Welche Krankheitskosten kann man steuerlich absetzen?

Welche Krankheitskosten kann man steuerlich absetzen?
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Inhaltsverzeichnis

Krankheitskosten steuerlich abzusetzen ist möglich, allerdings nicht ab dem ersten Euro. Dabei können sie das Portemonnaie stark belasten. Kosten für Medikamente, Zuzahlungen für die Physiotherapie oder eine neue Brille sind Ausgaben, die sich läppern können. Je nach Höhe der Ausgaben, haben Sie verschiedene Möglichkeiten, Ihre Krankheitskosten steuerlich abzusetzen.

Krankheitskosten steuerlich absetzen: Welche Kosten gehören dazu?

Alle Kosten, die aufgrund einer Krankheit oder aufgrund von Unfällen entstehen, können Sie steuerlich geltend machen. Allerdings betrifft das keine Vorsorgeuntersuchungen oder Gesundheitskosten, die aufgrund von Präventionsmaßnahmen fällig werden, sondern die Kosten müssen die unmittelbare Folge einer Krankheit sein.

Dazu zählen diese Ausgaben:

  • Kosten für Hilfsmittel wie Brille oder Kontaktlinsen
  • Zahnarztbehandlung
  • Zahnersatz oder Zahnspange
  • Krankengymnastik
  • Kosten für Impfungen, sofern diese vom Arzt empfohlen wurden
  • Homöopathie
  • Die Kosten für ein Toupet bei Haarausfall
  • Aufwendungen bei der Geburt eines Kindes, z.B. Fahrtkosten oder eine vorübergehend notwendige Haushaltshilfe
  • Kosten für Naturheilmittel oder vom Arzt verordnete Medikamente, die die Krankenkasse nicht übernimmt
  • Arzneimittel, auch frei verkäufliche, die Ihr Arzt Ihnen zur Einnahme verordnet hat
  • Logopäden
  • Heilpraktiker
  • Bäder, Massagen, Bestrahlungen, deren Anwendung Ihr Arzt verordnet hat
  • Krankenhauskosten
  • Kur (neben Arztkosten und Unterbringungskosten können auch Verpflegungsmehraufwendungen und Fahrtkosten zum Teil geltend gemacht werden)
  • Praxis- und Rezeptgebühren
  • Künstliche Befruchtung (unter Umständen)
  • Ausgewählte alternative Behandlungsmethoden
  • Fahrtkosten zum Therapeuten mit dem eigenen Pkw mit 30 Cent pro Kilometer
  • Pflegeheimkosten
  • Trinkgelder an Pflegepersonal.

Auch Fahrtkosten, die anfallen, um zum Beispiel erkrankte Angehörige zu betreuen, können steuerlich geltend gemacht werden. Besuchen Sie jemanden im Krankenhaus und wollen die Fahrtkosten dafür geltend machen, ist eine Bescheinigung des Arztes erforderlich, aus der hervorgeht, dass der Besuch zur Genesung wesentlich beiträgt.

Wichtig: Die Kosten für Nahrungsergänzungsmittel, prophylaktische Maßnahmen oder Sportkurse, können Sie nicht steuerlich absetzen, sofern diese nicht ärztlich verordnet wurden.

In welchen Fällen kann man Krankheitskosten steuerlich absetzen?

Ob Sie Krankheitskosten steuerlich absetzen können, hängt davon ab, ob diese die sogenannte zumutbare Belastung übersteigen. Schließlich geht der Fiskus davon aus, dass Sie einen Teil Ihrer Krankenkosten durchaus selber stemmen können, was insbesondere für Besserverdiener gilt. In welcher Höhe Sie Ihre Ausgaben geltend machen können, hängt daher von verschiedenen Faktoren ab:

  • Höhe des Einkommens
  • Familienstand
  • Zahl der Kinder
  • Steuertarif

Wie berechnet sich die Höhe der zumutbaren Belastung?

Um die eigene zumutbare Belastung zu bestimmen, werden drei Einkommensstufen zugrunde gelegt. Je nach Familienstand werden dann unterschiedlich hohe prozentuale Anteile angenommen, die als eigene Belastung zumutbar sind. Geregelt ist das in § 33 EstG. Das sind die drei Einkommensstufen:

  1. Bis 15.340 Euro
  2. Zwischen 15.340 Euro und 51.130 Euro
  3. Mehr als 51.130 Euro

Je nach Stufe müssen zwischen 1 und 7 Prozent der Krankheitskosten selbst getragen werden.

