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Bindungsangst: So belastet sie die Beziehung

Bindungsangst stellt eine Beziehung vor Herausforderungen. Doch wie entsteht eigentlich Bindungsangst und wie äußert sie sich? (Foto: Adobe Stock - Rido)

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Einen Partner fürs Leben finden ist der Wunsch vieler Menschen. Sie flirten und daten und starten immer wieder den Versuch, den oder die Eine zu treffen. Doch wenn es ernst wird, verschließen sie sich und reagieren mit einem immer ähnlichen Muster. Sie reagieren abweisend, suchen Streit oder ziehen sich gänzlich zurück. Die Beziehung endet dann häufig, bevor sie richtig begonnen hat. Bindungsangst nennt sich dieses Phänomen, das es den Betroffenen schwer macht, sich auf jemanden einzulassen. Bei dem Gedanken an eine feste Partnerschaft reagieren sie mit unterschiedlichen Symptomen:

  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Anspannung
  • Panikattacken
  • Unwohlsein
  • Beklemmung

Wer an jemanden mit Bindungsangst gerät, hat es häufig schwer. Auch wenn in den ersten Wochen noch alles rosig erscheint, kann sich das Gefühl ändern, sobald mit dem Gegenüber das Thema ernsthafte Partnerschaft angesprochen wird. Menschen mit Bindungsangst machen dann häufig dicht und reagieren mit verschiedenen Vermeidungsstrategien, die alle eins gemeinsam haben: Distanz.

Was bedeutet Bindungsangst genau?

Bindungsphobiker fürchten sich vor Nähe, sorgen sich um den Verlust ihrer Unabhängigkeit und haben Angst vor der Verantwortung, die aus einer Beziehung erwachsen könnte. Schließlich bestehen Beziehungen aus Geben und Nehmen und besonders der erste Teil fällt Bindungsphobikern schwer. Einer Bindungsangst liegt häufig die Angst vor Verletzungen zu Grunde. Die Menschen wünschen sich häufig nichts sehnlicher als geliebt zu werden und einen Partner zu finden, scheuen sich aber davor, sich dem hinzugeben.

Die Angst vor Verletzungen ist so groß, dass sie im Aufbau der Partnerschaft eine Blockade erleben und sich lieber wieder in ihr bekanntes Alleinsein flüchten. Dort müssen sie niemandem Rechenschaft ablegen, sind nicht für die Gefühle einer anderen Person verantwortlich und müssen auch nicht für die Wünsche eines anderen zurückstecken. Ihre Angst vor einer Enttäuschung ist größer, als der Wunsch nach einer Partnerschaft.

Wer unter Bindungsängsten leidet, sucht nach dem Abflauen der ersten Verliebtheitsphase bewusst Streit, verhält sich kühl, distanziert und egoistisch. Auf diese Weise soll der neue Partner verschreckt werden, damit es erst gar nicht zum Entstehen von Liebe kommt. Bindungsangst kann jedoch auch in bereits bestehenden Beziehungen existieren. Dem Partner wird die emotionale und körperliche Nähe dann zu viel, er sucht sich immer wieder seine Freiräume und hat Schwierigkeiten, den anderen komplett in sein Leben zu lassen.

Dabei können Beziehungen mit Bindungsphobikern sogar über mehrere Jahre gehen – sie sind dann häufig geprägt von Streit und der Abschottung des einen Partners. Wenn der andere das jedoch mitmacht und die eingeforderten Freiräume eingesteht, müssen die Beziehungen nicht direkt nach dem Kennenlernen wieder enden. Dennoch wird es spätestens bei den Themen Familienplanung, Zusammenziehen etc. kompliziert und die Konflikte spitzen sich dann zu.

Das sind die Ursachen für Bindungsphobien

Bindungsphobien liegen in der Vergangenheit einer Person begründet und können auf verschiedenen Erfahrungen fußen. So kann eine Bindungsangst beispielsweise aus vorangegangenen Beziehungen resultieren. Wer verletzt und enttäuscht wurde, hat Angst sich wieder auf einen neuen Partner einzulassen und diese Gefühle nochmal zu erleben. Trotz des eigentlichen Wunsches erneut eine Beziehung einzugehen, ist die “Vernunft” stärker und das Öffnen gegenüber einer anderen Person fällt zu schwer.

Auch in der Kindheit können Bindungsängste begründet liegen. Diese liegen häufig nur unterbewusst vor und können gar nicht mit konkreten Ereignissen aus der Vergangenheit in Verbindung gebracht werden. Die Ursachen liegen meist in einem Konflikt mit den Eltern wie zum Beispiel:

  • Zurückweisung oder Vernachlässigung
  • zu wenig Geborgenheit und Nähe in der Kindheit
  • Streit der Eltern untereinander
  • Scheidung der Eltern
  • Verlust eines Elternteils oder einer anderen Bezugsperson

Selbst die ersten beiden Lebensjahre können entscheidend sein und eine unterbewusste Bindungsangst auslösen. Das genaue Gegenteil von Zurückweisung, nämlich ein überbehütetes Aufwachsen, kann ebenfalls zu Bindungsangst führen. Besonders Männer, die mit einer überbehütenden Mutter aufgewachsen sind, können Bindungsängste entwickeln.

Weitere Gründe für Bindungsangst sind:

  • Selbstzweifel
  • mangelndes Selbstwertgefühl
  • Erfahrungen mit Missbrauch. Hier sind die Bindungsängste primär körperlicher Natur.

Viele Bindungsphobiker wissen nicht um ihre Ängste oder können sie zumindest nicht so klar benennen. Sie stolpern von einer Beziehung in die nächste und fragen sich, warum es nie so richtig klappt.

