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Elektrotherapie: So heilsam wirkt Strom auf Muskulatur und Gewebe

Die Elektrotherapie ist eine hocheffektive Behandlungsmethode gegen zahlreiche Beschwerden. Doch wie läuft eine solche Behandlung ab? Und birgt die Elektrotherapie auch Risiken? (Foto: LIGHTFIELD STUDIOS | Adobe Stock)

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Mit Strom heilen? Was zunächst gefährlich klingt, ist äußerst wirksam. Die Elektrotherapie ist eine physikalische Therapie, bei der Strom zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Dabei werden Elektroden auf die Haut geklebt, die sanften Strom durch den Körper leiten, um Schmerzen zu lindern oder die Muskulatur anzuregen. Reizstromtherapie oder Feinstromtherapie sind Synonyme für die Elektrotherapie, die für einige der angewandten Verfahren genutzt werden.

Zentral in der Elektrotherapie ist die transkutane elektrische Nervenstimulation (bekannt als TENS-Verfahren) zur Schmerztherapie sowie die Elektrostimulation der Muskulatur zur Kräftigung. Welche Art der Elektrotherapie genau verschrieben wird, entscheidet der Arzt je nach Beschwerden.

Wie wirkt die Elektrotherapie?

Die Elektrotherapie wirkt je nach Stromart:

  • Schmerzlindernd
  • Durchblutungsfördernd
  • Stoffwechselanregend
  • Abschwellend
  • Kräftigend für die Muskulatur
  • Anregend auf die Nervenzellen
  • Anregend auf Stoffwechselprozesse
  • Stärkend auf die Körperabwehr

Je nach Stromart, Dauer des Impulses sowie Frequenz der Impulse kann eine unterschiedliche Wirkung erzielt werden, sodass die Elektrotherapie sowohl zur Behandlung von Schmerzen (Schmerzlinderung) eingesetzt werden kann als auch zur Entkrampfung oder Kräftigung der Muskulatur.

Die Elektrotherapie hat eine umfassende Wirkung auf den Körper. Doch gegen welche Beschwerden wird die Elektrotherapie eingesetzt? © Werner | Adobe Stock

Wann kommt Elektrotherapie zum Einsatz?

Elektrotherapie kann bei unterschiedlichen Beschwerden als Therapie der Wahl zum Einsatz kommen:

  • Bei Schmerzen am Bewegungsapparat
  • Bei Muskelzerrungen
  • Bei Verspannungen
  • Bei Lähmungen
  • Bei Muskelschwäche
  • Bei Ödemen (am besten in Kombination mit anderen Therapiemethoden wie Lymphdrainage oder Bewegungstherapie)
  • Bei einer nicht aktivierten Arthrose

Bei Schwäche oder Lähmung der Beckenbodenmuskulatur kann Elektrotherapie gut bei Inkontinenz helfen.

Studien zeigen, dass die Elektrotherapie bei Kniegelenksarthrose gute Wirksamkeit zeigt und ebenso die Beweglichkeit der Wirbelsäule verbessert. Insbesondere für Fibromyalgie-Patienten, also Patienten mit einer chronischen Schmerzerkrankung, kann Elektrotherapie die Lebensqualität verbessern.

Viele Ärzte und Physiotherapeuten setzen die Elektrotherapie nicht als einzige, sondern häufig als ergänzende Methode zur Linderung von Beschwerden ein.

Wie wirken die unterschiedlichen Stromarten bei der Elektrotherapie?

Bei der Elektrotherapie kommen verschiedene Stromarten zum Einsatz, die unterschiedliche Wirkungen haben:

Niederfrequente Reizströme wie zum Beispiel Nadelimpulsstrom, diadynamische Ströme, Hochvoltstrom oder Ultrareizstrom erregen die Muskel- und Nervenfasern und sorgen dafür, dass sich die Muskeln zusammenzuziehen. Die Frequenz liegt hierbei bei 10 bis 100 Hz. Insbesondere bei Menschen mit Lähmungen oder einer geschwächten Muskulatur können die niederfrequenten Reizströme dafür sorgen, dass die Funktion der Muskeln bestehen bleibt und die völlige Degeneration vermieden wird. Außerdem regen die niedrigen Frequenzen den Lymphfluss an.

Mittelfrequente Wechselströme, auch Interferenzströme genannt, sorgen für Schmerzlinderung. Auch eine stimulierende Wirkung kann erzeugt werden, da die Ströme die Muskeln erst zur Kontraktion und anschließend zur Entspannung anregen. Das hat drei Effekte:

  • Steigerung der Durchblutung des Gewebes
  • Rückgang von Schwellungen
  • Lockerung der Muskeln

Da bei der Mittelfrequenztherapie der Stoffwechsel der Muskulatur verbessert wird, wird auch gleichzeitig die Ausdauer der Muskeln verbessert.

Die Hochfrequenztherapie erwärmt das Gewebe, wodurch die Durchblutung angeregt wird. Gleichzeitig werden Schmerzen gelindert und die Muskelspannung stabilisiert sich. Bei Verletzungen wie Muskelzerrungen kann durch Hochfrequenztherapie die Heilung beschleunigt werden. Stoffwechselprozesse werden ebenfalls in Gang gebracht.

Galvanische Ströme, auch Gleichstromtherapie genannt, sind eine Form der Elektrotherapie, bei der positiv und negativ geladene Ionen die Durchblutung anregen und Schmerzen lindern können. Außerdem wird die Heilung im Gewebe durch den erhöhten Gewebestoffwechsel angeregt.

Tut die Elektrotherapie weh?