Bis 2017 sah die Regelung vor, dass schon beim Überschreiten einer Schwelle um nur wenige Euro der nächsthöhere Prozentsatz gilt. Laut eines Urteils des Bundesfinanzhofs ist diese strikte Regelung nun gekippt und in Grenzbereichen dieser Stufen könne die Regelung nicht immer stur angewendet werden.

Stattdessen muss seitdem jede der drei Einkommensstufen nochmal für sich genommen betrachtet werden und weitere Kriterien werden herangezogen. Der Prozentsatz, der an den Gesundheitskosten selber getragen werden muss, bezieht sich auf den Gesamtbetrag der Einkünfte. Damit sind auch Einkünfte aus Vermietungen und Verpachtungen gemeint.

 VerheiratetLedig1 oder 2 Kinder3 oder mehr Kinder
Bis 15.340 Euro 4 Prozent5 Prozent2 Prozent1 Prozent
15.340 Euro bis 51.130 Euro5 Prozent6 Prozent3 Prozent1 Prozent
Mehr als 51.130 Euro6 Prozent7 Prozent4 Prozent2 Prozent

 Erst wenn Ihre Gesundheitskosten diesen Prozentsatz von Ihrem Bruttoeinkommen übersteigen, können Sie die Krankheitskosten steuerlich absetzen und sie als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

So muss eine alleinstehende Frau ohne Kinder mit hohem Einkommen einen höheren Prozentsatz ihrer Krankheitskosten selbst zahlen als ein Familienvater mit drei Kindern und einem niedrigen Einkommen.

Wichtig: Wenn Sie Zahlungen der Krankenkasse erhalten, Beihilfe, Schadenersatz nach Unfällen oder sonstige Unterstützungen, müssen diese von den Krankheitskosten abgezogen und dürfen nicht angerechnet werden.

Welche Unterlagen benötigen Sie für das steuerliche Absetzen von Krankheitskosten?

Krankheitskosten können Sie nur dann steuerlich absetzen, wenn Ihnen die Rechnung vorliegt. Außerdem benötigen Sie das Attest oder Rezept, aus dem hervorgeht, dass diese Krankheitskosten aufgrund einer diagnostizierten Krankheit entstanden sind. Am besten liegt Ihnen zunächst das Attest vor und anschließend erfolgt die Behandlung. Zum Teil wird sogar eine amtsärztliche Verordnung benötigt oder eine Bescheinigung des medizinischen Dienstes der Krankenkassen. In der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung ist aufgelistet, welche Krankheitskosten in welcher Form nachgewiesen werden müssen, um steuerlich absetzbar zu sein.

Sammeln Sie über das Jahr alle Belege und Quittungen, die Sie von Gesundheitsdienstleistern, Optikern, Apotheken, Heilpraktikern und Zahnärzten erhalten. Sammeln Sie ebenfalls die Busfahrkarten oder notieren Sie sich die Kilometer, wenn Sie regelmäßig erkrankte Angehörige betreut haben oder zum Therapeuten gefahren sind. Nur was Sie belegen können, können Sie auch tatsächlich als Krankheitskosten von der Steuer absetzen.

Wo machen Sie Ihre Krankheitskosten geltend?

Die Krankheitskosten geben Sie in Ihrer Steuererklärung an. Nutzen Sie dafür die Anlage „Außergewöhnliche Belastungen“ und tragen Sie die Gesamtsumme Ihrer Ausgaben in die Zeile 13 unter „Andere Aufwendungen“ ein. Die Krankheitskosten, die über die zumutbare Belastung hinaus gehen, werden dann von ihren Einkünften abgezogen und mindern Ihre Steuerlast.

So haben Sie die Krankheitskosten zwar nicht 1:1 erstattet bekommen, profitieren über die Steuererklärung aber dennoch von der finanziellen Erleichterung, indem Sie eine Steuererstattung erhalten (Angestellte) oder weniger Steuer nachzahlen müssen (Selbstständige).

Wie können Sie das steuerliche Absetzen Ihrer Krankheitskosten optimieren?

Versuchen Sie, Ihre Ausgaben für Hilfsmittel und sonstigen Krankheitskosten möglichst so zu verteilen, dass Sie in ein Jahr fallen. Kaufen Sie eine benötigte Brille oder neue Kontaktlinsen zum Jahreswechsel so, dass sie maximal profitieren. Falls Sie also im Dezember knapp unter der dem für sie geltenden Prozentsatz der zumutbaren Belastungen liegen, kaufen Sie die neue Brille noch im alten Jahr, um die Kosten steuerlich geltend machen zu können.

