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Die Mistel: Mythische Pflanze mit Heilwirkung

Um die Mistel kreisen zahlreiche Mythen. Doch welche Heilwirkung hat die Mistel wirklich? Und gegen welche Beschwerden hilft die Heilpflanze? (Foto: Vera Kuttelvaserova — Adobe Stock)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Egal ob bei den Germanen oder den Römern: Die Mistel und ihre heilsame Wirkung wird in zahlreichen antiken Mythen behandelt. Oft verheißen Misteln ewiges Leben oder Fruchtbarkeit – in der natürlichen Heilkunde kommen sie aufgrund zahlreicher gesundheitsfördernder Eigenschaften zum Einsatz. Doch welche Heilwirkungen werden der Mistel nachgesagt? Und was sollten Sie sonst über parasitische Blütenpflanze wissen, der sich auf den Ästen einer Wirtspflanze bildet?

Steckbrief: Das Wichtigste zur Mistel

  • Mistel: Heilpflanze aus der Familie der Doldengewächse
  • Lateinischer Name: Viscum (Viscum album ist dabei die bekannte weißbeerige Mistel)
  • Auch bekannt als: Hexenkraut, Donarbesen, Geißenchrut, Druidenfuß, Wintergrün
  • Heilwirkung: beruhigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, krampflösend
  • Einsatzgebiet: Verdauungsprobleme, Bluthochdruck, Fieber, ergänzend in der Krebstherapie, bei Ekzemen oder Geschwüren
  • Wirkstoffe: Mistellektine, Viscotoxine, Peptide, Flavonoide, Oligosaccharide, Polysaccharide, Thiole
  • Botanik: Misteln sind sogenannte Halbschmarotzer, die auf einer Wirtspflanze wachsen und ihr Wasser und Nährstoffe entziehen, aber selbst Photosynthese betreiben können. Die klebrigen Beeren bleiben an Vögeln hängen, wodurch sich die kugelförmig wachsende Pflanze verbreitet.

Welche Heilwirkung hat die Mistel?

Der Mistel sagt man als Heilpflanze beruhigende, blutstillende und auch entzündungshemmende Eigenschaften nach. Doch welche Wirkweisen kann das sogenannte Druidenkraut zudem entfalten?

Mistelpräparate und die Mistel an sich sollen außerdem diese Effekte haben:

  • harntreibend
  • krampflösend
  • schmerzlindernd
  • verdauungsfördernd
  • Blutdruck stabilisierend

Somit scheint die Mistel als Heilpflanze zahlreiche förderliche Eigenschaften mit sich zu bringen. Besonders in der Naturheilkunde wird sie deshalb als ergänzendes Mittel zur Schulmedizin verwendet.

Die Mistel hat eine umfassende Heilwirkung, die gegen zahlreiche Beschwerden hilft. © natagolubnycha — Adobe Stock

Bei welchen Erkrankungen wird die Mistel verwendet?

Die Mistel kommt bei zahlreichen Beschwerden zum Einsatz. Zu den Leiden gehören dabei Menstruationsbeschwerden oder auch Ruhelosigkeit. Die schmerzlindernden und beruhigenden, aber auch entkrampfenden Eigenschaften, die der Mistel nachgesagt werden, können dabei lindernd wirken. Doch die Liste der Einsatzgebiete von Viscum als Heilpflanze ist noch länger:

  • gegen Bluthochdruck
  • bei Gelenkbeschwerden
  • bei Ekzemen, Geschwüren oder anderen Hauterkrankungen
  • bei Verdauungsbeschwerden
  • gegen Fieber

Besonders bekannt ist die Mistel zudem durch die sogenannte „Misteltherapie“. Dieses Behandlungsverfahren wird teilweise ergänzend in der Krebsbehandlung eingesetzt. Sie soll dabei vor allem der Steigerung der Lebensqualität und der Vorbeugung von Nebenwirkungen dienen. Laut aktueller Studienlage ist dies momentan jedoch nicht nachweisbar.

Wie funktioniert die Misteltherapie in der Krebstherapie?

Die Mistel nimmt in der biologischen Krebsabwehr eine Sonderstellung ein. In fast allen Krebsstationen und -kliniken wird die Misteltherapie heute als begleitende Maßnahme zu Operation, Chemotherapie und Bestrahlung geschätzt und eingesetzt – in häufigen Fällen bei Brustkrebs.

