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Kinderwunsch: Das sind die Hürden bei einer Adoption

Eine Adoption kann den Kinderwunsch erfüllen. Paare müssen dafür viele Voraussetzungen erfüllen und sich auf ein langes Verfahren einstellen.

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Eine Adoption kann eine tolle Chance für Paare mit Kinderwunsch sein. Der Weg dorthin ist aber nicht immer leicht. Die Antragsstellung ist langwierig und verlangt schonungslose Offenheit.

Eine Adoption ist auch nicht für jedes Paar überhaupt möglich. Die Anforderungen sind hoch und nicht selten kommen auf dem Weg zur Adoption Zweifel auf. Wird es überhaupt klappen? Wie wird das Kind damit umgehen, nicht bei seinen leiblichen Eltern aufzuwachsen? Kann das Paar mit der Herausforderung umgehen, ein adoptiertes Kind aufzuziehen? Wird das Kind sich einfügen und vom Rest der Familie angenommen werden?

Sowohl für Paare ohne eigene Kinder als auch für Paare, die ihre bereits bestehende Familie noch durch ein Adoptivkind vergrößern wollen, kann eine Adoption eine Bereicherung sein. Dennoch sollte man sich über die Hürden bei einer Adoption bewusst sein.

Um einen Kinderwunsch zu erfüllen, ist nicht zwingend eine feste Partnerschaft die Voraussetzung. Auch Alleinstehende können ein Kind adoptieren. Homosexuelle Paare können ebenfalls adoptieren. Am Ende entscheiden die Vermittlungsstellen wie zum Beispiel das Jugendamt über die Adoption.

Immer weniger Deutsche adoptieren Kinder

Die Adoptionszahlen in Deutschland sind in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Im Jahr 2006 wurden 4.748 Kinder und Jugendliche adoptiert (bei 9.154 Bewerbungen), 2016 waren es 3.976 (bei 5.266 Bewerbungen). 60 Prozent dieser Adoptionen in 2016 waren sogenannte Stiefkind-Adoptionen. Dabei werden Kinder vom neuen Partner adoptiert, um geregeltere familiäre Verhältnisse für Patchwork-Familien zu schaffen. Eine Vermittlung durch das Jugendamt oder andere freie Träger findet dabei nicht statt.

Der Rückgang der Adoptionszahlen spricht für die immer besser werdenden Möglichkeiten künstlicher Befruchtung. Dennoch gibt es immer noch viele Paare, bei denen es mit einem eigenen Kind nicht klappt. Für sie sollte ein Adoptivkind jedoch keine „2. Wahl“, sondern ein bewusster Wunsch sein.

Andere entscheiden sich direkt für diesen Weg, obwohl sie eigene Kinder kriegen könnten oder sogar schon welche haben. Sie wollen einem zur Adoption freigegebenen Kind ein liebevolles Zuhause bieten.

Was ist der erste Schritt bei einer geplanten Adoption?

Unabhängig davon ob man sich eine In- oder Auslandsadoption vorstellen kann, führt der erste Gang zum Jugendamt. Weitere anerkannte Vermittlungsstellen sind beispielweise die Diakonie oder die Caritas. Die Vermittlungsstelle kann Paare mit allen wichtigen Informationen zur Adoption versorgen und informiert auch über die nötigen Unterlagen und Anträge, die für eine Adoption eingereicht werden müssen.

Bevor Paare sich zu diesem Schritt entschließen und sich tatsächlich auf eine Adoption bewerben, sollten sie sich die Tragweite dieser Entscheidung bewusst machen. Eine intensive Kommunikation miteinander ist dafür nötig.

Diese Fragen sollten Paare mit Kinderwunsch vor einer Adoption klären

Nicht nur die Vermittlungsstelle verlangt von den Eltern die komplette Offenlegung ihrer Motivation. Auch das Paar selber sollte sich darüber im Klaren sein, weshalb sie ein Kind adoptieren wollen.

  • Wieso will das Paar mit allen Mitteln ein Kind haben?
  • Wie könnte ein Leben ohne Kind aussehen?
  • Welche Vor- und Nachteile gibt es bei der Adoption?
  • Wäre das Adoptivkind nur ein “Notfall-Ersatz” für den eigenen unerfüllten Kinderwunsch?
  • Erfüllt das Paar überhaupt die Anforderungen an eine Adoption?

