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Gelsemium: Homöopathie bei Ängsten und grippalen Infekten

Gelsemium nimmt man gegen Ängste und hohe Fieber an. Alle Anwendungsgebiete von Gelsemium und wichtige Vorsichtsmaßnahmen finden Sie hier. (Foto: crystalseye – Adobe Stock)

Inhalt
Inhaltsverzeichnis

Wilder Jasmin ist wegen seiner leuchtend gelben Blüten vor allem als Zierpflanze bekannt. Doch Gelsemium sempervirens – so der botanische Name der Pflanze – erfreut sich auch in der Alternativen Medizin großer Beliebtheit. Homöopathische Aufbereitungen von Gelsemium kommen dabei sowohl bei psychischen Beschwerden wie Ängsten als auch bei akuten Zeichen einer Erkältung, beispielsweise bei Fieber oder Kopfschmerzen zum Einsatz. Alle Anwendungsgebiete von Gelsemium und wichtige Vorsichtsmaßnahmen finden Sie hier.

Steckbrief: Gelsemium sempervirens auf einen Blick

  • Wilder Jasmin (Gelsemium sempervirens): Pflanzenart aus der Familie der Gelsemiaceae (Brechnussgewächse) mit vielzähligen homöopathisch Anwendungsgebieten
  • Heilwirkung: Gelsemium-Extrakte können angstlösend, entzündungshemmend, immun-modulierend und schmerzstillend wirken, besitzen aber auch toxische Effekte
  • Einnahme: hauptsächlich in Form der homöopathischen Globuli, selten als Tropfen
  • Einsatzgebiete: bei psychischen Beschwerden wie Ängsten oder Schreck, aber auch bei grippalen Infekten mit Fieber und Kopfschmerzen
  • Inhaltsstoffe: Pflanzenextrakte enthalten u. a. ätherische Öle und besondere Alkaloide

Was ist Gelsemium?

Gelsemium bezeichnet einerseits die Pflanze Gelsemium sempervirens (auch Wilder Jasmin oder Carolina-Jasmin) und andererseits das homöopathische Mittel, welches aus der Gelsemium-Wurzel gewonnen wird.

Meist verarbeiten Homöopathen die Wurzel von Gelsemium sempervirens zu Globuli, seltener auch zu Tropfen. In diesen Präparaten liegen schließlich nur noch geringe Wirkstoffmengen vor. Dies ist auch dringend erforderlich, denn Gelsemium sempervirens ist in höheren Dosen giftig. Das enthaltene Nervengift kann atmungs- und muskellähmend wirken.

Interessanterweise scheinen genau jene Inhaltsstoffe, die Gelsemium giftig machen, auch gleichzeitig potenziell gesundheitsförderliche Effekte zu besitzen. Hoch verdünnt (potenziert) setzen Homöopathen Wilden Jasmin daher bei einer Vielzahl psychischer als auch körperlicher Beschwerden ein. Auch in Traditionellen Chinesischen Medizin und anderen Formen der alternativen Medizin findet Gelsemium sempervirens als Arzneipflanze Verwendung.

Was sind die Anwendungsgebiete von Gelsemium in der Homöopathie?

Dem homöopathischen Gelsemium werden sowohl Wirkungen auf die Psyche als auch auf den Körper nachgesagt. Sei es Prüfungsangst oder ein grippaler Infekt mit Fieber – Gelsemium Globuli können akute Beschwerden eindämmen.

Wirkung von Gelsemium auf die Psyche

Gelsemium soll vor allem bei verschiedenen Ängsten lindernd wirken. Anwendern zufolge schwächen Gelsemium Globuli nicht nur Symptome der Prüfungsangst ab. Arzneimittel aus der Pflanze bieten laut der Erfahrungsheilkunde auch Erleichterung bei Lampenfieber oder Angst vor dem Zahnarzt.

Begleitend treten hierbei oft Zittern, Schwindel, Durchfall, Schwäche, Nervenschwäche oder nervöser Erregung auf. Das alles soll sich mit Gelsemium eindämmen lassen. Auch infolge von Schock oder Schreck können sich diese Anzeichen (Symptome) der Angst einstellen. Daher raten Homöopathen und Heilpraktiker auch in diesen Fällen zu Gelsemium.

Achtung: Aufgrund der hohen Giftigkeit des Wilden Jasmins ist Gelsemium bis einschließlich der Potenz D3 rezeptpflichtig.

Gelsemium als Akutmittel bei Infekten, Fieber und Schmerzen

Gelsemium-Globuli sind auch beliebte homöopathische Mittel zur Behandlung von grippalen Infekten. Sei es eine durchwachsene Grippe mit Fieber, Gliederschmerzen und Zerschlagenheitsgefühlen oder ein grippaler Infekt mit Schwindel, schweren Augenlidern, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Durstlosigkeit: Gelsemium soll Erfahrungen zufolge symptommildernd wirken. Teilweise setzen Anwender sogar bei Migräne auf die homöopathische Anwendung von Gelsemium sempervirens.