Misteln kommen bei der Krebstherapie zum Einsatz. Doch wie läuft die Behandlung mit Misteln ab? © Madeleine Steinbach — Adobe Stock

Die Misteltherapie läuft dabei immer komplementär zur eigentlichen Krebsbehandlung ab. Das bedeutet, dass sie diese ergänzen soll. Bei der Therapie mit Viscum werden dann Mistelpräparate gespritzt – andere Anwendungsweisen gibt es momentan nicht. Die Misteltherapie soll dabei die Immunabwehr stärken und gegen das Tumorwachstum helfen. Gesicherte wissenschaftliche Belege liegen hierfür jedoch nicht vor.

Wichtig: Auch, wenn die Misteltherapie mittlerweile auch in der Schulmedizin Anwendung findet – sie ist ausschließlich als Zusatz zur Behandlung des Krebses zu sehen. Auf keinen Fall darf die ergänzende Therapie als Ersatz der eigentlichen Krebsbehandlung eingesetzt werden. Sprechen Sie bei Bedarf unbedingt vorher mit Ihrem Arzt.

Misteltherapie finanzieren: Das sagt die Krankenkasse

Wer eine ergänzende Misteltherapie während der Behandlung einer Krebserkrankung durchführen möchte, kann dies bei der Krankenkasse beantragen. Verschiedene Kassen übernehmen die Kosten im Krankheitsfall teilweise oder auch ganz.

Da die in Deutschland erhältlichen Präparate mit Viscum rezeptfrei sind, müssen sie jedoch nicht von den Krankenkassen finanziert werden. Die Ausnahme stellt hierbei die palliative Therapie dar: Bei einer nicht mehr zu heilenden Krebserkrankung kann die Misteltherapie ein Mittel zur Steigerung der verbleibenden Lebensqualität sein. In diesem Fall wird sie zumeist auch vollständig von der Krankenkasse finanziert.

Was macht die Mistel (Viscum) als Heilpflanze wirksam?

Bekannt sind mittlerweile bis zu 1.700 Inhaltsstoffe der Mistel. Besonders gut untersucht sind dabei Lektine und Viscotoxine. Doch auch andere Wirkstoffe des Halbschmarotzers können eine wirksame Heilkraft entfalten.

Inhaltsstoff der MistelWirkweise
MistellektineLektine, so auch die Mistellektine, sind Proteine, die Zucker enthalten. Sie kommen nur in der Mistel vor. Die Lektine wirken apoptotisch, also zellzerstörerisch. In der Therapie können sie sich auf das Tumor-Wachstum auswirken.
ViscotoxineAuch Viscotoxine sind stark proteinhaltig. Ihnen wird nachgesagt, dass sie sich stimulierend auf das Immunsystem auswirken, besonders auf die sogenannten T-Zellen. Da diese vor allem dafür bestimmt sind, die Immunabwehr zu stärken, sollen die Viscotoxine der Mistel einen unterstützenden Effekt haben.
Oligo-/PolysaccharideOligosaccharide sind Mehrfachzucker. Sie sind für einen gleichbleibenden, stabilen Blutzucker nützlich und können sich zudem positiv auf die Darmflora auswirken. Auch Polysaccharide sind komplexe Kohlenhydrate, die als Energiespeicher dienen und zusätzlich Immunsystem und Zellen stärken.
FlavonoideFlavonoide überzeugen besonders durch ihre antiviralen und antibakteriellen, aber auch antioxidativen Eigenschaften. So kommen unter anderem durch sie die entzündungshemmenden Effekte der Mistel zustande.
TriterpeneTriterpene sind Stoffe, die auf natürliche Art entstehen – so auch in der Mistel. Sie haben antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften, die ähnlich wie Kortison wirken sollen.

Die zahlreichen Inhaltsstoffe der Mistel können sich also bei verschiedenen Erkrankungen positiv auf die Gesundheit auswirken. Doch wie bei vielen anderen natürlichen Heilmitteln gibt es auch bei Viscum einige Punkte, die Sie beachten sollten.

Mistelpräparate: Worauf muss bei der Einnahme von Misteln geachtet werden?

Egal, in welchem Kontext Sie auf die Heilpflanze Mistel zurückgreifen: Sprechen Sie sich vorher mit einem Arzt ab. Besonders bei schwerwiegenden Erkrankungen ist dies unverzichtbar. Zudem sollte die Mistel niemals vorbeugend gegen Erkrankungen eingesetzt werden, sondern immer ergänzend zu einer akuten medizinischen Behandlung.

