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Angina pectoris

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Steckbrief: Angina Pectoris

Definition: „Brustenge”: Erkrankung des Herzens ausgelöst durch Gefäßverengung

Äußerung durch: Starke Schmerzen in der Brust, plötzliche Todesangst

Spezialisten: Internisten, Kardiologen, aber auch HNO- & Hautärzte

Heilungschancen: Gut, viele Möglichkeiten von Medikamenten bis zur Operation

Sterblichkeit: Möglich, aber selten

Angina Pectoris: Was ist das?

Die Angina Pectoris ist eine Herzkrankheit. Es handelt sich um eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels, die durchverengte Koronararterien (Herzkranzgefäße) entsteht. Durch die mangelnde Versorgung des Herzens mit Sauerstoff stellen sich bei den Betroffenen Schmerzen in der Brust ein, die in der Regel innerhalb weniger Minuten von selbst wieder verschwinden. Ursache der Angina Pectoris ist meistens die Verkalkung der Herzkranzgefäße.

Wörtlich bedeutet Angina Pectoris „Brustenge”, Angina bedeutet „Enge” und Pectus bedeutet „Brust(kasten)”. Nach der neuen deutschen Rechtschreibung werden beide Worte mittlerweile großgeschrieben, allerdings ist gerade im medizinischen Kontext häufig (auch nach IDC10) noch das veraltete Angina pectoris verbreitet.

Symptome von Angina Pectoris: Wie fühlt sich Angina Pectoris an?

Typische Beschwerden bei einer Angina Pectoris sind unter anderem Schmerzen und Brennen hinter dem Brustbein, die bis in die Arme oder den Hals ausstrahlen können. Auch Schwitzen und Atemprobleme zählen zu den Beschwerden der koronaren Herzerkrankung. Meistens werden die typischen Symptome durch körperliche oder seelische Belastung aber auch durch zu üppige Mahlzeiten ausgelöst.

Angina Pectoris Anfall: Hilfe im Notfall

Um einen akuten Angina Pectoris-Anfall zu beenden, gibt es ein sogenanntes Nitro-Präparat, das in den Mundraum gesprayt wird. Dort wird es von der Mundschleimhaut sehr schnell aufgenommen. Bleiben die Schmerzen trotz Nitro gleich, kann das ein Hinweis auf einen Herzinfarkt sein und es sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden. Nitro-Spray ist nur dazu gedacht,einen akuten Anfall zu beenden. Als alleinige Angina Pectoris-Therapie ist es keinesfalls ausreichend. Stattdessen muss durch eine Intervalltherapie die Verkalkung der Herzkranzgefäße aufgehalten werden.

Die vier Angina Pectoris Stadien

Angina Pectoris lässt sich anhand von vier Stadien bezüglich ihrer Schwere einordnen. Diese unterscheiden sich durch ihre Symptome.

Angina Pectoris Stadien:

  • Erstes Stadium: Keine Herzanfälle bei normaler Belastung. Gartenarbeit, Schneeschaufeln oder leichter Sport sind möglich.
  • Zweites Stadium: Geringe Einschränkungen bei normaler Tätigkeit. Herzanfälle typischerweise bei schnellem Treppensteigen, Bergaufgehen oder nach dem Aufstehen.
  • Drittes Stadium: Deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Herzattacken bereits beim An- und Ausziehen, bei längerem Spazierengehen oder leichter Hausarbeit.
  • Viertes Stadium: Sehr starke Einschränkung. Bei jeder kleinen Belastung oder sogar in Ruhe sind Attacken möglich.

Angina Pectoris Formen: Welche Arten von Angina Pectoris gibt es?

Neben verschiedenen Stadien, in denen sich eine Angina Pectoris äußert, gibt es auch sehr unterschiedliche Formen, die die Krankheit annehmen kann. Es gibt eine stabile, eine instabile und eine variable Form. Im Folgenden wollen wir diese näher beschreiben.

