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Histaminintoleranz: Symptome, Ursachen & Lebensmittel

(Foto: Udo Kroener - Fotolia)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Histaminintoleranz: Symptome, Ursachen & Lebensmittel

Wissenswertes über die Histaminintoleranz

Definition: Unzureichender Abbau von Histamin im Körper führt zu Abwehrreaktionen

Symptome: Bei Haut, Magen-Darm-Trakt, Sexualorgane, Atemwege, Herz-Kreislauf-System, Gehirn, Muskeln, Immunsystem

Diagnose: Mithilfe von verschiedenen (Allergie-)Tests

Therapie: Ernährungsumstellung, Anpassung der Medikamenteneinnahme, Antihistaminikum

Prognose: Mittels Lebensmittelumstellung & Medikamenten gut in den Griff zu bekommen

Verbreitung: 1 bis 3 % der westlichen Bevölkerung

In Deutschland sind rund drei Millionen Menschen von einer Histaminintoleranz betroffen, einer Unverträglichkeit bzw. Intoleranz gegenüber dem körpereigenen Stoff Histamin. Die Folgen sind teilweise Hautreaktionen, Jucken, Magen-Darm-Beschwerden sowie Kopfschmerzen oder eine laufende Nase; die Symptome können allerdings auch sehr individuell ausfallen. Damit ähneln diese Symptome stark einerAllergie bzw. den Resultaten einer allergischen Reaktion, mit der eine Histaminintoleranz anfangs teilweise verwechselt wird – sogar von einigen Ärzten. Es handelt sich stattdessen um eine Reaktion auf einen Stoff, der natürlicherweise im Körper vorkommt und überbestimmte Lebensmittel mit Histamingehalt aufgenommen wird.

In diesem Artikel werden die wichtigsten Informationen über Histamin und eine damit verbundene Unverträglichkeit zusammengefasst. In diesem Zusammenhang werden die Symptome, Ursachen, Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Anschließend folgen ein paarTipps für Betroffene hinsichtlich histaminfreier Nahrungsmittel, die sich gut in den Alltag integrieren lassen.

Definition Histaminintoleranz: Was ist die Histaminunverträglichkeit?

Bei einer Histaminunverträglichkeit reagiert der Körper mitAbwehrreaktionen auf eine erhöhte Menge an Histamin. Es handelt sich allerdings nicht um eine Allergie gegen Histamin: Histamin kommt natürlicherweise im Körper vor und erledigt wichtige Funktionen. Die Symptome der Histaminintoleranz ähneln oftmals denen einer allergischen Reaktion, weswegen im Volksmund auch von einer Histaminallergie gesprochen wird. Bei dieser Intoleranz kommt es jedoch primär auf den Histaminspiegel an.

Was ist Histamin?

Bei Histamin handelt es sich um einAbbauprodukt der Aminosäure Histidin. Es ist ein natürlicher Stoff, der im Körper produziert wird sowie in verschiedenen Lebensmitteln mit Histamingehalt gebunden ist. Typische Träger von Histamin sindleicht verderbliche, tierische Nahrungsmittel (vor allem Fisch). Gleichzeitig enthalten Speisen, bei denen Hefen, Pilze oder Bakterien die Reife vorangebracht haben, einen hohen Histamingehalt. Aus diesem Grund sind vor allem Lebensmittel wie Wein bzw. vor allem Rotwein, Käse, aber auch alle haltbar gemachten Speisen für histaminintolerante Personen problematisch.

Tatsächlich ist Histamin als Abbauprodukt der Aminosäure Histidin wichtig für den Körper. Der natürliche Botenstoff ist einbiogenes Amin (Abbauprodukt) von Aminosäuren. Histamin spielt unter anderem eine entscheidende Rolle bei der Immunabwehr und sorgt für die damit verbundene wichtige Entstehung von Schwellungen, Juckreiz oder Schmerzen. Man kann entsprechend nicht sagen, dass es sich bei Histamin bzw. der Histaminfreisetzung um einen unerwünschten Stoff im Körper handelt. Das macht die Situation mit der Intoleranz für Betroffene nicht einfacher.

Was ist die Histaminose?

Unter dem Begriff Histaminose versteht man nichts anderes als eineHistaminintoleranz. Die griechische Endung -ose bezeichnet in der Medizin Erkrankungen oder erkrankungsähnliche Zustände, die nicht auf Entzündungen zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang werden parallel dazu gesundheitliche Einschränkungen wie eine Arthrose, Osteoporose oder Paradontose (Verschleiß von Gelenken, Knochen und Zähnen) mit der Endung -ose bedacht.