Stillende oder schwangere Frauen dürfen keine Mistelpräparate anwenden. Die Wirkstoffe könnten durch das Stillen oder die Schwangerschaft auch auf das Kind wirken – hierbei ist die Wirkung bislang kaum erforscht. Aus demselben Grund sollten Mittel mit Viscum auch bei Kindern und Heranwachsenden nicht verwendet werden.

Zudem sollten Menschen mit einer Histamin-Unverträglichkeit vorsichtig sein, wenn sie Mistelpräparate einnehmen wollen. Hierbei kann es zu unbeabsichtigten Reaktionen kommen. Auch Personen, die allergisch auf Misteln oder Eiweiße reagieren, sollten davon absehen, die Heilpflanze anzuwenden.

Misteln sind reich an wirkungsvollen Inhaltsstoffen. Doch wie kommt die Mistel her und wie wird sie angewendet? © PhotoSG — Adobe Stock

Wie kommt man an die Heilpflanze Mistel – und wie nimmt man sie ein?

Das Kraut der Mistel ist im Reformhaus oder in der Apotheke zu erwerben. Dort erhalten Sie bereits getrocknetes Kraut, welches Sie anschließend verwenden können. Misteln sind auch in freier Natur zu finden. Sie für medizinische Zwecke selbst zu sammeln, sollten Sie dennoch vermeiden. Bei kontrollierter Gewinnung können Sie sicher sein, dass das Mistelkraut bzw. das Mistelpräparat auch wirklich für Heilzwecke geeignet ist.

Anders sieht es aus, wenn Sie Misteln beispielsweise als Deko sammeln möchten. Beachten Sie dabei Folgendes:

  • Sammeln Sie die Misteln an einem trockenen Tag
  • Achten Sie darauf, ein scharfes Messer zu verwenden
  • Nur junge Zweige sollten verwendet werden: diese haben keine klebrigen Mistelbeeren

Die Halbschmarotzer-Pflanze steht für private Zwecke nicht unter Naturschutz, daher kann sie ohne Bedenken gesammelt werden. Achten Sie dennoch darauf, den Baum, an dem die Mistel wächst, nicht zu beschädigen. Anschließend können die Zweige der Mistel getrocknet werden.

Wollen Sie die Mistel als Heilpflanze nutzen, finden Sie die Anleitung zur Zubereitung meist auf der Packung, in der Sie das Kraut erworben haben. In den meisten Fällen wird das Heilkraut jedoch nicht als Tee, sondern als Mazerat zubereitet. Das bedeutet, es wird nicht heiß aufgegossen, sondern kalt angesetzt, um ihm seine Wirkstoffe zu entziehen.

Misteln und Mythen: Was sollten Sie darüber wissen?

Nur wenige Pflanzen sind in unterschiedlichen Mythologien gleichermaßen bekannt. Die Mistel ist eine von ihnen. Denn egal ob Griechen, Kelten oder Germanen: Die parasitäre Blühpflanze kommt in zahlreichen Sagen und Legenden vor. So galt die Mistel den Galliern als Symbol des ewigen Lebens, in der Schweiz gilt sie bis heute als Symbol der Fruchtbarkeit.

In der germanischen Mythologie soll der Sonnengott Balder durch einen Mistelzweig getötet worden sein. Danach war sein Haus zu seiner Wiedergeburt mit Misteln geschmückt, denn ihnen wurde eine Wirkung gegen böse Geister nachgesagt. Nicht verwunderlich, dass auch Druiden die Pflanze für volksheilkundliche Zwecke nutzten.

Heutzutage findet man Misteln vor allem zur Weihnachtszeit an Häusern. In Skandinavien und England bedeutet ein Kuss unter dem Mistelzweig eine schöne Zukunft für Paare. In Frankreich werden an Neujahr Freunde und Verwandte unter einem Mistelzweig geküsst, um Glück für das kommende Jahr zu beschwören.

Wie wächst die Mistel?

Die Heilpflanze Mistel hat eine eher unschöne Bezeichnung: Halbschmarotzer. Dieser kommt ihr zu, da sie kein typisches Wurzelwerk ausbildet. Stattdessen wächst Viscum an einem Wirt. Für gewöhnlich sind solche Wirtspflanzen Bäume. Die Mistel bildet sogenannte Saugwurzeln, mit denen sie in das Holz des Baumes eindringt.