Die stabile Angina Pectoris

Die stabile Form einer Angina Pectoris gilt als Ergebnis einer weitgehend fixiert verengenden Herzkranzarterie durch Arteriosklerose. Dadurch reduziert sich der Blutfluss zum Herzmuskel. Brustschmerzen (häufig kombiniert mit einem Druckgefühl hinter dem Brustbein) treten bei körperlicher Belastung auf.

In den meisten Fällen folgt die stabile Angina Pectoris einem vorhersagbaren Muster. Patienten spüren zum Beispiel immer dann ein Engegefühl und Druck in der Brust, wenn sie eine bestimmte Zeit oder Entfernung gelaufen sind. Taucht eine stabile Angina Pectoris im Zusammenhang mit körperlicher Bewegung auf, verschwindet sie innerhalb von Minuten nach Beendigung der Anstrengung.

Die instabile Angina Pectoris

Die ersten Angina Pectoris-Anzeichen können unvorhersehbare Brustschmerzen während Ruhephasen oder während des Schlafs sein. Sie deuten auf den Beginn einer instabilen Angina Pectoris hin. Lief man früher 20 Minuten oder länger vor dem Engegefühl in der Brust, so überkommt einen jetzt nach fünf Minuten dasselbe Gefühl: Dann entwickelt sich unter Umständen diese ernstere Form einer Angina Pectoris.

Als Ursache für eine instabile Angina Pectoris gilt das plötzliche Ablösen eines Fettdepots in einer Herzkranzarterie. An der Verletzungsstelle entsteht dann ein kleines Blutgerinnsel und verengt die Arterie oder blockiert sie sogar vollständig. Eine instabile Angina Pectoris erfordert in vielen Fällen einen Krankenhausaufenthalt, denn das Herzinfarktrisiko beträgt etwa 25 %.

Die variable Angina Pectoris

Die dritte Form ist die variable Angina Pectoris. Hier krampfen die Muskelfasern, welche die Herzkranzarterien umgeben, unkontrolliert. Im Falle einer variablen Angina verengt sich unter Umständen der Hohlraum des Gefäßes oder verschließt sich sogar kurzzeitig ganz. Diese Form tritt meist bei Menschen auf, die nicht unter Arterienverkalkung (Arteriosklerose) leiden. Die Krämpfe treten ohne offensichtliche Ursache auf oder stellen das Ergebnis von emotionalem Stress, Unterkühlung oder Tabakrauch dar.

Immer sind die typischen Symptome starke, kurz anhaltende Brustschmerzen. Krämpfe treten häufig nachts auf und reißen die Betroffenen aus dem Schlaf. Herzrhythmusstörungen gelten als häufige Begleiterscheinung während der Perioden ungleichmäßiger Durchblutung des Herzens. Dabei können Patienten sogar ohnmächtig werden.

Angina Pectoris Risikofaktoren: Hierauf muss geachtet werden

Eine Angina Pectoris kann durch viele unterschiedliche Faktoren begünstigt oder ausgelöst werden, denn vieles kann eine Arteriosklerose durch Plaque ermöglichen.

GeschlechtTatsächlich hat beispielsweise schon das Geschlecht einen Einfluss auf die Gefäßverkalkung. Männer sind statistisch häufiger von einer Angina Pectoris betroffen als Frauen.
Diabetes mellitusDie Zuckerkrankheit ist ebenfalls mit Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden verbunden. Dies führt neben einer Angina Pectoris häufig auch zu anderen Erkrankungen aufgrund von Gefäßverengungen.
ÜbergewichtDiabetes Typ-II Patienten sind häufig bereits übergewichtig. Aber auch unabhängig von Diabetes haben übermäßige Pfunde einen Einfluss auf die Angina Pectoris. Bauchfett setzt Botenstoffe frei, die beide Krankheiten begünstigen.
RauchenNikotin bewirkt, dass sich die Gefäße verengen und verhärten. Dies führt zu Bluthochdruck und gleichzeitig zu dickflüssigerem Blut, was wiederum die Blutgerinnsel fördert. Auch eine Reduzierung des Sauerstofftransports durch Kohlenstoffmonoxid-Aufnahme sorgt für Mangelerscheinungen, die eine Angina Pectoris zur Folge haben können.
PsycheStress, Depressionen, Angst – all das begünstigt eine Angina Pectoris. Durch Ausschüttung von Cortisol werden die Gefäße geschädigt und der Blutdruck erhöht. Blutgerinnsel entstehen, die die Gefäße verstopfen können.
AlterLetztlich ist auch das Alter ein Risikofaktor für Angina Pectoris. Wir alle werden nicht jünger und unser Körper macht eine Menge mit. Männer ab 45 und Frauen ab 55 erkranken so häufiger an Gefäßerkrankungen als jüngere Generationen. Dies ist allerdings am besten durch eine gesunde und sportliche Lebensweise zu verhindern.