Obwohl Histamin zugleich im Körper überproduziert werden kann, bezeichnet eine Histaminose ausschließlich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Das heißt, bei einer Histaminose lösen histaminhaltige Lebensmittel aufgrund vonAbbauschwierigkeiten im Körper, Krankheitssymptome aus.

Histaminintoleranz Symptome: Anzeichen einer Histaminunverträglichkeit

Das Krankheitsbild einer Histaminintoleranz istvielseitig und in wenigen Fällen gleicht eine Unverträglichkeit einer anderen. Ein einheitliches Leitsymptom, welches alle Patienten betrifft,gibt es nicht. Während bei vielen Betroffenen Juckreiz und Rötungen zu den einzigen Beschwerden gehören, müssen andere Patienten mit weitaus stärkeren Reaktionen kämpfen. Der Grund ist, dassjede Zelle Andockstellen für Histamin besitzt. Entsprechend treten überall dort, wo Histamin in zu großer Menge vertreten ist, Symptome auf.

Die Nebenwirkungen des Botenstoffs Histamin können sich somit unterschiedlich zeigen. Die folgende Tabelle präsentiert entsprechend ein paar dertypischsten Symptome, die durch eine Histaminintoleranz ausgelöst werden können, geordnet nach dem Ort ihres Auftretens.

OrtSymptomBeschreibung
HautNesselsuchtRote oder weiße Schwellungen auf der Haut (Quaddeln), an den Fingern oder den Augenlidern
Juckreiz, EkzemeDie gereizte Haut beginnt zu jucken, in der Regel oberhalb der Quaddeln
Rötungen und WärmeDie Haut wird stärker durchblutet, warm und rot
Magen-Darm-TraktMagensäureüberproduktionÜbelkeit, Sodbrennen, Völlegefühl
Aktivierung der Magen-Darm-WändeSchmerzen, Krämpfe, Blähungen, Durchfall
SexualorganeErhöhung des ÖstrogenspiegelsMenstruationsbeschwerden und Regelschmerzen
AtemwegeErkältungsanzeichenDie Nase läuft oder ist verstopft
AsthmaanfälleStarke Atembeschwerden durch einen allgemein verringerten Histaminabbau
Herz-Kreislauf-SystemErweiterung der HerzkranzgefäßeHerzrhythmusstörungen, Herzrasen, -stolpern, übermäßiges Herzklopfen
Erweiterung anderer Blutgefäße außerhalb des HerzensAbsinken des Blutdrucks, selten: Schocksymptome
GehirnErweiterung der BlutgefäßeKopfschmerzen bis hin zu Migräne, Schwindel, Müdigkeit
MuskelnMuskelschmerzenEs kommt zu Muskel- und Gliederschmerzen
ImmunsystemInfektanfälligkeitDer Körper kann anfälliger für Infekte werden

Unterscheidung einer Histaminintoleranz von einer Allergie

Intoleranz vs. Allergie

In vielen Fällen werdenerste Anzeichen einer Histaminintoleranz mit denen einertypischen Allergie verwechselt. Teilweise kommt es sogar zufalschen Diagnosen durch Ärzte, die ihre Patienten nicht gründlich genug zu ihren Symptomen befragen. Erschwerend kommt hinzu, dass Histaminintoleranz an vielen Universitäten nicht zum Lehrplan von Medizinstudenten gehört. Mediziner müssen sich entsprechend zusätzlich informieren, um sich der Existenz und Möglichkeit von Histaminunverträglichkeiten bewusst zu sein.

Gleichzeitig liegen Allergiereaktionen in der Natur von Histamin. Zur Erinnerung: Histamin ist ein Botenstoff, der Allergiereaktionen hauptsächlich unterstützt. Er ist das Schlüsselmolekül, welches die Beschwerden einer Allergie verursacht. Der große Unterschied: Bei einer Histaminintoleranz ist körperfremdes Histamin der Auslöser bzw. die Unfähigkeit des Körpers es abzubauen. Das Immunsystem spielt bei diesem Prozess keine Rolle. Aus diesem Grund rechnet man diese Unverträglichkeit zu den sogenanntenpseudoallergischen Reaktionen.

