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Frauenmantel als Heilpflanze: Nicht nur bei Frauenleiden beliebt

(Foto: Sonja Birkelbach - Adobe Stock)

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Schon seit Jahrtausenden steht der Frauenmantel nicht nur dank seines Namens mit dem weiblichen Geschlecht in Verbindung. Denn das heilende Kraut unterstützt bei Menstruationsschmerzen oder Beschwerden während der Wechseljahre. Doch auch bei leichtem Durchfall kann die Heilpflanze Linderung verschaffen. Wie wenden Sie das heilsame Kraut am besten an?

Das Frauenmantel-1×1: Übersicht über Alchemilla vulgaris

  • Frauenmantel: niedrig wachsende Staude mit gelb-grünen Blüten
  • Andere Bezeichnungen: Jungfernmantel, Taukraut, Taubecher, Taumantel, Wundkraut, Perlkraut
  • Heilwirkung: krampflösend, adstringierend, harntreibend, blutreinigend, beruhigend
  • Anwendung: Tee, Fertigpräparate (Kapseln), Bäder, Umschlag
  • Einsatzgebiete: Menstruationsschmerzen, ausbleibende Menstruation, Wechseljahresbeschwerden, Geburtsvorbereitung, Verdauungsstörungen, kleine Wunden oder Juckreiz
  • Botanik: Rosengewächs mit geballten Blütenständen und gezähnten Blättern
  • Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Flavonoide, Procyanidine, Salicylsäure, Saponine
Frauenmantel Heilkunde Naturmedizin
Frauenmantel blüht sehr lange und wird deshalb gerne als Bodendecker in Vorgärten benutzt. Besonders in der Frauenheilkunde hat sie Verwendung gefunden. © Adobe Stock - Sinuswelle

Heilsam nicht nur bei Frauenleiden: Welche Wirkung hat der Frauenmantel?

Die Heilpflanze Frauenmantel hat krampflösende, adstringierende (gefäßzusammenziehende) und beruhigende Wirkweisen. Auch blutreinigende und harntreibende Eigenschaften werden Alchemilla vulgaris, so der lateinische Name des Krautes, nachgesagt. Aus diesem Grund wird der Frauenmantel oftmals bei Beschwerden eingesetzt, die ausschließlich Frauen betreffen. Dazu zählen Leiden rund um die Menstruation, aber auch gesundheitliche Beschwerden aufgrund der Wechseljahre.

Gut zu wissen: Ihren Namen erhielt die Heilpflanze jedoch nicht aufgrund ihrer vor allem für Frauen dienlichen Eigenschaften. Die Bezeichnung „Frauenmantel“ stammt von der Optik des Krautes: Die Form der Blätter soll dabei dem Mantel der Jungfrau Maria ähneln. So entstand auch der zweite Beiname des Frauenmantelkrautes, Jungfernmantel.

Bei welchen Beschwerden unterstützt Frauenmantel?

Der Frauenmantel ist in der Naturheilkunde vor allem als Mittel gegen Frauenleiden bekannt: So unterstützt das Kraut bei Menstruationsbeschwerden oder Leiden der Wechseljahre. Auch bei der Geburtsvorbereitung und Stillproblemen kann die Pflanze natürliche Hilfe bringen. Außerdem ist Frauenmantelkraut bei den folgenden Beschwerden eine natürliche Option auf dem Weg zur Besserung:

  • leichter Durchfall
  • kleine Wunden und Ekzeme
  • Kräftigung nach der Geburt
  • Ausfluss, Entzündungen der Scheide
  • Entzündungen im Mund- und Rachenraum

Achtung: Der Frauenmantel ist eine Heilpflanze, die bei den oben genannten Beschwerden auf natürliche Weise Linderung erzielen kann. Halten Ihre Symptome jedoch an oder kehren wieder, sollten Sie sich an Ihren Arzt wenden.

Frauenmantelblüten vor weißem Hintergrund
Schon in der antiken Medizin war der Frauenmantel zu diesem Zweck in Gebrauch. © Reena - Fotolia
Schon in der antiken Medizin

Frauenmantelkraut bei Magen-Darm-Beschwerden: Unterstützung bei Durchfall

Heute wird Frauenmantel oftmals als natürliches Heilmittel bei Magen- und Darmbeschwerden empfohlen. Zum Beispiel bei leichten, unspezifischen Durchfällen, z. B. bei ungewöhnlich feuchtheißem Sommerwetter oder Klimaumstellungen auf Reisen, kann er Besserung verschaffen.

