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Was ist eine Patellalateralisation? Ursachen, Symptome und Therapie

Wann sprechen Mediziner von einer Patellalateralisation? So kann die schmerzhafte Fehlstellung im Knie festgestellt und therapiert werden. (Foto: Adobe Stock - underdogstudios)

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Wenn die Kniescheibe seitlicher als normal liegt, dann reden Mediziner von einer Patellalateralisation. Der Begriff setzt sich aus dem lateinischen Namen für (Knie-)Scheibe = Patella und Seitwärtsverlagerung = Lateralisation zusammen.

Um nachvollziehen zu können, wie es zu einer solchen Fehlstellung kommen kann, schauen wir uns einmal kurz den Sinn und Nutzen einer Kniescheibe an: Die dreieckige Kniescheibe liegt vor dem Kniegelenk und funktioniert wie eine Art Platzhalter zwischen Kniegelenk und der Sehne des Oberschenkelmuskels. Zudem sorgt die Patella für eine optimale Übertragung der Zugkraft vom Oberschenkel auf den Unterschenkel.

Anatomie des Knies

Weicht die Kniescheibe nun von ihrer eigentlichen Position nach links oder rechts ab, dann führt dies zu einem verstärkten Abrieb des Gelenkknorpels und zu einer schmerzenden Überlastung des Kniegelenks. Spingt die Patella aus der Führung heraus, sprechen Mediziner von einer Patellaluxation.

Ursachen einer Patellalateralisation

Neben X-Beinen, Plattfüßen oder Fehlstellungen der Bein-Achse kann die Ursache für eine Kniescheibenfehlstellung vielfältig sein. Es gibt jedoch drei Dinge, die bei der Diagnose immer wieder als Auslöser festgestellt werden:

  1. Angeborene Patelladysplasie

Eine angeborene Fehlstellung der Kniescheibe oder eine Kniearthrose in jungen Jahren kann eine Lateralisation begünstigen und irgendwann zu Problemen bzw. Schmerzen führen. Auch Kinder sollten bereits früh und regelmäßig von einem Orthopäden auf mögliche Dysplasien untersucht werden – insbesondere dann, wenn bereits Fälle innerhalb der Familie bekannt sind.

  1. Instabile Seitenbänder und Knorpelschäden

Nach einem Unfall oder heftigen Aufprall ist es nicht selten, dass es zu Knorpelschäden an der Kniescheibe kommt oder die Seitenbänder an Stabilität verlieren. Dadurch wird die Patella nicht mehr ausreichend gestützt und mittig gehalten, wodurch sie sich zur Seite hin verschiebt.

  1. Ungleichgewicht der Oberschenkel-Muskulatur

Die Kniescheibe wird von den inneren und äußeren Oberschenkelmuskeln umgeben. Wenn nun zum Beispiel nur eine der beiden Muskulaturen trainiert oder einseitig belastet wird, entsteht ein Ungleichgewicht (muskuläre Dysbalance). Dadurch wird die Kniescheibe tendenziell mehr zur Seite gedrückt, anstatt an ihrer zentralen Position zu verbleiben. Oftmals ist bei der Dysbalance dann der äußere Oberschenkelmuskel stärker als der innere Oberschenkelmuskel. Häufig ist ein Ungleichgewicht zwischen Ober- und Unterschenkelmuskulatur im Übrigen bei Sportlern zu beobachten, die ihre Ziele vorschnell erreichen möchten und von jetzt auf gleich häufiger oder intensiver trainieren. Aber auch kein Sport und Übergewicht begünstigen die seitliche Verschiebung. Die verstärkte Druckbelastung oder das ungewohnt häufige Beugen des Kniegelenks, können zu einer Patellalateralisation führen. Ebenfalls verantwortlich für eine Fehlstellung könnte ein zu straffes oder steifes Außenband des Knies (laterales Retinaculum) sein, was zu einer erhöhten Druckbelastung an der Außenseite der Kniescheibe führt.

Um herauszufinden, welche Ursache für die Lateralisation der Patella verantwortlich ist, muss – neben einer gründlichen Untersuchung des Kniegelenks – auch ein entsprechendes bildgebendes Verfahren (Röntgen, MRT) angewandt werden.

Patellalateralisation: Das sind die Symptome

Die Symptome einer Patellalateralisation sind leider schleichend, denn eventuelle Schmerzen oder eine gewisse Gangunsicherheit machen sich meist erst dann bemerkbar, wenn der Knorpel bereits geschädigt oder sogar ganz zerstört wurde. Bei folgenden Symptomen sollten Sie schnellstens einen Arzt aufsuchen und sich untersuchen lassen, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden:

  • Instabiles Gefühl im Bereich der Kniescheibe
  • Schmerzen im vorderen Kniebereich oder direkt hinter der Kniescheibe
  • Schwellung, Hitzegefühl oder Druckempfindlichkeit an der Außenseite des Knies
  • Schmerzen beim Beugen des Kniegelenks, beim Abwärtsgehen oder beim Treppen steigen
  • Hörbares Reiben unter der Kniescheibe
  • Schmerzen beim längeren Verbleiben in derselben Position

Viele der Betroffenen merken durch den Reizzustand des Knies sehr schnell, dass sie das Sport-Training oder selbst alltägliche Bewegungsabläufe plötzlich nicht mehr wie gewohnt ausüben können. Wer hier nicht rechtzeitig agiert, riskiert eine Arthrose im Knie oder einen vorzeitigen Verschleiß des Gelenkknorpels.