Die ersten Fragen haben eine große emotionale Bedeutung. Entscheidend ist vor allem die Frage, ob das Adoptivkind ein „Not-Ersatz“ für den eigenen unerfüllten Kinderwunsch wäre. Paare müssen glaubhaft vermitteln können, dass sie diesen verarbeitet haben. Andernfalls kann es schwierig mit der Adoption werden.

Die letzte Frage zielt primär darauf ab, ob ein Antrag auf eine Adoption überhaupt Sinn macht. Schließlich müssen Paare viele Voraussetzungen erfüllen, um ein Kind zu adoptieren. Denn im Zentrum einer Adoption steht immer das Kindeswohl. Es geht nicht darum, dass sich Eltern das Kind aussuchen, das am besten zu ihnen passt. Das Ziel ist, die am besten passenden Eltern für ein Kind zu finden.

Diese Voraussetzungen sollten Paare mit Kinderwunsch für eine Adoption erfüllen

  • Das Paar muss mindestens zwei Jahre verheiratet sein.
  • Ist das Paar nicht verheiratet, kann nur einer der beiden Partner das Kind adoptieren. In diesem Fall wird meist besonders kritisch hingeschaut.
  • Einer der beiden Partner muss mindestens 25 Jahre alt sein, der andere muss mindestens 21 Jahre alt sein.
  • Das Paar sollte nicht älter sein als 50 und einen “üblichen” Altersunterschied zum adoptierten Kind haben. Eine genau festgelegte Zahl gibt es dabei nicht. Bei starken Altersunterschieden zwischen dem Paar gibt es auch Ausnahmen. Aber ein 49-jähriges Paar wird Probleme haben einen Säugling zu adoptieren, ebenso wie man einem sehr jungen Paar sehr wahrscheinlich keinen Jugendlichen zusprechen wird.
  • Das Paar sollte über ein gesichertes Einkommen verfügen sowie in einer Wohnung wohnen, in der Platz für mindestens drei Personen ist.
  • Keiner der beiden Partner darf vorbestraft sein.
  • Ist einer der beiden Partner lebensbedrohlich erkrankt oder leidet unter einer beeinträchtigenden psychischen Erkrankung wie zum Beispiel starken Depressionen, ist eine Adoption ebenfalls nicht möglich. Auch eine Alkohol- oder Drogensucht sind Ausschlusskriterien für eine Adoption.

Erfüllt das Paar all diese Voraussetzungen, ist das aber noch nicht die Garantie auf das ersehnte Wunschkind.

Auch psychologische Faktoren werden berücksichtigt

Paare dürfen keine Angst davor haben, vor der Adoptionsvermittlung alle Karten offen zu legen. Der Weg zum Wunschkind erfordert die komplette Erläuterung der persönlichen Lebenssituation. Nur so kann garantiert werden, dass das Kind bei den Adoptiveltern wirklich gut aufgehoben ist.

Adoptionsbewerber müssen zum Beispiel mit Hausbesuchen durch die Adoptionsvermittlungsstelle rechnen. Weiterhin müssen sie ihre Motivation darlegen, warum sie ein Kind adoptieren möchte. Ebenso müssen Paare glaubhaft machen, dass sie mit allen Konsequenzen, die eine Adoption mit sich bringt, umgehen könnten. Schließlich ist eine Adoption sowohl für das Paar als auch für das Kind lebensverändernd und es kann zu zahlreichen Schwierigkeiten kommen:

  • Das Kind lehnt die Eltern ab.
  • Das Kind hat in seiner Herkunftsfamilie schlechte Erfahrungen gemacht (auch unterbewusst möglich) und kann sich nicht in die neue Familie einfügen. Es wird verhaltensauffällig oder sogar straffällig.
  • Das Kind hat eine angeborene Krankheit, die bei der Adoption noch nicht bekannt ist.
  • Das Kind will wissen woher es stammt und macht sich auf die Suche nach seinen leiblichen Eltern.
  • Bereits in der Familie vorhandene Kinder akzeptieren das neue Adoptivkind nicht.

Viele Paare empfinden vor einer Adoption nicht nur Freude, sondern haben auch Ängste:

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  • Wann sagen sie dem Kind, dass es adoptiert ist?
  • Was werden Freunde oder Familie denken? Werden sie ein nicht-leibliches Kind, das vielleicht sogar eine andere Hautfarbe hat, akzeptieren?
  • Was können sie machen, wenn das Kind den Wunsch äußert wieder bei seinen leiblichen Eltern zu leben?

Wie lange dauert es von der Bewerbung bis zum Wunschkind?

