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Wenn die Fetzen fliegen: So streiten Paare konstruktiv

Für die einen gehört Streit in der Beziehung dazu, andere wünschen sich pure Harmonie. Entscheidend ist, ob der Streit konstruktiv ist. (Foto: Adobe Stock - Jeanette Dietl)

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In den wenigsten Beziehungen herrscht pure Harmonie. Wenn zwei Menschen mit all ihren Eigenheiten, Ansichten und Bedürfnissen aufeinanderprallen, gibt es immer Reibungspunkte. Manche Paare schaffen es mit diesen Reibungspunkten sachlich umzugehen und es gar nicht erst zum Streit kommen zu lassen. Andere Paare zermürben sich regelmäßig gegenseitig und streiten sowohl über kleine als auch große Themen. Besonders “beliebt” sind:

  • Haushalt
  • Kindererziehung
  • Geld
  • Sex
  • Urlaube und andere Freizeitgestaltung
  • die Freiheiten des anderen und damit verbundene Eifersucht

Was steckt hinter Streit in der Beziehung?

Besonders der Streit um Kleinigkeiten kann ordentlich auf das Glücksempfinden drücken und viele Paare wissen nicht, wie sie aus ihrer Vorwurfs-Spirale wieder herauskommen. Dabei kann konstruktives Streiten sogar erlernt werden, wenn einmal klar ist, was eigentlich hinter dem Streitthema steckt. Schließlich geht es bei dem Streit um den nicht ausgeleerten Mülleimer selten tatsächlich um den Müll.

Vielmehr fühlt sich der eine vom anderen nicht ausreichend respektiert, geschätzt oder unterstützt und lässt seinen Frust dann auf Basis von Kleinigkeiten am anderen aus. Auch Macht kann ein Motiv sein, aus dem Paare streiten. Einer will immer Recht haben und deutlich machen, wer in der Beziehung das Sagen hat.

Streit kann die Liebe bedrohen

Streit und Konflikte können eine Partnerschaft stark belasten und nicht wenige Paare verfangen sich so sehr in ihren Streitmustern, dass sie nicht mehr herausfinden und irgendwann vor den Trümmern ihrer Beziehung stehen. Dabei sind Vorwürfe und Streit häufig ein Ausdruck der eigenen Unzufriedenheit oder Kritik am Partner.

Insbesondere wenn es sich immer wieder um dieselben Streitthemen handelt, sollten sich Paare hinterfragen. Meist fordert der eine Partner Verständnis vom anderen für seine Wünsche und Meinungen, ohne ihm verständnisvoll gegenüberzutreten. So können selbst Streits um Kleinigkeiten wie Socken auf dem Fußboden oder der offene oder geschlossene Klodeckel im Bad zum Machtkampf werden.

Wie kann Streit in der Beziehung angegangen werden?

Um solche Situationen zu lösen, hilft es, dem anderen Verständnis für seinen Wunsch entgegenzubringen, anstatt ihn mit eigenen Argumenten in Grund und Boden zu diskutieren. Wer seinem Partner in einer Streitsituation ganz sachlich begegnet, nimmt ihm schon mal einiges an Wind aus den Segeln.

Sich anzuhören worum es ihm geht und dann vorzuschlagen, gemeinsam eine Lösung zu finden, kann in einer Konfliktsituation zwar schwierig sein. Schließlich fällt es manchmal schwer sich zu beruhigen und es gibt auch Paare, die um des Streites willen streiten. Dies kann ein versteckter Schrei nach mehr Aufmerksamkeit sein. Begegnen sich aber beide sachlich und geben dem anderen Raum, seinen Wunsch oder seine Meinung zu erklären, ist die Basis eine ganz andere als wenn sich hitzig angeschrien wird. Die Wünsche des anderen zur Kenntnis zu nehmen, zeugt von Respekt und setzt ein wichtiges Signal im Streit.

Hinter einem Streit kann auch der Umstand stecken, dass einer den anderen nicht so akzeptiert wie er ist. Für eine stabile Partnerschaft ist das auf Dauer kritisch. Wertschätzung und dem anderen das Gefühl zu geben, ihn so zu mögen wie er ist, trägt entscheidend zu einer glücklichen Beziehung bei. Es ist wichtig, den Respekt nicht zu verlieren und so konstruktiv wie möglich an Konflikte heranzugehen. Dafür sollten beide Partner offen miteinander sprechen und sich nicht nur gegenseitig mit Vorwürfen konfrontieren.