Lässt sich absehen, dass die Krankheitskosten im neuen Jahr noch höher ausfallen, zum Beispiel weil Sie eine Kur geplant haben, dann vertagen Sie die Ausgabe in das neue Jahr. Indem Sie Ihre Krankheitskosten im laufenden Jahr im Blick haben, können Sie sie geschickt verteilen und so steuerlich das Maximum herausholen.

Welche Erleichterungen für die Nachweispflicht gibt es?

Chronisch erkrankte Personen, die regelmäßig Medikamente benötigen, müssen nicht jedes Mal aufs Neue ein Attest vorlegen. Eine Verordnung mit der Bescheinigung der chronischen Krankheit genügt. Auch in weiteren Fällen gibt es Erleichterungen der Nachweispflicht:

  • Wer die Kosten einer Augen-Laser-Operation geltend machen will, benötigt kein amtsärztliches Attest.
  • Wurde durch einen Augenarzt einmalig festgestellt, dass eine Person eine Brille benötigt, dann genügt für das steuerliche Absetzen der Kosten für neue Hilfsmittel in den nächsten Jahren die Bescheinigung bzw. Sehschärfenbestimmung durch einen Optiker.
  • Sowohl der Beihilfebescheid einer Behörde (bei Beamten) oder die Mitteilung einer privaten Krankenkasse, dass sie Krankheitskosten erstattet, werden als Nachweis für das Finanzamt anerkannt.

Wann kann man eine Zuzahlungsbefreiung beantragen?

Auch für die Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen gibt es weitere Erleichterungen bei den Krankheitskosten. Sie können eine Zuzahlungsbefreiung beantragen und erfahren so bereits im laufenden Jahr eine finanzielle Erleichterung und nicht erst mit der Steuererklärung. Wer häufig Zuzahlungen zu Arzneimitteln und Behandlungen leisten muss, der kann per Antrag bei der Krankenkasse eine Befreiung erwirken.

Die Voraussetzung dafür ist, dass sich Ihre Krankheitskosten jährlich auf mehr als zwei Prozent der Bruttoeinnahmen belaufen. Für chronisch kranke Personen gilt als Grenze sogar nur ein Prozent. Um die Zuzahlungsbefreiung zu erhalten, müssen Sie sowohl Ihre als auch die Einkommensnachweise aller Personen, die in Ihrem Haushalt leben, vorlegen.

Fazit: Krankheitskosten steuerlich absetzen ist ab einer gewissen Höhe möglich

Krankheitskosten können Sie ab einer gewissen Höhe steuerlich absetzen und so Ihre finanziellen Belastungen reduzieren. Ab welcher Höhe Sie die Krankheitskosten absetzen können, hängt von Ihrer persönlichen Belastungsgrenze ab, die von Ihrem Einkommen, Ihrem Familienstand, der Zahl Ihrer Kinder sowie Ihrem Steuertarif ab. Zwischen 1 und 7 Prozent liegt die zumutbare Belastung.

Geltend machen können Sie zahlreiche Ausgaben für Arzneimittel, Hilfsmittel, Behandlungen, Therapien, Zuzahlungen und Gebühren, sofern diese ärztlich verschrieben wurden. Bewahren Sie alle Nachweise auf, um Ihre Krankheitskosten steuerlich geltend machen zu können. Über die jährliche Steuererklärung holen Sie sich Geld zurück. Für chronisch Kranke gibt es auch die Möglichkeit eine Zuzahlungsbefreiung zu beantragen, um schon im laufenden Jahr von geringeren Krankheitskosten zu profitieren. Es lohnt sich, Krankheitskosten so zu verteilen, dass sie sich in einem Jahr häufen, wenn das denn gesundheitlich möglich ist. So erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Sie einen Teil Ihrer Kosten über die Steuer zurückbekommen.

Noch besser als die Erstattung von Krankheitskosten ist ein gesundes Leben. Denn ein gesundes Leben ist in der Regel auch ein günstigeres Leben, da die Krankheitskosten wegfallen. Mit einer gesunden Ernährung und viel Bewegung können Sie zu einem gesunden Leben beitragen und Ihre Ausgaben für Behandlung und Therapie reduzieren. Schließlich resultieren viele Krankheiten in den modernen Zivilisationsgesellschaften auch durch eine falsche und ungesunde Lebensweise mit zu wenig Bewegung, Fast Food, Rauchen, Alkohol oder zu viel Stress.