Angina als Symptom für die Koronare Herzkrankheit

Die Koronare Herzkrankheit (KHK) ist gekennzeichnet durch eine Verengung der Arterien, die das Herz mit sauerstoff- und nährstoffreichem Blut versorgen. Die Angina Pectoris gilt als wichtiges Symptom für die KHK.

Die Blockierung stellt gewöhnlich das Ergebnis der Plaque-Bildung in den Arterienwänden dar. Die Plaques bestehen aus verschiedenen Stoffen wie Fett, Cholesterin, Kalzium oder Fibrin (Hauptbestandteil von Blutgerinnseln). Die Plaque-Bildung (auch Arteriosklerose genannt) führt zu einer Versteifung und Verengung der Arterien und reduziert den Blutfluss zum Herzmuskel.

Ist ein Herzkranzgefäß teilweise oder ganz blockiert, kann es zum Herzinfarkt oder plötzlichen Tod kommen. In vielen Fällen löst ein kleines Blutgerinnsel dies aus, das auf oder in der Plaque entsteht.

Bei manchen Menschen stellen Brustschmerzen die ersten Zeichen einer KHK dar. Die Änderung bestimmter Lebensgewohnheiten setzt Ihr Risiko zukünftiger Probleme mit der KHK herab. Zu diesen Veränderungen gehört der Verzicht auf das Rauchen sowie mehr körperliche Bewegung und eine gesunde, cholesterinarme Ernährung. Gegebenenfalls kommt die Einnahme bestimmter Medikamente hinzu.

Angina Pectoris Diagnostik: Wie wird eine Angina Pectoris diagnostiziert?

Eine Diagnose von Angina Pectoris erfolgt in der Regel, nachdem ein Patient aufgrund von unerklärlichen Schmerzen einen Arzt konsultiert. Dieser wird dann mit einem Anamnese-Gespräch beginnen, um alle notwendigen Informationen über die Art und das Wesen des Schmerzes zu erfahren. Auch familiäre und persönliche Risikofaktoren werden bei einer Anamnese besprochen.

Im Anschluss führt der Arzt die typischen Untersuchungen durch, die Rückschlüsse über die Herzgesundheit geben. Dazu gehören eine Messung des Blutdrucks, des Pulses und das Abhören des Herzens. Außerdem wird eine Blutprobe entnommen, die später im Labor untersucht wird. Mithilfe der Blutwerte kann beispielsweise ein Herzinfarkt ausgeschlossen werden.

Angina Pectoris Diagnose mit EKG

Zur Diagnose von Angina Pectoris können die Blutwerte allerdings nicht herangezogen werden, diese bieten keinen Aufschluss. Stattdessen kann beispielsweise ein EKG durchgeführt werden. Mithilfe dieses Elektrokardiogramms wird abgeleitet, ob Störungen bei der Herzfunktion vorliegen.

Das EKG liefert die elektrische Herzaktivität in mehreren Ableitungen, das heißt an mehreren Messpunkten am Körper. Eine Angina Pectoris lässt sich allerdings nicht mit einem normalen Ruhe-EKG erkennen, sondern erfordert ein EKG unter körperlicher Belastung. Der Blutfluss ist trotz Verengung ausreichend, um die elektrische Aktivität unauffällig zu bewerkstelligen. Bei einem Belastungs-EKG fährt der Patient beispielsweise Fahrrad-Ergometer, während er mit Kabeln angebunden ist.

