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TENS: Mit Stromimpulsen gegen Schmerzen vorgehen

TENS steht für „Transkutane elektrische Nervenstimulation“. Erfahren Sie hier wann eine TENS-Therapie auch Ihnen helfen kann. (Foto: Werner | Adobe Stock)

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In der Schmerztherapie spielen Tabletten eine wichtige Rolle. Aber die transkutane elektrische Nervenstimulation zeigt: Es müssen nicht immer Medikamente sein. Denn diese alternative Behandlungsmethode verspricht, mit Reizstrom eine Linderung von Schmerzen herbeizuführen. Doch wie hoch ist die Wirksamkeit dieses Verfahrens? Und welche Nebenwirkungen gibt es?

Was bedeutet TENS?

TENS steht für „Transkutane elektrische Nervenstimulation“ (transkutan = über die Haut). Dabei geben auf die Haut geklebte Flächenelektroden schwache Stromimpulse ab. Das Ziel ist es, eine Schmerzlinderung herbeizuführen.

Das Prinzip des Verfahrens, das auch unter der englischen Bezeichnung „transcutaneous electrical nerve stimulation“ bekannt ist, beruht darauf, die körpereigene Schmerzweiterleitung zu hemmen. Der Schmerz kommt aufgrund der elektrischen Nervenstimulation nicht oder nur erheblich verringert über die Nervenbahnen im Gehirn an. Darüber hinaus wirken die TENS-Ströme durchblutungsfördernd und muskelentspannend.

Wie funktioniert eine transkutane elektrische Nervenstimulation?

Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation kommt ein batteriegesteuertes Gerät zum Einsatz. Dieses ist durch Kabel mit Elektroden verbunden, welche auf der Haut angebracht werden. Über diese gelangen schwache elektrische Reize in den Körper.

Meistens bringt ein Arzt die Hautelektroden an den Stellen des Körpers auf, an denen Betroffene Schmerzen spüren. Die Reizstärke und die Muster der Stimulation werden individuell am TENS-Gerät eingestellt. So lässt sich die Intensität des Stroms an die jeweilige Erkrankung anpassen. Eine Sitzung dieser physikalischen Therapie dauert circa 20 bis 30 Minuten.

Dabei wirkt die transkutane elektrische Nervenstimulation auf dreifache Weise auf den Körper:

  1. Sie blockiert die Schmerzübertragung an das Gehirn: Die spezielle Art der Nervenstimulation sorgt dafür, dass die Übertragung des Schmerzes über das Rückenmark und die Nervenbahnen eingeschränkt wird.
  2. Sie stimuliert die Endorphinausschüttung: Endorphine gelten als natürliches Schmerzmittel. Ihre Ausschüttung sorgt ebenfalls für eine Verringerung von Schmerzen.
  3. Sie verbessert die Durchblutung: Die elektrischen Impulse sorgen dafür, dass sich Muskeln an- und wieder entspannen. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise die Intensität von Verspannungen und Krämpfen lindern.

Der Effekt ist meistens zwar nicht effektiv genug, um Schmerzen vollständig verschwinden zu lassen. In Kombination mit anderen Therapieansätzen kann die transkutane elektrische Nervenstimulation allerdings dazu beitragen, die Schmerzwahrnehmung zu senken.

Diese Vorzüge bietet eine TENS-Behandlung

Viele Patienten suchen nach Alternativen zur herkömmlichen medikamentösen Schmerztherapie. Dabei bietet die Reizstromtherapie folgende Vorteile:

  • einfache Anwendung durch den Patienten oder seine Angehörigen
  • überall anwendbar, da das Gerät leicht zu transportieren ist
  • keine Verletzung der Haut oder des Nervensystems
  • kaum Nebenwirkungen
  • problemlos mit anderen Therapieformen kombinierbar
  • Verringerung des Schmerzmittelbedarfs
  • Kostenersparnis für die Krankenkassen

Achtung: Bevor Betroffene selbst die Behandlung mit den Elektroden durchführen können, ist eine umfangreiche Einweisung durch einen Arzt vonnöten. Er ermittelt die ideale Stromstärke sowie die passenden Impulse. Weichen Sie Zuhause nicht von diesen Vorgaben zur Muskelstimulation ab.

Bei welchen Beschwerden hilft die transkutane elektrische Nervenstimulation?

Das TENS-Verfahren kommt bei diesen Beschwerden zum Einsatz: Schmerzen des Bewegungsapparates, Rheumaschmerzen, Kopfschmerzen, Schmerzen nach Verletzungen, Narbenschmerzen sowie bei Nervenschmerzen und Phantomschmerzen nach Amputationen.

