein hilfreiches Mittel, um geistig fit zu bleiben. Ein aktiver Lebensstil, gepaart mit bewusster Ernährung, ist das beste Mittel gegen Demenz.

8 Schritte bei Demenz-Diagnose: Das ist zu tun

1. Die rechtliche Problematik bei einem Demenzkranken

Die eigenen Angelegenheiten können nicht mehr geregelt werden, Rechtsgeschäfte können nicht mehr abgeschlossen werden, Willenserklärungen nur noch unzureichend abgegeben werden. Das ist oft das Resultat einer Demenzerkrankung.

Wichtig ist die erste Phase einer Demenzkrankheit, wenn der Betroffene seinen Willen noch äußern kann: Hier muss er aktiv in Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden. Rechtliche Dokumente müssen verfasst werden, in denen zum Beispiel gesundheitliche und finanzielle Angelegenheiten geregelt werden. Die folgenden Schritte sollten Sie als Angehöriger gehen:

2. Lassen Sie die Geschäftsfähigkeit feststellen

Jemand, der an einer Demenz leidet, kann durchaus anfänglich weiter geschäftsfähig sein. Dies kann ein Psychiater feststellen und dann die Testierfähigkeit attestieren. Die Geschäftsfähigkeit hängt davon ab, ob der Kranke noch die Tragweite seiner  Entscheidung in Bezug auf das Rechtsgeschäft abschätzen kann. Wichtig ist das für den Fall, dass ein Testament abgeschlossen werden soll. Ist keine Geschäftsfähigkeit festgestellt, aber schon die Diagnose Demenz gestellt, kann das Testament angefochten werden.

3. Lassen Sie die Willensfähigkeit des Betroffenen prüfen

Je nach Ausprägung der Demenz kann auch weiter Willensfähigkeit bestehen. Hier ist es wesentlich, ob vor einer Entscheidung die Vorteile und Nachteile gegeneinander abgewogen werden können, zum Beispiel in Bezug auf die Durchführung einer Therapie. Auch die Willensfähigkeit kann ein Psychiater attestieren.

4. Überprüfen Sie die Haftpflichtversicherung des Betroffenen

Demenzerkrankungen gehen einher mit vermehrten Unfällen im häuslichen Bereich: Stürze und alle Arten von Missgeschicken kommen durch Selbstüberschätzung und Fehlhandlungen vor. Schon bestehende Haftpflicht- und Hausratversicherungen verändern sich nicht durch das Auftreten einer solchen Krankheit. Dennoch sollten Sie den Versicherungsschutz überprüfen. Sollte er nicht ausreichend sein, muss eine geeignete Versicherung abgeschlossen werden.

5. Informieren Sie gegebenenfalls das Straßenverkehrsamt

Demenzkranke sollten kein Auto mehr fahren. Das gilt bereits für die Anfangsstadien der Krankheit. Denn sehr schnell lassen Reaktionsvermögen sowie das Einschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeiten nach. Oft sind die Betroffenen aber sehr uneinsichtig, gerade wenn es um dieses Thema geht.

Im Notfall kann auch Ihr Arzt anonym aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht eine Anzeige beim Straßenverkehrsamt erstatten. Sinnvollerweise geschieht dies jedoch durch die Angehörigen. Der Gemeldete muss sich dort dann einem psychologischen Test unterziehen, der über die Fahrerlaubnis entscheidet.

6. Nutzen Sie alle Möglichkeiten der Patientenvertretung

Im Frühstadium einer solchen Erkrankung sollten Sie mit dem Betroffenen die folgenden Vertretungsmöglichkeiten durchsprechen und entsprechende Formulare ausfüllen bzw. beim Notar beglaubigen lassen und folgende Dokumente hinterlegen:

  • Vorsorgevollmacht. Im Rahmen dieser Vollmacht können wirtschaftliche und persönliche Dinge geregelt werden. Der Bevollmächtigte hat im Notfall das Recht, alle Regelungen zu treffen. Diese Vollmacht ist nur dann sinnvoll, wenn der Kranke eine Person auswählt, zu der er vollstes Vertrauen hat.
  • Betreuungsverfügung. In dieser Verfügung kann der Betroffene im frühen Stadium der Krankheit dem Vormundschaftsgericht einen Betreuer vorschlagen. An diesen Vorschlag ist das Gericht grundsätzlich gebunden. Der vorgeschlagene Betreuer steht dann unter der Aufsicht des Vormundschaftsgerichtes.
  • Patientenverfügung. Diese richtet sich an den behandelnden Arzt und enthält Festlegungen des Kranken im Hinblick auf seine medizinische Versorgung, insbesondere für den Fall eines Notfalls. Die Verfügung wird geschrieben nach dem Willen des Kranken. Da sein Wille sich jedoch im Verlauf einer Erkrankung ändern kann, sollten Sie Angelegenheiten wie Wiederbelebungsmaßnahmen etc. im Detail mit ihm besprechen. Denn zu einem Zeitpunkt, wo der Kranke dann „willenlos” ist, ist Ihre Einschätzung seines mutmaßlichen aktuellen Willens ausschlaggebend und diesen sollten Sie vorab mit dem Kranken besprechen.

7. Regen Sie die Einrichtung einer Betreuung an

Wenn die Betroffenen persönliche Angelegenheiten wie die Vermögensverwaltung nicht mehr eigenständig regeln können und keine anderen frühzeitig getroffenen Verfügungen etc. vorliegen, sollte eine Betreuung eingerichtet werden. Betreuer kann ein Angehöriger oder eine fremde Person sein.