Hier verhindert das Zusammenziehen der Darmschleimhaut die übermäßige Abgabe von Wasser und Verdauungsschleim in den Darm – und damit den Durchfall. Frauenmantel wirkt adstringierend, also zusammenziehend, auf die elastischen Fasern der Haut und die feine Muskelschicht der Schleimhäute.

Wundheilung und Heiserkeit: Andere Anwendungsbereiche von Alchemilla vulgaris

Aufgrund seiner adstringierenden Wirkweise hat der Frauenmantel in der Volksheilkunde eine Geschichte als Heilmittel zur Blutstillung und Förderung des Wundverschlusses. Noch heute werden in der Naturheilkunde Umschläge mit dem frischen, zerstampften Frauenmantelkraut aufgelegt auf:

  • Wunden
  • Geschwüre
  • Geschwülste
  • Abszesse

Viele Naturheilkundler schätzen einen Aufguss aus Frauenmantel als Gurgelwasser bei Heiserkeit. Der Pflanze wird außerdem eine blutreinigende Wirkung nachgesagt.

Achtung: Aufgrund der Infektionsgefahr ist von einer Selbstbehandlung abzusehen! Anders verhält es sich mit Abkochungen für die äußerliche und Aufgüssen für die innerliche Behandlung, bei der Sterilität (Bakterienfreiheit) nicht erforderlich ist.

Frauenmantel als Badezusatz
Als Badezusatz mindert Frauenmantel Entzündungen oder Reizungen von Scham und Scheide. © Konstantin Yuganov - Fotolia

Das sind die naturheilkundlich genutzten Inhaltsstoffe von Frauenmantelkraut

Besonders Gerbstoffe, Flavonoide, Procyanidine, Saponine und Salicylsäure sind für die Wirkweisen des Krautes von Bedeutung. Dabei können die einzelnen Inhaltsstoffe des Rosengewächses mit folgenden Eigenschaften aufwarten:

 

InhaltsstoffWirkweisen
GerbstoffeGerbstoffe wirken sich auf Proteine aus, weshalb sie   zusammenziehende (adstringierende) Eigenschaften haben. So  entsteht eine austrocknende und entzündungshemmende Wirkung, die Bakterien und Pilzen den Nährboden entzieht.
FlavonoideFlavonoide zeichnen sich durch antivirale und antibakterielle, aber auch antioxidative Eigenschaften aus.
ProcyanidineProcyanidine haben eine antioxidative Wirkung und sollen die Zellen vor freien Radikalen schützen.
SaponineSaponine haben eine fungizide Wirkung, das heißt sie schützen vor Pilzen. Außerdem haben sie entzündungshemmende und harntreibende Eigenschaften und unterstützen den Körper bei der Aufnahme anderer Wirkstoffe.
SalicylsäureSalicylsäure ist ein Wirkstoff mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Eigenschaften, der über die Haut absorbiert wird.

 

Hat der Frauenmantel bekannte Neben- oder Wechselwirkungen?

Nebenwirkungen des Frauenmantelkrautes und auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt. Es gibt jedoch Menschen, die Schwierigkeiten haben, Heilpflanzen mit einem hohen Gerbstoffgehalt zu vertragen.

Da Frauenmantel eine hohe Konzentration an Gerbstoffen enthält, kann es sein, dass es zu Magenbeschwerden oder Übelkeit kommt. Sollte dies bei Ihnen nach der Einnahme von Alchemilla vulgaris der Fall sein, sollten Sie die Behandlung beenden und Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker halten.

Das sollten Sie beachten: Wenden Sie Frauenmantel als Frauenmanteltee an oder führen eine Kur mit diesem durch, sollte die Teekur die Dauer von sechs Wochen nicht überschreiten, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden. Nach einer Pause von sechs Wochen können Sie die Kur anschließend wiederholen.

Frauenmantel: Welche Anwendung ist für welche Beschwerden geeignet?