Abgrenzung der Histaminintoleranz von Mastzellerkrankungen

Der Begriff Histamin fällt zugleich in vielen Fällen im Zusammenhang mitsogenannten Mastzellenerkrankungen. Mastzellen (Mastozyten) sind Körperzellen, die bei derWundheilung und der Abwehr von Pathogenen (Krankheitserregern) beteiligt sind. Sie enthalten viele kleine Granula (Kügelchen im Zellinneren), die über 200 verschiedene Botenstoffe lagern, darunter ebenfalls Histamin. Entsprechend sehen sie unter dem Mikroskop aus, als seien sie vollgestopft (oder: gemästet) – somit der Name. Histaminliberatoren können das Histamin aus den Mastzellen freisetzen.

Mastzellenbekämpfen Eindringlinge und Bedrohungen des Körpers, unter anderem mithilfe von Histamin. Kommt es zu einerMastzellenerkrankung, dann schlagen die Abwehrzellen Alarm, wenngleich keine Gefahr vorhanden ist. Der Betroffene fühlt sich dann krank. Im Vergleich dazu stellt eine Histaminintoleranz keine Mastzellenerkrankung dar. Es kommt nicht zu wiederholten, überflüssigen Schutzmaßnahmen oder Überreaktionen. Stattdessen reagiert der Körperfunktionsgemäß auf ein übermäßiges Histaminangebot, welches zuvor nicht abgebaut wurde. Verantwortlich sind hier unter anderem Vitamine und Enzyme in zu geringer Menge, die für den hinreichenden Abbau des Histaminspiegels zuständig wären.

Hinweis

Eine Histaminintoleranz ist sehr individuell. Die Symptome eines Betroffenen müssen für einen anderen nicht zutreffen. Viele Ärzte schließen eine Histaminunverträglichkeit entsprechend vorschnell aus, weil einzelne Symptome fehlen.

Risikofaktoren & Risikogruppe

Bei einigen Menschen ist eine Tendenz zu einer Histaminintoleranz größer ausgeprägt als bei anderen. Mit rund 80 % sind überwiegend Frauen davon betroffen. Unter anderem spielen weiterhin Vorerkrankungen eine Rolle, die die Produktion eines bestimmten Enzyms beeinträchtigen. Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa stimulieren gleichzeitig die Histaminbildung des Körpers. Auch eineLeberzirrhose oder chronisches Nierenversagen stehen gelegentlich mit einer Histaminintoleranz in Verbindung.

Darüber hinaus kann es genetische Prädispositionen geben, nach denen der Abbau von Histamin familiär eingeschränkt ist. Dies wird aktuell noch erforscht und ist nicht hinreichend wissenschaftlich bestätigt. Nach wie vor besteht die Beobachtung und weitreichende Meinung, dass eine Histaminintoleranz sich eher fortschreitend im mittleren Alter bildet.

Ursachen der Histaminintoleranz: Was löst Histamin im Körper aus?

Histamin gehört in den Körper. Es wird zum einen durch den Organismus produziert und gleichzeitig über die Nahrung aufgenommen. Nervenzellen, Mastzellen sowie Blutplättchen produzieren den Botenstoff und speichern ihn im Körper. Normalerweise liegt hier einGleichgewicht vor. Bei einem Histaminüberangebot kommt es stattdessen zu ungewollten Körperreaktionen.

Wie entsteht eine Histaminunverträglichkeit?

Wie zuvor erwähnt, spielen bestimmte Enzyme bei der Entstehung einer Histaminintoleranz eine entscheidende Rolle. Es handelt sich um sogenannteDAO Enzyme (Diaminooxidase), die von allen Chordatieren gebildet werden. Chordatiere sind ein Stamm des Tierreichs (56.000 verschiedene Arten), der unter anderem Säugetiere und somit Menschen umfasst. Namensgebend ist die Chorda dorsalis, ein biegsamer Stab entlang des Rückens, der als inneres Skelett dient. Beim Menschen ist sie durch die Wirbelsäule repräsentiert.

Darüber hinaus gibt es noch das EnzymHistamin-N-Methyl-Transferase (HNMT), welches Histamin im Inneren von Zellen deaktivieren kann. Statt HNMT ist die Diaminooxidase die maßgebliche Kraft hinter dem Abbau von Histamin im Körper.