Die Elektrotherapie verursacht keine Schmerzen, lediglich unter Umständen ein sanftes Kribbeln. Bei Wirbelsäulenbeschwerden können gezielt nicht-schmerzhafte Missempfindungen ausgelöst werden, die einen Gegenreiz gegen bestehende Schmerzen setzen, wodurch sich die Beschwerden bessern können.

Elektrotherapie im Wasser: Hydroelektrotherapie als Alternative?

Elektrotherapie kann nicht nur über Elektroden auf der Haut, sondern auch über hydroelektrische Bäder geschehen. Dabei wird der Strom über das Wasser geleitet. Der Patient sitzt oder liegt dafür in einer speziellen Badewanne mit warmem Wasser, durch die konstanter Gleitstrom fließt, das sogenannte Stangerbad. Das warme Wasser verstärkt die durch den Strom ausgelöste Durchblutungssteigerung, was ebenfalls Schmerzen lindert.

Die Elektrotherapie kann auch im Wasser, im sogenannten Stangerbad erfolgen. © allexxandarx | Adobe Stock

Ist die Elektrotherapie gefährlich?

Wenn die Elektrotherapie richtig angewendet wird, ist die Gefahr von Nebenwirkungen gering. Falls jedoch eine zu hohe Stromstärke eingesetzt wird, kann es zu folgenden Problemen kommen:

Auch können Entzündungsprozesse, die mit der Elektrotherapie eigentlich geheilt werden sollten, sich bei zu hoher Stromstärke verschlechtern.

Bei welchen Vorerkrankungen sollte keine Elektrotherapie durchgeführt werden?

Es gibt Umstände, die die Anwendung einer Elektrotherapie bei einem Patienten ausschließen. Dazu zählen:

  • Blutgerinnsel und Thrombosen
  • Akute Entzündungen
  • Metalle im Körper wie zum Beispiel Gelenkprothesen
  • Offene Stellen an der Haut
  • Starke Durchblutungsstörungen wie Arteriosklerose

Bei einigen anderen Vorerkrankungen ist eine Elektrotherapie möglich, allerdings nur unter sorgfältiger vorheriger Abwägung und Vorsicht:

  • Herzrhythmusstörungen
  • Wenn ein Herzschrittmacher vorhanden ist
  • Verstärkte Blutungsneigung
  • Erkrankungen mit Fieber

Bezahlt die Krankenkasse die Elektrotherapie?

Aufgrund ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit wird die Elektrotherapie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Patienten müssen lediglich 10 Euro je Verordnung plus 10 Prozent Eigenanteil bezahlen. Die Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass die Elektrotherapie von einem Arzt verordnet wurde.

Wie lange sollte die Elektrotherapie durchgeführt werden?

Um die Muskulatur nachhaltig zu kräftigen und anhaltende Effekte zu erzielen, sollte eine Behandlung mit Elektrotherapie täglich bis zu 30 Minuten lang über einen Zeitraum von sechs Wochen erfolgen. Häufig werden sogar mehrere Behandlungen pro Tag empfohlen, um den maximalen Behandlungserfolg zu erzielen.

Die Elektrotherapie kann unter Umständen auch von Zuhause durchgeführt werden. Hierbei ist jedoch die richtige Verwendung entscheidend, um Nebenwirkungen auszuschließen. © Tatty | Adobe Stock

Elektrotherapie zu Hause durchführen – geht das?

Eine Elektrotherapie kann in darauf spezialisierten Physiotherapiepraxen durchgeführt werden. Sie lässt sich aber auch zu Hause in Eigenregie durchführen, allerdings benötigen die Patienten eine Einführung, bevor sie einfach loslegen. Schließlich muss die Funktionsweise des Geräts erklärt werden, ebenso das Anbringen der Elektroden und worauf Patienten achten müssen.

Die TENS-Geräte sind kaum größer als ein Smartphone und lassen sich über zwei oder vier Elektroden mit der Haut verbinden. Das Gerät kann in Apotheken oder Sanitätshäusern gemietet werden, was ebenfalls von den Krankenkassen übernommen werden kann. Eine erste Verordnung gilt meist für drei Monate. Ein TENS-Gerät lässt sich auch kaufen statt mieten, falls die Behandlung über eine lange Zeit erfolgen soll.

Behandlungen wie ein Stangerbad sind nicht von zu Hause durchführbar und die Kombination von Wasser und Strom sollte in Eigenregie auch unter keinen Umständen ausprobiert werden, da sie tödlich sein kann.

Fazit: Elektrotherapie als schonende Behandlungsmethode

Die Elektrotherapie ist eine schonende Behandlungsmethode, die auch in Eigenregie zu Hause durchgeführt werden kann. Je nach Stromstärke und Frequenz hat die Elektrotherapie unterschiedliche Effekte und kann sowohl schmerzlindernd und durchblutungsfördernd als auch kräftigend auf die Muskulatur wirken. Besonders bei Schmerzen, bei Zerrungen sowie bei Arthrose und Inkontinenz kann die Elektrotherapie zum Einsatz kommen. Auch bei Lähmungen und Muskelschwäche kann der Strom dabei helfen, die Muskeln zu aktivieren und zu kräftigen.

Elektrotherapie wird vom Arzt verschrieben und kann entweder in einer darauf spezialisierten Physiotherapie-Praxis durchgeführt werden oder in Eigenregie zuhause. Die Kosten werden dabei von der Krankenkasse übernommen, wenn die Therapie von einem Arzt verschrieben wurde. Bei der richtigen Anwendung sind Nebenwirkungen selten.

Ärztin im Patientengespräch

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