Frauenmanteltee ist wohl die bekannteste Anwendung, die vor allem bei Magen-Darm-Problemen, Menstruationsbeschwerden und Leiden in den Wechseljahren unterstützen kann. Gurgellösungen, Sitzbäder oder Fertigpräparate können geeignete Arten sein, den Frauenmantel als natürliches Heilmittel einzusetzen.

Art der AnwendungWann geeignet?
Frauenmanteltee, Fertigpräparate zur inneren AnwendungMagen-Darm-Probleme, Durchfall, Menstruationsbeschwerden, Unterleibsentzündungen, PMS, Zusatzblutungen, Wechseljahresbeschwerden
SitzbadAusfluss, Ekzeme, Wunden, Reizungen im Genitalbereich
GurgellösungSchleimhautentzündungen und Wunden im Mund- und Rachenraum
Kompressen, Umschläge etc.Wunden, Ekzeme, Stillprobleme
Frauenmantel im Mörser auf Blumenwiese
Bei entzündetem Zahnfleisch und bei Halsweh soll mit dem Frauenmanteltee gegurgelt werden.  © Anfor - Fotolia

Im heimischen Garten zu finden: Wie wächst Frauenmantel in der Natur?

Der bescheidene Frauenmantel ist nicht schwierig zu finden, denn der Bodendecker wächst beinahe an jedem Standort. Sowohl in direkter Sonne als auch im Halbschatten gedeiht das Rosengewächs (Rosacae) und bietet zur Blütezeit von Mai bis September einen schönen Anblick im Garten.

Die Pflanze hat weiche, samtige Blätter mit gezackten Blättern und blüht in gelb-grüner Farbe. Bis zu 60 Zentimeter kann das Frauenmantelkraut hoch werden, hier überragt der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) andere Frauenmantelsorten wie den Silber-Frauenmantel. Außerdem ist er ein verlässlicher Wetterprophet: Schon lange bevor Regenwolken aufziehen, zieren feinste Wassertröpfchen die Ränder seiner Blätter.

Gut zu wissen: Die Frauenmantel-Pflanze kann schnell den Boden des gesamten Beets einnehmen, da sie zur Selbstaussaat neigt. Durch regelmäßiges Rückschneiden und Entfernen der Jungpflanzen kann dem entgegengewirkt werden.

Alchemilla vulgaris in der Geschichte: Seit wann kennt man die Wirkkraft des Frauenmantels?

Schon in der antiken Medizin war von der Heilkraft des Frauenmantels die Rede. Das heilsame Kraut wurde in unterschiedlichen Kulturen verwendet. So widmeten die Römer es der Liebesgöttin Venus, die Germanen ihrer Göttin der Liebe, Freya. Im Mittelalter fingen Alchemisten den Tau auf, der sich in den Blättern des Frauenmantels sammelte. Aus den Tautropfen stellten sie ein „Universalheilmittel“ her.

Im Mittelalter galt die Pflanze unter anderem als heilige Pflanze, die Frauen ihre Jungfräulichkeit wiedergeben und die im Alter erschlafften Brüste wieder straffen sollte. In einem Kräuterbuch von 1699 ist zudem von Abkochungen aus Frauenmantelkraut die Rede, die gegen Schwindsucht helfen sollte. Auch Packungen zur Blutstillung und Wundheilung wurden bereits im Mittelalter erwähnt.

Fazit: Frauenmantel – ein Heilkraut für alle Geschlechter

Frauenmantel ist ein Heilkraut, das anders als sein Name verspricht, nicht nur bei Frauenleiden Verwendung findet. So dient die Pflanze der Unterstützung bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes, bei Durchfall oder bei der Wundheilung. Doch auch klassisch weibliche Beschwerden während der Menstruation und der Wechseljahre können durch die Anwendung von Frauenmantel als Heilpflanze gemildert werden.

Dabei ist die Heilkraft von Alchemilla vulgaris seit der Antike bekannt und geschätzt:    Gerbstoffe, Flavonoide, Procyanidine, Saponine und Salicylsäure entfalten im Kraut ihre heilsame Wirkung und geben diese als Tee, in Fertigpräparaten oder als Sitzbad an den Körper weiter.

Quellen

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Vogel, S. (2014). Phytotherapie bei gynäkologischen Infektionen. Dissertation, LMU München: Medizinische Fakultät

Rosskastanie, Heilpflanze, Schmerzen

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