Die Behandlung mithilfe der elektrischen Nervenstimulation beruht zwar auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Dennoch ist die Effektivität noch immer nicht abschließend beurteilt. Da diese Form der Reizstromtherapie allerdings wenige Nebenwirkungen hat, kann es sich lohnen, die Methode einfach einmal auszuprobieren.

Vor allem als begleitende Maßnahme zu anderen therapeutischen Maßnahmen ist eine TENS-Behandlung sinnvoll. So kann sie beispielsweise bei Sportverletzungen oder Gelenkbeschwerden eine Schmerzlinderung herbeiführen. Selbst bei Migräneanfällen und Tumorschmerzen berichteten Patienten bereits über eine Verbesserung des Schmerzempfindens.

Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation, auch als TENS bezeichnet, erfolgt die Behandlung mit schwachen Stromstößen. © javiindy | Adobe Stock

TENS bei „Tennis-Ellenbogen“ (Epikondylitis)

Schmerzen im Ellenbogen können die Lebensqualität erheblich einschränken. Wer keine Medikamente nehmen möchte, kann das Krankheitsbild mit der transkutanen elektrischen Nervenstimulation behandeln.

  • Symptome: quälende Schmerzen im Ellenbogengelenk bei jeder Bewegung
  • Ursachen: Überlastungen im Unterarm-Hand-Bereich aller Art, nicht nur durch Tennis
  • Therapie: Platzieren Sie eine der Elektroden direkt am Punkt des stärksten Schmerzes, die andere etwas darüber am Oberarm

Nackenverspannungen mit elektrischer Nervenstimulation lindern

Auch bei Verspannungen im Nackenbereich kann diese alternative Medizin zu Linderung verhelfen.

  • Symptome: Schmerzen in Nacken, Hinterkopf und Schultern; Kopfschmerzen vom Spannungstyp
  • Ursachen: Stress, einseitige Belastung, Arbeiten in Zwangshaltungen, schlechte Sitzhaltung, ungünstige Kissen oder Matratzen, Erkältungen, Migräne, degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule
  • Therapie: Platzieren Sie die Elektroden im Nacken am Hinterhaupt-Rand (siehe Abb. 2)

Mit Stromimpulsen gegen Kreuzschmerzen vorgehen

Rückenschmerzen machen oft viele Bewegungen unerträglich. Abhilfe schafft auch hier das TENS-Verfahren.

  • Symptome: dumpfe bis ziehende Schmerzen im unteren Rücken
  • Ursachen: Schwäche, Verhärtungen beziehungsweise Überlastungen der Muskeln, Stress, seltener Bandscheibenprobleme
  • Therapie: Platzieren Sie die Elektroden links und rechts neben der Wirbelsäule. Testen Sie aus, auf welcher Höhe die Wirkung am besten ist. Auch das Anlegen im Bereich der Grübchen oberhalb des Gesäßes bringt oft Linderung

Transkutane elektrische Nervenstimulation: Tipps für die Anwendung

Wer eine transkutane elektrische Nervenstimulation durchführen möchte, sollte einige grundlegende Dinge beachten, um von ihrer schmerzlindernden Wirkung zu profitieren.

Zunächst sollte die Haut sauber und fettfrei sein. Bei starker Behaarung ist zudem eine vorherige Epilation oder Rasur ratsam. Die Elektroden können im Schmerzbereich selbst, im Bereich der weiterführenden Schmerznerven, an „Trigger-Punkten“ (Druckpunkte zur Schmerzauslösung) oder an Akupunktur-Punkten aufgeklebt werden.

Die optimale Platzierung findet man am besten durch Probieren heraus. Der schmerzlindernde Effekt hält bis zu mehreren Stunden an, danach kann die Behandlung wiederholt werden. Sie können Ihr TENS-Gerät also mehrmals täglich benutzen.

Bei akuten Schmerzen führen oft schon wenige Anwendungen zum gewünschten Erfolg. Bei chronischen Leiden kann aber durchaus eine „lebenslange“ Behandlung sinnvoll sein.

Die TENS-Therapie lässt sich wirkungsvoll mit anderen Methoden der Selbstbehandlung kombinieren, zum Beispiel mit heißen oder feuchtwarmen Umschlägen, Rotlicht, Kältepackung, Kneipp‘schen Güssen, Akupressur und Entspannungsübungen. Besonders ratsam ist zudem die Kombination mit Gymnastik oder einem Training in einem Fitness-Studio.

Tipp: Besonders bei Rückenschmerzen können die sanften Elektro-Impulse Ihre Schmerzen so lindern, dass Sie ein Rückentraining überhaupt durchstehen!

Die TENS-Behandlung kann oftmals alleine vom Patienten durchgeführt werden – und zwar direkt von Zuhause. © Rob Byron | Adobe Stock

Welche Nebenwirkungen treten bei einer transkutanen elektrischen Nervenstimulation auf?

