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10 beliebte Verhütungsmittel für Frauen im Überblick

Ob hormonell, mechanisch oder natürlich: Frauen haben die Wahl zwischen verschiedenen Verhütungsmitteln - alle bieten Vor- und Nachteile. (Foto: Adobe Stock - methaphum)

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Bei allen Bemühungen um die Gleichbehandlung von Männern und Frauen: Verhütung ist für viele immer noch Frauensache ist. Es gibt unzählige Verhütungsmittel, mit denen Frauen sich davor schützen können schwanger zu werden – und die Wirkweise der verschiedenen Mittel ist ganz verschieden. So greifen einige ziemlich drastisch in den natürlichen Hormonhaushalt der Frau ein und verändern den Zyklus, andere wiederum funktionieren schonender, sind dafür jedoch etwas weniger sicher.

Die Sicherheit eines Verhütungsmittels ist ein entscheidender Faktor bei der Wahl

Im Dschungel der Verhütungsmittel verliert man schnell mal den Überblick. Schließlich gibt es ganz schön viele mit verschiedenen Nebenwirkungen und unterschiedlich hoher Wirksamkeit. Denn es ist nicht nur wichtig zu wissen, wie das Verhütungsmittel angewendet wird und welche Risiken und Nebenwirkungen zu erwarten sind, sondern auch welche Sicherheit das Verhütungsmittel bietet.

Aufschluss über die Sicherheit der verschiedenen Verhütungsmittel gibt der sogenannte Pearl-Index. Dieser Index gibt an, wie viele Frauen trotz der Einnahme oder Verwendung eines bestimmten Verhütungsmittels pro Jahr schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index eines Verhütungsmittels ist, desto sicherer ist es. Beim Pearl-Index wird immer von 100 Frauen ausgegangen und ein Pearl-Index von 1 bedeutet, dass eine von 100 Frauen im Jahr mit diesem Verhütungsmittel trotzdem schwanger wird. Bei einem Pearl-Index von 0,1 wird eine von 1.000 Frauen im Jahr trotzdem schwanger.

10 beliebte Verhütungsmittel für Frauen im Überblick

1. Antibabypille

Die Pille ist das beliebteste Verhütungsmittel bei Frauen. Laut einer Umfrage nehmen sie 55 Prozent aller Frauen (Quelle: statista.de). Sie gilt mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9 als sehr sicher (1 bis 9 von 1.000 Frauen werden pro Jahr trotz Pille schwanger). Durch die Kombination der Hormone Östrogen und Gestagen unterdrückt die Pille den Einsprung und beeinflusst den gesamten Zyklus der Frau. Dass die Pille versagt, liegt häufig an Anwendungsfehlern. So bestehen Wechselwirkungen der Pille mit anderen Medikamenten wie zum Beispiel Antibiotika. Auch Durchfall oder Erbrechen können die Wirksamkeit der Pille stark einschränken. Darüber hinaus sollte sie jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit eingenommen werden.

Richtig eingenommen gilt sie als eines der sichersten Verhütungsmittel. Sie hat jedoch auch Nebenwirkungen, da sie auf den natürlichen Hormonhaushalt einwirkt. Depressionen und mangelnde Lust auf Sex können unter Umständen die Folge sein. Es gibt verschiedene Arten der Pille wie zum Beispiel die Mikropille, die Minipille und die Zweiphasenpille. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung der Hormone, die Wirkung ist aber bei allen dieselbe.

Immer mehr Frauen entfernen sich von der hormonellen Verhütung, da sie ihren natürlichen Zyklus spüren wollen und nicht mehr durch künstliche Hormone beeinflusst sein möchten. Während die Pille jahrzehntelang ganz selbstverständlich verschrieben und eingenommen wurde, steht sie mehr und mehr auf dem Prüfstand und viele Frauen suchen nach Alternativen.

2. Hormonstäbchen/Hormonimplantat

Das Hormonstäbchen beziehungsweise -implantat ist eine Langzeitverhütungsmethode und mit einem Pearl-Index von 0,05 sehr sicher. Die Anwendungsfehler, die bei der Pille passieren können, entfallen beim Hormonstäbchen. Es wird unter die Haut gepflanzt und verbleibt dort dann für drei Jahre.

Das Stäbchen ist 4 Zentimeter lang und 2 Millimeter dünn und wird unter örtlicher Betäubung in den Oberarm eingesetzt. Es enthält das Gelbkörperhormon Gestagen, was über die gesamte Zeit freigesetzt wird. Es unterdrückt den Eisprung und verdickt den Schleim am Muttermund, sodass sich keine Eizelle dort einnisten kann. Die Nebenwirkungen sind dieselben wie bei der Pille, da das Stäbchen in den natürlichen Hormonhaushalt eingreift.

