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Stangerbad: Funktionsweise, Wirkung, Anwendung und Risiken

Finden Sie hier alle Informationen rund um das Stangerbad (hydroelektrisches Vollbad) - von der Funktionsweise über die Wirkung bis hin zu den Kontraindikationen und Risiken. (Foto: Bernhard Schmerl | Adobe Stock)

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Strom und Wasser – das klingt zunächst nach einer gefährlichen Mischung. Doch nicht immer muss die Kombination aus Elektrizität und Wasser negative Auswirkungen haben. Im Gegenteil: Richtig angewendet lässt sich damit im Krankheitsfall eine heilsame Wirkung für den Körper erzielen. So auch beim Stangerbad. Bei dieser Form der Elektrotherapie profitieren die Patienten von der durchblutungsfördernden Wirkung des Vollbads.

Was ist ein Stangerbad?

Das Stangerbad ist eine Kombination aus einem Wannen-Vollbad und der Nutzung von konstantem Gleichstrom. Es ist auch unter dem Namen hydroelektrisches Vollbad bekannt.

Die Patienten sitzen während der Behandlung (Vollbad oder Dreiviertelbad möglich) in einer speziellen Wanne, die aus Kunststoff besteht und mit Metallplatten ausgestattet ist. Diese sind wichtig für die Erzeugung eines Stromflusses. Die Stromimpulse sind unbedenklich und regen lediglich bestimmte gesundheitsförderliche Prozesse im Körper an.

Wassertemperatur und Stromstärke werden sowohl den Beschwerden als auch der Empfindsamkeit des Patienten angepasst – ein leichtes Kribbeln während der Behandlung ist normal, Schmerzen oder unangenehme Gefühle sollten nicht auftreten.

Welche Wirkung hat ein Stangerbad?

Ein Stangerbad wirkt vor allem durchblutungsfördernd. Auf diese Weise findet auch eine Verbesserung des Zellstoffwechsels statt. So lindert das Vollbad Schmerzen und steigert das Wohlbefinden.

Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass der im Stangerbad erzeugte Gleichstrom die Durchblutung des Gewebes um mehrere hundert Prozent steigern kann. Auf der Haut soll eine Erhöhung um bis zu 500 Prozent nachweisbar sein, während sich die Durchblutung der Muskeln um 300 Prozent steigert.

Ein Stangerbad beruhigt außerdem die Nerven und dämpft so vorhandene Schmerzen. Zudem können sich auch Spastiken und Muskelverspannungen durch diese physikalische Therapie lösen.

Bei welchen Beschwerden ist ein Stangerbad sinnvoll?

Krankheiten, bei denen ein Stangerbad Anwendung findet, sind beispielsweise Rheuma, Ischiasbeschwerden, Morbus Bechterew und Fibromyalgie. Aber auch bei Menstruationsbeschwerden oder Eierstockentzündungen haben sich Erfolge nachweisen lassen.

Die Indikationen für ein Stangerbad im Überblick:

  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes)
  • rheumatische Erkrankungen
  • periphere Durchblutungsstörungen
  • Schmerzen (z.B. Arthrose, Bandscheibenschäden)
  • Erkrankungen der Wirbelsäule
  • Muskelhypertonie (erhöhte Grundspannung in den Muskeln, z.B. Spasmen), Muskelhypotonus (Muskelerschlaffung) oder Lähmungen
  • gynäkologische Erkrankungen
  • nach Unfällen oder Operationen

Gut zu wissen: Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit dieser physikalischen Therapie anerkannt. Da das Stangerbad im Heilmittelkatalog der Krankenkassen aufgelistet ist, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel auch die anfallenden Behandlungskosten.

Kontraindikationen: Wann sollte ein Stangerbad nicht durchgeführt werden?

Für gesunde Menschen ist ein Stangerbad in der Regel unbedenklich. Von einer Anwendung sollten Sie jedoch absehen, wenn Sie unter Herzbeschwerden leiden oder einen Herzschrittmacher tragen.