Wenn alle Fragen geklärt sind, alle Unterlagen vorliegen und die Adoptionsstelle der Meinung ist, dass sie das Paar für geeignet halten, geht das Warten los. Es gibt keinen festgeschriebenen Zeitraum, wie lange es bis zur endgültigen Adoption dauern kann. Manche Paare warten nur wenige Monate auf ein Kind, andere wiederum viele Jahre. Dabei gehen die Vermittlungsstellen nicht nach einer chronologischen Liste vor. Vielmehr schauen sie, welches zur Adoption freigegebene Kind zu welchen Eltern passen könnte.

So werden unter Umständen Paare bevorzugt, die sich bereit erklärt haben ein behindertes Kind bei sich aufzunehmen. Auch Paare, die schon eigene Kinder haben, können aufgrund ihrer bereits vorhandenen Erziehungserfahrung bessere Chancen haben.

Nach dem erlösenden Anruf kann dann alles sehr schnell gehen. Häufig zieht das Kind bereits nach wenigen Tagen ein und das Paar wird mehr oder weniger von heute auf morgen in die neue Rolle als Eltern geworfen. Das Kind ist nun mit allen Rechten und Pflichten, die damit einhergehen, ihnen überlassen. Wie alle leiblichen Eltern haben auch Adoptiveltern Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld.

Paare erhalten während der Wartezeit nützliche Beratung

Während der Wartezeit werden Paaren Beratungen dazu angeboten, wie sie mit der bevorstehenden Adoption am besten umgehen. Sie erhalten dann unter anderem wichtige Ratschläge dazu, wie sie am besten ihrem Kind mitteilen, dass es adoptiert ist. Auch auf weitere mögliche Herausforderungen werden sie vorbereitet.

Es kann auch sein, dass der Anruf nicht kommt und die Bewerber dann irgendwann zu alt für eine Adoption sind oder aus anderen Gründen nicht mehr infrage kommen.

Adoptiveltern sollten offen mit dem Kind über seine Herkunft sprechen

Die Erfahrung hat gezeigt, dass Eltern ihr Adoptivkind nicht in dem Glauben aufwachsen lassen sollten, dass sie seine leiblichen Eltern sind. Ein offener Umgang mit diesem Thema ist wichtig, damit das Kind versteht, was das Besondere an seiner Familie ist. Kinder, die erst spät erfahren, dass sie adoptiert wurden, stürzen häufig in eine tiefe Identitätskrise. Sie kann mit Depressionen und sogar einem Bruch mit der Familie einhergehen.

Das sind die rechtlichen Konsequenzen der Adoption

Das erste Jahr der Adoption gilt als eine Art Probezeit. In dieser Zeit werden die frischgebackenen Eltern noch vom Jugendamt begleitet. Wenn in dieser Zeit alles gut funktioniert, wird die Adoption final vollzogen. Für Kind und Eltern bedeutet das Folgendes:

  • Die Eltern haften bis zur Volljährigkeit für das Adoptivkind. Unterhaltspflicht besteht sogar schon in der Probezeit.
  • Die Adoption kann nicht durch die Eltern rückgängig gemacht werden, nur in ganz seltenen Fällen durch das Kind, zum Beispiel bei Missbrauch.
  • Es erhält den Nachnamen der Eltern oder eines Elternteils (falls das Paar unterschiedliche Nachnamen hat).
  • Falls das Kind eine ausländische Staatsbürgerschaft hat, erhält es mit der Adoption die deutsche Staatsbürgerschaft, sofern die Adoptiveltern diese auch haben.
  • Für das Kind wird eine neue Geburtsurkunde mit dem neuen Nachnamen ausgestellt. Nur aus der Abstammungsurkunde kann dann noch die Information entnommen werden, dass das Kind adoptiert wurde.
  • Mit der Adoption haben die leiblichen Eltern des Kindes keine Rechte und Pflichten mehr, was das Kind angeht. Das rechtliche Verwandtschaftsverhältnis erlischt mit der Adoption.

Diese 3 Arten von Adoptionen gibt es

Halboffene Adoptionen: Die meisten in Deutschland durchgeführten Adoptionen sind halboffen. Dabei ist die Herkunft des Kindes bekannt und die leibliche Mutter kann sogar über das Jugendamt indirekt Kontakt zu dem Kind halten. Sie kann sich dort nach seinem Befinden in der neuen Familie erkunden und sogar Briefe oder Geschenke übermitteln lassen. Adoptierte Kinder dürfen ab dem Alter von 16 Jahren Einsicht in ihre Abstammungsurkunde erhalten. Wenn das Kind es wünscht, kann die Vermittlungsstelle dann dabei helfen, den Kontakt zu den leiblichen Eltern herzustellen.