3. Hormonspirale

Die Hormonspirale wird vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingesetzt und ist mit einem Pearl-Index von 0,2 bis 0,4 sehr sicher. Im Unterschied zu anderen hormonellen Verhütungsmitteln wirken die Hormone, die in der Spirale enthalten sind, nur in der Gebärmutter. Der natürliche Zyklus bleibt dadurch erhalten und der Körper wird nicht so stark mit Hormonen belastet wie zum Beispiel bei der Pille. Anwendungsfehler bleiben aus, auch bei Magen-Darm-Erkrankungen wirkt die Hormonspirale. Die Spirale kann drei bis fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben und kommt ohne Östrogene aus. Nur Gestagene werden abgegeben, die den Schleim so verdicken, dass keine Einnistung stattfinden kann.

4. Hormonring

Der Hormonring, auch als Vaginal- oder Verhütungsring bekannt ist, hat einen Pearl-Index von 0,4 bis 0,65 und ist damit ebenfalls sehr sicher. Er wird mit dem ersten Tag der Regel eingesetzt, wird dann nach 21 Tagen wieder entfernt. Nach sieben Tagen Pause, in denen eine Blutung erfolgt, kommt ein neuer Ring zum Einsatz. Magen-Darm-Erkrankungen haben auch in diesem Fall keinen Einfluss und das notwendige Erinnern an die tägliche Einnahme wie bei der Pille entfällt. Die Nebenwirkungen des Hormonrings sind der Eingriff in den Hormonhaushalt und der damit verbundene Hang zu Depressionen, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Libido-Verlust, Stimmungsschwankungen und vielem mehr. Zwar sind die Hormone des Rings niedriger dosiert als bei der Pille, dennoch unterdrücken sie den Eisprung und greifen in den natürlichen Zyklus ein.

5. Verhütungspflaster

Wie ein normales Pflaster wird das Verhütungspflaster auf die Haut geklebt und gibt dann Hormone ab, die den Eisprung verhindern und den Gebärmutterschleim verdicken. Das Pflaster muss jede Woche gewechselt werden und nach drei Pflastern erfolgt eine pflasterfreie Woche, in der es zur Monatsblutung kommt. Der Pearl-Index des Hormonpflasters liegt bei 0,7 bis 0,9. Eine eingeschränkte Wirkung kann von Anwendungsfehlern kommen, die bei dem Pflaster nicht ungewöhnlich sind.

Zwar kann das Pflaster eigentlich auch in der Sauna oder im Schwimmbad getragen werden, dennoch kann es sich ablösen oder nicht so fest auf der Haut sitzen wie es soll. Ist das Pflaster länger als 24 Stunden nicht fest auf der Haut gewesen, ist die Wirksamkeit nicht mehr garantiert und es muss zusätzlich mit Kondom verhütet sowie ein neues Pflaster verwendet werden. Die Nebenwirkungen dieses hormonellen Verhütungsmittels sind dieselben wie bei der Pille oder dem Hormonstäbchen.

6. Dreimonatsspritze

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Die Dreimonatsspritze ist ebenfalls ein hormonelles Verhütungsmittel und nach der Injektion der Hormone sind Frauen drei Monate lang geschützt. Der Pearl-Index liegt bei 0,3 bis 1,4. Besonders für Frauen, die Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt haben oder die nicht an die tägliche Einnahme einer Pille denken wollen, eignet sich die Spritze. Sie ist aber immer mit dem Gang zum Frauenarzt verbunden, der das neue Hormondepot in den Körper spritzt und hat dadrüber hinaus dieselben Nebenwirkungen wie andere hormonelle Verhütungsmittel.

7. Diaphragma

Das Diaphragma ist ein mechanisches Verhütungsmittel und hat einen Pearl-Index von 1 bis 20. Die Sicherheit hängt sehr stark von der Anwendung ab. Ein Diaphragma wird vor den Muttermund gesetzt und soll dort verhindern, dass Spermien in die Gebärmutter gelangen. Am besten wird es noch mit einem Gel eingerieben, das Spermien abtötet.

Das Einsetzen erfordert Übung und das Diaphragma ist nichts für spontanen Sex, da es etwa eine halbe Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingesetzt werden sollte. Auch nach dem Verkehr sollte es noch mindestens acht Stunden in der Scheide verbleiben, was die Anwendung etwas umständlich macht. Dafür wirken keine Hormone auf den Körper ein und der natürliche Zyklus wird nicht beeinflusst.

8. Kupferspirale/Kupferkette

Die Kupferkette wird vom Frauenarzt in die Gebärmutterwand eingeknotet und hat einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,3. Das Kupfer in der Gebärmutter löst eine nicht bakterielle Entzündungsreaktion aus, was den Schleim in der Gebärmutter so verdickt, dass sich keine Eizelle einnisten kann. Auch lähmt das Kupfer Spermien und sorgt dafür, dass diese gar nicht erst in die Gebärmutter durchkommen.

Die Kupferspirale wirkt genauso, wird aber nicht eingeknotet, sondern in die Gebärmutter eingelegt. Durch zwei Ärmchen wird sie in der Gebärmutter in Position gehalten und kann dort wie auch die Kette für vier bis fünf Jahre verbleiben. Der Pearl-Index der Kupferspirale ist etwas schlechter als bei der Kupferkette und liegt bei 0,3 bis 0,8. Der Grund dafür ist, dass die Spirale eher verrutschen oder sogar unbemerkt rausrutschen kann, was aber sehr selten ist.