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Bindungsangst: Typische Muster in Beziehungen

Die Gründe für das Scheitern werden häufig dem anderen zugeschoben und als pauschale Erklärung gilt, dass man sich ja immer die falschen Partner aussuchen würde. Genau das ist ein bei Bindungsphobikern übliches Muster. Sie wählen Partner, an denen sie schon an einem frühen Punkt des Kennenlernens Aspekte stören.

So können sie dann, wenn es ernst wird, mit guten Begründungen wieder aus der Beziehungssituation heraus. Dabei erkennen sie nicht, dass sie möglicherweise unrealistische Erwartungen haben. Auch Partner zu wählen, die unerreichbar sind (wie zum Beispiel Verheiratete oder Vergebene), ist ein übliches Muster. Besonders Frauen finden sich häufig in dieser Art der Bindungsangst wieder.

Ein weiteres Muster ist, erst gar keine festen Beziehungen einzugehen. Affären, unverbindliche Liaisons oder die Betonung darauf, wie sehr man sein Single-Leben genießt, sind weitere Hinweise auf eine mögliche Bindungsangst. Diese Herangehensweise an eine Bindungsangst trifft besonders oft Männer.

Bindungsangst bei sich und anderen erkennen

Betroffene können sich anhand einiger Anzeichen selber überprüfen oder anhand von gewissen Merkmalen erkennen, ob sie an einen Bindungsphobiker geraten sind:

  1. Personen mit einer Bindungsangst wechseln oft den Partner.
  2. Verbindlichkeit verursacht Angst.
  3. Wenn es mit einem neuen Partner ernst wird, gehen Bindungsphobiker auf Abstand. Zum Teil tauchen sie sogar komplett ab und melden sich gar nicht mehr.
  4. Bei emotionaler Nähe reagieren Bindungsphobiker abweisend oder ergreifen sogar die Flucht.
  5. Menschen mit Bindungsangst reagieren auf Themen wie Familienplanung und Heirat grundsätzlich ablehnend.
  6. Eine gemeinsame Wohnung ist undenkbar.
  7. Der andere soll nicht den Freunden oder der Familie vorgestellt werden.
  8. Den Austausch von Zärtlichkeit in der Öffentlichkeit mögen Bindungsphobiker nicht.
  9. Wer Bindungsangst hat, ist oft unzuverlässig und sagt Dates auch gerne mal ab.
  10. Auf eine Trennung folgt häufig direkt die nächste Liaison.

Welche Lösungsansätze gibt es bei Bindungsangst?

Um eine Bindungsangst zu überwinden, müssen Betroffene erst einmal erkennen, dass sie unter ihr leiden. Einsicht ist in diesem Fall tatsächlich der erste Schritt zur Besserung. Im nächsten Schritt müssen sich die Betroffenen fragen: Weshalb habe ich diese Ängste?

Hilfe bei einer Bindungsangst kann sowohl aus einer Therapie als auch vom Partner kommen. Wer erkennt, dass er unter einer Bindungsangst leidet, kann diese mit professioneller Hilfe behandeln. Dabei sollte die Bindungsangst auch ganz klar als Angststörung angesehen werden, deren Ursache auf den Grund gegangen werden muss. Wenn die Traumata aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden, können Bindungsphobiker die Ängste hinter sich lassen und auch an ihren typischen Mustern arbeiten.

Doch nicht alle Menschen mit Bindungsangst müssen zum Therapeuten. Manchmal kann auch schon der Partner helfen. Schließlich haben einige Bindungsphobiker auch nur Angst davor, Fehler zu machen oder wieder verletzt zu werden und haben daher Schwierigkeiten sich zu öffnen.

Mit dem richtigen Partner Bindungsangst überwinden

Wenn der Partner dann das Gefühl gibt, den anderen so zu lieben wie er ist, kann dies das eigene Selbstwertgefühl stärken. Geht der Partner verständnisvoll und geduldig mit den Ängsten um, können beide gemeinsam daran arbeiten, sie abzubauen. Besonders wenn in vergangenen Partnerschaften schlechte Erfahrungen gemacht wurden, können mit einem neuen, umsichtigen Partner auch neue, positive Erfahrungen geschaffen werden. Dies kann die Angst vor einer erneuten zu festen Bindung schmälern. Eine wichtige Voraussetzung ist eine offene Kommunikationsatmosphäre, in der beide Partner ihre Sorgen und Ängste ansprechen können.

Als Partner einer Person mit Bindungsangst ist viel Verständnis nötig. Genauso wichtig wie dem anderen seine Freiräume zu lassen ist aber auch, gemeinsam schöne Erlebnisse zu teilen. So kann der andere erkennen, wie bereichernd eine Beziehung sein kann. Eine Beziehung mit einem Bindungsphobiker ist herausfordernd und verlangt vom Partner häufig viel Verständnis und Gelassenheit. Wenn die Gefühle aber stimmen, kann es sich lohnen, dem anderen die benötigte Freiheit zu geben. Mit der Zeit können dann beide gemeinsam eine Basis aufbauen und der Bindungsphobiker merkt, dass eine Beziehung mit viel Nähe und Verbindlichkeit nichts Schlechtes sein muss.

Weniger Bindungsangst dank eines ausgeprägten Selbstwertgefühls

Wer aufgrund eines mangelnden Selbstwertgefühls unter Bindungsangst leidet, kann mit einfachen Mitteln mehr Selbstliebe praktizieren:

  • Yoga
  • Meditation
  • Zeit für sich selber, die nur für schöne Dinge genutzt wird
  • mehr auf sich selber hören und öfter mal Nein sagen

Dies kann ebenfalls dazu führen, sich anderen Menschen gegenüber besser öffnen zu können. Denn wer sich selber nicht als liebenswert wahrnimmt, fürchtet eine Beziehung aus Angst davor, nicht genug zu sein.

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