Streit und Stress hängen eng zusammen

Häufig entstehen Streits aus Stress. Wenn beide keine Zeit haben sich mit Konfliktsituationen angemessen auseinanderzusetzen und eine kurzfristige statt nachhaltige Lösung bevorzugen, können auch dieselben Streitthemen immer wieder aufkommen. Stress macht gereizt und unentspannt und das kann sich auch in der Paar-Kommunikation niederschlagen.

Wenn beide entspannt und zufrieden sind, ist die Herangehensweise an Konflikte häufig viel rationaler. Man ist geduldiger, nachsichtiger und begegnet dem anderen eher sachlich, respektvoll und lösungsorientiert. Daher ist es umso wichtiger, dass Paare sich selbst in stressigen Phasen noch Zeit füreinander nehmen und die positiven Aspekte ihrer Beziehung pflegen.

Je ähnlicher sich Paare sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch harmonisch miteinander sind. Dennoch gibt es natürlich auch in stabilen Partnerschaften Streit, zum Beispiel wenn beide Partner Sturköpfe sind und gerne das letzte Wort haben. Entscheidend ist der Umgang mit Konflikten und wie tiefgreifend sie sind.

Aus Liebe zum Partner zurückstecken

Wenn einem Partner eine Sache besonders wichtig ist und der andere das anders sieht, kann er sich trotzdem nach dem Partner richten, und zwar ihm zuliebe. Wer das Glück oder Wohlbefinden des anderen über die Socken auf dem Schlafzimmerboden stellt und sie einfach ihm zuliebe wegräumt, zeigt Wertschätzung für die Wünsche des anderen. Man muss nicht immer verstehen, weshalb jemandem etwas wichtig ist.

Es sollte daher nicht nur der eigene Standpunkt gesehen werden, sondern auch der des anderen. Schließlich gibt es immer verschiedene Herangehensweisen an eine Sache und keine ist per se richtig oder falsch. Wenn Paare das erkennen und den Standpunkt des anderen wertschätzen, ist beiden geholfen.

Konstruktives Streiten in der Beziehung kann erlernt werden

Konstruktive Lösungen finden ist für viele Paare schwer. Zum Teil hat sich bei ihnen bereits eine gewisse Streitkultur eingebürgert und sie kommen nur schwer aus ihrem Verhaltensmuster raus. Wer aber lernt, konstruktiv zu streiten, kann sich auf mehr Frieden und Wertschätzung in der Beziehung einstellen.

Paare sollten sich fragen: Wie wichtig ist ihnen eine Sache wirklich? Geht es darum Recht zu bekommen oder geht es wirklich um die Sache an sich? Wer öfter mal über Kleinigkeiten hinwegsieht oder sich dem Partner zuliebe nach ihm richtet, schafft automatisch eine friedlichere Atmosphäre. Wer Ärger im ersten Moment herunterschluckt und in einer Konfliktsituation nicht sofort lospoltert, hat die Möglichkeit, das Thema zu einem späteren Zeitpunkt sachlicher anzusprechen. Vielleicht ist es dann auch schon gar nicht mehr so schlimm oder wichtig.

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6 Regeln für den Streit in der Beziehung

1. Keine allgemeinen Vorwürfe

In Streits sollte nicht verallgemeinert werden: Aussagen wie “Du bist immer” und “Du machst nie” sind nicht zielführend und führen meist nur dazu, dass der andere abblockt. Besser ist es konkrete Situationen zu benennen und sich zu fragen, was hinter dem allgemeinen Vorwurf steckt. Heißt “Du gehst nie mit mir aus” nicht eigentlich nur: “Ich wünsche mir mehr Zeit zu zweit mit dir?”

2. Ich- statt Du-Botschaften senden

Daraus resultiert auch schon der nächste Hinweis. Es empfiehlt sich im Streit in Ich-Botschaften zu sprechen. “Ich bin verärgert darüber, dass du dich nicht an unsere Absprache gehalten hast” ist deutlich zielführender statt “Nie kommst du pünktlich”. Während das eine ein Vorwurf ist, den der Partner möglicherweise bloß abblockt, ist die Ich-Botschaft eine sachliche Aussage über den eigenen Gefühlszustand. So fühlt der andere sich nicht gleich in die Enge getrieben, sondern hat mehr Möglichkeiten sich zu erklären.