Bei einer TENS-Behandlung treten selten Nebenwirkungen auf. Bei einer langfristigen Anwendung kann es zu einer Verspannung und Verhärtung des Gewebes und der Muskulatur kommen. Auch Hautreizungen sind in seltenen Fällen zu beobachten.

Die Stärke und die Frequenz der Stromimpulse sind bei dieser Therapieform sehr niedrig. Daher ist der Einsatz der Elektroden weitestgehend unbedenklich. Lediglich bei schweren Herzrhythmusstörungen, schwerer Herz-Kreislauf-Insuffizienz sowie Anfallsleiden (z. B. Epilepsie) ist Vorsicht geboten. Das gilt auch für die Schwangerschaft. Bei der Geburt hingegen werden TENS-Geräte teilweise eingesetzt, um Wehenschmerzen erträglicher zu machen.

Wenn Sie einen Herzschrittmacher tragen, fragen Sie Ihren Arzt nach TENS-Geräten mit unbedenklichen Frequenzen. Im Bereich von Prothesen aus Metall (z. B. künstliches Hüftgelenk) oder Gefäßstents ist die TENS-Anwendung nicht sinnvoll, da das Metall die Stromimpulse blockiert.

Tipp: Schalten Sie Ihr Handy während der Behandlung aus, da seine Funkwellen das TENS-Gerät stören.

Wie wirksam ist die transkutane elektrische Nervenstimulation?

Studien können die Wirksamkeit des TENS-Verfahrens nicht vollständig belegen. Viele Metaanalysen kommen zu uneindeutigen Ergebnissen. Dennoch berichten zahlreiche Patienten zumindest von einer moderaten Schmerzminderung nach einer TENS-Behandlung.

Die größte Schwierigkeit: Die meisten Studien zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation erfüllen nicht die nötigen Qualitätskriterien. Daher ist es schwierig, ihre Ergebnisse zu interpretieren. Dennoch ist anzunehmen, dass die elektrische Nervenstimulation allein nicht dazu in der Lage ist, Schmerzen vollständig zu heilen.

Dennoch lautet die gute Nachricht: Die TENS-Methode ist leicht zu handhaben, kostengünstig und hat wenige Nebenwirkungen. Daher lohnt es sich, das Verfahren einfach auszuprobieren und den individuellen Effekt auszutesten.

Besonders gewinnbringend scheint dabei die Kombination mit andern Schmerztherapien – Experten sprechen von einem multimodalen Vorgehen. Das bedeutet, dass verschiedene Methoden kombiniert werden, um das Ziel der Schmerzlinderung zu erreichen. Zusätzlich zur transkutanen elektrischen Nervenstimulation kommen dann beispielsweise noch Medikamente und physiotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz.

Bezüglich der Wirksamkeit der TENS-Behandlung diskutierten viele Experten kontrovers. © fotosmile777 | Adobe Stock

Zahlt die Krankenkasse eine TENS-Behandlung?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Schmerztherapie mit TENS-Geräten. Als Patient müssen Sie lediglich eine Zuzahlung (derzeit etwa 10 €/Quartal) leisten. Jeder Arzt kann ein entsprechendes Rezept ausstellen.

Das Gerät ist leihweise im Sanitätshaus verfügbar. Das erste Rezept gilt einen Monat, danach kann für längere Zeiträume rezeptiert werden. Auch das Zubehör (z. B. Elektroden) wird verordnet. Ist eine Dauerbehandlung notwendig, kaufen viele Kassen ein Gerät für den Patienten an.

Selbstverständlich können Sie sich auch selbst ein Gerät auf eigene Kosten anschaffen (Preis: ab ca. 125 € für gute Geräte). Achten Sie bei preiswerten Geräten (z. B. aus dem Versandhandel) unbedingt darauf, dass sie der Medizingeräteverordnung entsprechen!

Transkutane elektrische Nervenstimulation: Schmerzlinderung ohne Medikamente

Die transkutane elektrische Nervenstimulation ist eine Alternative für alle Schmerzpatienten, die nach einer Alternative zu den herkömmlichen Methoden suchen. Mithilfe von auf der Haut angebrachten Elektroden werden leichte Stromimpulse in den Körper geleitet. Dort sollen sie die Verbreitung der Schmerzsignale verhindern.

Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit noch nicht abschließend belegt. Dennoch punktet eine TENS-Behandlung mit einigen Vorteilen und begeistert deshalb immer mehr Patienten für sich. Nach der Anweisung durch einen Arzt lässt sich dieses elektromedizinische Verfahren auch allein zu Hause umsetzen. Viele Betroffene berichten, dass die Schmerzen nach der Anwendung mehrere Stunden gelindert sind. Besonders gewinnbringend wird das Verfahren, wenn es mit anderen Formen der Schmerztherapie kombiniert wird.

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