Letzteres kostet Geld, je nach Vermögen des Betroffenen. Folgende Schritte müssen Sie für die Einrichtung einer Betreuung einleiten:

  • Ein ärztliches Gutachten muss erstellt werden mit der Angabe des Grundes, des Umfangs und der voraussichtlichen Dauer der Betreuung.
  • Dann wird beim Vormundschaftsgericht ein Antrag auf Betreuung gestellt.
  • Das Gericht entscheidet auf der Grundlage dieses Gutachtens und nach einer persönlichen Anhörung des Betroffenen, ob eine Betreuung notwendig ist.

8. Denken Sie an den Schwerbehindertenausweis

Demenzkranke haben, ebenso wie körperlich Kranke, einen Anspruch auf Anerkennung als Schwerbehinderte. Diesen Ausweis müssen Sie beim Versorgungsamt beantragen. Er bringt unter anderem steuerliche Vorteile und Ermäßigungen in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wohngemeinschaften für demenzkranke Patienten

In früheren Generationen lebten die Menschen in Großfamilien auf dem Land. Nicht selten wohnten hier drei oder vier Generationen unter einem Dach. Da gab es immer jemanden, der sich um ein krankes oder schwaches Familienmitglied kümmern konnte.

Auf dieser Geborgenheit in einem stabilen sozialen Umfeld basiert die Grundidee der Demenz-Wohngemeinschaften. Hier sollen die Patienten so viel Normalität wie möglich in ihrem Alltagsablauf erfahren, eingebunden sein in die häuslichen Arbeiten und dennoch unter fachkundiger Aufsicht stehen.

Die erste Wohngemeinschaft für Demenzkranke wurde in den späten 1990-er Jahren von dem Berliner Verein „Freunde alter Menschen“ gegründet. Damit ein überschaubarer Alltagsablauf entstehen kann, darf die Gruppe in einer solchen Wohngemeinschaft nicht zu groß sein. Sechs bis neun Patienten gelten als optimal, damit eine Art Familienleben entsteht.

Gruppe von Senioren
© yuri arcurs - Fotolia

Aufbau des Modells „Wohngemeinschaft“

  • Jedes Gruppenmitglied hat sein eigenes Zimmer, das er mit seinen vertrauten Möbeln ausstattet.
  • Zusätzlich gibt ein großes Gemeinschaftswohnzimmer als Raum für ein geselliges Zusammensein.
  • Die Aufsicht und bei Bedarf auch Pflege wird von einem ambulanten Pflegedienst übernommen.
  • Die Angehörigen können in den Tagesablauf mit eingebunden werden.

Meistens ist ein gemeinnütziger Verein der Initiator

Als Hauptmieter der großen Wohnungen oder Häuser für die Wohngemeinschaften tritt meistens ein Verein, eine Interessengemeinschaft oder auch ein Pflegedienst auf. Es gibt inzwischen aber auch professionelle Betreiber.

Allerdings darf der Vermieter nicht der Initiator der Wohngemeinschaft sein, da sie sonst unter das Heimgesetz fallen würde. Jeder Bewohner der WG hat dann seinen eigenen Mietvertrag mit dem Hauptmieter. Mit diesen anteiligen Kosten müssen Sie rechnen:

  • Miete
  • Strom und Telefon
  • Haushaltspauschale (ca. 200 bis 300 € pro Monat)
  • Pflegekosten laut Pflegevertrag

Eventuell wird auch eine Pauschale für die 24-stündige Versorgung in Höhe von etwa 200 Euro monatlich erhoben. Wenn bei Ihnen die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, werden alle anfallenden Kosten auch vom Sozialamt bezahlt. In jedem Fall ist das beaufsichtigte Leben in einer Wohngemeinschaft kostengünstiger als die Unterbringung in einem Pflegeheim.

Die wichtigsten Vorteile der Wohngemeinschaften für Demenzkranke

  • Alltägliche Fertigkeiten wie kochen, bügeln oder die Versorgung der Haustiere bleiben länger erhalten durch gezielte Förderung.
  • Die Patienten erleben einen normalen Alltag und werden nicht als Kranke behandelt.
  • Auf dämpfende Psychopharmaka kann weitgehend verzichtet werden, wodurch Stürze und Bettlägerigkeit seltener vorkommen.
  • Bei Bedarf steht rund um die Uhr fachkundige Betreuung zur Verfügung.
  • Alle Bewohner haben dieselbe Erkrankung, daher kann die Betreuung optimal dem Krankheitsbild angepasst werden.

Fazit: Demenz ist ein Job für die ganze Familie

Ein Fall von Demenz in der Familie ist immer mit viel Aufwand und Problemen verbunden, sowohl bezüglich verschiedener neuer Verpflichtungen als auch wegen der psychischen Belastung des Betroffenen sowie der Angehörigen. Das Wichtigste ist es, dass die Demenz rechtzeitig erkannt und akzeptiert wird, damit entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet werden können.

Anzeichen wie übermäßige Zerstreutheit, Orientierungsprobleme und Wesensveränderungen sind immer Alarmsignale und sollten auch bei älteren Menschen untersucht werden.

Die Gehirnveränderungen im Zusammenhang mit Alzheimer und vaskulärer Demenz lassen sich zwar weder umkehren noch heilen, dennoch ist es möglich mithilfe verschiedener Methoden die Lebensqualität und das Selbstbewusstsein von Demenzpatienten signifikant zu verbessern. Dies jedoch ist nicht nur Aufgabe von Patient, Arzt und Therapeut, sondern ein Job für die ganze Familie.

Gepflegte Frauenbeine - Nahaufnahme

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