Beschreibung des Histaminabbaus im Körper

Das Diaminooxidase Enzym (DAO) steuert den Abbau von biogenen Aminen (darunter Histamin). Der Mensch produziert es im Darm, in der Plazenta und in den Nieren. Normalerweise baut das Enzym das Histamin aus der Nahrung ab. Zu einer Unverträglichkeit von Histamin kommt es, wenn der Körper zu wenig von dem Enzym produziert oder dessen Aktivität eingeschränkt ist. In diesem Fall baut der Körper das Histamin nicht oder unvollständig ab.

Der Abbau von Histamin im Körper ist entsprechend gestört. Dies kann verschiedene Gründe haben. Die Störung kann zum Beispiel darin bestehen, dass es einen allgemeinen Mangel an dem Enzym gibt. Dann gibt es zu wenig DAO im Körper. Alternativ kann das Enzym in seiner Funktion gestört sein. Dann gibt es genügend DAO im Körper, aber das Histamin wird nicht hinreichend abgebaut. Der Grund kann ein Mangel an Vitamin C und B6 sein oder die Verwendung verschiedener Medikamente.

Welchen Einfluss haben Medikamente bei einer Histaminintoleranz?

Zu solchen „DAO-Blockern” gehören zum Beispiel folgende Medikamente. Sie beeinflussen die Arbeit des Enzyms teilweise direkt, teilweise indirekt. Das bedeutet: Manche Medikamente beschäftigen die Diaminoxidase mit anderen Aufgaben, sodass derHistaminabbau beeinträchtigt wird. Andere Medikamente legen die Diaminoxidase stattdessen zur Gänze lahm.

Typische Medikamente mit negativem Einfluss auf DAO:

  • Antibiotika (u. a. Cycloserin, Neomycin, Vancomycin)
  • Antidepressiva (u. a. Amitryptilin)
  • Asthmamittel (u. a. Theophyllin)
  • Bluthochdruckmittel (u. a. Verapamil, Dihydralazin)
  • Hustenmittel (Ambroxol und Acetylsystein)
  • Magenmittel (z. B. Cimetidin)
  • Muskelrelaxantien (u. a. Suxamethonium)
  • Narkotika (z. B. Propanidin)
  • Rheumamittel (z. B. Chloroquin)
  • Röntgenkontrastmittel
  • Schmerzmittel (u. a. Aspyrin, Diclofenac, Morphin)

Ernährung kann Symptome auslösen

Die häufigste Ursache von Problemen mit Histamin ist im Gegensatz zur Medikamenteneinnahme dieErnährung. Besteht eine Einschränkung im Abbau des Botenstoffes, dann kann der Verzehr vieler Lebensmitteln Symptome verursachen, da beispielsweise Alkohol und allen voran Rotwein als Histaminliberator wirken kann. Ungeschickterweise lässt sich Histamin in Speisen oder Getränkennicht herausschmecken, eine zielsichere Erkennung von histaminhaltigen Nahrungsmitteln ist entsprechend schwierig. Als Faustregel gilt, dass Lebensmittel, desto frischer sie sind, weniger Histamin enthalten. Andere bearbeitete Lebensmittel enthalten im Gegensatz dazu viel Histamin und wirken als Histaminliberatoren.

Diagnose: Wie wird eine Histaminintoleranz festgestellt?

Histaminintoleranz Diagnose

Eine Histaminintoleranz zielsicher festzustellen, ist schwierig. Tatsächlich wird das Krankheitsbild erst seit 2012 in der S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI) geführt. Die Entwicklung der Krankheit wird gleichzeitig als unklar angesehen. Weiterhin wird die Histaminintoleranz an deutschen Universitätennicht zuverlässig im Lehrplan eines Medizinstudiums geführt.

Entsprechend liegt es in vielen Fällen im Eigeninteresse der Ärzte sich umfassend mit dem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ziehen Betroffene von Arzt zu Arzt, auf der Suche nach einer eindeutigen Diagnose. Unspezifische Symptome und negative Allergietest-Ergebnisse helfen in diesem Zusammenhang nicht. In den meisten Fällen braucht es eineumfassende Anamnese (Arztgespräch), um die vorhandenen Symptome in ein Gesamtkonstrukt einzuordnen.