Inkognito-Adoptionen: Inkognito-Adoptionen sind in Deutschland selten. Dabei sind die leiblichen Eltern nicht bekannt. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn der Säugling in einer Babyklappe abgelegt wurde.

Offene Adoptionen: Offene Adoptionen außerhalb von Patchwork-Familien sind selten. Dabei läuft der Kontakt zwischen leiblichen Eltern und Kind nicht über das Jugendamt, sondern über die Adoptiveltern. Treffen zwischen dem Adoptivkind und seinen leiblichen Eltern sowie ein gelegentlicher oder regelmäßiger Austausch zwischen den leiblichen und den Adoptiveltern sind dabei üblich.

Was kostet eine Adoption?

Adoptionen in Deutschland kosten nichts. Zwar müssen Paare für die Beglaubigungen verschiedener Zeugnisse oder Notarbesuche Geld einplanen. Die Adoption an sich ist aber kostenfrei.

Höhere Chancen bei Auslandsadoptionen

Während auf ein Adoptivkind in Deutschland im Schnitt sieben Bewerber kommen, sieht es bei Kindern aus dem Ausland ganz anders aus. Hier gibt es viel mehr Kinder als Bewerber und die Chancen ein Kind zum Beispiel aus Kambodscha, Ghana oder Indien zu adoptieren stehen deutlich höher.

Auch für eine Auslandsadoption ist die erste Anlaufstelle eine offizielle Adoptionsvermittlungsstelle in Deutschland wie zum Beispiel das Jugendamt. Die deutschen Vermittlungsstellen haben Kontakte in verschiedene Länder und helfen dabei, den Ablauf im Herkunftsland des Kindes zu organisieren. Sie unterstützen Paare bei der Beschaffung aller nötigen Papiere und prüfen sie auf Herz und Nieren. So müssen potenzielle Eltern zum Beispiel Fragen dazu beantworten, wie sie damit umgehen würden, wenn ihr Kind aufgrund seines Aussehens rassistischen Beschimpfungen ausgesetzt wird.

Abgesehen von diesen spezifischen Fragen sind die Voraussetzungen für eine Auslandsadoption dieselben wie für eine Inlandsadoption. Einzig homosexuelle Paare könnten es schwer haben. In manchen Ländern ist man Homosexualität gegenüber nicht offen eingestellt, was eine Adoption unmöglich machen kann.

Dauer und Kosten der Auslandsadoption

Nachdem alle Papiere eingereicht wurden und die Bewerbung läuft, dauert es im Schnitt 1,5 bis 2,5 Jahre bis ein Kind gefunden wird. Es kann auch schneller gehen. Beide Partner müssen dann in das Herkunftsland des Kindes reisen und zu einem Gerichtsverfahren erscheinen, bei dem über die Adoption entschieden wird. Falls sich das Verfahren hinzieht, muss einer der Partner länger im Land bleiben. Für diese Zeit hat der Partner das Recht, unbezahlten Urlaub zu beantragen.

Je nach Dauer des Auslandsaufenthaltes, benötigten Unterlagen und Vermittlungsstelle kostet eine Auslandsadoption zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Das Kind aus dem Ausland erhält dann ebenfalls die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Adoptiveltern haben auch in diesem Fall dieselben Rechte und Pflichten wie bei einer Inlandsadoption.

Zusammenfassung

  • Eine Adoption kann sehr bereichernd für ein Paar oder auch eine bereits bestehende Familie sein.
  • Paare, die schon Kinder haben oder sich bereiterklären ein behindertes Kind bei sich aufzunehmen, können höhere Chancen auf eine erfolgreiche Adoption haben.
  • Auch Paare mit unerfülltem Kinderwunsch, Alleinstehende oder homosexuelle Paare können sich bewerben.
  • Die Hürden sind hoch und Bewerber müssen viele Voraussetzungen erfüllen.
  • Die erste Anlaufstelle für eine Adoption kann das Jugendamt sein. Auch andere freie Träger wie die Diakonie oder Caritas sind anerkannte Vermittlungsstellen.
  • Die psychische Belastung während des Verfahrens sollte nicht unterschätzt werden.
  • Die Wartezeiten bis zur erfolgreichen Vermittlung können lang sein.
  • Auslandsadoptionen können eine Alternative sein. Hier kommen weniger Bewerber auf mehr Kinder.
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