Diagnose einer Patellalateralisation

Ob die Patella an ihrem natürlichen Platz sitzt oder verschoben ist, kann ein Arzt meist schon durch das reguläre Vorgespräch (Anamnese) mit dem Patienten feststellen. Um die Vermutung jedoch abzusichern, folgt eine körperliche Untersuchung des Knies. Hierzu legt sich der Patient mit dem Rücken auf eine Liege und führt verschiedene Streck- und Beuge-Bewegungen aus. Je nachdem wie stark die vermutete Fehlstellung der Kniescheibe oder der eventuelle Knorpelschaden bereits ist, wird zusätzlich noch etwas Druck auf die Kniescheibe ausgeübt, der unter Umständen einen Kompressionsschmerz auslöst.

Kniegelenk Aufbau

Reicht die körperliche Untersuchung nicht aus, bzw. um andere mögliche Erklärungen für die Schmerzen auszuschließen, können auch Röntgenaufnahmen, Sonografie oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) erforderlich werden. Während mithilfe der Röntgenaufnahmen die Position der Patella ganz genau bestimmt werden kann, werden durch die Sonografie Veränderungen oder Risse in der Sehne des großen Beinstreckermuskels (Quadrizeps) sichtbar. Das MRT wiederum ermöglicht einen detaillierten Blick auf die Strukturen der Bänder und Knorpel, kann jedoch erst Schäden ab dem 3. bis 4. Grades anzeigen. In ganz seltenen Fällen entscheidet sich der behandelnde Arzt für eine Arthroskopie (Gelenkspiegelung).

Tipp: Beim Röntgen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass nicht nur eine axiale Aufnahme der Patella angefertigt wird. Diese zeigt nämlich nur die Kontur der Kniescheibe, nicht jedoch eine eventuelle Fehlstellung. Um diese feststellen zu können, muss neben der axialen Röntgenaufnahme auch eine sogenannte Defilee-Aufnahme angefertigt werden. Defilee bedeutet, dass die Kniescheibe in einer 30, 60 und 90 Grad-Stellung geröntgt wird.

Therapie einer Patellalateralisation

Auch wenn eine nach außen verschobene Patella sehr schmerzhaft sein kann, ist sie dennoch gut therapierbar. Oftmals reichen bereits konservative Behandlungsmethoden wie zum Beispiel Krankengymnastik, das Aufkleben von Kinesio-Tapes oder tragen einer Bandage sowie die Einnahme von entzündungshemmenden Medikamenten:

  • Krankengymnastik

Um die Patella wieder in ihre natürliche Position zurückzuführen sie wieder besser in ihrer Rinne gleiten zu lassen, führen die Krankengymnasten oder Physiotherapeuten Übungen zur Muskelkräftigung und Muskeldehnung durch. Durch die Dehnung der verkürzten Muskelgruppen, das gezielte Muskeltraining und die Koordinationsübungen wird vor allem das Ungleichgewicht der Oberschenkelmuskulatur ausgeglichen und behoben.

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  • Kinesio-Tapes, Bandagen oder Orthesen

Kinesio-Tapes oder spezielle Kniebandagen und Orthesen können eine Instabilität der Seitenbänder oder der Patella ausgleichen. Achten Sie darauf, dass die Tapes von einem Fachmann geklebt werden, ansonsten tritt im Zweifelsfall keine Verbesserung ein und kann sogar Schaden anrichten.

  • Entzündungshemmende Medikamente

Durch entzündungshemmende Medikamente wie zum Beispiel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Naproxen oder Diclofenac, können die Beschwerden etwas gelindert werden. Meist werden Entzündungshemmer in der Anfangsphase verschrieben.

Sofern die Fehlstellung der Kniescheibe nicht zu Einschränkungen im Alltag führen oder Schmerzen verursacht, benötigen Sie im Übrigen keine spezielle Behandlung.

Wann muss eine Patellalateralisation operiert werden?