Tests auf Histaminintoleranz

Ungeachtet dessen existieren Möglichkeiten, eine Histaminintoleranz testweise festzustellen. Es braucht dazu allerdings den Verdacht auf eine Histaminunverträglichkeit. Statt eines festen Testverfahrens handelt es sich um den Versuch, mittels Nahrungsumstellung die Histaminintoleranz einzugrenzen. Das Verfahren gliedert sich in drei Abschnitte, die in der folgenden Tabelle näher vorgestellt werden.

PhaseMaßnahmen
1. Karenzphase (zehn bis vierzehn Tage)Es wird versucht, die Beschwerden zu reduzieren, indem bei der Ernährung im Großen und Ganzen auf Histamin und andere biogene Amine verzichtet wird. Dazu werden histaminfreie Lebensmittellisten zurate gezogen, die in einem Ampelverfahren über Histamininhalt informieren.
2. Testphase (bis zu sechs Wochen)Langsam werden histaminhaltige Lebensmittel in den Speiseplan aufgenommen. Parallel wird ein Nahrungstagebuch geführt, welches auftretende Symptome auf bestimmte Lebensmittel zurückführen kann. Durch eine stetig steigende Histaminmenge kann parallel eine individuelle Histaminschwelle ermittelt werden.
3. DauerphaseWie bei anderen Unverträglichkeiten muss die Ernährung des Betroffenen dauerhaft umgestellt werden. Aus den Erkenntnissen der beiden vorangehenden Testphasen kann ein Ernährungsplan abgeleitet werden, der eine dauerhafte Linderung der Beschwerden verspricht.

Es existieren noch andere Testverfahren, um eine Histaminunverträglichkeit zu erkennen. Diese sind im Gegensatz zu dem oben dargestellten Drei-Phasen-Testnicht aussagekräftiger. Sie umfassen in den meisten Fällen eine Messung von DAO, Histamin oder Methylhistamin-Werten im Blut, Stuhl oder Urin.

Hinweis

In Deutschland wird meist nur auf das Vorhandensein von DAO Enzymen getestet, das Verfahren wird von der Krankenkasse bezahlt. Bei manchen Betroffenen sind aber genügend Enzyme vorhanden, die aber nicht richtig arbeiten. Ein entsprechender Test auf DAO Funktionalität ist möglich und beispielsweise in der Schweiz üblich, wird aber in Deutschland nicht von der Krankenkasse übernommen.

Histaminintoleranz selbst testen

Wie wird eine Histaminintoleranz behandelt?

Gleiches gilt für die Behandlung einer Histaminintoleranz. Sie istmit der Diagnose eng verwoben. Während der Test auf Histaminintoleranz die Unverträglichkeit entdecken soll, führt in einem nächsten Schritt die Nahrungsumstellung zu einer entsprechendenLinderung der Symptome. Was das im Einzelnen bedeuten kann, soll im folgenden Abschnitt behandelt werden.

Ernährungsumstellung bei Histaminintoleranz

Bei einer Histaminintoleranz sind in erster Linie alle Lebensmittel tabu, die einegroße Menge Histamin enthalten. Das sind vor allem gereifter Käse, haltbar gemachtes Fleisch und Fisch. Im Großen und Ganzen gibt es drei Arten von Lebensmitteln, die es zu vermeiden gilt.

Histaminhaltige Lebensmittel:

  • Histaminspeicher: Vereinzelte Lebensmittel enthalten viel Histamin. Die hohe Histaminkonzentration wird überwiegend durch Lagerung und Reifung angereichert.
  • Histaminliberatoren: Andere Lebensmittel enthalten nicht viel Histamin. Stattdessen helfen sie im Körper bei der Freisetzung von Histamin.
  • Lebensmittel mit anderen biogenen Aminen: Auch Lebensmittel mit anderen biogenen Aminen können Probleme verursachen. Diese sollten ebenfalls vermieden werden.

Anpassung der Medikamenteneinnahme

Parallel dazu ist es sinnvoll, die Medikamenteneinnahme im Auge zu behalten. Da vereinzelte Wirkstoffe eine Histaminintoleranz verstärken oder auslösen können, kann das Absetzen oder der Wechsel zu einem anderen Medikament die Beschwerden lindern. Diesbezüglich lohnt es sich, die Medikamentennutzung mit dem behandelnden Arzt abzuklären.

Was ist die Medikamentöse Histaminintoleranz-Therapie?