Optisch zeigt sich eine Angina Pectoris durch eine gesenkte ST-Strecke bei den Ableitungen, die in Richtung des Herzmuskels messen, der unterversorgt ist. Die ST-Strecke ist das Stück direkt nach den großen Ausschlägen im EKG (QRS-Komplex). Im Normalfall verläuft diese Strecke gerade ohne Ausschläge. Bei einer Angina Pectoris hingegen, ist deutlich erkennbar, wie der Graph an dieser Stelle weit ausschlägt.

Angina Pectoris Behandlung: So verläuft die Angina Pectoris Therapie

Abhängig von der jeweiligen Position der Arterienverengung benötigt eine Angina Pectoris eine unterschiedliche Behandlung.

Studien zeigen, dass Medikamente genauso effektiv wie Bypass-Operationen anschlagen, wenn Verengungen in einer bis zwei Arterien, außer der linken Hauptarterie, auftreten. Der linke Hauptstamm stellt nämlich die Hauptversorgungsleitung für das Herz dar. Sind jedoch alle drei Hauptarterien oder der linke Hauptstamm betroffen oder ist Ihre Herzfunktion herabgesetzt, dann brauchen Sie eine aggressivere Therapie: Hier sorgt eine Bypass-Operation für eine höhere Überlebensrate nach fünf Jahren. Bei anderen Patienten empfehlen sich Angioplastie und Stents.

In manchen Fällen wie einer langen, komplizierten oder vollständigen Blockade der Gefäße bewirkt ein Bypass eine höhere sofortige Erfolgsrate als beispielsweise eine Angioplastie. Faktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, vorangegangene Infarkte oder fortgeschrittenes Alter beeinflussen die Entscheidung, für die eine oder andere Therapieform.

Behandlungskosten, die Länge des Krankenhausaufenthaltes und die Wahrscheinlichkeit von nachfolgenden Behandlungen sind weitere Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten.

Heilung von Angina Pectoris durch Medikamente

Medikamente helfen dabei, den Sauerstoffbedarf Ihres Herzens zu reduzieren oder Ihre Gefäße zu entspannen. Dabei ist eine Verstärkung des Blutflusses möglich.

Zur medikamentösen Behandlung gehören folgende Mittel:

  • Beta Blocker (z. B. Atenolol, Bisoprolol, Metoprolol)
  • Nitratartige Verbindungen (z. B. Isosorbid, Nitroglycerin)
  • Calcium-Kanal-Blocker (z. B. Amplodipin, Diltiazem, Nifedipin, Verapamil).

Zusätzlich empfehlen viele Ärzte Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) oder andere Mittel, die vor Blutgerinnseln schützen. Statine und ACE-Hemmer vermindern das Risiko für Herzinfarkte.

Angioplastie als Therapieform

Bei diesem Verfahren führen die Ärzte ein langes, dünnes Röhrchen (Katheter) in eine Arterie Ihres Armes oder der Leiste ein. Mithilfe eines Röntgengerätes führt der Chirurg den Katheter bis zu den verengten Herzkranzgefäßen. Dann schiebt er einen zweiten, kleineren Katheter in den ersten.

An der Spitze des zweiten Katheters befindet sich ein winziger entspannter Ballon, den man durch den Engpass in der Arterie schiebt. Das kurzzeitige Aufpumpen des Ballons verdrängt die Plaques und dehnt die Gefäße, sodass das Blut leichter fließt. Bei vielen Angioplastien setzt man eine kleine sprungfederförmige Spirale (Stent) ein. Wenn der Ballon darin aufgepumpt ist, fixiert sich der Stent an der erweiterten Stelle der Arterie und verhindert eine unmittelbare Wiederverengung des Gefäßes nach der Entspannung des Ballons. Anschließend lässt der Chirurg die Luft ab und entfernt den Ballon, während der Stent an Ort und Stelle bleibt.

Leider kommt es bei einer Angioplastie in 12 bis 20 % der Fälle zu einer Restenose: Die Symptome treten nach einigen Monaten wieder auf. Neuere Untersuchungen zeigten, dass eine kurzzeitige Bestrahlung das Risiko einer erneuten Verengung innerhalb eines Stents verhindern kann. Dazu verwenden die Ärzte einen Katheter mit einer radioaktiven Substanz. Diese Methode nennt sich „Intrakoronare Brachytherapie”. Gewöhnlich setzt man sie nur zur Behandlung einer Restenose ein.