Denn dabei handelt es sich um sogenannte Kontraindikationen – also um Umstände, die den Einsatz einer therapeutischen Maßnahme verbieten. Zu diesen zählen des Weiteren auch:

  • metallene Implantate im Körper (wie Nägel, Schrauben, Platten, künstliche Gelenke und Spiralen)
  • größere Hautverletzungen, Entzündungen oder Hautpilz
  • tiefliegende Thrombose
  • Bluthochdruck (Hypertonie) oder Durchblutungsstörungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Blutvergiftung
  • Fieber

Achtung: Führen Sie ein hydroelektrisches Vollbad nicht in Eigenregie durch. Medizinisches Fachpersonal (z.B. Physiotherapeuten) weiß die Nebenwirkungen und Risiken zu minimieren und die Behandlung auf Ihre Beschwerden anzupassen. Bei falsch dosierter Stromstärke können Hautschädigungen, Herzrhythmusstörungen oder Durchblutungsstörungen die Folge sein.

Wie funktioniert das Stangerbad?

Die Wirkung des Stangerbads geht auf das Zusammenspiel aus Wasser und galvanischen Strom zurück. Dabei liegen die Patienten in einer Wanne, welche mit acht Elektroden versehen ist. Eine Metallplatte befindet sich dabei jeweils am Kopf- und Fußende, an den Seiten sind jeweils drei weitere Platten abgebracht. Befindet sich auf jeder Seite nur eine Platte, ist auch die Rede von einem Vierzellenbad.

Beim Stangerbad kann die Stärke des Stroms individuell eingestellt und auf die Patientenbedürfnisse angepasst werden. © allexxandarx | Adobe Stock

Ob die Platten als Pluspol (Anode) oder Minuspol (Kathode) dienen, kann der Therapeut ebenso wie die Stromstärke individuell einstellen. So ist es möglich, die hydroelektrische Therapie an verschiedene Beschwerden anzupassen. Befindet sich die Kathode am Kopf, hat das Vollbad eine eher anregende Wirkung und kann den Muskeltonus erhöhen. Anders verhält es sich, wenn die Metallplatte am Kopf als Anode geschaltet wird: Dann hat das Stangerbad einen eher beruhigenden Effekt.

Der Patient muss beim Baden nach Stanger nichts tun, außer sich in die Wanne zu legen. Ein leichtes Kribbeln auf der Haut ist dabei eine eher unbedenkliche Reaktion. Schmerzen oder Hautirritationen sollten allerdings auf keinen Fall auftreten. Fühlen Sie sich unwohl, teilen Sie dies unverzüglich dem Behandelnden mit.

Individuelle Dosierung des Stangerbads

Beim Stangerbad wird mit geringen Stromstärken gearbeitet. Weil die Stromempfindlichkeit von Mensch zu Mensch sowie an verschiedenen Körperstellen unterschiedlich ist, richtet sich der Therapeut nach der individuellen Verträglichkeit der Behandlung: Er steigert langsam die Stromstärke, bis der Patient den Strom als leichtes Kribbeln wahrnimmt. Dann ist die sogenannte sensible Reizschwelle erreicht, die für die meisten Indikationen im Stangerbad ausreicht.

Eine Anwendung dauert etwa 10 bis 20 Minuten; die Wassertemperatur wird konstant bei 37 bis 38 Grad Celsius gehalten (bei wärmeempfindlichen Patienten um ein bis zwei Grad niedriger). Der Strom wird erst eingeschaltet, wenn sich der Patient einige Minuten an das Wasser gewöhnt hat.

Nach Beendigung der galvanischen Durchströmung gleicht sich die Verschiebung der Ionen in den Gewebsflüssigkeiten innerhalb etwa einer Stunde allmählich wieder aus.

Physik des Stangerbads im Detail

Wie genau wirkt der Strom beim Baden nun gesundheitsförderlich? Die Wirkung des Gleichstroms beruht auf der Tatsache, dass in sämtlichen Gewebsflüssigkeiten verschiedene chemische Verbindungen – Salze, Säuren und Basen – enthalten sind. Diese zerfallen in der wässrigen Lösung in kleine, freibewegliche, elektrisch geladene Teilchen (sogenannte Ionen), die dann in der Lage sind, elektrischen Strom zu leiten. Deshalb tragen die Gewebsflüssigkeiten auch den Namen Elektrolyte.

Führt man dem Körper nun Gleichstrom zu, beginnen die elektrisch geladenen Teilchen – die Ionen – innerhalb der Gewebsflüssigkeit zu wandern: Die positiv geladenen Teilchen (Kationen; zum Beispiel Natrium-Ionen) wandern zum Minuspol (also zur negativ geladenen Elektrode).