Ergänzend zu einer Ernährungsumstellung (nicht als Ersatz) können vorübergehend Medikamente gegen Histaminintoleranz verwendet werden. Diese sind allerdings in ihrer tatsächlichen Wirkung umstritten. Dazu gehörenAntihistaminika (Blocker der Andockstellen für Histamin), Mastzellstabilisatoren (blockieren die Freisetzung von Histamin im Körper) undDAO-Präparate (enthalten zusätzliche DAO Enzyme). Entsprechende Therapie-Ansätze müssen unbedingt im Zusammenspiel mit der bisherigen Medikation und dem behandelnden Arzt evaluiert werden.

Wann sollte ein Antihistaminikum genommen werden?

Betroffene sollten im Falle einer Einnahme von Antihistaminika darauf achten, dass sieTyp-H1-Rezeptorenblocker erhalten (Levocetirizin, Desloratadin). Diese sind am effektivsten. Zudem wirken nicht alle Mittel zu jedem Zeitpunkt. DAO-Präparate wirken beispielsweise nicht mehr gegen vorhandene Symptome, sondern nur wenn sie vor der Aufnahme von histaminhaltigen Lebensmitteln eingenommen werden. Entsprechend sollten Medikamente nur verwendet werden, wenn beispielsweise auf Reisen oder bei Familienfeiern die Menge an Histamin im Essen nicht abschätzbar ist.

Krankheitsverlauf & Prognose einer Histaminintoleranz

Der Krankheitsverlauf bei Histaminintoleranz ist in vielen Fällen belastend, da bei Unkenntnis über die Histamin-Ursache viel Frust aufkommt. Die Prognose einer erkannten Histaminintoleranz ist sehr gut. Mit einer erfolgreichen Ernährungsumstellungreduzieren sich die Probleme auf ein Minimum. Teilweise lässt sich sogar ein gelegentlicher Verzehr von histaminhaltigen Lebensmitteln bei gut eingestellter Ernährung und eventueller Einnahme von Antihistaminika gut verkraften. Dies gilt allerdings auch nicht für jeden, denn einige Betroffene reagieren bereits auf minimale Mengen Histamin mit starken Reaktionen.

Ernährungstipps bei Histaminintoleranz

Lebensmittel mit Histamin

Nachfolgend finden sich noch ein paar Tipps für eine histaminarme Ernährung. Diese umfasst zum einen den Verzicht auf Nahrungsmittel mit hoher Histaminkonzentration und zum anderen die Bevorzugung von Nahrungsmittel ohne oder mit wenig Histamin. Ein vollständiger Verzicht istfast unmöglich, es reicht allerdings, auf typische Histaminbomben zu verzichten.

Histaminreiche Lebensmittel: Wo ist überall Histamin drin?

  • Bestimmte gereifte Käsesorten (z. B. Emmentaler, Parmesan)
  • Rohwurst
  • Rohschinken
  • Frischer Fisch mit dunklem Fleisch
  • Jegliche Fischkonserven
  • Sauerkraut
  • Wein, Bier, Sekt

Histaminfreisetzende Lebensmittel

  • Tomaten
  • Erdbeeren
  • Zitrusfrüchte
  • Schokolade
  • Meeresfrüchte
  • Walnüsse, Cashew-Kerne
  • Alkohol

Lebensmittel mit anderen biogenen Aminen:

  • Ananas
  • Papaya
  • Birnen
  • Bananen
  • Erdnüsse
  • Himbeeren
  • Hülsenfrüchte
  • Kiwis
  • Orangen
  • Weizenkeime
Vorsicht

Der Verzicht auf einzelne Lebensmittel allein reicht nicht aus, um eine Histaminintoleranz effektiv zu bekämpfen. Jeder Betroffene braucht einen individuellen Ernährungsplan und muss mit ärztlicher Hilfe seine eigene Histamintoleranzschwelle ermitteln.

Fazit zur Histaminintoleranz

Histaminintoleranz ist eine unangenehme Unverträglichkeit, die mit den richtigen Maßnahmen jedoch gut behandelt werden kann. Dies geschieht in aller Regel durch eine erfolgreiche Erkennung der Ursachen der Probleme und einer Ernährungsumstellung: weg von einer histaminreichen und hin zu einer histaminarmen Ernährung.

Alles in allem ist es wichtig, Wissen über die weitgehend unbekannte Erkrankung zu verbreiten, damit viele Betroffene ihren behandelnden Arzt im Zweifel direkt auf einen Verdacht der Histaminintoleranz ansprechen können.

Frau mit Bauchschmerzen und Wärmflasche

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