Eine Koronar-Angioplastie führt der Chirurg im Normalfall unter örtlicher Betäubung durch. Je nach Ihrer besonderen Situation dauert die Behandlung etwa eine Stunde. Meistens erfordert sie eine Übernachtung im Krankenhaus.

Die Bypass-Operationen gegen Angina Pectoris

Eine Bypass-Operation ist ein größerer und langwieriger Eingriff. Der Chirurg schließt dabei ein Blutgefäß von einem anderen Körperteil an die verengte Herzarterie an. Durch diese Umleitung fließt das Blut an der verengten Stelle vorbei und gelangt zu Ihrem Herzmuskel.

Der Krankenhausaufenthalt und die Genesungszeit fallen erheblich länger aus als bei der Angioplastie. Verschiedene Formen der Koronaren Herzkrankheit (KHK) erfordern die Bypass-Operation. In manchen Fällen stellt dies die bessere Alternative dar, weil weitere Eingriffe unwahrscheinlicher werden.

Alternative Behandlungsmethoden für eine Angina Pectoris

Neben den typischen Behandlungsmethoden Angioplastie und der Bypass-Operation haben sich auch alternative Behandlungsmethoden etabliert, die auf unterschiedliche Art und Weise eine Angina Pectoris zu lindern vermögen.

Druckluft fördert die Herzdurchblutung

So kann beispielsweise Druckluft die Brustschmerzen für Menschen verringern, die auf andere Therapien nicht richtig ansprechen oder die dafür nicht die richtigen Voraussetzungen mitbringen.

Die Pneumatische Externe Gegenpulsation (PECP) stellt ein nicht-invasives Verfahren zur Linderung einer Angina Pectoris dar. In manchen Fällen verbessert es die Durchblutung des Herzmuskels. Während der PECP-Behandlung befördern aufblasbare Druckkammern das Blut von den Beinen zum Herzen. Die Behandlung dauert jeweils ca. eine Stunde und wird sieben Wochen lang jeden Werktag wiederholt.

Neue Herzmittel zur Angina Pectoris Therapie

Nitroglyzerin hat sich seit Jahrzehnten im Einsatz gegen akute Anfälle bewährt. Eigentlich als Sprengstoff bekannt, kann das Nitrat auch Gefäße im menschlichen Körper erweitern. Dazu setzt es im Körper blitzschnell Stickstoffmonoxid (NO) frei. Sofort erhält der Herzmuskel frisches Blut und die Schmerzen lassen nach.

Mit Sport gegen Angina Pectoris

Ein weiteres bedeutsames Anwendungsgebiet kann der vorbeugende Einsatz bei sportlicher Betätigung sein. Durch die Gabe von Nitroglycerin „sublingual” (unter die Zunge) ist es möglich, die Belastungstoleranz von Angina-Patienten bei körperlichem Training zu erhöhen.

Studien bestätigen dies: Nitro-Spray (Nitrolingual akut®) kann, wenn es wenige Minuten vor der körperlichen Belastung gegeben wird, das Auftreten von Beschwerden verzögern oder verhindern, die im Zusammenhang mit einer Angina Pectoris auftreten. Abhängig von der Dosis konnten sich die Studienteilnehmer mehr belasten und besser trainieren. So wird den Erkrankten, deren Anfälle oft mit schlimmer Todesangst einhergehen, auch die Angst vor sportlicher Betätigung genommen.

Dies wird viel zu wenig beachtet. Dabei senkt Sport das Sterberisiko um mindestens 20 %. Herz-Kreislauf-Kranke, die regelmäßig trainieren, benötigen oft weniger Behandlungen.

Gefahr der Toleranzentwicklung bei Medikation

Bei lang wirkenden Nitraten besteht die Gefahr einer Toleranzentwicklung. Um die Anfallsneigung langfristig zu senken, verordnen Ärzte heute vor allem Beta-Blocker, die die Schlagfrequenz des Herzens herabsetzen. Auch so genannte Kalziumantagonisten werden verschrieben, die den Blutdruck senken und so den Herzmuskel entlasten.