Die negativ geladenen Anionen (zum Beispiel Chlorid-Ionen) bewegen sich in den Gewebsflüssigkeiten in die entgegengesetzte Richtung, nämlich zum Pluspol (der Anode – der positiv geladenen Elektrode) hin.

Sobald die Ionen an der Hautoberfläche ankommen, treten sie in direkten Kontakt mit den Elektroden und verlieren dadurch ihre elektrische Ladung. Dabei verwandeln sie sich entweder in elektrisch neutrale Moleküle (zum Beispiel in Säuren oder Laugen) und werden auf der Hautoberfläche ausgeschieden, oder sie gehen mit anderen Molekülen neue Verbindungen ein.

Wenn die Elektroden, mit deren Hilfe dem Körper der elektrische Strom zugeleitet wird, direkt auf der Haut aufliegen (sogenannte Hautelektroden), können die direkt auf der Haut entstehenden Säuren oder Laugen zu Verätzungen führen. Beim Elektrobad kann dies jedoch nicht passieren: Hierbei befindet sich Wasser zwischen den Elektroden in der Wand der Badewanne und der Oberfläche des Körpers. Die Säuren und Laugen, in die sich die austretenden Ionen umwandeln, konzentrieren sich deshalb nicht auf der Haut. Dadurch besteht beim Elektrobad keine Gefahr von Hautverätzungen.

Diese Richtlinien gelten für ein Stangerbad

Medizinische Anwendungen mit Strom unterliegen in Deutschland strengen Regeln. Für das Stangerbad gelten die Leitlinien der Medizingeräteverordnung (MedGV), die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) der Berufsgenossenschaften, die Gewerbeordnung, die Vorschriften des TÜV und die entsprechende DIN-Norm.

Zudem muss auch die Wanne bestimmten Anforderungen genügen (beispielsweise GS Zeichen und CE Kennzeichnung). Eine weitere gesetzliche Rahmenbedingung: Die IEC 60601-1 Norm für medizinische Geräte. Sie regelt unter anderem, ob und wie ein Gerät, das zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird, stehen muss und ob der Standort aus Sicherheitsgründen zum Beispiel ein Fenster braucht.

Stangerbad: Elektrotherapieanwendung mit Geschichte

Die Anwendung ist nach Johannes und Heinrich Stanger benannt, die um die Jahrhundertwende diese Variante der Elektrotherapie entwickelten. Dabei war Heinrich Stanger eigentlich ein Gerbermeister und kein Arzt. Ihm kam allerdings die Idee, sein Gerbeverfahren mit Hilfe von Strom zu verbessern.

Der Vater – Johann Stanger – arbeitete mit diesem neuen Verfahren. Er litt unter Gicht, doch nach Gebrauch der neuen Gerbemethode verbesserte sich seine Erkrankung an den Händen und Ellenbogen. Heinrich verknüpfte die Genesung mit den hydroelektrischen Effekten und untersuchte auch andere Kranke. Nachdem sich auch hier Erfolge zeigten, ließ er sich das hydroelektrische Bad patentieren – bis heute trägt diese alternative Medizin den Namen Stangerbad.

Stangerbad: Hydroelektrisches Vollbad gegen Schmerzen und Verspannungen

Das Stangerbad stellt eine Behandlung dar, die sich durch die spezielle Kombination aus Strom und Wasser auszeichnet. In einer Wanne befestigte Metallplatten erzeugen dabei einen Gleichstrom, der über das Wasser in den Körper des Patienten geleitet wird. Die Stromstärke ist jedoch unbedenklich und sorgt lediglich dafür, dass bestimmte gesundheitsförderliche Prozesse in Gang gesetzt werden.

Ein positiver Nebeneffekt ist auch die Wärme des Wassers. Viele Patienten empfinden die Behandlung daher als sehr angenehm. Der Strom sorgt nur für ein leichtes Kribbeln auf der Haut – schmerzhaft sollte diese Behandlung nicht sein. Vorsicht ist allerdings geboten, wenn Sie einen Herzschrittmacher tragen oder andere Kontraindikationen auf Sie zutreffen.

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