Achtung: Die Selbstbehandlung mit dem homöopathischen Gelsemium gilt es mit bereits bestehenden Behandlungsmaßnahmen abzustimmen – vor allem wenn schon Medikamente eingenommen werden. Brechen Sie eine schulmedizinische Behandlung nicht einfach ab. Wenden Sie sich im Zweifel an einen Arzt oder Apotheker und lassen Sie sich umfassend zu einer gewinnbringenden komplementären Behandlung beraten.

Bei welchen Beschwerden ist Gelsemium zu empfehlen?

Um in der Selbstbehandlung zum passenden Homöopathikum zu greifen, bietet sich ein Blick in das jeweils typische Beschwerdebild an. Gelsemium-Globuli beispielsweise sind vor allem dann das Mittel der Wahl, wenn Nervosität mit Durchfall oder Durstlosigkeit bei Fieber vorliegen.

Es gibt in der Homöopathie immer mehr als nur ein mögliches Präparat. Neben Gelsemium sind beispielswiese Acontium und Belladonna ebenfalls wichtige Grippemittel. Als Entscheidungshilfe definieren Homöopathen daher sogenannte Arzneimittelbilder mit typischen Symptomen, bei denen ein Präparat empfohlen wird. Demnach bietet sich Gelsemium besonders dann an, wenn trotz Fieber eine gewisse Durstlosigkeit besteht. Darüber hinaus hat sich Gelsemium – gegenüber anderen Mitteln – besonders bei folgenden Leitsymptomen bewährt:

  • zittrige Schwäche
  • Durstlosigkeit trotz Fieber und Schwitzen
  • Frostschauer, die den Rücken hinunterlaufen
  • Durchfall nach Prüfungen
  • Durchfall bei Erregung und Angst
  • Wunsch nach Alleinsein
  • Schläfrigkeit mit herabfallenden Augenlidern
  • dumpfe und pulsierende Schmerzen
  • Schmerzen steigen vom Nacken zu den Augen auf
  • Häufig gleichzeitig Sehstörungen wie verschwommenes Sehen

Außerdem legen Homöopathen eine Eignung von Gelsemium nahe, wenn sich eine Besserung entsprechender Leitsymptome durch frische Luft, Wasserlassen und Stimulantien (Alkohol, Kaffee) einstellt. Komplementär dazu soll eine Verschlechterung der Beschwerden durch Hitze, Schwüle, Rauchen, Aufregung, Stress und Denken an die Beschwerden auch einen Nutzen von Gelsemium anzeigen.

Aber Achtung: Gelsemium ist eine Giftpflanze und darf niemals unverdünnt eingenommen werden. Es drohen ernstzunehmende Vergiftungen!

 

Frau mit Fieberthermometer und Taschentüchern im Bett
Gelsemium ist bei einer Grippe sehr wirksam, besonders wenn Durstlosigkeit und Erschöpfung  bei Fieber auftreten. © Fotowerk - Fotolia

Welche Anwendungsgebiete von Gelsemium sind wissenschaftlich bestätigt?

Häufig stützt sich die Homöpathie vor allem auf Erfahrungsberichte. Bei Gelsemium legen auch wissenschaftliche Studien einen gesundheitlichen Mehrwert von Aufbereitungen der Pflanze nahe.

In der passenden Dosierung kann Wilder Jasmin sowohl bei verschiedenen psychischen als auch bei körperlichen Beschwerden Abhilfe verschaffen. So gibt es Studien, die eine günstige Wirkung von Gelsemium sempervirens auf die Psyche belegen. Dabei handelt es sich um mehrere Laborexperimente mit Mäusen, bei denen sich angstlösende Effekte des Wilden Jasmins zeigten – und zwar unabhängig davon, welche Potenzen verabreicht wurden.

Auch für die körperlichen Anwendungsgebiete von Gelsemium sempervirens liegt eine gewisse wissenschaftliche Absicherung vor. So sollen sich mit Aufbereitungen der Pflanze nicht nur Stress und Angst behandeln lassen, sondern auch Wunden, Schmerzen und oxidativen Stress sind bei Versuchstieren infolge der Behandlung mit Gelsemium abgeklungen. Niedrige Dosen des Extrakts oder hohe homöopathische Potenzen sollen dabei die besten Effekte erzielt haben.

Achtung: Bei all diesen Untersuchungen weisen Forscher immer wieder auf das verhältnismäßig kleine therapeutische Fenster von Gelsemium hin. Das bedeutet, dass es nur einen relativ schmalen Bereich gibt, in dem die Wirkstoffkonzentration hoch genug ist, damit sich überhaupt eine Wirkung einstellt, aber gleichzeitig gering genug ist, um keine neurotoxischen Nebenwirkungen zu provozieren. Wurden in den Studien höhere Dosen verabreicht, so kam es zu Schwäche, Kreislauf-Problemen und Krämpfen. Diese unerwünschten Begleiterscheinungen sind bei homöopathischen Präparaten sehr unwahrscheinlich. Dennoch gilt auch dort erhöhte Vorsicht.