Sollten die konservativen Behandlungsmethoden nicht erfolgreich sein, ist eine kleine arthroskopische Operation gegebenenfalls die sinnvollere Alternative. Auch wenn ein ernsthafter Schaden am Knorpel zu befürchten ist, kommt ein operativer Eingriff in Betracht. Ziel der OP ist es, die Patella zu korrigieren und damit wieder zu stabilisieren und zu zentrieren. Um das zu erreichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Verlängerung des äußeren Haltebands

Wenn zu viel Druck auf der Kniescheibe lastet, kann das zu einem Verschleiß des Knorpels und somit zu starken Schmerzen an der Vorderseite des Knies führen. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn eine Fehlstellung vorliegt. Abhilfe kann ein offener operativer Eingriff schaffen, indem das äußere Halteband (laterale Retinaculum) künstlich verlängert wird.

  • Mediale Raffung

Wenn die Verlängerung des äußeren Haltebands nicht ausreicht, kann auch zeitgleich eine Straffung der inneren Anteile der Gelenkkapsel (mediale Kapselraffung) durchgeführt werden. Dabei wird die innen liegende Gelenkkapsel mit Nähten verstärkt. Somit wird zum einen verhindert, dass die Patella nach außen herausspringen kann (Patellaluxation) und zum anderen, dass die Kniescheibe nach innen verlagert wird.

  • Versatz des Kniescheibenbandes

Um ein instabiles inneres Kniescheibenband wieder zu festigen, kann eine Kniebeugen-Sehne entnommen und als Stabilisator für die Kniescheibe eingesetzt werden. Sollen dagegen Knorpelschäden korrigiert werden, kann auch die Versetzung der unteren Patellasehne sinnvoll sein. Hierbei wird am Unterschenkel der Ansatz des Kniescheibenbandes ausgelöst und um ca. 1-2 cm nach innen versetzt.

  • Sehnentransplantat

Ist der Bandapparat schwer geschädigt oder zu schwach, kann dieser durch ein Sehnentransplantat verstärkt werden.

Welche operative Methode letzten Endes gewählt wird, muss individuell entschieden werden. In manchen Fällen werden sogar mehrere operative Techniken miteinander kombiniert.

Patellalateralisation – Leichte Übungen für ein starkes Knie

Eine kräftige Kniemuskulatur kann jeder im Fitnessstudio oder zu Hause trainieren. Übungen wie zum Beispiel der Beinstrecker, Beinpresse oder Squats sind insbesondere nach einer Knie-OP wichtig, da die Oberschenkelmuskulatur aufgrund der langen Ruhephase nach einem operativen Eingriff spürbar erschlafft. Mit verschiedenen Übungen können Sie Kniebeschwerden vorbeugen, Disbalancen verhindern und die Kniescheibenführung verbessern:

  • Beinstrecker
  • Beinpresse
  • Squats
  • Bulgarische Kniebeugen
  • Streckübungen mit Therabändern
  • Kraftübungen der Qudrizepsmuskulatur
  • Radfahren mit höherem Sitz
  • Schwimmen (Rückenschwimmen und Kraulen)
  • Ausgedehnte Spaziergänge

Viele der Übungen werden auch in der Reha nach einer Knie-OP oder bei der Krankengymnastik angewendet. Hier wird Ihnen die korrekte Ausführung der Übungen gezeigt, damit Sie diese dann später auch zu Hause ausführen können.

Darf mit einer Patellalateralisation Sport gemacht werden?

Sport tut grundsätzlich gut, aber nicht alle Sportarten sind gut für unsere Knie. Wer Probleme mit dem Knie hat, sollte in erster Linie alle Sportarten vermeiden, bei denen das Knie stark beansprucht wird. Dazu gehören insbesondere Handball, Volleyball, Tennis oder Fußball. Die Stoßbelastung beim stetigen Brems- und Sprintaktionen oder schnelles Drehen können schnell zu einer Überbelastung des Knies und somit zu Schmerzen führen. Aber keine Sorge, Sportfans und Aktive haben immer noch genügend Möglichkeiten sich fit zu halten oder auszupowern. Dazu gehören zum Beispiel Schwimmen, Fahrrad fahren oder leichtes Krafttraining.

Auch wenn Ihre Lieblingssportart nicht gerade zu den kniefreundlichsten Sportarten gehört, müssen Sie sie deswegen keinesfalls aufgeben. Sie sollten lediglich ein paar Dinge beachten: Beinmuskulatur rund um das Knie regelmäßig trainieren und stärken, keine schweren Lasten tragen, so selten wie möglich in die Hocke gehen und im Alltag flache Schuhe mit gut gedämpfter Sohle tragen.

Joggen ist gut fürs Knie!

Ebenfalls zu den kniefreundlichen Sportarten gehört das Joggen. Obwohl Joggen bei vielen zu Schmerzen an und um die Patella führen kann, ist die Belastung dieser Sportart an sich nicht der Grund für die Schmerzen. Bei den meisten liegt die Ursache am vorhandenen Übergewicht, falsches Schuhwerk oder am verkehrten Abrollen der Fersen. Wer eine gute Lauftechnik und das passende Schuhwerk nutzt, für den ist Joggen durchaus eine empfehlenswerte und für das Knie geeignete Sportart.

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