Diese Mittel vertragen nicht alle Patienten und bei langfristiger Einnahme sind sie oft mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Mögliche Nebenwirkungen von Beta-Blockern sind:

  • Atemnot
  • Erektionsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Schwindel
  • Durchblutungsstörungen in Händen & Füßen

Kalziumantagonisten erhöhen die Neigung für Angina-Pectoris-Anfälle erst recht. Damit bewirken sie bei einigen Patienten genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich mit ihnen bezweckt. Vielen Herz-Patienten konnte man aus diesem Grund bisher mit diesen althergebrachten Wirkstoffen nicht optimal helfen. Andere mussten mit den Nebenwirkungen von Beta-Blockern kämpfen, darunter Schwindel und anhaltende Müdigkeit. Für sie bietet ein neues Medikament, das erst seit Kurzem in Europa zugelassen ist, eine echte Chance.

Procoralan® setzt nämlich an einer ganz anderen Stelle an als die herkömmlichen Substanzen: Sein Wirkstoff Ivabradin blockiert gezielt kleine „Strom-Kanälchen” im Herzen. Dadurch erniedrigt man allein die Herzfrequenz, aber man setzt nicht die Schlagkraft des Herzens herab. Der Blutdruck bleibt normal.

Bessere Belastbarkeit & weniger Herzanfälle

Die neue Substanz erprobten Forscher bisher in Studien an verschiedenen kanadischen Universitäten. Insgesamt nahmen daran mehr als 3.500 Patienten teil. Dabei behandelte man über 900 Patienten drei Monate lang entweder mit dem neuen Wirkstoff Ivabradin oder dem Beta-Blocker Atenolol.

In beiden Gruppen war die Anfälligkeit für die schmerzhaften Herzattacken etwa gleich. Darüber hinaus fiel bei Tests auf dem Fahrradergometer die Belastbarkeitsgrenze bis zum Auftreten von Herzschmerzen gleich aus. Damit ist der Beweis erbracht, dass der neue Wirkstoff genauso effektiv ist wie die seit Jahrzehnten eingesetzten Betablocker.

Wechsel nicht immer sinnvoll

Ivabradin wirkt genauso gut wie Betablocker oder Kalziumantagonisten. Allerdings ist seine Verträglichkeit deutlich besser und es treten weniger Nebenwirkungen auf.

Gelegentlich kommt es jedoch zu Sehstörungen, weil es in der Netzhaut ähnliche „Stromkanäle” gibt wie im Herzen. In der kanadischen Studie lag die Rate an vorübergehenden Sehstörungen bei 13 % der Studienteilnehmer. Sie berichteten beispielsweise von hellen Zonen in unterschiedlichen Bereichen des Sehfeldes. Allerdings waren die Fahrtüchtigkeit und die Alltagsaktivität nicht behindert.

Als weitere Nebenwirkung kam es bei 2 bis 4 % der Studienteilnehmer (je nach Dosierung) zu einer extremen Verlangsamung des Herzschlags. Diese Nebenwirkung ist bei Beta-Blockern allerdings mindestens doppelt so oft zu beobachten.

Fazit:

Wenn Sie an Angina Pectoris leiden und mit Ihren bisherigen Medikamenten nicht klarkommen, beispielsweise ständig müde sind oder Ihnen oft schwindelig wird, sprechen Sie Ihren Arzt auf das neue Mittel an. Wenn Sie gleichzeitig an Asthma, Schuppenflechte oder Durchblutungsstörungen leiden, könnte eine Umstellung sinnvoll sein. Beta-Blocker fördern diese Krankheiten zusätzlich.

Wenn Sie allerdings bisher mit Ihren Medikamenten gut zurechtgekommen sind, besteht kein Grund zum Wechseln. Wie bei allen neuen Medikamenten besteht das Restrisiko, dass sich Nebenwirkungen nach jahrelanger Anwendung zeigen.

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