Der Vorteil dieser Verhütungsmethode ist, dass Frauen über viele Jahre nicht über das Thema Verhütung nachdenken müssen und darüber hinaus keinen hormonellen Eingriff in ihren Zyklus haben. Der natürliche Hormonhaushalt wird nicht durcheinandergebracht und die Nebenwirkungen entfallen. Dafür ist das Einsetzen der Kette oder Spirale sehr schmerzhaft und nicht jeder Frau gefällt der Gedanke eines dauerhaften Fremdkörpers in der Gebärmutter. Gerade die Spirale spüren einige Frauen und empfinden das als unangenehm.

9. Temperaturmethode

Frauen, die keine Lust auf das Einsetzen oder die Einnahme eines hormonellen oder mechanischen (Kupferkette/-spirale) Verhütungsmittels haben, können sich für die Temperaturmethode entscheiden. Diese Methode ist sehr natürlich. Es geht darum, die fruchtbaren und nicht-fruchtbaren Tage anhand der eigenen Körpertemperatur zu ermitteln. Der Pearl-Index dieser Methode liegt bei 0,8 bis 3, wodurch sie als nicht besonders sicher gilt.

Wichtig ist eine sehr genaue Anwendung dieser Methode und das Messen der Körpertemperatur zur selben Uhrzeit jeden Morgen, da diese an den unfruchtbaren Tagen leicht ansteigt. Faktoren wie ein unregelmäßiger Schlafrhythmus, Alkohol oder Krankheit können das Ergebnis verfälschen. An den fruchtbaren Tagen muss zusätzlich mit Kondom oder einem Diaphragma verhütet oder auf Sex verzichtet werden.

10. Zervixschleim-Methode

Die Zervixschleim-Methode ist auch als Billings-Methode bekannt. Alleine angewendet liegt ihr Pearl-Index bei 3 bis 5, was sie zu einer wenig sicheren Verhütungsmethode macht. Bei dieser Methode wird täglich der Gebärmutterschleim überprüft, der aus dem Muttermund austritt. Rund um den Eisprung verändert sich dieser Schleim, er wird von zähflüssig und milchig immer klarer, was für die fruchtbaren Tage vor dem Eisprung spricht. Nach dem Eisprung wird er wieder zäher.

Positiv ist, dass auch bei dieser Verhütungsmethode kein hormoneller oder mechanischer Einfluss auf den Körper genommen wird. Dafür ist sie sehr anfällig für Fehlinterpretationen. Scheideninfektionen können die Schleimkonsistenz beeinflussen und die alleinige Anwendung dieser Methode ist riskant. In Kombination mit der Temperaturmethode kann sie aber eine höhere Sicherheit bieten und ist eine sehr natürliche Variante, bei der Frauen ihren Körper gut kennenlernen.

Sterilisation: Nur für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung geeignet

Ein weitere Option zur Verhütung ist natürlich eine Sterilisation. Bei der Sterilisation werden die Eileiter abgeklemmt oder durchtrennt. Der Pearl Index dieser Methode liegt bei 0 bis 0,5. Eine Sterilisation sollte gut überlegt werden, da sie nur schwer rückgängig gemacht werden kann. Sie ist für Frauen, die noch Kinder bekommen wollen, keine Option. Nur wer wirklich mit der Familienplanung abgeschlossen hat oder sich zu 100 Prozent sicher ist, dass er keine (weiteren) Kinder will, sollte eine Sterilisation durchführen lassen. Positiv ist, dass sich die Sterilisation nicht auf den Hormonhaushalt auswirkt und nach dem Eingriff keine Gedanken mehr an das Thema Verhütung verschwendet werden müssen.

Die richtige Anwendung ist das A und O bei den verschiedenen Verhütungsmitteln für die Frau

Entscheidend bei der Sicherheit vieler Verhütungsmittel ist die Anwendung. So muss die Pille regelmäßig eingenommen werden, der Vaginalring muss am richtigen Tag getauscht werden und auch der Sitz einer Spirale sollte regelmäßig überprüft werden. Verhütungsmittel wie das Diaphragma erfordern einiges an Übung, um richtig zu sitzen und sicher zu wirken.

Der Frauenarzt berät gerne zum optimalen Verhütungsmittel

Jede Frau hat verschiedene Präferenzen und einen ganz individuellen Körper. So können manche Frauen aus medizinischen Gründen nicht hormonell verhüten, andere können sich aus organischen Gründen keine Spirale oder Kupferkette in die Gebärmutter einsetzen lassen. Ein Beratungsgespräch mit dem Frauenarzt gibt Aufschluss darüber, welches das beste Verhütungsmittel ist.

Selbstverständlich können auch verschiedene Verhütungsvarianten ausprobiert werden. Wenn Frauen merken, dass sie sich beispielsweise mit der Pille nicht wohlfühlen, können sie auf die Spirale oder den Vaginalring wechseln. Wer das Thema Verhütung ganz natürlich angehen möchte, hat grundsätzlich ein etwas höheres Risiko, dafür aber keinen Eingriff in die natürliche Funktionsweise des Körpers.

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