Ist die Pflanze in ihren Wirtsbaum eingedrungen, bezieht sie von diesem Wasser und Nährstoffe. Dennoch ist die Mistel kein „ganzer“ Schmarotzer. Denn im Gegensatz zu vollständigen Schmarotzer-Pflanzen ist es ihr möglich, selbstständig Photosynthese zu betreiben. So benötigt sie die Stoffwechselprodukte ihres Wirtsbaumes nicht.

Doch wie kommen Misteln auf Bäume? Vögel bringen die Halbschmarotzer dorthin. Dies geschieht entweder über den Kot oder die klebrigen Beeren, die am Schnabel der Tiere hängen bleiben. Laut Bund Naturschutz übertragen 27 Vogelarten die sagenumwobene Pflanze.

Wirtsbäume: Auf diesen Bäumen wachsen Misteln besonders häufig

Je nach Unterart der Mistel suchen sich diese andere Wirtsbäume aus, in welche die Halbschmarotzer eindringen. Sie lassen sich folgendermaßen kategorisieren:

  • Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album): Diese Mistelart kommt vor allem auf Laubbäumen vor, wie ihr Name bereits verrät. Sie findet sich an den Ästen von Pappeln, Weiden, Eichen, Linden, Ahornen, Birnbäumen und Birken. Auch an manchem Apfelbaum siedelt sich diese Mistel an.
  • Tannenmistel (Viscum album subsp. abietis): Die Tannenmistel hält, was ihr Name verspricht. Ihr bevorzugter und ausschließlicher Wirtsbaum ist die Tanne.
  • Kiefernmistel (Viscum album subsp. austriacum): Auch die Kiefernmistel trägt ihren Wirtsbaum im Namen. Sie befällt besonders Kiefern, doch kommt auch teilweise auf Fichten vor.

Egal welche Mistelart Sie im heimischen Garten vorfinden: Für den Wirtsbaum ist es am besten, wenn Sie den Halbschmarotzer regelmäßig zurückschneiden und so den Bestand ausdünnen. Doch Misteln lassen sich auch ansiedeln. Im Normalfall verbreiten Vögel die Pflanze. Doch diese Aktion lässt sich auch „künstlich“ reproduzieren.

Wenn Sie Misteln ansiedeln wollen, benötigen Sie dazu nur die Mistelbeeren. Die Früchte des Halbschmarotzers zerquetschen Sie zunächst, sodass die Samen herauskommen. Anschließend drücken Sie die zerquetschten Beeren in die Rinde des gewünschten Wirtsbaumes.

Immergrün und weitverbreitet: Die Mistel in der Botanik

Botanisch bezeichnet man die Mistel als Hemiparasit, oder eben auch Halbschmarotzer. Die Pflanze ist immergrün, weshalb sie durch ihre kugelförmig angeordneten Blätter besonders in den kahlen Baumkronen im Herbst und Winter auffällt. Zudem zeichnet sich Viscum durch folgende Merkmale aus:

  • Misteln können einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen.
  • Die Blätter der Mistel sind länglich, haben eine ledrige Oberfläche und eine eiförmige Optik.
  • Die Pflanze blüht meist gelblich.
  • Es gibt männliche und weibliche Mistel-Pflanzen. Nur die weiblichen Misteln bilden Früchte aus. Diese erinnern optisch an Perlen und sind beerenähnlich.

Sind Misteln in einem Wirtsbaum übermäßig ausgeprägt, kann die Pflanze dafür sorgen, dass ihr Wirt abstirbt.

Die Mistel – parasitäre Heilpflanze schon bei den Druiden

Die Mistel ist den meisten Menschen als Halbschmarotzer bekannt, der seine Wirtsbäume „ausnutzt“. Doch die Pflanze ist schon in der antiken Mythologie als Heilpflanze bekannt. Durch zahlreiche wirksame Inhaltsstoffe kommt sie besonders in der Naturheilkunde zum Einsatz – und auch ergänzend in der Schulmedizin.

So beispielsweise bei Krebserkrankungen, bei denen die eigentliche Behandlung durch „Misteltherapie“ ergänzt werden kann. Dennoch ist Vorsicht geboten, sich zu viel von der Heilpflanze zu versprechen – besonders dann, wenn es sich um ernsthafte Erkrankungen handelt. In jedem Fall sollte eine Mistel-Behandlung mit einem Arzt abgesprochen werden.

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