Wie wirkt Gelsemium auf Körper und Nervensystem des Menschen?

Das Mittel hat seine Hauptwirkung auf das Nervensystem und das Gehirn. Dort kann es beispielswiese die Schmerzweiterleitung behindern und auf dem Wege schmerzlindernd wirken.

Folgende Wirkungen haben Forscher für die Inhaltsstoffe von Gelsemium sempervirens nachgewiesen:

  • angstlösend
  • antioxidativ
  • entzündungshemmend
  • immun-modulierend
  • schmerzstillend

Die Vielzahl an Wirkungen lässt auch zahlreiche Wirkstoffe vermuten. Doch ist dies auch tatsächlich der Fall?

Welchen Inhaltsstoffen hat Gelsemium seine Wirkung zu verdanken?

Gelsemium smpervirens enthält vor allem ätherische Öle und verschiedene Alkaloide. Interessanterweise führen Forscher sowohl giftige als auch potenziell gesundheitsförderliche Effekte von Gelsemium auf die enthaltenen Alkaloide zurück.

Der Wilde Jasmin enthält über 200 Inhaltsstoffe. Die wichtigsten sind:

  • Alkaloide (wie Gelsemine, Sempervirine, Kumine)
  • ätherische Öle
  • Iridoide und
  • Stärke

Von den 200 Inhaltsstoffe machen Alkaloide mit einer Zahl von mindestens 120 den größten Anteil aus. Sie lassen sich sowohl mit der giftigen als auch mit der therapeutischen Wirkung von Gelsemium in Verbindung bringen. Zu geringe Dosen führen dabei keinerlei Wirkung herbei. Mittlere Dosen haben das Potenzial günstig auf die Gesundheit zu wirken und zu hohe Dosen wirken schließlich toxisch auf das Nervensystem.

Wissenswert: Bis heute ist noch nicht genau geklärt, welche Dosen hierbei Grenzwerte darstellen und welche Wirkmechanismen je Wirkungsphase verantwortlich sind. Für eine Anwendung größerer Breite und Sicherheit müssen diese Fragen vorab beantwortet werden. Bis dahin werden Expertengremien wie die Kommission E der Bundesregierung weiterhin von Gelsemium als pflanzliches Arzneimittel abraten.

Wie wendet man Gelsemium in der Homöopathie an?

Da in Gelsemium-Tropfen und Extrakten potenziell giftige Wirkstoffe zu hoch dosiert vorliegen, sind Gelsmeium-Globuli die beliebteste Darreichungsform. Die Globuli erhalten Sie auf Rezept in der Apotheke.

Bei der Einnahme gilt es – wenn nicht anders verordnet – die Hinweise auf der Packungsbeilage zu befolgen. Nicht nur die Dosierung, sondern auch die Dauer der Einnahme werden dort spezifiziert. Sie unterscheiden sich je nachdem, ob sie niedrige Potenzen wie Gelsemium D3, mittlere Potenzen wie C30 oder die hohe C200 Potenz verschrieben bekommen haben.

Was gilt es bei der Einnahme des homöopathischen Gelsemium zu beachten?

Homöopathische Mittel sind dafür bekannt, wenige Nebenwirkungen zu haben. Bei der Einhaltung der Hinweise zur Anwendung, Dosierung und Einnahmedauer sind für Gelsemium daher keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt. Dasselbe gilt für Gegenanzeigen und Wechselwirkungen.

Es kann dennoch in sehr seltenen Fällen dazu kommen, dass sich die Leitsymptome nach Behandlungsbeginn verschlechtern (Erstverschlimmerung). In diesem Fall sollte die Einnahme von Gelsemium abgebrochen werden. Ansonsten lassen Sie die Behandlung mit dem Homöopathikum mit dem Abklingen der Symptome ausschleichen. Dauern die Beschwerden (vor allem Grippe-Symptome) hingegen länger als zwei Wochen an, so sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Fazit: Gelsemium – giftig und zugleich wirkungsvoll

Der Wilde Jasmin (Gelsemium sempervirens) gilt in großen Mengen als giftig. Seine Inhaltsstoffe sollen aber auch schmerzstillend, entzündungshemmend, antioxidativ und angstlösend wirken. Daher kommt Gelsenium in verdünnter Form als alternatives Heilmittel bei grippalen Infekten mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen aber auch bei Beschwerden der Psyche (z. B. Prüfungsangst, Zittern) zum Einsatz. Sowohl Erfahrungsberichte mit Gelsemium als auch vereinzelte Studien legen die therapeutische Nutzung des Wilden Jasmins nahe. Aufgrund möglicher toxischer Wirkungen auf das Nervensystem ist aber auch beim verdünnten homöopathischen Gelsemium Vorsicht geboten.

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