3. Ruhe bewahren

Wenn möglich sollten Paare nicht schreien oder hysterisch werden. Das heizt den Streit nur noch mehr an. Wer sich über etwas ärgert, was der andere gemacht oder gesagt hat, sollte erst einmal tief durchatmen. Anschließend kann dann sachlich in der Ich-Botschaft formuliert werden, wo genau das Problem liegt.

4. Nicht beleidigend werden

Im Eifer des Gefechts kommt es schnell mal zu verletzenden Äußerungen. Manchmal soll der Partner auch ganz bewusst verletzt werden. Beleidigungen, Verachtung oder Spott können den anderen tief treffen und sogar die Liebe beeinträchtigen. Dies sollte sich jeder bewusst machen, der seinen Partner beleidigt. Es hilft an dieser Stelle immer sich zu fragen: Will ich selber so behandelt werden?

5. Konflikte nicht vor anderen austragen

Sich vor anderen zu streiten, ist für alle Beteiligten unangenehm. Konflikte unter Paaren sollten auch nur zu zweit ausgetragen werden. Das bewahrt Würde und macht die Situation nicht noch schwieriger als sie ohnehin schon ist. Besonders vor gemeinsamen Kindern sollte Streit vermieden werden – je nach Alter beziehen Kinder dies unbewusst auf sich und können sogar Traumata davontragen, wenn ihre Eltern in ihrer Gegenwart nur Schreien und Streiten.

6. Nicht nachtragend sein

Jeder Streit sollte das Ziel haben, dass das Thema danach aus der Welt geschaffen ist. Dieselben Konflikte immer wieder aufzuwärmen oder Themen von vor x Jahren nochmal auf die Agenda zu bringen, ist undankbar und hilft keinem. Vergangenes ist vergangen und wer sich auf die Gegenwart konzentriert, kann diese konstruktiv verbessern.

Kann Streit auch positiv sein?

Manchen Paaren ist Streit in der Beziehung sogar wichtig. Sie fänden es ohne Konflikte langweilig und mögen die Reibung, die durch den Streit entsteht. Diese Spannung kann sich auch sexuell entladen und viele Paare schwärmen vom Versöhnungssex. Wenn nach einem Konflikt die Luft reingewaschen ist und beide wieder erkennen, was sie am anderen haben, kann mehr Leidenschaft im Spiel sein als bei Paaren, die immer gleichmäßig harmonisch sind. Das muss aber nicht sein – schließlich können auch harmonische Paare mit einer guten Gesprächskultur ein leidenschaftliches Liebesleben haben.

Wichtig ist es, konstruktiv zu streiten und früh zu erkennen, ob man sich gegenseitig regelmäßig zermürbt oder ob der Streit auch zielführend sind. Konstruktives Streiten kann man lernen. Paare können am Streit wachsen, wenn sie ihn sauber klären und mit einer Erkenntnis aus dem Konflikt rausgehen. Streits können tatsächlich mehr Verständnis für den anderen schaffen – wenn die “Regeln” eingehalten werden.

Lieber konstruktiv streiten als die eigenen Bedürfnisse unterdrücken

Ein konstruktiver Streit ist hilfreicher, als schwierige Themen über lange Zeit nicht anzusprechen und eigene Wünsche und Bedürfnisse zu sehr zurückzustellen. Das macht langfristig auch nicht glücklich und birgt Risiken, dass sich zu viel anstaut. Dabei sollte aber jeder für sich abwägen: Wie wichtig ist mir mein eigener Wunsch oder wäre ich auch bereit ihn für meinen Partner hintenanzustellen?

Wer Schwierigkeiten hat, konstruktiv zu streiten oder sich mit seinem Partner immer wieder im Kreis dreht, kann professionelle Hilfe von einer Paarberatung oder Paartherapie in Anspruch nehmen. Therapeuten geben Tipps und Anregungen zur Verbesserung der Kommunikation und wissen, wie Paare der Streit-Spirale in ihrem Leben am besten entkommen können.

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